5.Die gute alte Zeit von 1890 bis 1914.

Will man die gute, alte Zeit ein kleinwenig beschreiben, so muss man eigentlich im Jahre 1871 also nach dem Deutsch - Französischen Krieg beginnen. Sie dauerte rund 43 Jahre und etliche Tage, also nicht einmal ein halbes Jahrhundert. Die Zeit vorher war eigentlich überhaupt nur eine Zeit des Dahinvegetierens. Von einer ärztlichen Betreuung, von sozialen Hilfsorganisationseinrichtungen und dergleichen kann überhaupt keine Rede sein. Der Lebensstandard war gleich Null. In rauchigen, verrußten Wohnungen hausten die Menschen, die sogenannten Küchen waren eigentlich nur halbkreisrunde Gewölbe, wo der Kamin, beziehungsweise Rauchfang drauf ruhte.
Diese Kamine und Gewölbe waren von einer schwarzglänzenden Pechschicht überzogen und wenn Föhnwetter und Regenwetter eintrat, dann tropfte dieses Pech und man sagte: Heut tropft der Schlot, es schlagt's Wetter um.

Doch von 1871 ab wurde es allmählich besser. Freilich lautete die Devise auch später noch: D' Schulden und Gotteswort bleibt ewig. Warum, weil vorerst keine Aussicht bestand, jemals von Schulden frei zu werden. Mit fast jeder Anwesensübergabe musste der Sohn vom Vater eine schwere Schuldenlast an Hypotheken- und Kurentschulden übernehmen. Diese Kurentschulden bezeichnete man so, weil sie von privaten Geldgebern entliehen wurden oder weil der Schuldner seine Schmiede- Wagner- oder Kramladenrechnungen nicht bezahlen konnte und der Hypothekengläubiger nicht mehr Willens war, nach der dritten und vierten Hypothek auch noch eine fünfte zu gewähren.

Worin bestand nun aber die gute, alte Zeit? oder warum nannte man sie so, wenn doch nichts Gutes an ihr war. Der Ausdruck gute, alte Zeit kommt daher, weil die Menschheit immerhin einige Jahrzehnte im Frieden leben konnten, ohne befürchten zu müssen dauernd jeglicher Art von Überraschungen ausgesetzt zu sein. In dieser Zeit setzte aber auch allmählich die Landflucht ein. Vom Jahre 1900 - 1905 gab es keine Dienstbotennot auf dem Lande. Obwohl damals die Arbeitsbedingungen sehr, sehr hart waren. Es musste alles mit der Sense gemäht werden, das heißt, in der Früh um 2,00 Uhr hieß es aufstehen, um rechtzeitig auf der Wiese zu sein, so dass, bevor der Tau von der Sonne aufgezehrt war, man die nötige Fläche schon abgemäht hatte. War der Tau schon fort, dann ging es nochmal so hart. Es musste bei der Getreideernte alles mit der Sichel geschnitten werden und nur das wenigste vom Sommergetreide konnte mit dem sogenannten Haberrechen gemäht werden. Warum aber konnte dann das Getreide nicht gemäht werden? Weil es damals nur Holzpflüge gab, sogenannte Bifangpflüge, mit diesen Pflügen konnte man kein Breitbeet ackern, also nur Bifänge, so wie's heute noch bei Kartoffeln und teilweise auch noch bei Pflanzrunkelrüben üblich ist. Auch erst um die Jahrhundertwende kamen allmählich die Breitbeetpflüge auf. Diese hatten zunächst so propellerartig, verdrehte Streichbleche. Die Grindel und die Rister (Handhabe) waren aber noch aus Holz und die Wagnermeister und Schmieden hatten damals alle Hände voll zu tun, um den laufenden Bedarf zu decken. War es nun glücklich soweit, dass die ersten Garben von der neuen Ernte daheim waren und war das Mittagessen noch nicht fertig, hieß es, wenn die Knechte und die Mägde vom Feld heimkamen: Drescht ma' g'schwind a' Stroh, (darunter war zu verstehen so viele Garben, als auf der Stadeltenne ausgebreitet werden konnten) das verstand man unter : „a Stroh“. Niemand sorgte dafür, dass die Suppe auch dampfend auf den Tisch kam, oft war sie schon ganz kalt und mehr als ein dutzend Fliegen lagen drin, tot und ausgelaugt. Allerdings gab es auch Bäuerinnen welche auch in dieser Sache Ordnung hielten und auf die Arbeiter schauten, sie also mütterlich betreuten. Bei diesen Bauern blieben auch die Dienstboten jahrelang. Es waren sehr seltene Ausnahmen wenn man nicht Vortags aufstehen musste. Alles musste mit der Drischel gedroschen werden, während der Futterzeit mussten die Knechte Strohbänder machen für die nächste Ernte, tagsüber wenn die Knechte beim ackern waren, musste nebenbei von den Bauernkindern die Tenne aufgeputzt werden, das heißt, mit der alten Windfege das Getreide geputzt werden. Alle Kartoffeln wurden mit der Mistgabel ausgestochen, waren die eigenen Kinder noch nicht groß genug, dann wurde der Einfachheithalber nach Feierabend, nach dem Füttern aufgeräumt, was oft bis 11.00 Uhr auf'd Nacht dauerte. War nun glücklich ausgedroschen und nebenbei die benötigten Strohbänder fertig, musste der oder die Knechte mit dem Strohstuhl das Stroh zu Raufutter, zu Halm schneiden, die Mägde Flachsbrechen, spinnen und dergleichen und am nächsten Morgen ging's wieder weiter. In der Regel hatte man nur drei, höchstens vier Stunden Zeit zum schlafen. Alle  Bauernknechte welche es, wie schon erwähnt, um die Jahrhundertwende wagten in die Stadt zu gehen, kamen nicht um die Zeit von Kirchweih oder Allerheiligen heim, sie trugen einen Stehkragen und steife Manschetten und eine Gummibrust dazu, redeten schon einen ganz anderen Dialekt und wurden ringsherum bestaunt. Die ehemalige Lederhose, die geblümte Weste mit den Silberknöpfen und die Zischmenstiefel, auch Faltstiefel mit den Lackschäften gemacht, waren als altmodisch abgetan. Man trug eine lange Montur und spitze Schnabelschuhe und wusste allerhand interessante Dinge zu erzählen. Freilich das war nun was anderes, als das ewige Montagsaufstehn und der magere Lohn dafür, das könnte man auch einmal probieren. Auf diese Weise wanderten alljährlich eine nicht geringe Zahl landwirtschaftlicher Arbeitskräfte in die Städte ab.
Die klug kalkulierende und rechnende Industrie zog ihre Konsequenzen daraus, baute zunächst Göpelwerke als Antriebskraft für Dreschmaschinen, baute auch Handdreschmaschinen mit welchen man immerhin auch schon einen halben Schober, das sind 30 Garben in einer Stunde dreschen konnte, auch wurden Häckselmaschinen gebaut und die alten Strohstühle, auch Pumps genannt, konnten zum alten Holz geworfen werden. Die Häckselmaschinen wurden mit Göpeln angetrieben und in einigen Stunden war soviel geschnitten, wie in einer ganzen Woche mit dem Pumps. So fing die Industrialisierung der Landwirtschaft an.
Als dann in den 20ziger Jahren unseres jetzigen Jahrhunderts zunächst die Benzin- und Dieselmotoren in der Landwirtschaft bei den größeren Bauern und Landwirten eingeführt wurden, war das schon eine enorme Erleichterung im landwirtschaftlichen Arbeitsablauf. Das ewige Vortagsaufstehn war nimmer notwendig. Was vordem in einer ganzen Woche Vortagsarbeit gedroschen werden konnte, war mühelos an einem Tag möglich und wenn man einen Tag Häcksel schnitt, war schließlich mehr getan, als in vier Wochen, mit dem Pumps möglich war. Als dann auch die mit Pferden bespannten Mähmaschinen aufkamen, ja da konnten die Bauern nicht genug Sprüche machen, wos des gescheit's is, a' so a' Mähmaschi. Wos de kost hot, des daspoat ma scho an da Mahsupp'n, das heißt, was diese Maschine kostet, das erspart man halt an der Mähsuppenbrotzeit und an Lohn für die Mahder. Jetzt brauchte man auch nicht mehr um 2.00 Uhr früh auf der Wiese das Mähen anfangen, jetzt war es so weit, dass auch der Bauersmann ein kleinwenig ausschnaufen konnte. Ausschnaufen, oje da fehlte es noch weit, warum, weil inzwischen die Landflucht immer spürbarer wurde und selbst die Bauernkinder davon befallen und angesteckt wurden.
In der guten, alten Zeit waren es sehr selten Ausnahmen, dass ein Austrägler (ein alter Bauer oder Landwirt, der im Austragsstüberl lebte) eine Rente, das heißt, monatlich wiederkehrende Zahlungen aus sozialen Leistungen früheren Versicherungsbeiträgen vom Staat erhielt. Auf einmal aber erkannte man die Notwendigkeit einer sicheren Altersversorgung durch staatliche Versicherungsträger. Diese sichere Altersversorgung war bestimmt auch Schuld an der zur Genüge erwähnten Landflucht. Dazu brauchte man nicht immer in Angst und Sorge vor eventuell plötzlich auftretender Krankheit sein, man war ja zugleich auch krankenversichert. Als wir im Jahre 1919 heirateten, schloss ich sofort auch eine Familienversicherung mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Riedenburg ab und wir, das heißt, Mutter (meine Frau) und ich waren versichert, was sich auch in der Folgezeit ganz hervorragend bewährte. Nicht etwa, weil man wegen jeder Kleinigkeit einen Arzt bemühen wollte, sondern weil man eben beruflich in die Zukunft schauen konnte.
Im Jahre 1874 wurde vom Reichstag und vom Reichsrat die Markwährung beschlossen. Bis zum Ende dieses Jahres war aber noch die Guldenwährung gültig. Die Guldenwährung hatte die sechziger Teilung, also 60 Kreuzer war ein Gulden, 30 Kreuzer ein Halber und 20 Kreuzer eben 1/3 Gulden und so weiter. Es gab also damals Guldenstücke, Halbgülderer, 20 Batzen und Kreuzer und dazu die Siemerl. Diese Siemerl waren wieder ein Zwischending von sieben Kreuzern und man konnte es nur ab und zu brauchen, aber sie waren eben auch da, denn manche Ware kostete eben ein Siemerl. Mancher Steuerzahler brachte nun auch zur Begleichung seiner Steuerschuld mehrere solcher Siemerl mit und da gab's manchmal längere Berechnungen und komplizierte dazu. Dieses mag die hauptsächliche Ursache auf die Umstellung auf Markwährung gewesen sein. Die Mark war hundert Pfennig, war also leicht in jede beliebige Zahl teilbar, war aber nach bürokratischer Berechnung ausgerechnet der Gulden, zunächst 1.71 Mark wert. Das gab nun schwierige Umrechnungen bei Vieh- und Getreideverkäufen, warum, weil die Leute noch gewohnt waren nach Gulden zu verkaufen, wenn sie auch mit Mark ausbezahlt wurden. Nun hätte ich bald vergessen, dass die ersten Markstücke 1875 geprägt wurden und zwar in 1 Mark, 2. und 3 Mark, welche man damals auch Preußentaler nannte, sowie in Fünf, Zehn, und Zwanzig Mark, die beiden letzteren waren in Gold geprägt. Ein schönes Geld, dieses Silber- und Goldgeld. Und doch galt es nur achtundvierzig Jahre. Es war ein Hohn, wie die Leute um ihr gutes Geld gebracht wurden. Im Jahre 1921 begann die sogenannte Inflation, also die Geldentwertung und Mitte 1923 war es überstanden. Doch gedulde dich lieber Leser, liebe Leserin, ich werde dir genau berechnen, wie uns Vater Staat beschissen hat, als im November 1923 eine Billion Mark gleich eine Rentenmark war und der fromme Reichsbürger dazu eine Zwangshypothek aufgebärdet bekam und dazu noch Rentenbankzins für die Hypothek bezahlen musste.
