Schaumann Chronic

 
Als einer der älteren, jetzt lebenden Männer in Altmühlmünster, welche noch in das 19. Jahrhundert zurückdenken können, habe ich mich entschlossen, meinen Kindern und Nachkommen eine kleine Familienchronik zu schreiben und kleine Lebenserinnerungen darin niederzulegen. Möge der liebe Herrgott mich, mein Beginnen und alle meine Nachkommen segnen,
im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen
Die heilige, unbefleckte Jungfrau Maria
Königin der Engel und Menschen breite ihren Schutzmantel aus über uns alle, über unseren heiligen Vater, über alle Bischöfe, Priester, Ordensleute und alle Stände der heiligen Kirche über unser Volk und Vaterland.
Ihren mächtigen Schutze seien auch empfohlen die Missionen, die Missionare, Missionsschwestern und Missionsbrüder und unsere Familien.
Maria mit dem Kinde lieb uns allen Deinen Segen gib.
Altmühlmünster den 17. April 1955 Michael Schaumann. Altmühlmünster den 12. Februar 1992 Martha Bichler.
Vorbemerkungen
Der Ordnung halber und zur leichteren Übersicht will ich meine Aufzeichnungen einteilen wie folgt.
1.)
Meine    Kindheit
2.)
Meine    Eltern
3.)
Meine    Ahnen
4.)
Jugenderinnerungen
5.)
Die gute alte Zeit von        1890 –   1914
6.)
Der erste Weltkrieg
7.)
Nachkriegszeit und Inflation bis Nov. 1923
8.)
Anwesensübernahme         1919 und Vorfahren
9.)
Unsere   Familie
10.)
Besondere Vorkommnisse und Ereignisse während
meines Lebens
11. Nationalsozialistische Epoche, zweiter Weltkrieg
      Zusammenbruch und Nachkriegszeit
12.5
Reden    und         Ansprachen
13.)
Geburtshilfe         im           Rinderstall
14.)
Kirchengeschichte               Altmühlmünster
15.1
Noch      eine Geschichte aus der Guten Alten Zeit
Meine Kindheit.
Am 21_ Juni 1881 verehelichten sich meine Eltern, der Schuhmacher Michael Schaumann, wohnhaft in Altmühlmünster 10 und Barbara Brunner eheliche Tochter des Johann Brunner, Schuhmacher in Thann und dessen Ehefrau Kreszenz, eine geborene Semmler. Nach einer mehr als sechsjährigen, kinderlosen Ehe, wurde ihnen meine Schwester Katharina am 30. Oktober 1887 als erstes Kind geboren, doch Katharina wurde mit etwa zwei Jahren krank und man fürchtete sogar, dass sie sterben würde. Nun ließen meine Eltern sie fotografieren. Katharina aber hatte Angst und wollte nicht still stehen, da sagte der Fotograf: “Guck da kommt’s Vogerl raus und in diesem Augenblick ward eine wirklich sehr nette Aufnahme geglückt. Es ist begreiflich, weil Eltern auch einen Stammhalter sich wünschen, doch der wollte nicht kommen, deshalb verlobten meine Eltern sich zu einer Wallfahrt nach Unteremmendorf und ihr Gebet wurde auch erhört. Am 13. September 1890 nachmittags 5.00 Uhr wurde ich nun meinen Eltern als zweites Kind geboren, Die Freude war groß und meine liebe Großmutter aus Thann, hatte mir kaum ein halbes Jahr alt, ein schönes, weißes Kopfhütchen gekauft mit ja, einer grünen, weißen und rot gefärbten Hahnenfeder als Schmuck darauf, wie es halt seinerzeit auch einmal üblich war. Doch die Freude dauert nicht allzu lange. Auch ich fing zu kränkeln an und nur den Umstand dass meine Mutter mich länger als ein Jahr an der Brust stillen konnte, habe ich es zu verdanken, dass ich mit den Leben davongekommen. Ich wurde immer elender, man gab schon alle Hoffnung auf’s gesund werden auf, mein eben erwähntes Strohhütlein wurde den kleinen Girgerl  geschenkt, dieser kleine Girgerl, d. h. Georg, war gleich alt wie ich, aber ungemein kräftig und gesund. Wieder war es meine gute, fürsorgliche Großmutter aus Thann welche mir ein Sterbehemdlein und einen ganzen “Zöger” (das ist eine nach damaligen Brauch aus Leder kunstvoll mit allerlei Zierrat gefertigte Lederhandtasche) voll Rosmariensträußchen brachte, denn mein Leben war ja nur noch von einigen Stunden, Doch der liebe Herrgott fügte es anders. Er der Unerforschliche hatte auch für mich eine zu erfüllende Lebensaufgabe vorherbestimmt. Die damalige Krise war überstanden, aus dem lebensschwachen Büblein erwuchs ein immerhin kräftiger Bub und danke ich heute noch dem lieben Himmelvater, dass er mir so herzensgute Eltern gegeben hat. Ich kann mich noch in’ meine früheste Kindheit zurück erinnern und vieles was in diesem Büchlein geschrieben steht, hat mir meine liebe Mutter erzählt, von meinen dritten Lebensjahr an weiß ich aber viele Vorkommnisse selbst.
Mein Vater war aber keineswegs unbeteiligt. Allerdings überließ er aus weisen Gründen die erste Bildung meines Kinderherzens und meinen überaus weichen und empfindsamen Gemüts der Mutter.
 So wurde in mir schon frühzeitig die Liebe zur Heimat, zu Wald und Feld, Berg und Tal gelegt, wo in früheren Zeiten meine Ahnen mit Not und Sorge ringen mussten, wo der Boden durch ihren Schweiß geweiht und geheiligt ist. Jener Eliasgirgerl welchen ich oben erwähnte, ist trotz seiner guten Gesundheit keine zwei Jahre alt geworden und hat mein Strohhütlein nicht mehr verbraucht. Hoffentlich werden wir beide uns einmal im Himmel kennen lernen.
So ist eben Gottes Ratschluss stets unerforschlich, für den einen so, für den anderen eben anders. Hauptsache ist und bleibt, wenn der Mensch in Gotteskindschaft sein Ziel erreicht. Meine Mutter war übrigens von feiner, zarter und überlegt guter Herzens­bildung, was nachstehend angeführte Begebenheit ein kleinwenig beweisen soll. Einmal badete mich meine Mutter und sie setzte mich zum abtrocknen auf eine Decke auf den Tisch. Ich war damals etwa drei Jahre alt und hatte gut ausgebildete Brustwarzen. Als mich meine Mutter abtrocknete, sah ich an mir herunter und dabei fielen mir eben meine Brustwarzen auf. Sogleich fragte ich sie “Mutter was ist denn das?” Einen kurzen Moment gab ihr diese Frage einen sichtlich überraschten Ruck. Mit einer sehr ruhigen und mich vollauf befriedigenden  Antwort löste sie dieses heikle Problem. Ja schau Micherl, sagte sie: „Des is a’ so. Als d’ Jud’n an “Himmivater” kreuzigt ham, da hams eam mit da Lanz’n ins Herz gstoßn und seitdem ham alle Leut, do an der Seitn des Wundmal, damit sie´s  nicht vergessen“. Staunend war ich zufrieden. Als ich aber älter wurde, habe ich oft an diese Begebenheit gedacht und diese Antwort wirklich bewundert und heute, als alter Mann, hab’s ich auch noch, nicht vergessen.
Möchten doch alle Väter und Mütter, im Reden und Handeln ihren Kindern gegenüber so überlegt sein, denn Kinderherzen sind weich und empfänglich und viel hängt manchmal für das ganze Leben davon ab, wie die Eltern redeten und handelten.
 