Ja, eine Billion - was ist eigentlich eine BILLION?
Ich habe mir den Spaß erlaubt eine Billion Sekunden zu berechnen. Doch der festgesetzten Reihenfolge nach, kann ich dir dieses erst im siebten Abschnitt berichten, denn sonst habe ich ja keine chronologische Ordnung in meiner ganzen Sache.
Zahlungen bis zu Einhundert Mark wurden in Silber und Gold geleistet, weil es Banknoten unter hundert Mark eben nicht gab. Erst ab Einhundert gab es Banknoten zu 100.-, 500.-, und 1000.-Mark. Derjenige, welcher in der guten, alten Zeit keine Schulden hatte, der war fein heraus.
 Der konnte wirklich von einer guten Zeit sagen. Sein Geld war wertbeständig, die Preise für Waren  stabil. Der hatte es auch nicht nötig, die Schlachtschweine um jeden Preis zu verkaufen oder die Kälbchen zu lächerlichen Preisen. Ein eineinhalb jähriges Jungrind kostete damals nur 45.- bis 50.-Mark. Die damaligen Metzger wussten das, wer Schulden hatte und umso kürzer packten sie den Verkäufer, weil sie wussten wo der Wind herweht. Ein paar Saugferkel kosteten 3.- Mark und wenn man wie beispielsweise meine Eltern alljährlich 99.- Mark Hypothekenzinsen zu zahlen hatte, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie sie jahraus, jahrein schuften und rackern mussten, für diese Schulden.
Nebenbei mussten sie aber auch noch den Bodenzins, die Gemeindeumlagen, die auswärtige Steuer, das Forstreichnis, die Wagner- und Schmiederechnungen bezahlen. Ein Scheffel Gerste, das waren etwa 2.75 bis 3 Zentner, kostete 12.- Mark, also ein Zentner rund vier Mark. Wenn heutzutage sich jemand so abrackern müsste, der lief augenblicklich davon. Ich will nun nicht unter die Propheten gehen,  aber, das trau ich mir zu behaupten: Wenn die sogenannte Mehrwertsteuer und eventuell auch die bisher gültigen Einheitswerte entsprechend angehoben werden in der Landwirtschaft, dann ist dieses der größte innenpolitische Missgriff, welcher unseren Staatsmännern unterlaufen kann. Wieso? warum? Zunächst ein kleines Beispiel, das sich tatsächlich in letzter Zeit ereignet hat. Ein junger Mann, den ich persönlich kenne, soll sein Anwesen übernehmen. Seine Mutter fragte die angehende Schwiegertochter ob sie wohl auch mit der Sichel zu grasen verstehe. Ja wenn ich bei Euch grasen soll, dann mag ich nicht, war die Antwort und fuhr davon.
Heutzutage ist eben eine andere Tendenz als früher und die Landfrauen wollen eben auch schon Frauen sein und keine Arbeitsmägde. Es fällt trotz allem schwer, eine richtige Bäuerin zu finden. Lieber einen Arbeiter, der sonst nichts hat als einen Beruf, den heiraten die richtigen Bauerstöchter lieber, als einen Burschen mit dem schönsten Bauernhof. Soll nun etwa der Staat, auch aus der Landwirtschaft höhere Steuereinnahmen durch die Anhebung der erwähnten Mehrwertsteuer und so weiter sich erhoffen, dann kann es leicht vorkommen, dass mancher Bauer lieber Handlanger macht, trotz aller möglichen Maschinen und technischer Hilfgeräte.
Ja die gute, alte Zeit kannte von den heutigen Problemen noch nichts. Da fuhr zum Beispiel 'der Ingolstädter Bote Josef Rost, (ein hünenhafter Mann) aus Riedenburg allwöchentlich zweimal nach Ingolstadt und brachte alles mit, was ihm an Bestellungen aufgegeben wurde. So tat 'auch der Bachhuber man nannte ihn Toni. Der fuhr wöchentlich zweimal nach Regensburg und tat ebenso. Die Mühlenknechte von der Kunstmühle in Pfraundorf I. B. Prinstner, fuhren mit ihren Blachenwagen (wir sagten Blocherwong) das Mehl zum Schlögl und zum Berkmann, ebenso zu den Bäckerinnen. Beim Meierhöfer in Meihern und zum Großvater Gerstner in Altmühlmünster kamen sie auch, diese Mühlenkutschen mit ihren breitreifigen, knarrzenden Wagenrädern und die Gäule wussten von selbst den Weg und wo sie stehen bleiben mussten. Auch wenn der Fuhrmann in aller Gemütsruhe sein Schläfchen machte. Anders war das mit den Postillion, der musste schon Acht geben, dass er nicht zu früh und auch nicht zu spät in den einzelnen Orten, die er zu durchfahren hatte, ankam und am Ziel auch rechtzeitig eintraf. Diese Postillion trugen hellblaue Uniformröcke, rote Westen, weiße Hosen, schwarze lange Schaftstiefel mit hohen Knieschutz, sowie Zylinderhut mit weißblauen Federbusch und über die Schulter eine weißblau gedrehte, fingerdicke Schnur mit zwei großen Quasten und dem berühmten vierwindigen Posthorn mit Ventilklappen. Da brauchte man auf der Straße nicht immer scharf rechts fahren und fortwährend auf den Gegen- und Überhol-Verkehr Acht geben. Außer dem regelmäßigen Postillion kam alle Wochen vielleicht einmal ein fremder Wagen dahergefahren und es mag ruhig sein, dass diese Ruhe und Gemütlichkeit auch ein klein-wenig beitrug, das Wort: „Gute, alte Zeit“ zu erfinden, jedenfalls war es viel gemütlicher damals, das heißt, es war von so einer Hetze wie heutzutage nichts zu bemerken. Trotzdem aber wurden die Leute auch mit ihrer Arbeit fertig. Bloß in der Früh und auf'd Nacht hieß es früher anfangen und länger arbeiten.
Der erste Weltkrieg 1914 - 1918.
Inzwischen war aber der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 ausgebrochen. Die Umstände welche dazu führten brauche ich jedenfalls nicht zu berichten, denn die sind ja bekannt.
Am 2. August 1914 war der erste Mobilmachungstag, also jener Tag, wonach sich die Reservisten und Landsturmleute zu richten hatten mit dem einrücken. Ich musste zum Beispiel am dreizehnten Mobilmachungstag einrücken, das war der vierzehnte August. Ich kam zum ersten Ersatzbataillon beim 10. Infanterie - Regiment. Zunächst war Sammelpunkt bei der Maschinengewehrkaserne und dann kamen wir für ein paar Tage zunächst nach Heydeck, von da nach dem Roten Turm drüben über der Donau und schließlich nach Fort Hartmann. Auf der Gerolfinger Heide kriegten wir dann den nötigen Schliff. Diese Gerofinger Heide hat uns manchen Schweißtropfen abverlangt. Ein besonderer Vorteil war für mich, dass ich besonders leicht die Ausführung der einzelnen Kommandos kapierte und auch einer der besten Schützen war.
Als wir beispielsweise zum ersten Male zum scharfschießen nach dem Militärschießplatz marschierten, wurde  dort in alphabetischer Reihe durchgeschossen. Schaumann und Schirl zum schießen antreten. Der Schirl kam zuerst dran. Erster Schuss eine 12., zweiter Schuss eine 12., dritter Schuss eine 12., vierter Schuss ein Fehler und fünfter Schuss auch ein Fehler. Umgekehrt wäre es natürlich besser gewesen, das heißt, wenn die drei Zwölfer zuletzt gekommen wären, dann hätte der Herr Oberleutnant angenommen, dass Schill sich korrigiert hat und erst sein Gewehr kennen gelernt und die Treffpunktlage erkannt hätte. Es wurde in zwei Durchgängen geschossen, dass erste Mal mit fünf Schuss liegend aufgelegt, das zweite Mal liegend freihändig.
Der Schirl hatte bei der zweiten Übung lauter Fehler. Beim letzten Schuss rissen sie ihn geradezu von Schießtisch herunter und sagten ihm er sei ein Idiot.
„Sie haben auch die ersten drei Schüsse nur aus Dummheit getroffen“ sagte der Herr Oberleutnant und prophezeite ihm drei Tage Mittelarrest, wenn er das nächste Mal wieder so hundsgemein schlecht schieße. Halbwegs war ich dadurch etwas in Aufregung geraten, weil ich ja erst absolvieren musste. Doch ich kam besser davon, ich war meiner Sache sicher. Ich hatte ja schon öfter geschossen, allerdings nur mit meinen Flobertstutzen und das daheim. Wenn dieses Gewehr so gut ging wie mein Flobert daheim, dann konnte es nicht gefehlt sein. Bemerken muss ich auch, dass ich ein sehr schönes Gewehr hatte, mit dunklem Nussholzmaserschaft, das ich bisher schon mit Liebe gepflegt, nicht nur mit Fett, Öl, Putzflock und Werg. Was konnte also noch fehlen. Nur die Ruhe bewahren und frisch gewagt ist halb gewonnen. Dreimal 10 und zweimal 11 waren das Ergebnis der ersten Übung. Das waren immerhin 52 Ringe und das war gut. Übung erfüllt konnte ich melden. Eine gute Zigarre hatte Herr Oberleutnant für jeden, der dies melden konnte. Von Fort Hartmann aus kamen wir nach Reichertshofen und von Reichertshofen nach Nürnberg zum 20. Bayrischen Reserveinfanterieregiment. Ich war bei der sechsten Kompanie. Der so genannte Heinberg, ein Sandberg in des Wortes schlimmster Bedeutung hatte unseren Schweiß reichlich getrunken, bis ich befördert wurde. „Wer sieht gut?" fragte Offizierstellvertreter Heider? Ich meldete mich. Wenn wir auf den Exerzierplatz kommen, dann schwärmen sie nicht mit der Mannschaft, sondern sie springen zu mir vor. Jawohl Herr Feldwebel und damit war ich Entfernungsschätzer, Richtung der Kamine, ich schätzte 800 Meter. Visier 800, Schützen Feuer und so weiter. Mit den Herrn Feldwebel Heider kamen wir auch ins Feld und weil er mich bereits besser als irgendeinen aus der Mannschaft kannte, wurde ich draußen im Feld, Gefechtsordonnanz oder wie man auch sagte Meldegänger. Wir brauchten deshalb auch keinen Nachtposten übernehmen, weil wir besondere Befehle entgegen nehmen mussten, das heißt, auszuführen hatten. Es waren drei Mann als Meldegänger eingeteilt und weil es Gott so wollte war vom Bataillon der Hannes Hengl aus Thann, vom 2.Bataillon ich persönlich und vom 3. Bataillon der Schmiedmayr Michl, Halbritter von Thann für diese Meldegänge bestimmt. Also drei Schulkameraden sozusagen, das war natürlich viel besser für uns, als ob's unbekannte Kameraden gewesen wären. Gern denke ich noch an diese Zeit zurück (soweit man überhaupt von gerne sagen kann), das soll besser heißen, wir waren wirklich Kameraden und wünschten uns nur, dass wir in dieser Notzeit nicht auseinander mussten. Ich war von jeher ein guter Erzähler gewesen und auch mancher Witz ging damals, wie auch heute noch über meine Gosche. Selbst im ärgsten Feuer konnte ich das Maul nicht halten und wenn einmal wieder die Stimmung sinken wollte, dann erzählte ich wieder einen Schlager, dass alle lachten, die es hören konnten. Der Fischerbauern Hannes von Thann, also mein Meldegängerkamerad aber sagte dann: Michl, mogst a' Zigarrn? und ich mochte jedes Mal eine und rauchte sie auch gleich zum Einschlupfloch hinaus, weil man ja eigentlich nie wissen konnte, ob der gepriesene Heldentod einem später die Zeit dazu ließ. Doch ich muss auch hier der Reihe nach erzählen.
Anfangs Oktober 1914 kamen wir ins Feld. Zwei Tage und drei Nächte dauerte die Fahrt.
Von Nünberg weg fuhren wir abends gegen 7.00 Uhr. Unser Ausmarsch glich einem Triumphzug. Tausende von Menschen begleiteten uns und beschenkten uns mit Blumen und Süßigkeiten. Ich hatte mir auch einen Kompass und ein langes Schlachtmesser gekauft, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Am Tage vor dem Ausmarsch konnten wir zum beichten gehen und durften trotzdem wir erst gegessen hatten, auch kommunizieren. Als ich dem Beichtvater sagte, dass wir erst vor einer Stunde gegessen haben, sagte er zu mir: das wäre etwa so wie bei einem Schwerkranken, der die Sterbesakramente empfängt und mancher wird unter uns sein, bei dem es zutrifft, das dieses die Sterbesakramente sein werden. Ja wirklich er hatte recht. So manchen traf es schon in den ersten Tagen. Auf der Fahrt an die Front hatte ich meine Zeltbahn in den Haken der Gepäcknetzständer befestigt. Da konnte wechselweise immer einer schlafen. Auf einmal hieß es: Fertigmachen zum aussteigen. Der eine warf als erster schon den ganzen Berg von Gelumpe herunter und keiner half mir meine Zeltbahn loszumachen. Da hatten sich nämlich die Zipfelschlingen so arg zusammengezogen, dass ich Mühe hatte, diese aufzuknüpfen.
Endlich war ich auch heraußen. Es war etwa früh fünf Uhr. Nun marschierten wir los. Etwa um neun Uhr war erste Rast, Ich meine den Blasius Schmauser aus Arnbuch, heute noch zu sehen, wie er seine Kleider und Schuhbürsten wegwarf. Wir kamen gegen zehn Uhr in den Schussbereich des Feindes.
Auf einmal schnarrte da eine Granate herüber und schlug etwa 25 Meter von der Straße entfernt in einen Weidebusch. Als dann endlich, trotz aller Müdigkeit, das erlösende Kommando - Lauf, Schritt kam, da liefen wir wie die Wilden, so dass es Mühe machte uns wieder ins Marschtempo zurückzubringen. Unser Herr Hauptmann Salvisberg ließ halten. Wenn wir wegen einer einzigen Granate schon so laufen, meinte er, dann werden wir uns vor unseren Kameraden, welche doch bisher wirklich großes geleistet haben, schämen müssen. Die sogenannte Feuertaufe wird uns das schon bestätigen. Von Feuertaufe könne da jedenfalls nicht die Rede sein.
Nur noch etwa eineinhalb Stunden dauerte ausgerechnet für mich der Friede. Warum? Wir kamen in die Nähe der Front, also der Gefechtsfront. Herr Hauptmann Salvisberg trat vor und fragte im scharfen Ton: Wer meldet sich freiwillig als Ordonanz an die vordere Gefechtslinie, ob unsere Kompanie im sechsten Gefecht einschieben oder als Reserve zurückbleiben soll? Ich sprang auf, haute die Hacken zusammen und meldete:“ Hier Herr Hauptmann, Infanterist Schaumann“. Lieber Leser, liebe Leserin, ich will dir keine Sprüche vormachen oder dich etwa gar anlügen. Ich war jedenfalls der erste und einzige Mann von unserer Kompanie, der sich da meldete, denn ich war der Meinung, es könnte etwa der Krieg zu Ende gehen und ich hätte dann nichts geleistet. Ich bekam vom Herrn Hauptmann die notwendige Unterweisung. Es wurden aber ein Gefreiter und ein Mann zu dieser Patroli kommandiert. Frisch und frei ging ich los und als ich etwa 200 Meter frontwärts gegangen war, schaute ich zurück und die zwei Kommandierten waren jetzt schon gutding 50 Meter zurückgeblieben. Nach etwa weiteren 100 Meter, sah ich nochmal zurück und nun hatten sich die zwei schon endgültig in dem Zuckerrübenfeld verkrochen. Ich sah sie nicht wieder. Ob diese beiden letzten Juden gut wie ich, von Kriege wegkamen, kann ich nicht berichten.
Im Straßengraben, welche von Lille nach Ostende führt, war die sogenannte vordere Gefechtslinie. Als ich dort glücklich und unversehrt ankam, (die Feuertaufe hatte ich auf den bisherigen Weg bereits erhalten, denn hunderte von Geschossen waren inzwischen bereits so nah an mir vorbeigepfiffen, dass ich alle mit ausgestreckten Armen hätte erreichen können) fragte ich sogleich nach einem Offizier, denn ich habe dringenden Befehl zu überbringen. Doch ich konnte zunächst keinen erfragen. Stattdessen wurde ich mit einem Sturmangriff mitgerissen und ich war dabei zufällig der rechte Flügelmann der stürmenden Abteilung und als solcher durfte ich doch die Front nicht zusammendrücken, es blieb mir deshalb nichts anderes übrig als ungedeckt Stellung zu nehmen, ich konnte also nicht mehr im Zuckerrübenacker untertauchen. Ein rasender Hagel vom feindlichen Maschinengewehrfeuer brach jetzt los und wenn ich etwa die bereits erwähnte Feuertaufe noch nicht erhalten hatte, dann war das jetzt der Fall, darüber konnte kein Zweifel mehr bestehen. Ich verspürte offensichtlich das Walten meines hl. Schutzengels, den hunderte von Maschinengewehrgeschossen schlugen kaum vierzig Zentimeter vor mir in den Erdboden, so dass die Dreckspritzer mir ins Gesicht peitschten. Eine Zeitlang, das heißt ein paar Minuten schaute ich dem Spiel zu und weil zufällig ein Strohschober etwa vier Meter halbrechts von mir entfernt stand, rumpelte ich kurzentschlossen auf und sprang in den Strohhaufen. Jetzt musste ich sehen, wie unser Sturmangriff in diesem mörderischen M. G. Feuer zum Stehen kam und alles in die Ausgangsstellung zurück musste. Wehe jenen Kameraden, welche im Zuckerrübenfeld verwundet zurückbleiben mussten, denn eine Bergung der Verwundeten und Toten war vorläufig nicht möglich. Auch ich musste zurück. Im zickzackspringen, immer etwa 70 Zentimeter hoch und etwa 2 1/2 lang, lief ich um mein Leben. Schutzengel, bleib no da bei mir, na fehlt ma nix und er blieb da, durch alle kommenden Schlachten und Gefechte. Um nicht die ganze Stellung zu verraten und wegen des immer noch herrschenden, rasenden M. G. Feuers, lief ich auf eine etwa 30 cm hohe Grenzhecke zu, um dort wieder Stellung zunehmen. Ich wollte wenigstens einen dieser feindlichen M. G. Schützen sehen und ihm eines aufs Fell brummen. Doch kaum hatte ich über die kleine Hecke weggeschaut, schlug mir schon eine ganze Garbe von Geschossen die Steckerl und Heckensplitter ins Gesicht und wieder traf mich keiner. Immer aber war mir der erteilte Befehl unseres Herrn Hauptmanns zunächst und trotz allem maßgebend. Nur ein Vizefeldwebel war erreichbar und der konnte mir keinen positiven Bescheid erteilen. Auf bekanntem Exerzierplatzgelände war alles kinderleicht, aber jetzt auf weiter Ebene und dazu unbekanntem, fehlte mir die notwendige Erfahrung und ich muss zugeben, dass ich schließlich nicht mehr wusste aus welcher Richtung ich hergekommen bin. Zudem hatte sich inzwischen das Wetter verschlechtert und Nebel war aufgekommen. Da konnte man schließlich auch sehr leicht dem Feind in die Hände laufen. Schließlich fing auch noch ein feiner Rieselregen an, welcher einen langsam durchnässte. Die erste Nacht verbrachte ich hinter einem gefallenen Schottländer, mit dem bekannten Schottenröckerl, mit einer pferdeschweifartigen Quaste vorn am Gürtel und den rautenähnlichen Wadenstrumpfmuster.
 Hätte ich seit heute Mittag nicht schon mehrere, ja sogar viele Tote gesehen, dann hätte mich das Grauen gepackt, so aber war dieser Schotte mir sogar ein willkommener Kugelschutz gegen das nie aufhörende Störfeuer des Feindes. So verging die erste Nacht im Feindesland und sonderbare Gedanken durchkreuzten meinen Schädel. Keine großen Wünsche drängten sich mir auf, auch keine Furcht vor dem kommenden Tag. Nur das eine wünschte ich mir. Wenn ich jetzt sozusagen auf unserem Heuboden daheim wäre, das heißt, dass ich ein Dach überm Kopf hätte, dass dieser abscheuliche Regen mir nicht fortwährend ins Genick tropfte und dass man nicht direkt auf dem Fußboden anklebte, oh wie wollte ich gerne auf alles andere verzichten. Mein Gott, wie wird man klein, in der Not. Wo möchte wohl meine Kompanie sich befinden und vielleicht noch auf die Rückkehr, des so anscheinend selbstbewussten Infanteristen Schaumann warten. Konnte ich denn kein Glück haben, dass mich vor allen Kameraden etwa als Vorbild eines Soldaten erscheinen ließ. Halt Freund, hattest du etwa gestern nachmittags kein Glück, als dein Leben an weniger als einem Seidenfaden hing?
 Nur soviel wie ein herbstlicher Spinnwebfaden, wenn dieser M. G. Schütze seine todbringende Maschine hätte höher gedreht, dann lägest du auch kalt und starr da vorne, wie dieser Schottländer hier, der dir als ehemaliger Feind nun friedlich Schutz bietet. Ach Gott, strafe mich nicht wegen meiner Überheblichkeit und nimm deinen hl. Schutzengel nicht hinweg von mir, ich will bescheiden sein in Zukunft. Im Osten dämmerte inzwischen ein trüber Tag herauf, was wird er wohl bringen? Bald sollten wir es erfahren. Der Franzmann fing gegen halb sieben Uhr in der Früh mit einem heftigen Schrapnellfeuer an. Sie schossen aber zu weit und etwa in einer Höhe von sieben bis acht Metern über uns krepierten (also zersprangen) diese Schrapnellen. Die Wucht des Abschusses aber trieb die Hülsensplitter und den übrigen Inhalt an Bleikugeln über uns hinweg in unbesetztes Gelände. Der Herr Feldwebel von gestern war auch noch da, übrigens ein schneidiger, furchtloser Mann. Er fragte nun: Kameraden gebt's a' mal Obacht. Seid's dafür, na stürma den Bauernhof da drüben? Wir waren dafür, denn offensichtlich kam dieses Schrapnellfeuer aus diesem Hof. Er zählte nun seine Männer, erklärte uns wie wir springen, die einzelnen Sprünge nur etwa 15 - 20 Meter sehr rasch, auf marsch, marsch und dann wieder runter in Deckung, um den Feind möglichst wenig Ziel zu bieten, verstanden? "Ja". Es waren uns 27 Mann. Ich muss hier eine kleine Erklärung einfügen. Beim Ankündigungskommando: Sprung: versuchte jeder sich eine günstige Abschnelllage zu schaffen, das heißt, man zog den einen Fuß besser an den Körper, um beim Ausführkommando schnellstens vom Boden abzuheben, so schnell wie möglich zu laufen und beim Kommando „Stellung“ sich auf die Erde zu werfen. Alles so schnell als irgendwie möglich auszuführen, damit man bei möglichst geringen, eigenen Verlusten an den Feind herankommt. Der Herr Vize kommandierte also:“ Sprung, auf marsch, marsch“ und nach etwa 20 Meter wieder „Stellung“. Jeder schaffte sein Möglichstes und wir kamen tatsächlich ohne eigene Verluste, an den Bauernhof heran. Der war ein offenes Viereck, hinten stand quer das Wohnhaus, zur linken Hand waren die Stallgebäude und die rechte Seite war von einem Rasendamm mit einer Windschutzhecke abgeschlossen.