 
2.            Kapitel.
Der Schauplatz meiner ersten Kinderjahre und der Schuljahre war mein Geburtshaus Nr.10 in Altmühlmünster sowie der daran anschließende, Garten. Ich kannte da jedes Grasbüschel, jeden Stein und Schlehendornhecke, wusste wo die Bachstelzen und Rotschwänzlein ihre Nester hatten und die Meisen. Hatte unterm Hollerbaum beim Backofen einen verschwiegenen großen Dachstein gelegt, unter welchen man jederzeit mühelos Regenwürmer fand, welche als Köder an der Angel zum fangen der herrlichsten Forellen unentbehrlich waren. Mein Vater selig verstand die Kunst aus Roßschweifhaaren Angelschnüre zu drehen, welche außerordent­lich reißfest und dauerhaft waren. Doch diese viel Aufmerksamkeit erfordernde Arbeit lohnt sich heutzutage nicht mehr, denn Seiden- und Perlonschnüre sind jederzeit erhältlich. Doch das nur’ nebenbei. Mit meiner Großmutter durfte ich des öfteren nach Obereggersberg gehen. Sie kaufte da von den Schloßknechten jedesmal einen Laib Brot und beim Schloßschweizer Backstein oder Schweizerkäse. hatte sie dann ihre Einkäufe besorgt, da ging sie herunten nicht an der alten Försterwirtschaft vorbei, es wurde Einkehr gehalten. Nur fünf Pfennig Bier und zwei Pfennig “Hoinzl” (das war Dünnbier von zweiten Aussud ) ergab einen Liter Durststillendes Getränk, welches meiner lieben Großmutter jedes Mal die Lebensgeister auf höchste Touren brachte. Nachdem sie mir dann meine Nase nach allen Regeln der Kunst geputzt hatte, durfte auch ich trinken. Dankbar und bewundernd zugleich schaute ich zur lieben Großmutter auf und war nicht wenig stolz auf sie, wenn sie ihr mageres Geldbeutelchen heraus zog und die Zeche bezahlte. Unter Hinweis auf den langen und erschwerlichen Weg nach Altmühlmünster versuchte dann die Wirtin meine Großmutter, doch manchmal die gleiche Krugfüllung kommen zu lassen. Doch nach einigen zögern ließ sie es geschehen. Sie fragte mich, ob ich “an Kaas mog” und ich mochte an Kaas. Also kramte sie den Schweizerkäse aus und ich bekam davon. Vielwissend und argwöhnisch schaute sie dann immer rechtzeitig auf meine Nase und putzte sie mir nachdrücklich. Hatten wir dann alles geschafft und dabei vierzehn Pfennig vertrunken dann ging es heimzu. Sie, meine Großmutter ging da nicht stillschweigend ihren Weg, sondern mit viel Redeaufwand suchte sie mir zu erklären, dass das net alle Tage leidt, das heißt, dass ein solcher Aufwand nicht alle Tage erschwinglich sei. Jetzt müssen wir wieder a’ Weil sparen war
ihre Meinung und Entschuldigung. Nachdem mein Großvater Schuhmacher war und immer auch alte Schuhe in rauen Mengen zur Reparatur und zum Besohlen gebracht wurden, verdiente er soviel, dass etwa alle vierzehn Tage, meine Großmutter so eine kleine Brot – Käse – und Bierreise unternehmen konnte. “Handwerk hat goldenen Boden” und das trifft auch heute noch zu. Da nun in Altmühlmünster schon von jeher die Anwesensbesitzer auf irgendeinen Nebenverdienst angewiesen sind, so arbeitete auch mein Vater, obwohl Schuhmacher, entweder als landwirtschaftlicher Taglöhner bei den auswärtigen Bauern, oder als Handlanger. So war er auch beim Neubau des Wohnhauses Gabler, (Hausname Rengsburger) Deising, beschäftigt, welches 1892 – 93 erbaut wurde.
 
Weil nun mein Vater fleißig war, er war ja auch sehr kräftig und schaffte oft sozusagen für zwei, bekam er von der damaligen Rengsburgerbäurin zu Mittag immer Suppe und ein schönes Stück Fleisch, das ihm die Maurer nicht vergönnten, doch eines Tages wartete er vergebens, er bekam nichts und am nächsten Tag auch nichts.
Die Maurer lachten ihn aus, was meinen Vater ärgerte. Als er nun am dritten Tag auch nichts bekam, fragte er die Bäuerin, warum er jetzt nichts mehr bekomme? Da sagte sie ihm: “Wenn dir unsere Suppe nicht gut genug und das Stück Fleisch nicht groß genug ist dann brauchst auch nichts” ich hab gemeint wunderwas ich tu. Mein Vater drauf: “Wer sagt denn so etwas” .Na die Maurer hams gesagt, daß’t alle Tage übers Essen schimpfst! Da Polier, der Meister hats selber gesagt. So, so Regensburgermutter sei so gut und bleib an Augenblick stehen daherunten, des wer’n ma glei ham. Mein Vater ging nun die Gerüsttreppe hinauf, packte den Polier beim Hemdkragen von hinten und beim Hosenboden, hob ihn über das Gerüstgeländer hinaus und sagte:”Kerl, ich schmeiß dich da hinunter wenn du der Rengsburgermutter nicht augenblicklich sagst, ob i über ihr Suppen und Fleisch geschimpft hob, oder net”. Der Polier:”Ach Schaumann sei gscheit, wir ham di ja bloß ärgern woll’n und von da an bekam Vater wieder seine Suppe wie bisher. Wenn meine Eltern auf das Feld zur Arbeit mussten, trug mich die Mutter kurzerhand zur (Ahnfrau) zur Großmutter. Diese hatte ihr Stübchen da, wo die Fenster zum Garten und Keller hinauf schauen. Sie redeten belanglose Dinge, bis auf einmal Großmutter sagte: “Uijegerl” da ist ja gar de alte Sau heraußen,
tu’s no glei nei.” Die Mutter stellte mich rasch auf den Stubenboden und flugs war sie draußen. Bis ich dann auf die Bank kletterte, nur de alte Sau wenn’s draußen vorbeiläuft zu sehen, war der Abschiedsschmerz gar nicht erwacht, die alte Sau sah ich aber nie laufen. Das fiel mir weiter nicht auf, obgleich fast jeden Tag, das gleiche passierte. Meine Großmutter hatte dabei schon einige Übung. Geh sagte sie dann, na kriegst a’ paar Hut­zeln. Ich hing mich an ihren Schürzen- oder Rockzipfel, dann ging’s zu ihrem Kleiderkasten. Ich vermein heute noch den Duft der diesem entströmte, zu riechen. Es roch da nach Grauschimmel, nach Hutzeln, gedörrte Zwetschgen, nach Rosenmehl, Schmalz und Rauchfleisch, nach alten Kleidern und Naschwerk u.s.w. Alle Kostbarkeiten waren da verstaut und oben ganz hinten lag verbor­gen ein aus rauen Leinen, ziemlich rußiges Säcklein mit den erwähnten Haselnüssen. Wenn nun endlich die Großmutter das erwähnte Säcklein fand, das dauerte manchmal so ziemlich lang, hatte ich längst meine Hände zu einer kleinen Grube geformt, damit sie diese Haselnüsse da hineinlegen konnte. Aber so schnell ging das nicht, erst raschelte und rauschte sie mit den Nüssen im Säcklein eine Zeitlang herum und endlich kam dann ihre magere Hand wieder zum Vorschein und richtig, sie hatte etwa fünf oder sechs davon erwischt. Mit einer eindringlichen Mahnung “schau auf, fall net wieder und verschütt’s nicht, war ich entlassen. Mit Großvaters Schusterhammer wurden sie dann auf den runden Stein, der zum ausklopfen der Schuhsohlen diente, aufgeschlagen. A’ Köstlichkeit der Köstlichkeiten. Wenn dann auch ein paar taube, leere Nüsse dabei waren, so tat das dem Guten keinen Abruf. Ich lernte dabei, mich in die unvermeidlichen Gegebenheiten zu fügen. Auch kochte Großmutter gern eine “Alte Wabl” dazu nahm sie in Scheiben geschnittene Semmeln, welche sie in gezuckerter Milch etwas einweichte, rührte einen feinen Weizenmehlteig mit ein paar darunter geklöpfelten Eiern, Salz, etwas Zucker und wann es gut ging sogar ein wenig Weinberln (Rosinen) an und schichtete alles lagenweise in eine irdene Töpferreine und Buck alles zusammen schön goldgelb fertig. Ich war beim zurichten dieser “Alten Wabl” keineswegs unbeteiligt. Des Öfteren holte ich ihr die Semmel beim Bäcker drüben oder beim Bräu draußen. Einmal aber musste ich wieder Semmeln holen. Der Bräu hatte seine alte Bierhefe in die neben der Haustüre wuchernden Ampferblätter geschüttet. Viele, viele so kleine weißblaue Schmetterlinge gaukelten da herum und Buben und Mädels waren engagiert darüber, gar welche von den Schmetterlingen zu fangen. Doch es gelang nicht. Ich war dabei so in Eifer geraten, dass ich meine Aufgabe die Semmel zu holen ganz und gar vergaß. Nach langen erfolglosen Bemühen warf ich kurzerhand das blaue Sacktüchl in welches mir der Bräu die Semmel binden sollte, auf die Schmetterlinge auf der recht weichen Hefe und die Bescherung war fertig. Mein Sacktüchl sah aus, als ob’s über und über voll Sch—dreck wär und gerade recht, kam Großmutter schon um die Friedhofsecke. Irgendetwas holte sie ganz verdächtig, samt der Hand in die Schürze gewickelt, was ich zunächst nicht sehen sollte. Als sie jedoch nahe genug gekommen war und die Bescherung sah, wollte ich schnell noch erzählen, wie viel wir solche Schmetterlinge erwischten.
Doch ich kam nicht mehr zum erzählen. Schnell fasste sie mich hinten an der Schnellfeuerkanone, (das war die Hose, welche hinten, wenn es pressierte, der ganze Boden schnell aufgeknöpft werden konnte) und das geheimnisvolle etwas, das sie in der Schürze eingewickelt hatte, sauste nicht schlecht auf meinen Boinbarton nieder. Wenn in Zukunft etwas zu erwarten war, schaute ich zuerst ob’s wieder was in der Schürze eingewickelt hat, manchmal nahm ich schon Reißaus. Doch den Haselnuss-Stecken bekam ich noch öfter zu spüren und ich konnte nicht begreifen, was Großmutter meinte, wenn sie darauf sagte: für ihre Hand wäre es zu Schade. So gingen meine ersten Kinderjahre in Freud und Leid dahin. Am 6. August 1894 konnten meine Großeltern ihr fünfzigjähriges Hochzeitsjubi­läum feiern. Dank der Initiative von Onkel Franz in Rosenheim, Onkel Peter in München und Onkel Hans in Parsberg wurde diese Feier fast zu einem Volksfest.
Nach feierlichem Amt wo ungewöhn­lich viele Leute beteiligt waren und einen wirklich großartigen Festessen, wurde abends zum Abschluss des Tages noch ein großes Feuerwerk abgebrannt und zwar auf der Wirtswiese. Dieses Ereignis hat sich bei den alten Leuten bis heute in lebendiger Erinnerung erhalten. Am 10. Oktober 1895 starb meine liebe Großmutter und damit ging meine erste unbeschwerte Kindheit ihrem Ende entgegen.
 