Der Rasendamm war etwa zwei Meter in Schräglage hoch und dahinter war, was wir nicht wussten, ein französischer Schützengraben, von dieser Windschutzhecke verdeckt. Als wir nun in den Hofraum stürmten, krachten auf einmal mehrere Salven, das sind viele zugleich abgegebene Schüsse, auf uns nieder. 7 Tote und drei Verwundete waren das Ergebnis. Jetzt waren uns noch 17 Mann. Unser Vize, "Alles da rein in die Türe. Das war eine Stalltüre. Nach wenigen Augenblicken konzentrierte sich das Schützengrabenfeuer auf diese Türe, so dass wir eigentlich in eine Falle geraten waren. Doch auf der Rückseite ging eine Türe ins Freie. Ein kurzes verschnaufen draußen, mit Lagebesprechung und rasches reagieren war jetzt wirklich erforderlich, ehe der Feind zu weiteren handeln sich entschließen konnte. In Abständen von etwa fünf Metern rannten wir nun um die Gebäudeecke und vorne an der offenen Hoffront vorbei, der Windschutzhecke zu, hinter welcher der feindliche Schützengraben war. Hier versperrte uns jedoch ein Drahtgeflechtzaun von etwa 1.30 Meter Höhe zunächst einen direkten Angriff auf den feindlichen Graben. Wir waren damit aber dem Franzmann in den Rücken gekommen, das ging alles so rasch, dass sie glaubten, eine weitere deutsche Abteilung greift jetzt von hinten an. Wenn sie gewusst hätten, dass wir nur ganze 17 Mann sind, ach Gott, die hätten sich bestimmt nicht ergeben. Doch soweit war es noch nicht. Ich persönlich war bei diesem Angriff so platziert, dass ich den ganzen Graben der Länge nach beschießen konnte, also dem Feind direkt in der Flanke war. Alle übrigen Kameraden waren rechts von mir und sie konnten dadurch nicht in den Graben schießen. Das machte aber in diesem Moment nichts aus. Hier entscheidet nur wer die stärkeren Nerven hat. Als wir nun eine Zeitlang den Graben fast sturmfrei beschossen hatten, da schob sich etwa zwanzig Meter vor mir ein feindlicher Gewehrlauf aus der Deckung und ich war schon im Begriff auf diesen Gewehrlauf, beziehungsweise dem Schützen, abzudrücken, da riss mir mein rechter Nebenmann den Arm vom Abzug und schreit mit schreckhaft geweiteten Augenpupillen: "Du da“ was jedenfalls soviel heißen sollte: Du, da schau hin, da kommt der Tod auf uns zu.
Jener Franzose konnte also ungehindert auf mich schießen, den rechten Nebenmann konnte er ja gar nicht sehen. Er, der Franzose traf mich aber nicht, denn sein Geschoß traf gerade einen Kreuzpunkt des Drahtzaunes, so dass es abprallte und als Querschläger diesen Kameraden an der linken Halsschlagader ein etwa fünf Zentimeter großes Loch in den Hals riss. Eine Blutfontäne schoss über seinen Kopf armdick hinaus und erst als diese Blutfontäne in sich zusammenfiel, da fiel auch der Kamerad erst um. "Ihn hat es weggerissen, er liegt vor meinen Füßen, als wär´s  ein Stück von mir." Unwillkürlich legte ich mich einen Augenblick neben ihm hin. So ähnlich wie der Schatten der Wolken über den Berg herunter läuft, so lief die Todesblässe über sein Gesicht herunter. Ein rascher Tod - der Heldentod. Ich lud rasch mein Gewehr wieder auf, volles Magazin und schon das Kommando: Seitengewehr aufpflanzen. Welche Titanenkräfte der Mensch in solchen Augenblicken entwickeln kann, ist wirklich staunenswert. Der Drahtzaun, welcher noch zwischen uns und dem feindlichen Graben war, war an etwa 10 - 12 cm tief in den Erdboden eingerammt. Wo zwei an einem solchen Pfosten rissen, schafften es zwei, wo jedoch nur einer dran hing, das schaffte Klarheit, wer Sieger in diesem Falle sein wird. Jetzt waren wir noch 16 Mann (gegen mehr als 200.)
Auf einen Nahkampf mit Bajonetten ließen die Franzosen es nicht mehr ankommen. 57 konnten wir gefangen nehmen. Weil wir eben in der Minderheit waren, konnten wir nicht verhindern, dass die Mehrzahl von Ihnen Hals über Kopf davonlief, ohne ihre Waffen mitzunehmen. Die 57 Mann mussten nun unsere drei Verwundeten, sowie auch ihre eigenen, mit zurückschleppen. Ein wirklicher Elendszug. Von dem Maschinengewehrschützen von gestern, war nichts mehr zu sehen und zu hören. Auch war inzwischen das Schrapnellfeuer von heute Morgen verstummt. Wahrscheinlich sind auch diese Kanoniere vor uns paar Männlein in höchster Eile ausgerissen. Und dennoch haben sie in letzter Instanz den Krieg gewonnen. Warum? Weil sie, die Franzosen, die Engländer, die Amerikaner und so weiter, keine solchen Rindviecher waren wie die Deutschen, die in den letzten 14 Tagen noch Revolution, machten und damit ein namenloses Leid über Deutschland brachten. Alle Blutopfer waren umsonst gebracht und damit war auch schon der Keim zum zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 gelegt. Doch es ist noch verfrüht, hierüber zu schreiben, erst das eine und dann das andere.
Vier Mann und unser Vize begleiteten den Transport zurück und elf Mann, darunter auch ich, blieben vorne und hielten die Stellung. Wir durchkämmten den parkähnlichen Garten und dabei wurde noch ein Franzmann hinter einem Gebüsch aufgestöbert. Er war etwa 1.68 m groß, hatte die bekannte rote Hose, blaugrauen Mantel mit den zurückgehafterten Mantelzipfeln, rotes Käppi und halbhohe Schnürschuhe an und trug einen halblangen, roten Vollbart. Durch Worte und Gesten versuchten wir ihm klarzumachen, dass er nicht davonlaufen dürfe und er nickte mit dem Kopf zum Zeichen, dass er uns verstanden hatte. Da riss einer von uns sein Gewehr herum und ehe einer es hätte verhindern können, schoss er den armen Kerl nieder. Ich wollte diesen Vorfall lieber nicht berichten, aber um der Wahrheit willen, muss ich es tun. Es waren also auch damals schon Rohlinge und rücksichtslose Elemente darunter. Ich persönlich hätte das niemals getan, einen wehrlosen Menschen zu erschießen. Das war eben Mord. Warum dieser Franzose nicht mit den übrigen davongelaufen ist, oder sich dem Gefangenentransport angeschlossen hat, ist mir nicht klar.
Vielleicht wollte er auskundschaften oder ausspionieren wie viele Soldaten wir sind. Jedenfalls ist anzunehmen, dass er  einen Auftrag hatte und wenn er schließlich erspäht hätte, dass uns nur mehr elf Mann sind, dann wären sie über uns hergefallen und sie hätten uns schließlich auch zusammengeschossen. In dem Wohnhaus dieses Bauernhofes fanden wir auch ein Holzgebinde mit dicksaurer  Milch, etwa 60 Liter. Zuvor hatten wir von dem Konservenfleisch der Gefangenen gegessen und hatten elendigen Durst bekommen. Die dicksaure Milch war also ein willkommener Fund. Wir hätten besser getan, davon nicht zu trinken, denn wir bekamen davon einen richtig gehenden Durchfall, alle Daumenlang mussten wir laufen. Am Abend dieses Tages zogen wir uns bis auf die uns bekannte Straße zurück. Doch von Mittag etwa zwei Uhr ab, beschoss der Franzmann mit allen Kalibern den Bauernhof und wir hatten nichts zu lachen.
Gott sei Dank hatten wir  keine weiteren Verluste mehr. Das war nun der zweite Tag, wo ich nicht mehr bei meiner Kompanie war. Fünf Tage sollte es dauern bis ich am Abend des fünften Tages meine Kompanie wieder fand. Am nächsten Tag etwa um mittags ein Uhr brannte der Kirchturm von Witschätte nieder. Ich lag in dem bekannten Straßengraben, neben der Straße Bille - Ostende. Als dieser Kirchturm niedergebrannt war, stürmten wir diese Ortschaft Witschätte. Zur stürmenden Abteilung gehörten hauptsächlich  pommersche Grenadiere und Infanteristen vom 131. Regiment. Bei diesem Sturm bekam ein Infanterist einen Bauchschuss und er schrie: "Oh wenn doch meine Mutter bei mir wäre." Schmerz und Tod hätte er jedenfalls leichter ertragen können, wenn seine Mutter bei ihm gewesen wäre. So sieht er aus, der gepriesene Heldentod und sogar solche die ihn ( eben den Heldentod ) nicht gesehen haben sind der Meinung, dass er der schönste Tod sei. ---- Hm - Hm. Drei Tage stürmten wir Witschätte und jedes Mal mussten wir wieder zurück. Warum?. Weil wir bis dahin keine Artillerieunterstützung hatten.
 In Witschätte selber lagen die Inder und die englischen Kolonialtruppen so dicht, dass man auf den Bäuchen der Gefallenen, die Straßen überqueren konnte. Das ist tatsächlich wahr und das wird jeder bestätigen, der dabei war. An einem Haus in Witschätte wurde Trinkwasser aus einem Fenster gereicht, natürlich von deutschen Soldaten. Draußen lagen vielleicht 20 Mann und schnauften etwas aus. Auf einmal schlug eine Granate ausgerechnet in dieses Haus und die ganze Mauer samt dem Fenster aus welchem Wasser gereicht wurde fiel auf die etwa 20 Mann, die da vor diesem Fenster lagen. Ein Schreien und Jammern war die Folge. Ich saß derweil auf einer englischen Munitionskiste und machte Brotzeit. Da kam einer auf mich zu und fragte: "Ob ich meinen eisernen Bestand schon esse“. Der glaubte wohl es gäbe nichts anderes als den eisernen Bestand. Da fragte ich ihm, ob er etwa mithalten will. Ja und er wollte mithalten. Mit solchem Heißhunger habe ich noch nie einen Menschen essen sehen. Ich gab ihm eine ganze Dose und ein Säcklein Zwieback dazu. Ein Höllenlärm von berstenden englischen Granaten war die Tafelmusik dazu. Soll ich noch weiter berichten, von diesem letzten Tag, bevor ich meine Kompanie fand? Ich will es tun. Der mir unbekannte Kamerad und ich, saßen noch auf der engl. Munitionskiste, welche Infanteriemunition enthielt.