2.            Meine    Eltern.
Mein Vater war geboren am 20. November 1856 in Altmühlmünster Hsnr. 13. Er war das jüngste von sieben Kindern. Drei Brüder Johann Baptist, Franz und Peter, sowie drei Schwestern Katharina, Theresia, und Anna halfen kräftig mit, dass zwei weitere Brüder in dem kleinen Häuschen Hsnr. 13 dauernde Gäste waren. Diese Brüder hießen “Schmalhans” der hielt sich hauptsächlich in Küche und Keller auf und der zweite hieß “guter Appetit” dieser war immer zu Gast bei Tisch. Kein Wunder wenn es da immer sparsam zuging, wo doch bei diesem kleinen Häusel nur ein an steiler Berghänge liegendes Äckerl dazugehörte, wo die Mittagssonne unbarmherzig draufbrannte und die Kartoffeln liefern müsste, zu Suppen und Haus d. h. das Wohnhaus dieses Anwesen war noch nach den ersten Siedlungsanfängen von Altmühlmünster erbaut, also ein richtiges Holz – Blockhaus mit einer etwa eineinhalb Meter ausladenden “Alttanne”. Auf diese Alttanne stellten nun die vier Buben Hans, Franz, Peter und Michl ihre Bettstellen und schliefen draußen während des Sommers. Dieses alte Haus mit seinen kleinen Fenstern und den alten morschen Gebälk, hielt natürlich solche Strapazen nicht mehr allzu lange aus und Großvater sah sich deshalb veranlasst, es abzubrechen und das jetzt noch stehende Wohnhaus neu zu erbauen. Vom Standpunkt des “Naturschutzes” ist es eigent­lich bedauerlich, wenn solche uralte Baudenkmäler nicht in der ursprünglichen Form neu errichtet werden, sondern einfach durch öde, jeder Schönheit entbehrenden Steinhäusern ersetzt wurden. Mein Vater und der älteste Bruder Johann, Baptist lernten vom Großvater das Schuhmacherhandwerk, Bruder Franz das Zimmermanns – und Bruder Peter das Herrenschneiderhandwerk, was jedem der vier Buben in ihrem späteren Lebensberufe entscheidend zu Gute kam. Hans z. B. konnte sich dadurch in Parsberg eine Lebensexistenz gründen, Franz diente infolge seines erlernten Zimmereiberufes von 1869 – 1871 bei den Pionieren in Ingolstadt, trat dann als Eisenbahnaspirant bei der königlich, bayerischen Staatsbahn ein, tat Dienst in Pfaffenhofen am Starnbergersee und in Markl am Inn. Wurde zum Adjunkt befördert und nach Endorf in Oberbayern versetzt, heiratete 1887 die Kaufmannstochter Auguste Seidl von Holzkirchen. Wurde zum Egpetitor befördert und nach Neumarkt Sankt Veit versetzt. Von da nach Kufstein und 1896 nach Rosenheim. Peter diente beim 11 kgl. bayr. Polizei, hatte aber ein viel zu weiches Gemüt für den rauen Polizeidienst. Die Hand­werksburschen hatten das bald heraus, sie gingen geradezu auf ihn los und klagten ihm ihre Not. Peter war dann so gerührt, dass er diese Landstreicher auch noch beschenkte. Eines schönen Tages hängte er den Polizeidienst an den Nagel und ging nach München, wurde dort in der St. Maximiliannotkirche in der Auenstrasse 21 als Mesner angestellt und als Kirchendiener mit Galauniform ange­stellt und wohnte mit seiner Frau Adolfine bis zu seiner Pensi­onierung im Pfarrhof St. Maximilian in der Wittelsbachstr. 2 .Die beiden, Peter und Adolfine hatten keine Kinder, deshalb sagte er zu mir: Michl du weißt, dass ich keine Liebeserben hab. Ich habe deshalb für den Fall meines Todes mein Testament bereits gemacht und dich zum Erben eingesetzt. Dieses Testament liegt auch bei meiner Bank, mit guten 30.000.- DM kannst du schon rechnen. Es ist so gemacht, dass derjenige, der das Stichwort (Geheimniswort) weiß, berechtigt ist, über diesen Betrag zu verfügen kann und damit du es nicht vergisst. Es heißt “Grasmus” und der hl. Bischof Grasmus ist auf den hinteren Seitenaltar in der Pfarrkirche zu Altmühlmünster abgebildet. Doch die Inflation von 1920 bis Novem­ber 1923 fraß Onkel Peters Ersparnisse, ebenso wie alle übrigen Vermögenswerte, so dass Peter zuletzt selber noch notleiden musste. Die damalige Inflation folgt weiter hinten. (Bericht) Der Ein­fachheit halber auch noch ein kleiner Bericht über die drei Schwestern meines Vaters: Katharina, Anna und Theresia. Katharina heiratete den approbierten Bader Franz Majerhöfer in Arnsberg sie hatten zwei Kinder, Franz und Loris. Franz wurde Zahnarzt und wohnte in Chemnitz. Loris, Hebamme und wohnte in Berg bei Neumarkt/Opf. Anna heiratete den Kanalschiffer Benedikt Bachhuber aus Meihern. Sie hatten fünf Kinder Josef, Franz, Anna und Bene­dikt. Bei der Geburt des letzteren, verstarb sie im Jahre 1888. Die Theresia verstarb in jungen Jahren etwa 25 Jahre alt. Auf alle Fälle kann der Nachweis erbracht werden, dass die Schaumann ohne Ausnahme tüchtige Staatsbürger und brauchbare Menschen wa­ren. Doch nun zurück zu meinen Vater. Beim Neubau des Wohnhauses Nr. 10 in Altmühlmünster, hatte mein Vater schon tüchtig mitge­holfen. Mit einem so genannten “Esel” eine damals gebräuchliche Rückentrage schleppte er schon Bausteine und Mörtel aufs Gerüst. Franz hatte bei Stadler in Pondorf die Zimmerei bereits erlernt und hier muss ich gleich ein kleines Vorkommnis einfügen, dass sich damals zutrug und Onkel Franz mir selbst erzählte: Bei einem Bau­ern in Pondorf hatte sein Lehrmeister einen neuen Stadel zu bauen. Die Zimmerleute bekamen bei diesem Bauern auch das Mittagses­sen. Dabei gab es einmal geräucherten Schinken mit Kartoffelbrei. Einer der Maurer nahm einen tüchtigen Esslöffel voll Brei heraus und gab’s der Hauskatze auf die Bank, da diese recht zudringlich war.
Der Brei war noch kochendheiß und Franz stieß ihr die Nase hinein. Die Katze war darauf neben einem offenen Fenster, gleich durch die Glasscheibe des anderen Fensters auf die Gasse gesprun­gen, so dass die Glasscheiben splitterten und keiner eigentlich wusste wie das kam. Franz aber fragte wohlweislich nicht bekannt­lich können die Katzen nichts Heißes vertragen. Also durch die tatkräftige Mitarbeit auch schon meines Vaters war der Neubau des Hauses Nr. 10 im Frühjahr und Sommer 1869 durchgeführt und die Stadler von Pondorf, einschließlich Franz, setzten das Dachge­bälk. Im Herbst 1869 musste dann Franz zum Militär einrücken.
 