Drüben über dem Weg lag ein Major hinter einem Astholzhaufen. Es kam ein Hauptmann und sagte zu ihm, es sei ihm so unwohl heute
Der Major drauf, "Kranke Soldaten kann man im Krieg nicht brauchen". Der Hauptmann merkte wohl den Spott, der ihm angetan wurde und  ging. Da war es etwa 6 Uhr abends als der Befehl kam: „Alles in die Ausgangsstellung zurück“. Ich lief auch mit dem großen Haufen davon. Eine Granate von dem engl. Flachpanzern zerkrachte etwa fünf Meter vor mir, das heißt in der Richtung in welcher ich jetzt lief und schlitzte eine „Gutding“ 100 Meter lange Bahn in die Zuckerrüben, so dass die Kräuter nur so in die Höhe flogen. Der nächst beste Graben war für mich nun wieder erste Rast. (Diese pommerschen Grenadiere hatten eben schon Schützengraben ausgehoben). Als ich in den Graben sprang, hatte so ein blöder Kerl sein Gewehr an die Perme gelehnt. ( Die Perme ist die Feindwärts gerichtete Grabenwand ) und ich stieß mit dem Stiefelabsatz an die Mündung dieses Gewehres und es stellte sich senkrecht und ich sprang mit dem Gesäßknochen auf diese Mündung, so dass ich streckterlängs im Graben lag. Da kam einer von diesen Grenadieren und sagte zu mir: "Junge, Junge was willst du bei uns." Ich bot ihm den Gruß von Götz von Berlichingen. Er sagte darauf, er will es mal seinem Hauptmann sagen, der schmeißt dich dann schon raus. Ich drauf, der kann mich auch am …. Hab aber keinen Hauptmann
mehr gesehen, vielleicht war es jener von vorhin, der Kranke. Das Bayerische wie es hier dem geehrten Leser anspricht, ist sonst nicht meine Art, man muss wissen, wie mir in diesem Augenblick war, da hätte dieser Grenadier gar nicht kommen brauchen. Ich hatte eben furchtbaren Schmerz und da kommt so ein Gimpel und will mich rausschmeißen. Vielleicht war er bei diesem Sturm gar nicht dabei. Zu guter Letzt kommt noch jener Infanterist von den 131zigern, dem ich droben in Witschätte ein Büchse Fleisch und Zwieback gab. Es sollte scheinbar so sein. Ich hatte mich gerade mühsam, aufgerichtet und erzählte ihm kurz, was sich zugetragen hat. Er meinte: "Komm und wann's der no amal tut, na schlag i' ihm s'Gwehr aufn' Schädl." Also hatte ich für alle Fälle schon einen Helfer. Der Aussprache nach war er ein Sachse. Doch der Grenadier war  nun in die nächste Schützenwehr verschwunden und ist zu seinem Glück nicht mehr gekommen. Bei diesem englischen Granatfeuer wurde fast ganz Witschätte in Trümmer gelegt. Etwa eine halbe Stunde rasteten wir in diesem Grenadiersgraben, dann machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Drüben auf der Straße hörten wir Marschkolonnen. Der gute Mond ging grad auf und lachte über sein rundes Gesicht, über die Dummheit der Menschen. Jetzt dachte ich mir, bescheint er auch Kühberg, die Eggmühle und mein stilles Dörflein Altmühlmünster. Fast wollte mich Traurigkeit beschleichen, doch für solche Stimmung hatten wir keine Zeit. Immer und immer wieder fragte ich: „Was ist das für eine Kompanie“?  Es wurden Schützengräben ausgehoben. Auf einmal antwortet einer:“ Die sechste von den bayr. 20zigern.“ Ich sprang hinüber über den Straßengraben. Oh, Freude über Freude, da waren sie alle, die lieben Gesichter. Der Dachdeckerhans von Flügelsberg, der Schmiedemayer von Thann, der Fischerbauerxaver, der Schmauser Blasl, der Lenzenberger Ludwig, der Grammerhauser Alois von Jachenhausen und so weiter. "Ja der Schaumann is wieda kumma“. Wie ein Lauffeuer ging diese freudige Meldung von Mann zu Mann. Jeder brachte mir was. Der eine ein Zwiebacksäcklein, der andere eine Fleischdose. Doch ich brachte selbst was mit und bis ich mich umschaute, war der Herr Feldwebel Heider auch schon da. Ich meldete mich bei ihm und erzählte kurz was ich bisher mitgemacht habe. Er sagte: “Gut die Hauptsache ist, dass sie wieder da sind, wir haben sie schon für verloren geglaubt. Gehens gleich zum Herrn Hauptmann und melden's eahna“. Er ging mit mir. In einem großen Halbkreis von etwa zwei Kilometer Durchmesser, sammelte sich unser ganzes Regiment: (das Bayrische 20. Reserve Infanterie Regiment von der 6. bayer. Reserve Division).Als wir zum Herrn Hauptmann Salvisberg kamen, meldete ich mich von Patrolie an die vordere Gefechtslinie zurück und berichtete auch ihm kurz, wie alles so gekommen ist. Das wird nun bald anders meinte er, nur noch ein paar Tage, dann bekommen wir Artillerie Unterstützung.
Außerdem kommen's jetzt grad recht, denn hier sammelt unser ganzes Regiment und da müssen's als Meldegänger wissen, wo die einzelnen Bataillonsstäbe liegen und so weiter. Die beiden andern Meldegänger waren inzwischen auch angekommen und wir machten anschließend gleich die Runde. Dabei trug sich folgendes zu: Es blitzte Mündungsfeuer auf. Herr Hauptmann Salvisberg sagte, (vorerst im verhaltenem Ton): "Nicht schießen, eigene Leute“. Doch jener Schütze schoss immer wieder und zwar gezielt, so dass die Geschosse bedenklich nah an uns vorbeipfiffen. Herr Hauptmann meinte: „Was ist denn das bloß für ein Idiot, der da immer schießt“. Er sagte nun: "Also Leute wir gehen etwa zehn Schritte auseinander“. (Das Mündungsfeuer sahen wir ja jedes Mal im Halbdunkel aufblitzen) und stürmten dann von allen Seiten zugleich auf die bekannte Abschussstelle zu. Da lag nun ein alter Zivilfranzose in einer Mulde und schoss eben auf uns und natürlich auch auf jeden andern den er eventuell abschießen konnte. Eine Frechheit, innerhalb eines Halbkreises, wo sich ein ganzes Regiment sammelt. Wir nahmen ihn gefangen und lieferten ihn beim nächsten Bataillonsstab ab. Natürlich machte unser Herr Hauptmann entsprechende Meldung und wahrscheinlich wurde der Franzmann erschossen.
Im Übrigen verlief dann diese Patrouille beziehungsweise dieser Rundgang, ohne besondere Vorkommnisse, wenn man vom Störfeuer des Feindes, welches ja nie ganz verstummte, absehen will. Dieser Informationsrundgang dauerte so etwa zwei Stunden bis wir zurückkamen. Ich mochte nach des Tages Mühen nicht gleich wieder schanzen, das heißt Schützengräben ausheben. Ich sagte also zu meinen Kameraden, wenn sie den, auf mich treffenden Teil mit graben, hole ich da droben bei dem Bauernhof etliche Schütt (das sind Bunde) Stroh, dann brauchen wir nicht auf den feuchten Erdboden liegen. Damit waren alle einverstanden. Das Trinkwasser war ärgste Mangelware, es war mir also weniger ums Stroh zu tun, als ums Trinkwasser. Ich ging also los und strebte dem Bauernhof zu. Der lag auch so auf einem sanft ansteigenden Hügel, etwa dreihundert Meter entfernt. Als ich dort ankam, spähte ich zunächst ob die Luft rein ist, das heißt, ob nicht doch der Franzmann noch da sei, denn man, kann nicht wissen, aber da hörte ich einen in der Scheune mit seinen Pferden unliebsame deutsche Worte schimpfen. Ich ging also hinein. Da stand zunächst schon in einem Pferdestall ein großer Blechkübel mit schönem Trinkwasser. Ich füllte rasch meine Feldflasche, dann trank auch ich und wurde von einem Trainfahrer ertappt. Der war zunächst entrüstet darüber, weil ich sein Wasser soff, wie er sagte. Doch da ließ er sich erweichen und sagte: „Magst a' Supp'n“? Als ich diese Frage bejahte, brachte er einen großen  Hafern voll beste Kartoffelsuppe, in welcher entsprechend viel Rindfleisch mitgekocht war. Für den morgigen Tag war ich schon wieder versorgt, ich schnitt mir von dem Rindfleisch so ein Bröcklein ab, wie etwa eine Pferdezehe, jener Trainfahrer sah mir dabei zu und meinte:' "So an gut'n Griff hast wohl schon lang nimma gemacht". Ich sagte ihm tausendmal Vergelt's Gott und wenn i morgen Wasser brauch, dann komm ich wieder.“ Ja“ sagte er „wannst a' Wasser brauchst, na gehst bei dieser Tür da eine, rechts rum, nacha no amal bei der Tür rechts eine“. Damit ließ er mich aber ein wenig aufblitzen. Ich klopfte natürlich an und stand auf einmal vor mehreren hohen Offizieren. Ich riss die Haken zusammen, dass es nur so knallte und meldete: "Infanterist Schaumann auf der Suche nach Wasser." Da lachten sie und sagten: „Da sind's nicht am rechten Platz, bei uns herin gibt's kein Wasser“. (Sie tranken Glühwein) Rasch machte ich kehrt und draußen war ich. Nun ging ich zur Scheune und ließ mir etliche Bunde Stroh vom Strohstock runter werfen. Als ich etwa fünfzig Meter von der Scheune entfernt, mit meinen vier bis fünf Weizengarben ging (es war eben ungedroschener Weizen) da heulte mitten in der Nacht eine Granate herüber und schlug ausgerechnet in diese Scheune, so dass sie fast augenblicklich in Feuer stand. Mit der Gemütlichkeit welche dort bisher geherrscht hatte, war es auf einmal aus. Inzwischen waren meine Kameraden mit dem schanzen auch fertig und wir legten uns auf unser Stroh. Zufällig hatten auch wir Meldegänger Ruhe. Doch gegen drei Uhr in der Früh, wühlten uns zwei, etwa drei Zentner schwere Sauen den Grabenrand herunter. Ein Schuss und schon lag eine da, die zweite ist uns entkommen. Der Grammerhauser Alois von Jachenhausen hat sie dann abgestochen, wohl dem der ein langes Messer hatte. Da wurde nichts gebrüht und so weiter. Da wurde folgendermaßen verfahren: Man schnitt kurzerhand die Speckschwarte auf, schälte sie samt den Borsten mit etwas Speck soweit herunter bis das Stück, welches man sich abschneiden wollte, freigelegt war, schnitt sich seinen Teil herunter und der nächste konnte dann so weitermachen, wie angefangen war. Meistens schnitten sich die ersten, die Schinken heraus, noch lebenswarm ist das ein wirklicher Genuss. Wem es eklig war, konnte es auch in der Feuergrube kochen, so machte man es auch mit den Rindern, welche seinerzeit noch frei, auch zwischen den Fronten umherliefen. Ich selbst habe bei einem Sturmangriff einen schweren Ochsen erschossen. Warum? Er war mit einer Kuhherde eben auch zwischen den beiden Kampffronten, welche wir stürmten. Der Ochse (Zugochse) war getroffen und konnte hinten nicht mehr hoch, er schleppte die Hinterfüße so gequält hinten nach, dass ich es nicht mehr anschauen konnte. Trotz des schweren feindlichen Feuers, das uns entgegen schlug, nahm ich mir Zeit, ihm mein Gewehr auf die Stirne zu drücken und ihn niederzuschießen.
Ach Gott, wie viele Erinnerungen, wenn ich diese alle hier niederschreiben wollte, reichte dieses Büchlein nicht aus, ich muss mich deshalb im engsten Rahmen halten. Etliche Tage später sah ich drunten wo ein paar Häuser standen, das heißt zusammengeschossene Häuser, wo nur noch die Kamine standen, längere Zeit Rauch aus einem noch stehenden Kamin aufsteigen. Ich dachte mir, da schaust obi, wer da drunten ist. Ich lief also hinunter und wer sitzt da und schürt's Feuer schön zam, der Grammerhauser Alis'l (Wittmann schrieb er sich) von Jachenhausen und kocht sich eine Henne. " Alis'l, da komm i grad recht, da derf i scho mithalt'n". „Da könna ma nix macha“, meinte er“, wennst a Hendl willst, gehst in den Bauernhof da nauf, da gibt's gnua“. Er lachte dabei wie eine Schildkröte auf den Stockzähnen und gab mir nichts. Wenn wir heute noch zusammentreffen dann wird jedes Mal s'Hendl rezitiert. So kam der November 1914 und mit ihm die häufigen Nebel. Typisch für diese Gegend ist überhaupt der rasche Witterungsumschwung.
Das ist jedenfalls bedingt, durch die Nähe des Meeres. Häufig Nebel und Regen, aber auch ungeahnt rasch schönster, blauer Himmel. Allmählich wurde es auch kalt, das heißt, es kamen die Nachtfröste mit Nebel. Da war wieder ein nebliger Tag und da kam dann auch die Feldküche etwas näher heran. Für drei, vier Mann nahm auch ich die Feldkessel mit und holte den Eintopf, den es in der Regel gab. Ich ging also auch zur Feldküche. Auf halbem Wege begegnete mir der Georg Biedermann, der hatte schon Essen geholt. Etwa zwanzig Meter nach unserer Begegnung hat den Biedermann der Heldentod erwischt. Als ich zurückkam lag er da und hatte auch alle Feldkessel ausgeschüttet. Ich meldete, dass der Biedermann da droben gefallen ist und wir trugen ihn in eine Zeltbahn gehüllt herunter und begruben den armen Kerl. Er stammte aus Irfersdorf. Inzwischen hatte ihm aber schon so ein Schweinehund seine Taschenuhr geklaut und es musste die ganze Kompanie antreten, ehe er es meldete. Auch fanden an diesem Tage mehrere von unserer Kompanie in einem Haus ein etwa 15 Liter fassendes Fäßlein. Der eine schlug mit dem Seitengewehr den Bauchspind des Fasses heraus und roch da hinein. Eine alte Frau, die in dem Hause noch anwesend war sagte dass das nichts zu trinken ist. Der Soldat meinte aber: „Ja alte Madam, den möchst halt selber gern trinken“. Das roch gar nicht schlecht und eine Kostprobe bestätigte, dass es irgendein Schnaps sei. Alle Feldkessel wurden eingesammelt und gefüllt, die alte Frau jammerte und sagte:“ nix trinken“. Doch es half ihr nichts. Es wurde bis auf einen kleinen Rest alles getrunken.
Doch auf einmal ging es schon los. Alle die von dem Schnaps getrunken hatten bekamen die „Scheißerei“ derart, dass sie auf 5 Meter noch eine Flasche hätten füllen können. Sie hatten ein Fässlein Lederbeize getrunken. Unglaublich aber wahr. Nach etlichen Tagen nichts tun donnerten  unsere schweren 2lziger Geschütze hinüber zum Feind, so dass beim Aufschlag drüben, in unserem Graben herüben, der rötliche kiesige Sand von den Grabenwänden rieselte. So zitterte der ganze Boden. Es wird hart werden, der Sturm auf Witschätte. In diesen Tagen bekam ich auch den ersten Brief aus der Heimat. Ich konnte es gar nicht für möglich halten, dass mich da ein Brief von zu Hause erreichte. Da wurden wir abgelöst und wir kamen nach Commines. Es gibt ein belgisch- und ein französisch Commin. Diese beiden Städte sind aneinander gebaut und werden nur durch den Scheldekanal getrennt. Dieser Kanal ist also zugleich die Grenze zwischen Frankreich und Belgien. Als wir nach ein paar Tagen wieder an die Front marschierten, kam auf halbem Wege das Kommando: „Halt, kehrt, marsch“ und wir marschierten eben wieder nach Commines. Kaum waren wir auf dem Stadtplatz angelangt, fuhr seine Majestät der Deutsche Kaiser vorbei, ganz langsam. Wir legten einen Präsentiergriff hin, dass es nur so knallte. Guten Morgen Kameraden grüßte er. Guten Morgen Majestät war unser Gegengruß. Es war Kaiser Wilhelm der II. Drei Autos fuhren voraus, drei fuhren hinterdrein. Ich war so ergriffen, dass mir eine Gänsehaut an den Wangen hochkribbelte, als er mir auch in die Augen schaute. Also habe ich ihn auch gesehen, den Deutschen Kaiser. Ewig schade um unser Deutsches Reich, das heißt um unser Deutsches Kaiserreich. Was haben doch die Schüsse an jenem 28. Juni 1914 für Folgen gehabt. Millionen und Abermillionen Menschen mussten seitdem gewaltsam sterben. Ganze Berge von Schutt in den Städten, Verbrechen über Verbrechen. Doch ich darf hier nicht stehen bleiben, ich muss weiterschreiben. Wir marschierten also nach dieser Begebenheit wieder an die Front. Es war etwa der vierte, fünfte November. Wir stürmten dann Witschätte und konnten es auch halten und hier begann auch der Stellungskrieg. Die Engländer kämpften verbissener  als die Franzosen, das heißt, die englischen Kolonialtruppen. Sie wurden aber trotzdem aus ihren Stellungen geworfen und wir zogen in die Stellungen ein. Eine alte Holländer - Windmühle blieb zunächst und trotz allem stehen. Diese war ein gutes Ziel für sie. Am achten November 1914 haben sie diese alte Mühle in Brand geschossen. Wir haben aus dem Pfarrhof Witschätte eine Linoleumdecke herüber gezogen und diese über unser Grabenstück gelegt und darunter etliche Holzriegel zum abstützen und alles mit etwas Erde überdeckt. Auch eine Ziege war im Pfarrhof Witschätte noch da, zwischen eingestürzter Stalldecke meckerte sie ganz zum Erbarmen. Ob ihr wohl einer aus dieser Klemme half, ich weiß es nicht. Endlich kam der 10. November. Abends gegen halb fünf Uhr war es nun so weit.
Die Engländer begannen etwa um vier Uhr mit der Beschießung unserer jetzigen Stellung. Der erste Schuss ging etwa 5 Meter vor unserer Front nieder, der zweite etwa 4 Meter hinter uns und zerkrachte in einer Zisterne, das war ein Wasserbrunnen und dabei wurde eine etwa sechs Meter hohe Wasserfontäne hochgeschleudert. Der dritte Schuss schlug uns die Perne herunter, das heißt die feindwärts gerichtete Grabenwand. Dabei wurden wir Meldegänger verschüttet. Die beiden anderen Meldegänger von uns, legten sich nun in dieses entstandene Loch und ich über deren Füße querlängs darauf. Da kam der vierte Schuss und dieser schlug etwa einen halben Meter hinter mir ein. Der ganze Dreck flog mir auf den Rücken, der Fischerbauern Hans aus Thann schreit: „Michl, hot's di dawischt“. Ach Gott sein bester Kamerad. Wie oft sagte er: Mich'l mogst a' Zigarr'n und jetzt auf einmal war alles vorbei. Unfassbar für ihn. Ich hatte dabei großes Glück. Ein Granatsplitter, welcher mir ins Kreuz gefahren wäre, wurde von meiner Feldflasche abgelenkt, ein weiterer traf mich am Ellenbogengelenk. Die Finger der rechten Hand wurden mir dabei aus den Gelenken gerissen. Ich drückte sie sofort wieder zurück, das tat so einen Ratscher und alle vier saßen sie wieder in ihren Pfannen. Zum Hans sagte ich noch: er solle es melden, dass ich verwundet wurde und kroch dann in einen Artilleriebeobachterstand.
Der Hauptmann dort füllte mir seinen Cognac in meine Feldflasche, diese hatte von dem Granatsplitter doch kein Loch bekommen, wenn sie auch eine Duin (Delle) hatte.
Er fragte mich auch, ob ich den Weg nach Ossawerne weiß. Ich wusste ihn, aber ich weiß nicht wie ich bei Nacht und Nebel von Witschätte nach Ossawerne gekommen bin. In Ossawerne angekommen, fand ich auch am Ortseingang in einer Wagnerwerkstatt einen Verbandsplatz, der Sanitäter dort schob mir ein Nagelkistl hin und sagt:“ da kannst dein Kopf drauflegn“. Wenn ein Wagen kommt, dann sag ich's dir schon“ und ich schlief tatsächlich auch gleich ein. Etwa nach Mitternacht kam ein Wagen und nahm mich mit. Vier Tragbahren und ich hinten drauf, die Füße baumelten mir herunter. Eine elende Fahrt nach Commis, wo wir vor ein paar Tagen den Deutschen Kaiser sahen. Dort wurden wir verpflegt, mit geräucherten Rindfleisch, hart wie Leder, also nicht gekocht und dazu ein halbes Barrasbrot, das waren so wie Ziegelsteine große Brote. Am 11. November fuhren wir dann mit der Bahn etwa um 9 Uhr von Commis ab und kamen etwa um 5 Uhr in Brüssel an. Da wurde bekannt gegeben, dass alle verbunden werden. Ich ging auch in das Bahnhofsgebäude hinein und ließ mich verbinden, ich musste aber in Brüssel auf Anordnung des behandelnden Arztes bleiben, da ich dringend operiert werden musste. So war ich elf Tage in Brüssel, Lazarett I. Abteilung Kloster. Am 22. November ging ein Transport nach Deutschland. Die Fahrt selber will ich nicht beschreiben, jedenfalls dauerte sie unendlich lang. Wir kamen am 26. November 1914 in Kassel in Hessen an und da wurde alles ausgeladen. Wir kamen in das Reservelazarett Baugewerkschule und ich war auf Zimmer 10 dort zugeteilt. Wir waren die erste Belegschaft und deshalb war zunächst noch alles kalt, es war also die Dampfheizung noch nicht angefeuert. Doch immerhin nach langer Zeit wieder ein Bett, ganz ungewohnt kam das einem vor. Zunächst ließ ich an meine Eltern und Schwestern schreiben und dieser Brief, beziehungsweise Karte kam an dem Tag in der Eggmühle an, als dem alten Blosl (Ebenhöch) seine Beerdigung war. Die Gedanken an meine weitere Zukunft waren die ersten die sich mir aufdrängten. Kann ich mein erlerntes Handwerk, die Maurerei, eventuell noch ausüben, doch das war richtig verfrüht. Zunächst hieß es sich in Gottes Willen ergeben, alles Weitere  wird schon recht werden. Es war ja noch Krieg und was ließ sich da eigentlich im Voraus  planen. Etwa im Februar 1915 versuchte ich selber zu schreiben. Zwar ging das gar nicht gut, aber es ging. Am 13. September 1914 war ich 24 Jahre alt geworden und ich dachte: jetzt hast du die Auswahl an den Frauen, nach dem Krieg wird es schwer sein eine richtige Frau zu bekommen. Was war aber nahe liegender als der Bäcker Anna in Altmühlmünster zu schreiben. Auf Seite 52 die letzten sechs Zeilen und auf Seite 53 siebenundzwanzig Zeilen dieses Büchlein habe ich ja bereits von ihr geschrieben und meine erste Enttäuschung erwähnt, hier ist nun die Fortsetzung. Mein Brief kam an dem Tage bei ihr in Altmühlmünster an, als ihrem Bruder Josef die Trauergottesdienste waren, also zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt. Dieses konnte ich ja nicht wissen. Für meine Absicht wäre es da wohl besser gewesen, ich hätte ihr mein Beileid dazu ausgesprochen und erst später dann meinen regelrechten Liebesantrag gestellt. In diesem Falle war sie jedenfalls gar nicht gut aufgelegt und sie schrieb mir kurz und bündig zurück: Ich soll ihr  ihre Ruhe lassen mit solchen Anträgen. Soll das etwa für mich keine Enttäuschung gewesen sein, wo ich doch glaubte, sie würde gleich in Verzückung geraten und jetzt diese Abfuhr. Sie war doch sonst nicht so spröde und ich konnte einfach nicht begreifen warum sie so wegwerfend mir gegenüber war.