 
 
 
 
 
 
Meine Mutter.
Meine Mutter war geboren am 14. September 1856 in Thann. Sie war die zweitälteste von fünf Geschwistern. Ihre Geschwister hießen: Josef, Sebastian, Johann Baptist und Christine. In ihren jungen Jahren war sie landwirtschaftliche Dienstmagd und einmal, bei der Heuernte, schlug ihr ein Gaul des Bauern Georg Meier (Stadlerbau­er) den rechten Oberarm ab und hatte dabei noch Glück, dass sie nicht totgeschlagen wurde. Fast ein Jahr lang konnte sie sich nichts mehr verdienen. Mit vierundzwanzigeinhalb Jahren heirate­te sie meinen Vater und ihr Vater tat wirklich das Menschenmögli­che zu ihrer Aussteuer. Neben einen neuen Kammerwagen d. h. neuen Möbel mit Spinnrad und Wiege gab er ihr auch noch ein halbes Tagwerk umfassendes Holzteil mit schönem Bestand, samt einer Wiese im Grund hinten, an der Zell – Thannerstrasse. Auch sie war die schwere Arbeit und das Notleiden von Jugend an gewöhnt und deshalb machte es ihr eigentlich nichts aus, wenn sie nach ihrer Hochzeit gleich wieder weiternotnickeln musste. Meine Eltern mussten nämlich das Anwesen Nr. 10 um sage und schreibe 5757.- DM übernehmen, wo doch damals ein – eineinhalbjähriges Stück Jung­rind bei 45.- bis 50.- Mark nur kostete. Ausgerechnet an Weihnachten war jedes Jahr der Zins für die Kirche in Thann fällig, mit 99.- Mark. Kein Wunder, wenn deshalb auch’s Christkindl bei uns immer sehr, sehr bescheiden ausfiel. Und doch waren wir der Meinung, bei uns sei es doch am schönsten. Meine Eltern waren aber keineswegs grantig oder mürrisch, jeden Tag nach Feierabend sangen sie die schönsten Volkslieder und dabei war meine Mutter immer die Anfängerin. “Geh Vata sing, ma oans”. Sie saßen hinten neben dem Ofen auf so einer hölzernen Bank, welche ihr Kanapee oder Diwan ersetzte. Mutter hatte eine sehr schöne Sopranstimme und Vater konnte von Tenor über Alt und Bass variieren wenn’s notwendig war. Oft schon dachte ich mir: 0′ holde Kindheitszeit, noch einmal kehr zurück, wo spielend ich genoss, das allergrößte Glück, wo ich am Vaterhaus auf grüner Wiese stand und weit hinü­ber schaute ins Heimatland. Gott seis gedankt, heute, das heißt heutzutage weiß man vom Volkslied in einer Gastwirtschaft nichts mehr. Nur ein ewiges Kartenspiel ist die große Mode und natürlich auch der Sport, ganz gleich ob Fußball, Bob oder was weiß ich, wie sie heißen diese Herrgötter. Da lob ich mir doch heute noch ein Liedchen.
Und weil ich schon im Feuer bin, will ich gleich eines einfügen.
Nur noch einmal in meinem ganzen Leben, o’ möcht ich meine Eltern wieder sehen, was würde ich dafür alles geben, o’ könnte dieses noch einmal geschehen.
Ich würde sie alsdann mit holden Blicken, und o’ mit welchem kindlichen Vertrauen, allhier an meinen treuen Busen drücken, und wonnefall in Ihrer Antlitz schauen.
Der liebe Gott, ach hat sie mir entrissen, die mein Glück, meine Freude, mein Alles waren, die Tränen die für sie noch immer fließen, die werden fließen noch in späteren Jahren.
Sie sorgten stets für mich und meine Schwestern, (Brüder) und zogen uns zu edlen Menschen auf,
ich seh Euch liebste Eltern nimmer wieder, der liebe Gott nahm Euch zu sich hinauf.
Dort werdet Ihr nun ewig bei Ihm wohnen, dort schaut ihr immer Gottes Antlitz an, dort wird er Euch, ihr Eltern das belohnen, was Ihr euern Kindern Gut’s getan.
Oder noch die erste Strophe eines andern Liedes. 1. Dein gedenk ich, wann ich erwach,
du bist mein Stern in dunkler Nacht, am blauen Himmel seh ich dein Bild,  im Sternenschimmer strahlst du mir mild.
 
Heute noch als alter Mann rühren solche Lieder mein Herz und ich fühle mich aufs Neue wieder jung.
Meine Mutter musste früh und spät auf der Suche nach Futter sein und mit der so genannten Kirm bis in die entlegensten Winkel der Münsterer- und der angrenzenden Gemeindefluren Ausschau halten und riesige Bürden Gras heimschleppen, um die drei Kühe und zwei Jungrinder durchhalten zu können. Kaum war der Schnee weg, ging sie schon um sogenannte Holzdistel bis in die Arnsdorfer Hölzer. Diese Holzdistel wurde dann im Futterkochkessel dem Güllofen gekocht. Das roch wie der allerbeste Tee, dazu wurde noch Gersten gsott, gedämpft, ein wenig geschnittenes Heufutter dazu und schon war eine Viehmahlzeit fertig. So ein Pack Holzdistel reichte immer für ein paar Tage, das Seichgras jedoch nur für einen Tag. Um das Jahr 1891 kauften sie sich eine Wiese im Einsiedeltal.  1 Tagwerk und 3 Dezimal groß vom Jakelbauern und die drei Tagwerk Acker vom Müller in Deising, drunten im Deisinger Feld.
Es war zwar die winterliche Futternot behoben, die Schulden aber wieder mehr geworden. Als sie aber ihre Schulden mit äußerster Sparsamkeit und Fleiß fast abgezahlt hatten, da vertauschten sie ihr Anwesen Hsnr, 10 im Jahre 1910 (am 10. März 1910) gegen das Anwesen Hsnr. 16 in Eggmühle. Als Aufpreis mussten sie leisten: 5500.- Mark in bar, ferner mussten sie die erste Hypothek des früheren Mühlbesitzers Johann Braun von 6.000.- Mark mit übernehmen und dazu noch 600.- Mark Forderung des Bäckers Josef Gerstner an die frühere Besitzerin des Hauses Nr. 13 in Altmühlmünster, welches Haus damals meinen Eltern auch gehörte und bei diesem Tausch mitvertauscht wurde. Jetzt hatten sie wieder 12.100.- Mark Schulden.
 