Ein langjähriger Traum war ausgeträumt. Schließlich musste ich mir selbst die Schuld beimessen, denn ich hatte es auf Grund meiner Unerfahrenheit an diplomatischer Klugheit fehlen lassen. Doch was half das jetzt. Ich tröstete mich mit den Gedanken dass es glücklicherweise noch mehr Mädchen gibt. Das nächste Mal wollte ich vorsichtiger sein. Ob mir das wohl gelingen wird. Es sollte sich bald zeigen. Etwa Mitte Mai 1915 bekam ich meinen ersten Heimaturlaub. Vierzehn glückliche Tage, da konnte man all die Vettern und Basen schon besuchen.
 So ging ich auch nach Zell und besuchte dort die Schreiner Resl, das war auch eine Verwandte und sie hatte den Wagnermeister  Michael Mayer geheiratet, da sagte sie auf einmal zu mir: "Warst du schon bei unserm neuen Wirt" und als ich verneinte, fuhr sie fort:“ Da musst schon einigehn, da san zwoa Madl'n da, da wirst schaug'n. Die oane kann s'Zithern spuin, die war schon in Nürnberg Köchin, in einem Hotel und sie ist jetzt daheim und die andere ist auch ein netter Käfer“. Ich ließ mir das nicht zweimal sagen und ging zu besagten Wirt. Schon heraußen auf der Straße hörte ich s'Zitherspielen. Es waren keine Gäste da und ausgerechnet die Zitherspielerin bediente mich und dabei konnte ich sie unauffällig betrachten. Ein sauberes Madl war sie ohne Zweifel. Nachdem sie mich bedient hatte ging sie wieder zu ihrem Tisch, wo ihre Mutter und Schwester saßen und auch ihre Zither war. Jetzt hatte ich Zeit zu überlegen, wie ich mit ihr ins Gespräch kommen könnte. Die Gelegenheit dazu bot sich mir, als ich mir, nachdem ich 'ausgetrunken hatte, noch ein zweites Bier bestellte. Die Schreiner Resl hatte mir ja bereits gesagt, dass diese Zitherspielerin schon in Nürnberg als Köchin tätig war, da hatte ich doch gleich ein Gesprächsthema. Ich sagte also, als sie mir das 'zweite Bier hinstellte folgendes:“ Fräulein entschuldigen's, ich bin der Meinung, sie schon einmal gesehen zu haben“.
Sie darauf etwas schnippisch:“ Wo wollen denn sie mich schon gesehen haben“? Ich drauf: „Zu Nürnberg, da ging ich in einem Hotel an der Durchreise zur Küche vorbei, da war eine Köchin drin in der Küche, diese sah ihnen auffallend ähnlich, wir waren in Nürnberg in Garnison und da kam ich zufällig auch in jenes Hotel“, log ich. Sie wollte noch den Namen dieses Hotels wissen, da sagte ich, dass ich dieses nicht weiß, jedenfalls meine ich, dass es in der Nähe vom Bahnhof gewesen sei.
Ich hatte scheinbar nicht schlecht geraten und nun war sie schon nicht mehr so schnippisch, sie setzte sich der Einfachheit halber gleich zu mir und nachdem ihre Mutter und Schwester inzwischen das Gastzimmer verlassen hatten, sagte ich zu ihr: „Fräulein ich habe Ihnen etwas mitzuteilen. Möchten sie so gütig sein und mit mir einen Augenblick hinausgehen. Ich stand nun auf und ging auf den Korridor, den Hausgang und sie folgte mir. Sie fragte nun was ich ihr mitzuteilen hätte. „Ich möchte von ihnen so gerne einen Kuss“, war meine Antwort und sie hielt mir tatsächlich ihren Mund hin. Also küsste ich sie. Ich ging ins Gastzimmer zurück und nach' einiger Zeit kam sie auch herein, setzte sich aber nicht mehr zu mir, sondern an den Tisch wo ihre Zither war und spielte in bebendem Ton. Du, du liegst mir im Herzen, du, du liegst mir im Sinn, usw.! Soviel Liebe auf den ersten Blick hatte ich jedenfalls nicht erwartet. Als ich dann heimging bat ich sie noch, mir ihren Namen zu sagen, denn ich will ihr schreiben, wenn ich wieder  im Lazarett sein werde. „Das haben schon mehr gesagt“, meinte sie, „aber keiner hat Wort gehalten“. Nach etlichen Tagen führ ich dann wieder zurück ins Lazarett und dabei spielte sich im Lichtenfels, an der bayrischen Grenze folgender Zwischenfall ab. Zum Verständnis dieses Zwischenfalles muss ich erwähnen, bei der Abfahrt in Kassel bekam ich meinen gültigen Urlaubsschein, sowie einen Freifahrtschein für die Heimfahrt. Einen Rückfahrschein ins Lazarett bekam ich jedoch nicht. Ich musste mir also eine Fahrkarte in Dietfurt lösen und weil man sie da nicht für längere Strecken hatte, musste ich in Nürnberg wieder eine lösen, also zum Zweiten Mal am Schalter anstehen und in Nürnberg bekam ich diese Fahrkarte nur bis an die bayrische Grenze. Für Militärpersonen war es halt damals so. Als ich nun zu meinem Wagen zurückkam, das heißt bis ich mir in Lichtenfels eine neue Fahrkarte, mit welcher ich endlich bis nach Kassel fahren konnte, gelöst hatte und ich zurückkam, war der Wagen vollbesetzt und ich konnte in gar keinem mehr Platz kriegen. Der Fahrdienstleiter dort sagte nun: „Schaun's dass reinkommen“, ich begehrte auf doch er sagte:“ Da gehen's doch rein, wenn nirgends Platz ist“. Es war schon höchste Zeit zur Abfahrt, er ließ sich nun meinen Urlaubsschein vorzeigen, dabei maulte ich weiter,  dass dieses doch kein Zustand ist, wenn man wie ich bereits dreimal eine Fahrkarte lösen muss, wenn man immerhin einige hundert Kilometer zu fahren hat wie ich. „Ja haben denn sie keinen Rückfahrschein“? fragte er. „Nein, ich hatte keinen bekommen“ entgegnete ich. Da sagte er: “Sollten sie jemals wieder auf Urlaub fahren und bekämen keinen Rückfahrschein, dann melden sie ,dieses beim Hauptmann auf der Bahnhofskommandantur, dann werden sie gleich einen bekommen von ihrer Lazarettverwaltung“, sprach's und schob mich der Einfachheit halber in ein Abteil erster Klasse, schlug die Türe zu und pfiff und winkte mit seinen Stabtäfelchen zur Abfahrt. Trotz meines voraus gegangenen Ärgers musste ich jetzt lachen, denn manchmal ist auch das Aufbegehren von Nutzen. Im Übrigen  war ich in dem I Klasse Abteil ganz allein drinnen. Von der Rückfahrt nach Kassel machte ich aber noch eine Bauernwallfahrt nach Altötting mit. An dieser Wallfahrt nahmen Bauern aus ganz Bayern teil. Großvater Gerstner nahm auch daran teil. In Ingolstadt, wo wir in den eigentlichen Pilgerzug einstiegen, meinte er laut seufzend: „So ausgstieg'n und do issa a' scho nimma“, obwohl ich hinter ihm stand und Acht gab dass ihm nicht passiert.

Ich rüttelte ihn an der Schulter und sagte: “Da bin ich ja, ich laufe nicht weg und wenn der Pilgerzug kommt, dann bin ich auch da“. Nun war er zufrieden. In Altötting angekommen sah ich Onkel Gerstner, also seinen Sohn schon von weiten unter den Leuten stehen, beim Einzug. Großvater war ganz überrascht, dass alles so wie am Schnürl ging. Die ganze Nacht ununterbrochen ging damals um die Gnadenkapelle eine endlose Prozession und unaufhörlich wurde gebetet:
Oh Maria hilf, oh Maria hilf, oh Maria hilf doch mir,
ein armer Sünder kommt zu dir, im Leben und im Sterben, lass uns nicht verderben,
lass uns in keiner Todsünd sterben, steh uns bei im letzten Streit,
oh Mutter der Barmherzigkeit. Amen
Erst am Vormittag als die Glocken zu den Gottesdiensten läuteten, löste sich diese Prozession auf. Wenn welche fort gingen, kamen dafür wieder andere. Auf diese Weise war der Ring immer geschlossen. Am Vormittag des  nächsten Tages glückte es mir, auch an den Gnadenaltar in der heiligen Kapelle vorzudringen. Nachdem ich unserer lieben Frau von Altötting meine eigenen Anliegen vorgetragen hatte, betete ich auch noch für mein Annerl, trotz allem was bis jetzt gewesen war und ich glaubte ein gütiges Lächeln auf dem Gnadenbild zu erkennen, das aus ihrem Tabernakel-artigen Glasschrein hervorleuchtete.
Durch eine kleine Seitentüre vorne rechts verließ ich das Heiligtum wieder, denn jeder wollte hinkommen zur Mutter. Bei solchen Gelegenheiten hat man eben nicht viel Zeit. Das war nun ein schöner Urlaubsabschluss.
Die Fahrt nach Kassel ging von  Dietfurt, Neumarkt i.d.Opf.,  Nürnberg,  Bamberg, Lichtenfels, Coburg, Memingen, Bebra, in Bebra kreuzen sich viele Bahnlinien, eine bedeutende Bahnstation oberhalb Bebra, ist mir mit den Namen entfallen, dann kommt Kassel das liegt an der Fulda. Ich war damals auch an der Eder - Talsperre, diese ist die größte Talsperre Europas. Die Sperrmauer  geht  in einem großen Halbkreis gegen den ungeheuren Wasserdruck und ist sechzig Meter hoch. Diese Talsperre macht die Weser an ihrem oberen Lauf schiffbar. Bis Kassel fahren auch die großen tausend Tonnen Dampfer auf der Fulda. Die Sperrmauer  ist auch vierzig Meter dick. Lauter Beton und Stahl. Doch das nur nebenbei.
Es war höchste Zeit, dass ich wieder in ärztliche Behandlung kam, denn mein Arm war wieder aufs neue schwärrent, das heißt eiterig geworden. Nachdem Chefarzt Dr. Freete die neu aufgebrochene Wunde untersucht hatte, zog er mit einer Pinzette einen etwa drei Zentimeter langen Knochensplitter heraus, dass war der Grund warum mein Arm immer so arg schmerzte. Von jetzt ab wurde es besser. Es dauerte also deshalb ziemlich lange, bis ich jenem Mädel aus Zell mein Versprechen einlösen konnte. Ich schrieb ihr natürlich per Sie, bat aber zugleich um das Du, weil dieses nicht so unnahbar klingt. Es wurde mir das Du genehmigt und im Folgenden wurde eine regelrechte Liebschaft daraus. Zum Zeitvertreib schrieb ich ihr in der Folgezeit viele Briefe. Inzwischen hatte sie in Plattling wieder eine Stelle als Köchin angenommen und da konnte sie logischerweise diese meine Briefe nicht alle beantworten. Als ich ihr deswegen Vorhalte machte, schrieb sie darauf; du musst auch wissen, dass wir achtzig Mann Einquartierung haben und da gibt's doch allerhand Arbeit. Diese Mitteilung hatte mir gerade noch gefehlt. Deshalb schrieb ich besorgt zurück: unter diesen achtzig Mann wird einer sein, der dich zu verführen versucht. Da schrieb sie zurück: mein lieber, lieber Michael, sei nur unbesorgt, denn ich finde es einzig schön mit dem Myrtenkranz geschmückt mit dir zum Traualtar zu gehen. Ein herrliches Wort. Aber trotzdem verdoppelte ich meinen Eifer, denn mir lag nichts mehr an nur einer Liebschaft, ich wollte eben nach dem Krieg eine Frau und nicht nur eine Frau, sondern eine Jungfrau heiraten. Doch trotz allem es wurden die Antworten immer spärlicher und blieben zuletzt ganz aus. Ich schrieb ihr aber trotzdem noch etwa sechs Briefe, denn ich konnte es einfach nicht glauben, dass alles nur ein Narrenspiel war. Sie hätte damals in Zell nicht auf der Zither spielen brauchen: Du, du liegst mir im Herzen, und darf, darf, darf ich der trauen, dir, dir und deinem Sinn, ja sie hätte mir trauen dürfen.
Nachdem ich mich von diesem zweiten Schlag etwas erholt hatte, schrieb ich ihr noch mal und ersuchte sie, mir meine Briefe zurückzuschicken, denn ich wollte ihr in Zukunft nicht mehr lästig fallen. Auch bekam ich darauf keine Antwort mehr. Den ersten Schlag versetzte mir also mein Annerl, den zweiten nun dieses Mädel. Es sollte aber noch schlimmer kommen und du mein lieber Leser, liebe Leserin musst dich noch mal gedulden, bis ich dir im achten Abschnitt dieses berichten kann.
Mit grimmigen Humor verlief meine weitere Lazarettzeit und an diese anschließend, bekam ich noch vier Wochen Genesungsheim in Großenritte bei Kassel, damit war nun ein ganzes Jahr vergangen. Am 30. November 1915 wurde ich als dienstunbrauchbar mit 24.00 DM Rente vom Herrendienst entlassen. Jetzt war der Krieg für mich aus. In der Folgezeit erfuhr ich dann von der Schwester jenes Mädles aus Zell, dass sie ein Filzefeldwebel (wir sagten beim Barras, Bandlbua) tatsächlich verführt hat, dass sie ein Mädchen geboren und er sie dann in ihrer Schande sitzen ließ. Also nicht heiratete.
Siebter Abschnitt. Die Nachkriegszeit und Inflation.

Der Krieg war aber mit meiner Entlassung aus dem Herrendienst noch nicht aus. Er dauerte noch drei Jahre und als Ende Oktober 1918 bereits eine deutsche, bevollmächtigte Abordnung in Frankreich zu Feindesverhandlungen weilte, machten die Deutschen schnell noch Revolution und als die Franzosen dies erfuhren sagte ihr bevollmächtigter Sprecher zu den Deutschen,: “Meine Herren, bei Ihnen ist die Revolution ausgebrochen, unsere Bemühungen sind zwecklos“. Jedenfalls war jetzt der Krieg aus, wie sich alles zugetragen hat, ist ja schließlich egal, auf alle Fälle war der Krieg verloren und alle Blutopfer waren umsonst. Auch ich musste am 20. Juli 1917 noch mal einrücken und kam zunächst zur Genesungskompanie und nach etwa 14 Tagen zur dritten Ersatzkompanie und nach etwa 14 Tagen zur dritten Ersatzkompanie nach Forst Hartmann. Ich muss da noch mal sozusagen vom Krieg erzählen. Franz Schmid aus Riedenburg und ich holten in Dünzlau die Milch für die Kompanieküche. Da sahen wir beim fortgehen einen Rehbock mit schönen Geweih im Schnee liegen. (Er lebte noch) Als wir zurückkamen war er schon fast tot. Franz Schmid, ein Brandmetzger von Beruf, flachste ihn kunstgerecht auf und so hingen wir ihn an der Stange, an welcher wir die schwere Michkanne aufgehängt hatten  auch noch dran und trugen ihn keuchend und schwitzend in unsere Küche. Wir waren der Meinung, es gäbe dann zur Abwechslung einmal Rehbraten. doch weit gefehlt, wir mussten ihn anschließend, etwa 1,5 Stunden weit nach Ingolstadt tragen. Franz Schmid ist etwas kleiner als ich, (er lebt schon noch) und ging deshalb voraus. Dabei brummte er immer etwas von großen Rindviechern, die wir sind und weil ich mit einem großen Maß von Galgenhumor gesegnet bin, konnte ich wenigstens hinten über unsere Dummheit lachen.
Er, der Franz ist sehr leicht reizbar und wenn er gesehen hätte, dass ich auch noch lache, dann wäre es ganz aus gewesen. Das dicke Ende kommt aber noch. In Ingolstadt angekommen mussten wir uns erst durchfragen, bis wir die besagte Wohnung fanden. Endlich standen wir vor dem Haus und Franz wischte sich zuerst den Schweiß ab und murmelte etwas vom guten Trinkgeld, ehe wir noch ein paar Treppen hochkletterten mit unserer Stange, an welcher unser Rehbock hing. Zunächst kam auf unser klingeln das Hausmädchen, diese ließ uns schon gar nicht hinein, sie sagte nur, sie will es der gnädigen Frau sagen. Endlich kam dann die gnädige Frau mit der Lorgnette (Stielbrille) betrachtete sich unser Mitbringsel, sagte Dankeschön und ließ uns stehen.
Die Stange ließen wir heraußen vor der Wohnung gleich stehen und Franz griff mir zuerst an den Kopf, dann sich selber. Die Feder sträubt sich alle die guten Wünsche zu vermelden. Die alte Matz war noch das gelindeste seiner Worte. Matz aber ist bei uns die landläufige Bezeichnung für einen weiblichen Hund, Einmal ging von der ersten Ersatzkompanie ein Transport ins Feld ab. Ein mir völlig unbekannter Mann (also Soldat) von der ersten Kompanie kam in unser Zimmer und fragte: ob ein Mann da wäre, der für ihn um mittags 12.00 Uhr zur Wache antreten möchte. Weil ich nicht gerne in die Stadt gehen wollte, sagte ich, dass ich für ihn antreten will. Es war dieses an einem Sonntag und ausgerechnet hat einer den Transport geschwänzt, ist also nicht mit und dafür musste natürlich ein anderer Mann mit. Auf dieser Fortwache waren zwei Mann als Posten und ein Gefreiter als Wachhabender eingeteilt. Ich wurde um 10.00 nachts abgelöst und sagte zu dem Wachhabenden Scheuber: „Wenn du dich hinlegen willst, übernehm ich die Wache“. Er fragte, ob ich mit Telefon umgehen kann und da ich dieses bestätigte, legte er sich hin. Bald darauf läutete das Telefon, ich meldete: „Wache Fort Hartmann hier, ohne Neuigkeit“.  „Danke, hier ist Rondeoffizier Müller“. Bald darauf läutete die Hausglocke, ich ging nach draußen und ließ die Nachturlauber herein, machte aber das Tor nur soweit auf dass immer nur ein Mann herein konnte. Urlaubsschein abgeben, Urlaubschein abgeben.
 Die abgegebenen Urlaubsscheine schrieb ich dann im Wachlokal ins Rapportbuch und als der Gefreite Scheuer das Rapportbuch bei der ersten Kompanie ablieferte, fehlte jener Mann, er stand also nicht im Rapportbuch, mit dem Vermerk, ohne Urlaubsschein einpassiert, obwohl er jetzt da war. Er sagte einfach, der Posten beziehungsweise der Wachhabende habe ihn herein gelassen, ohne ihn nach dem Urlaubsschein zu fragen. Nun musste ich auf die Schreibstube der ersten Kompanie kommen, der Hauptmann dort, sagte zunächst als ich mich meldete folgendes: „Posten, wenn ich sie jetzt frage, sprechen sie die Wahrheit, haben sie heute Nacht einen Mann hereingelassen, ohne ihn nach seinem Urlaubsschein zu fragen“? „Nein Herr Hauptmann“ war meine Antwort.  Er fügte jetzt hinzu. „Posten, sie könnten bestraft werden von wegen Wachtvergehen, wegen belügen eines Vorgesetzten.  Er wiederholte noch mal die gleiche Frage und auf mein dreimaliges: „Nein Herr Hauptmann“, wandte er sich an einen in der Schreibstube anwesenden Mann und sagte: „Ein gemeiner Lügner“. Da unterbrach ihn der andere Offizier und sagte: „Entschuldigens Herr Hauptmann, lassen sie bitte den Mann kommen (er nannte irgendeinen Namen) der ist nämlich mit mir herein“. Der Kanzleischreiber musste den Mann holen, der Herr Hauptmann musterte mich jetzt von Fuß bis zum Kopf und jetzt kam dieser besagte Mann. Ernst und eindringlich fragte ihn nun der Hauptmann, er soll die Wahrheit sagen. Er antwortete: “Ich weiß nicht, dass jemand mit mir herein ist, ich war allein und ich habe auch meinen Urlaubsschein abgeben müssen“.“ Posten sie können abtreten“ wandte er sich mir zu.
So schneidig machte ich niemals kehrt wie damals. Im hinausgehen hörte ich, dass er sogleich verhaftet wurde, eben in der Schreibstube der ersten Kompanie. Und die Moral aus dieser Geschichte, mache nie freiwillig eine Wache, warte bis du dazu kommandiert wirst. Am 7. August 1918 wurde ich dann endgültig entlassen und bekam meine 24.00 DM Rente wieder. Die Nachkriegszeit war eigentlich eine Zeit der Zwangswirtschaft. Man brauchte zu allem einen Schein. Einen Mahlschein, einen Schlachtschein, einen Bezugsschein für Schuhe, für Textilien und so weiter. Dabei wurde alles von der erfüllten Ablieferungspflicht abhängig gemacht, war man also damit in Rückstand, bekam man nichts. Diese Zwangswirtschaft dauerte aber noch fünf bis sechs Jahre. Die Revolution 1918 hatte alle bisherige staatliche Ordnung über den Haufen geworfen. Allmählich bildeten sich sechsundvierzig politische Parteien, jede warb für sich und zog dabei die anderen Parteien in den Kot. Dadurch verfiel allmählich auch die Währung, weil keine rechte Ordnung mehr war. Ich will ja keine geschichtlichen Aufzeichnungen machen, aber ich führe den Währungsverfall auf diese Unordnung zurück. Schließlich war eine Rentenmark, eine Billion Papiermark. Ich habe eine Billion Sekunden berechnet und zwar wie viele Jahre eine einzige Billion Sekunden dauert. Das Astronomische Jahr hat 365 Tage und 6 Stunden. Diese 6 Stunden wurden alle 4 Jahre zu einem Schalttag zusammengelegt.
 Also demnach sind:
365 Tage X 24 Std. = 8760 Std. + 6 Std. = 8766 Stunden
8766 Std, X 3600 Sekunden= ein Jahr = 31,557.600 Sek.
31.557.600 X 1000 Jahre = 31.557.600.000 Sek.
31.557.600.000 X 31 = 31.000 Jahre = 978.285.600.000 Sek.
Es bleibt von einer Billion  21.714.400.000  übrig.
Genau ausgerechnet ergibt das also eine Billion Sekunden
31.691 Jahre, 333 Tage, 20 Stunden und 40 Minuten.
Eine Billion Mark war dann Mitte November 1923 eine Rentenmark. So mancher leichtsinnige Bauer war, inzwischen das Geldausgeben gewohnt und so mancher kam in Zahlungsschwierigkeiten. Die allgemeine Moral kam ins Wanken und dadurch wurde allmählich der Boden für den „Nazionalismus“ bereitet. Doch diese Beschreibung kommt erst im 11. Abschnitt.
er Abschnitt. Anwesensübergabe 1919.

 

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