Die Baraufgabe von 5.500.- Mark war für fünf Jahre unkündbar von Seiten der Herrn Bernheimer und Lämmle, das waren die Handelsjuden mit welchen der Anwesentausch abgeschlossen wurde und notariell verbrieft wurde. Weil aber diese auch ihr Geld brauchten, verkauften die diese Forderung an den Privatsparverein in Künzlau in Württemberg und wir mussten fortan Fristen und die Zinsen dort hin zahlen. Schon etwa 6 Wochen vor Ablauf der Schonfrist, also schon Anfang Februar 1915 machte dieser Privatsparverein meinen Vater aufmerksam, dass am kommenden 10. März der Restschilling aus diesen 5.500.- Mark mit 1.800.- Mark zur Zahlung fällig wird. Zugleich aber machten sie das Angebot, diese 1.800.- Mark weiterhin liegen zu lassen, wenn Vater eine Gratifikation von 100.- Mark ezahlt und zwar eine solche von 40.- Mark an den Privatsparverein und eine solche von 60.- Mark an die Herren Bernheimer und Lämmle. Vater nahm dieses gelassen zur Kenntnis und schrieb zurück: Die Hundert Mark kann ich auch gut brauchen, ihr bekommt eure 1.800.- Mark und dann haben die Herren Israeli­ten auf der Eggmühle nichts mehr zu suchen. Vieh hatten wir ge­nug. Verkauften also zwei Ochsen und zwei Stiere und 14 Tage vor dem Termin hatten diese ihr Geld. Wir fuhrwerkten dann vorläufig mit’ den Kühen und das ging auch. 5.500.- Mark Schulden aber waren bezahlt. Von jetzt an ging es besser, weil die Fristen und Zinsen nicht mehr mitfraßen, das heißt, diese bisherigen Zinsen konnten anderweitig verwendet werden. Eine sinngemäße Planungswirtschaft war aber nicht mehr oder wenigsten vorläufig nicht mehr möglich, denn es war inzwischen der erste Weltkrieg ausgebrochen, doch darüber wird später berichtet.
 
 
 
 
3. Meine Ahnen.
Soweit die Pfarrmatrikel in Altmühlmünster die Möglichkeit bot, habe ich Nachschau, beziehungsweise Nachforschung angestellt. Diese Pfarrbücher reichen zurück bis zum Jahre 1600. Sie wurden je nach Temperament des jeweiligen Pfarrers entweder sehr genau oder aber auch nicht so genau geführt, wie dieses schließlich doch auch erforderlich gewesen wäre.
Mein Ur- Urgroßvater Leodegar Schaumann ist geboren am 02. Juli 1753 in Meihern. Er war Schuster, katholisch und starb am 10.08.1814 in Meihern. Er heiratete die Müllerstochter Barbara Götz von Deising. Diese war geboren am 04. März 1748 in Deising, katholisch und starb am 22. Dezember 1812 in Meihern.
Mein Urgroßvater Johann Schaumann war geboren am 15. März 1783 in Meihern, war Schuster in Altmühlmünster, katholisch und starb am 15. November 1825. Er ist in der Altmühl ertrunken. Er heiratete am 27. April 1803 die Theresa Rödl aus Hainsberg, katholisch. Diese meine Urgroßmutter starb am 03. März 1844 in Altmühlmünster.
Mein Großvater Johann Schaumann war geboren am 10. Juni 1819 in Altmühlmünster, er war auch Schuster, katholisch und starb am 10. August 1904. Am 06. August 1844 heiratete er die Maria Anna Semmler aus Mühlbach. Geboren war meine Großmutter am 03. August 1815 in Mühlbach, über diese beiden folgt nach der Angabe meiner Ahnen mütterlicherseits, noch ein ausführlicher Bericht. Zuerst muss ich aber der Vollständigkeitshalber noch die Eltern meiner Großmutter anfügen.
Der Vater meiner Großmutter hieß Peter Semmler, war geboren am 23. Juni 1796 in Mühlbach, katholisch, war Maurer und heiratete am 20. September 1814 die Anna Maria Kraus aus Mallerstetten. Diese meine Urgroßmutter war geboren am 30.Mai 1791in Mallerstetten. Der Sterbetag der beiden ist mir nicht bekannt.
Über meine Vorfahren mütterlicherseits kann ich keine so genauen Angaben machen.
Mein Ur- Urgroßvater hieß Bartholomäus Brunner und meine Ur- Ur­großmutter Anna Maria. Die Geburtstage der beiden, ihre Ehe­schließung, sowie ihre Sterbetage sind mir nicht bekannt.
Mein Urgroßvater hieß Mathias Brunner ist geboren am 07. März 1797 in Jachenhausen, katholisch, war Schuster und starb am 17. Juni 1860 in Thann, er heiratete die Kreszens Pöringer, katholisch, der Tag der Eheschließung ist mir unbekannt und sie starb am 17. April 1830 in Thann.
Mein Großvater Johann Brunner ist geboren am 11. November 1825 in Thann, war auch Schuster, katholisch und heiratete die Kreszenz Semmler, katholisch, diese ist geboren am 19. August 1832 in Thann. Sie vermählten sich am 20. November 1898 ebenfalls in Thann.
Die Eltern der Großmutter hießen. Also mein Ur- Urgroßvater von Beruf Söldner, er arbeitete also im Taglohn und starb am 11.März 1813 in Thann, sein Geburtstag und der Tag seiner Heirat sind mir nicht bekannt. Er heiratete die Anna Maria Wittmann, katholisch, diese starb am 24. Juni 1831 in Thann.
Der Urgroßvater Jakob Semmler, katholisch ist geboren am 31. Ja­nuar 1796 in Thann, war auch Söldner, also Taglöhner und starb am 26. Februar 1861 in Thann. Er heiratete die Anna Maria Betz, katholisch, geboren am 24. Juli 1796 in Dieterzhofen, am 24. Februar 1824 in Altmühlmünster. Sie starb am 26. Februar 1861 in Thann.
Die Großmutter, also die Mutter, meiner Mutter hieß Kreszenz Semmler und ist mit Geburts-, Heirats- und Sterbetag bereits auf Seite 24 beim Großvater aufgeführt.
 
4. Jugenderinnerungen.
Als ich ein kleinwenig herangewachsen war, so etwa vom achten Lebensjahr ab, musste ich während des Sommers von früh bis spät die Kühe samt den Jungrindern hüten, um die Mutter, von wegen der Futtersuche etwas zu entlasten. Auch nach der Schule musste ich Kühe hüten und es interessierte mich, was sich regte in der Natur. Einmal aber hütete ich im schon erwähn­ten Rauchtal, es war ziemlich kühl und weil die Sonne grad bei einem Fichtenbaum, an der Stockwurz recht warm hinschien, setzte ich mich dorthin und schlief ein. Als ich erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel und meine Küh waren nirgends zu sehen. Der Schreck wollte mich fast lähmen. Schnell überlegte ich, wohin ich zuerst laufen sollte. Ich lief zuerst hinauf, also nicht den Grund herunter zu und siehe da, da standen sie im Schatten unter den Bäumen und wiederkäuten gemütlich. Fast musste ich weinen und lachen zugleich. Ich trieb aber nun doch gleich heim. Meine Kühe, die waren gut erzogen, wenn eine etwa einmal beim aus- oder eintreiben in angrenzende Äcker oder Wiesen gehen wollte, bedurfte es nur eines kurzen, scharfen Schreies: “Oide” was soviel heißen sollte: Alte gehst nicht gleich raus. Dann war die beste Marschordnung a’ wieder hergestellt und jede wusste was dieses “Oide” bedeutete. Kam ich dann heim und hatten die Küh richtige Wampen, waren sie also richtig vollgefressen, dann hatte mir die Mutter schon ein Ei mit einem Brocken Schmalz zurecht gelegt und ich fing mir dazu zwei Forellen und zwar jeden Tag. Vom unteren Eck unseres Backofen bei Hsnr. 10 (also mein Geburtshaus) etwa fünfzehn Meter Bachabwärts hatte ich zwei Forellen und dazu nicht etwa kleine.
 Du fragst, wie das möglich war? Das war so: Als die Eggmühle eben noch Mühle war, also eine richtige Bauern- Kunden­mühle mit Sägewerksbetrieb, da war der damalige Müller, Johann Braun bedacht, aus diesem Mühlenbach, auch neben der Wasserkraft, noch Forellen ernten zu können. Wenn das Bachbett zu reinigen war, machte er einmal die eine Hälfte vom Gras frei und nach etwa sechs Wochen die andere Hälfte. Die Forellen hatten da immer Unterstand und das lieben sie und gedeihen auch gut, weil sich an diesem Bachgras eben auch die Wasserflöhe oder Wasserläuse wie sie auch genannt werden, halten können, welche eben den Forellen hauptsächlich als Nahrung dienen. Seit aber die Eggmühle, dass heißt die Wasserkraft der Eggmühle als Antrieb für die Pumpstation der Wassverversorgungsgenossenschaft Thann – Eggersberg benutzt wird, ist es aus mit den Forellen. Warum? Alle paar Jahre kommen sie mit Schaufeln und jetzt mit dem Bagger und reißen alles heraus und wenn sich inzwischen wieder ein paar Fischlein eingenistet haben, dann sind’s wieder kaputt, weil ihnen jede Lebensmöglichkeit genommen ist. Und noch eines: Am 07. Februar des Jahres 1907 den Tag der ewigen Anbetung und den folgenden Tagen, wurden im Schulgarten in einem Sanddamm 200 Ztr. sind etwa 60 Ztr. flüssig warmer Kalk in den Bach hinein ausgelaufen und alle Forellen waren restlos zugrunde gegangen. Aber bis zum Jahre 1904 da waren sie unerschöpflich. Eine der größten fing mein Vater gegenüber dem Backofeneck mit der Hand unter einen Weidenstock, diese Forelle war mindestens 50 cm lang und hatte von der Rückenflosse gemessen Seitenflanken von 10 Zentimeter. Also ein Prachtexemplar. Doch nun zurück zu meiner Hirtenbrotzeit mit den genannten zwei Forellen. Hatte ich also die Kühe am Futterbarren angehängt, ging ich als erstes zu den bereits auf Seite 6. im 2. Kapitel, Zeile sieben erwähnten großen verschwiegenen Dachstein beim Backofen und holte mir einen Regenwurm unter diesem Dachstein hervor. Die Angelgerte lag stets griffbereit neben der Hausmauer. Ich köderte den Regenwurm daran und in kürzer als fünf Minuten waren die zwei Forellen gefangen. Alles ging nun schnell. Mit einem Reißigbüschchen, ein helles Feuer gemacht, die Stielpfanne mit dem Schmalz aufge­setzt. die Forellen schnell ausgenommen und sauber geputzt, in Mehl gewendet und in die Pfanne. Waren sie fast gargebacken, dann das gut verrührte Ei darüber und eine Brotzeit war fertig um welche einem jeder König beneiden konnte. Die Angelschnur war aus Roßhaar, der Schwimmer aus Gänsefederkiel. Durch diesem Federkiel wurde die Angelschnur hindurchgezogen und mit dem, von der glei­chen Feder zurechtgeschnittenen Markkiel auf die gewünschte Senktiefe festgeklemmt. Nebenbei bemerkt musste man das Angeln schon etwas in Übung haben und das hatte und konnte ich. Jedenfalls lag dieses Können mir und meinem Vater von meiner Ur- Urgroßmutter, der Müllerstochter Barbara Götz her, im Blut. Nie durfte der ei­gene Körperschatten ins Wasser fallen, das heißt, man musste sich in erster Linie so an den Bach aufstellen, dass man vormittags am linken Ufer und nachmittags wenn die Sonne schon etwas mehr west­lich stand, am rechten Bachufer stand, beziehungsweise sich aufstellte. Damals vor sechzig und mehr Jahren war ja im Altmühl­münster und auch im Deisinger Bach drunten wirklich ein Eldorado, ein Anglerparadies. Kaufte man sich um 10 Pfennige gewonnenes Rinderblut und schnitt es in kleine Stücke, warf diese dann auf die Brunnkresse, im Nu hingen hunderte von diesen daran und vermehrten sich rasch.
An den Sonntagen nachmittags wanns recht schwülwarm war, angelte mein Vater  drunten im Deisinger Bach. Ich fing die Heuhupfer, auch Heuschrecken genannt und bis ich wieder so einen Grashupfer erwischt hat­te, hatte Vater wieder eine Forelle. Mit etwa fünf oder sechs Stück gingen wir heim und trieben dann gemeinsam die Kühe aus, weil es gegen Abend etwas kühler war und die Küh dann lieber fraßen als bei der Hitze. Kamen wir dann abends heim, gabs beson­ders gut zugerichtete Forellen, denn Mutter konnte gut kochen, weil sie das Zeug dazu hatte. Abschließend und ergänzend muss noch erwähnt werden, dass von den auf Seite 28 Zeile 2 + 3 berichteten, ausgelaufenen warm – flüssigen Kalk auch die Wasserläuse vernich­tet wurden und auch das Bachbett des Deisinger Baches inzwischen stark versandet ist und wo das Wasser so breit und seicht aus­einanderfließen kann, mag keine Forelle sich nicht aufhalten. Eine schmale Wasserrinne mit schnell fließendem Wasser und beidersei­tigen Unterständen lieben sie und da braucht man nur die Angel hinklatschen lassen und schon hat eine angebissen. So war es in meiner Schulzeit. Als ich 1903 aus der Werktagsschule entlassen wurde kam ich zu dem Bauern Johann Bachhuber in Thann als Knecht. Dieser Mann war recht gut zu mir, das danke ich ihm heu­te noch. Er war aber recht eifersüchtig mit seiner Frau und weil das die anderen Bauern auch wussten, so ärgerten sie ihn oft und einmal an einem Sonntag nach dem Gottesdienst holte er seinen Revolver und schoss dem Schneeberger, das war der damalige Besitzer des Waltweberhofes ins Gesicht, traf dabei die vorderen Schneidzähne, so dass diese wie wegradiert waren, den Schneeberger streckte dieser Schuss augenblicklich nieder, so dass man glaubte er sei tot. Die übrigen anwesenden Bauern schlugen nun den Bachhuber nieder und zerrten ihn ins Feuerwehrhaus und von da wurde er verhaftet. Er erhielt für diese Tat 8 Monate Gefängnis. Das war aber schon im Jahre 1902. Weil nun meine Mut­ter eben auch aus Thann war und Bachhuber keinen anderen Knecht mehr bekam, (als er seine Strafe abgesessen hatte) kam er zu meiner Mutter und ich kam eben nach Thann. Bevor ich mit meinen paar Habseligkeiten tapfer losmarschierte, ermahnte mich meine Mutter recht eindringlich, ja mit der Bäuerin nicht zu reden oder zu la­chen, nur mit ihm, dem Bauern. Ich bekam pro Tag 50 Pfennig Lohn, also in der Woche 3.- Mark. Das war ein Heidengeld, also durfte man sich eine solche Verdienstquelle nicht entgehen lassen. Zur gleichen Zeit gab es noch richtige Bauernknechte, welche einen Jahreslohn von 90.- Mark hatten, also pro Tag 30 Pfennig. Für die Arbeiten an Sonn- und Feiertagen bekamen sie praktisch nichts. Da musste ja schließlich auch gefüttert werden und so weiter. Im Win­ter Holzarbeit, im Frühjahr Waldpflanzen setzen, eggen, walzen und dergleichen. Bei der Heumahd, mähte ich schon tüchtig jede Mahd mit und dengelte mir meine Sense selbst. Ebenso bei der Ge­treideernte. Die Frau Zieglmeier, die Frau Pflieger und Frau Fanden aus Riedenburg halfen bei der Heu- und Getreideernte. Meine erste Arbeit in der Früh war das leere Bierfaßl zum Wirt zu fahren und ein volles zu holen. Bei 12 bis 15 Liter groß. Dafür ließ ich mich mit der Arbeit auch nicht lumpen, ich ließ nicht aus. Ich schmiss die schwersten Weizengarben aufs höchste Fuder und mein Bauer, der hatte da allerhand Ansprüche auf Lager, etwa so. In der Ernte da darf der Knecht vom Fuder aus den Bauer mit de Garben im Stock drin derwerfen.
Natürlich, dass der Knecht die Garben bis in den hintersten Winkel des Getreidestockes wirft. Mit zwei Ochsen allein musste damals dieses Anwesen mit über 45 Tagwerk Feld bearbeitet werden. Kamen sie mittags oder abends heim, legten sie sich augenblicklich nieder. Jeder bekam sein eigenes Futterwandl mit blanken Hafer. Nur so konnten diese Och­sen von früh bis spät durchhalten. Dabei gehörten sie ihm garnicht selber. Ein verachteter Jude stellte sie ihm leihweise zur Verfügung, denn die christlichen Mitmenschen hatten ihm, dem Bachhuber, aber auch alles genommen. Selbst die Pferdegeschirre samt den Pferden und der Kuhstall war bis auf ein paar alte Kühe ausgeplündert. Und das alles wegen einer einzigen Dummheit. Es hätten eher jene eingesperrt werden sollen, welche den armen Kerl bei jeder Gelegenheit hänselten und foppten. An den Samstagen abends lief ich heim zur Mutter, dass das Herzweh und Heimweh nicht gar zu dringend wurde. In Münster ging ich dann in die Fei­ertagsschule. Die in harter Arbeit verdienten 3.- Mark lieferte ich getreulich daheim ab und freute mich, meine Eltern damit un­terstützen zu können. 15 Pfennig bekam ich wieder zurück, zu einem Seidel Bier und einer Semmel. Kam ich dann abends heim nach Thann, ging ich auch zum Wirt und kaufte mir eben ein Seidel Bier, das Fünferl aber behielt ich als Reserve zurück und wenn dann die Burschen sagten: ich soll doch auch mittun beim Kegel­scheiben sagte ich, dass ich es nicht kann und hatte dabei mein Fünferl nicht verspielt und das freute mich erst recht. Während des Sommers, war tagtäglich von etwa abends 9 Uhr ab ein überaus vielstimmiges Froschkonzert im nahen Dorfweiher. Ein alter Senior begann damit, mit einem tiefen lang gezogenem Quack, quack. Im Nu setzten dann die gar hundert anderen Frösche ein und jeder wollte den andern an Stimmaufwand übertreffen. Das dauerte so etwa bis in der Früh um 2 Uhr, dann gingen alle schlafen. So etwas muss man erlebt haben, dann hört man auch nachts das Gotteslob singen.
 
Zwei Jahre war ich so bei Bachhuber in Thann, welcher mit dem Hausnamen Schneiderlinl genannt wird.
Die zweite Station war dann beim Tummerbauer in Thannhausen. Da gefiel es mir aber nicht, denn ich sollte da etwa den Hausdeppen machen, weil ich gutwillig war. Der Knecht, die Magd und selbst der Bauer narrten mich hint und vorn. Einzelheiten will ich lieber nicht berichten. Mir tat meine Mutter leid, weil ich wusste, wie sehr sie diesen Schundlohn mitverdienen musste, eben deshalb weil sie selber wieder alles Futter zusammenrackern musste. Eines Sonntags nun, als alles nach Schamhaupten in die Kirche gegangen war, packte ich meine Klamotten zusammen und Pfüadi Thannhausen und Tummerbauer und es ging Altmühlmünster zu. Als ich nun heim kam waren meine Eltern etwas bestürzt über meinen unerwarteten und jähen Entschluss. Vater meinte, ich soll wieder nach Thannhausen gehen u.s.w.., doch ich sagte ihm, wegen der Arbeit bin ich nicht davongelaufen, nur wegen den Füreinnarr­zuhalten, schließlich will ich nicht zu Hause hocken, ich gehe lieber wieder zu Bachhuber nach Thann. Da wird wenigstens meine Arbeit und mein guter Wille anerkannt; auf keinen Fall aber geh ich nimmer nach Thannhausen. Was weiterhin in dieser Angelegen­heit zu tun sei, darüber wollten sie, meine Eltern zunächst einmal schlafen. Am nächsten Morgen war die Entscheidung bereits gefallen. Ich gehe zu Hohentanner sagte er (Hohentanner war der Revierförster in Eggersberg) und frag ihn, ob du nicht anpflanzen helfen darfst, ja und ich durfte helfen Waldpflanzen setzen. 1.20 Mark hatte ich Lohn im Tag. Das dauerte so etwa sechs Wochen. 43.20 Mark verdiente ich dabei, also schon die Hälfte vom Kir­chenzins nach Thann. Sommers über hütete ich wieder die Kühe und entlastete dabei meine Mutter. Vom Oktober ab, durfte ich dann mit den alten Elias (Georg Bayerl) dem Michael Stephan von Flü­gelsberg und den Georg Stephan von Zell bei Hohentanner auch Holzhauen und verdiente so den Rest vom Kirchenzins und darüber hinaus noch einiges. Meine Eltern waren dadurch nicht mehr gezwungen, Jahr für Jahr ein einzweihalbjähriges Jungrind und etwa zwei Schlachtschweine für diesen Zweck zu verkaufen. Inzwischen hatte ich mir ein vierwindiges Posthorn gekauft, von der Musikinstrumentenfabrik Meinel und Herold in Klingental in Sach­sen. Im Grund hinten, wo es niemand hörte, übte ich fleißig. Mochten vielleicht auch die Rehlein und Hasen darüber reißaus machen, ich hatte bald heraus, wie ein notwendiger Ton zu blasen war und nach nicht allzu langer Zeit konnte ich den Fischerjunge bereits so eindringlich spielen, dass tatsächlich die Leute auf den Feldern inne hielten und horchten. Der Fischerjunge das heißt das Liedlein aber lautet so:
Bin ich ein Fischerjunge, steh auf in aller Fruah, geh außi auf des Wasser, und schau die Fischlein zua.
(Das ist selbstverständlich nur die erste Strophe). Dazu noch ein anderes Liedlein.
Du, du liegst mir im Herzen, du, du liegst mir im Sinn, du, du machst mir viel Schmerzen, weißt nicht wie gut ich dir bin.
Selbst der blasse Neid musste anerkennen, dass ich das Posthörndl­blasen konnte. Es ist zwar zunächst etwas verfrüht, hier schon die Bemerkung einer Frau aus Altmühlmünster zu bringen, (die eigentlich in das Kapitel unserer Anwesensübernahme gehörte und dort nochmal erscheint) diese Frau sagte, als wir das heißt, Mut­ter und ich heirateten, folgendes: wie no die den mog, der wo sonst garnichts kann als’s Posthörndl blasen. Heute als alter Mann kann ich das auch nicht mehr, weil ich keinen Zahn mehr hab. Lieber deshalb noch die zweite Strophe des oben angefangenen Liedleins.
Darf, darf, darf ich dir trauen, dir, dir und deinem Sinn, kann, kann ich auf dich bauen, weißt ja wie gut ich dir bin.
 
Als ich im Jahre 1915 einmal im Urlaub aus dem Lazarett Bauge­werkschule in Cassel, in Hessen, daheim war, kam ich gegen Abend auch nach Deising zum Wirt und kaufte mir dort ein paar Glas Bier. Da saß nun der Dorfhirte Josef Köppl auch am Ofentisch und hatte über die rechte Schulter einen etwa vier Zentimeter breiten Riemen umgehängt, an welchen mehrere Messingrosen (wie an Pferde­geschirren) befestigt waren. An diesem Riemen war auch die Hundekette und ein Posthorn befestigt, von welchen der eigentliche Schalltrichter abgebrochen und durch ein gewöhnliches Stück Blech ersetzt war. Ich sagte zu den Köppl: da hab ich schon ein anderes Posthörndl, es ist noch wie neu. Er darauf: kann man das nicht kaufen? nein ich verkauf es nicht, wenn ich glücklich aus den Krieg komm, dann schenk ich es dir. Am 30. November 1915 wurde ich als Dienstunbrauchbar vom Heeresdienst entlassen. Bald darauf kam Köppl und ich schenkte ihm mein neues Posthörndl mit der Be­merkung: dass er es nicht verkaufen darf, also selber an Stelle seines alten benützen soll. Er verkaufte es aber doch und ich musste bald einsehen, dass Ehrlichkeit bei vielen Menschen nicht allzuhoch im Kurs stand. Jedenfalls war ich enttäuscht. Damit ist nun zwar die Posthörndlgeschichte abgeschlossen, nicht aber meine jugendliche Freude am musizieren. Ich kaufte mir dann eine Trom­pete in “ES”, von der gleichen Firma. Eine, Gitarre bei Otto Schmelz in Ingolstadt mit sechsfachen Wander, dass heißt es waren sechs Mundharmonikas zu einem Stern vereinigt und zwar E + A – C + D – Cr + F. das waren Knittlinger Bariton mit Vogelstimmenlö­chern für Professionsspieler, also keine Hohner Harmonika, viel leichter zu spielen als Hohner. Es folgte auch eine Gitarre-Zither mit unterlegbaren Notenblättern.
Als dann später unsere Kinder kamen, hatte die ES Trompete ausgedient, ich verkaufte sie an ei­nen Bekannten in Riedenburg, die erste Gitarre, die vom Schmelz, lieh ich den Schneiderl und bekam sie erst als der Boden und die Zargen auseinander fielen, die zweite Gitarre, ebenfalls von Meinel und Herold in Klingental hab ich zwar noch,
aber durch meine Gutheit (eben auch ausgeliehen) haben sie mir den Steg, wo unten die Saiten befestigt sind, auch herausgedreht, sie spann­ten sämtliche Saiten zu stark, dass eben der Steg umkippte. So geht es einem, wenn man gut ist. Auf Seite 23 in Zeile 15 und 16 versprach ich einen ausführlichen Bericht über meine Großeltern väterlicherseits.
Meine Großeltern nannten wir Ahnherr und Ahnfrau. Sie waren beide gleichermaßen zu Späßen aufgelegt. Einmal, es war der erste April, (so erzählte es mir mein Vater), sie waren damals noch auf Hsnr. 13, kam Großmutter dahergeschnauft und fragte den Großva­ter: Bist schon bei der Hebamme drom gewes’n? die hat heut Nacht vo ihre Goas (Ziege) zwou solche Trümmer Böck griegt, dass ganz aus is. Großvater: da muss i’ glei naufschaun. Er langt sich seine Mütze herunter und geht zur Hebamme (das war eine Schwester von, ihm und wohnte auf Hsnr. 11). Wo host na deine zwpa Böck? Wos für Böck ? Na de wost heit Nacht griegt host, vo deine Goaß, die Resl drauf (so hieß die Hebamme) Hots de wieda dro kriagt, dei Alte, heit is da erst April: den Großvater reißt’s, no wart, du ,Karneile. Er ging rasch heim und ehe ihn die Großmutter ausla­chen konnte, rief er schon am Gartenzaun: Mariandl, Mariandl geh such schnell dein Glasl, s’ Kirzl (eine Kerze) und dein Silber­sechser und geh glei zum Schäuferl nauf s’ Ewerl hot sich an Nobl (den Nabel) ausboazt, (was jedenfalls soviel bedeuten sollte, wie etwa einen Nabelbruch zugezogen) die Großmutter drauf: so, sowas und Silbersechser, s’Glasl und s’Kirzl schnell unterm Schurz ver­steckt und im Laufschritt zum Schäuferl nauf. Der Großvater muss sich schneuzen, damit er über die Eile von Großmutter ein wenig lachen kann. Als sie zum Schäuferl, kommt fragts: Wo habts denn s’Ewerl hingebettet? die Frau Schäuferl drauf: s’Ewerl? warum, woas? Na, die hoat se doch an Nobl ausboazt. I woas nix, da draus’n laufts umananda. Heit is vei der erste April. Großmutter ging geschlagen heim und Großvater lachte sie aus. Großvater war auch ein gewandter Unterhändler und hatte als solcher viel mit den alten Bederer, den alten Posthalter von Riedenburg und den beiden Handelsjuden Feuchtwanger zu tun. Der eine von den Juden hieß Max, der andere Bernhard. Ich kann mich an die beiden noch gut erinnern. Sie hatten auch im Sommer die Mäntel an, trugen schwarze halblange Wollbärte und steife Coxhüte, das waren ‘so Halbzylinder, man nannte sie landläufig einfach Cux. Diese Juden kamen des Öfteren zum Großvater. Einmal aber kam einer, der Bernhard. Großvater fragte wo der Max heute sei? der Bernhard drauf: Jaa der Maax! den ham de Bratwerscht umgebracht, wahr­scheinlich hat er, der Max, das jüdische Verbot vom Schweine­fleisch nicht streng beobachtet und deshalb ham ihn de Brat­werscht auch umgebracht. Einmal hatte Großvater in Prynn als Un­terhändler (als Schmuser) sagte man, zu tun. Großmutter wickelte ihm ein paar Bratwürste ein, diese versteckte sie ganz unten in seinen Lederranzen, (das war eine damals gebräuchliche Lederta­sche mit einem Schulterriemen) und obenauf wickelte sie ein paar Butzkühe (Fichtenzapfen) ins Papier. Heut hat mi mei Alte wieder gschmiert, meinte er zu den Geschäftspartnern als Mittag gemacht wurde. Doch als er auspackte kamen die Butzlkühe raus, das Hallo war natürlich groß, er aber kannte seine Frau und suchte weiter und dann kamen auch die Bratwürste zum Vorschein. So machten sie es. Großvater war auch Jagdpächter. Bei einer neuerlichen Ver­pachtung überbot ihn der damalige Besitzer der Eggmühle, Josef Nigl immer wieder, sodass letzten Endes der Nigl der meistbietende blieb. Um aber seine lieben Kinder satt zu kriegen, holte er sich was ihm vor die Gewehrläufe kam, einfach so. Dabei wurde er einmal von Nigl erwischt, (Großvater hatte einen Hasen geschossen). Am nächsten Tag kam der Nigl mit dem Bürgermeister und einem Schandarm zur Haussuchung, die Großmutter sah die drei rechtzei­tig, nahm schnell das Pulverhörndl und den Schrotbeutel zu sich, lief rasch zum Keller, langte sich die zwei Hasen voll Wildbrett, welche da immer vorrätig und im Beize waren her und schob sie ins Ofenloch und zündete Feuer an. Bis die drei hereinkamen und den Großvater erklärten weshalb sie gekommen sind, war die Großmutter längst fertig mit den verschwinden lassen, der Schandarm musste bei Großvater bleiben, der Nigl und der Bürgermeister machten Haus­suchung. Großmutter blieb natürlich in der Küche beim Ofenloch und tat ganz überrascht: Na wer kommt denn da hinter. Haussuchung is da, mach dein Keller auf. No, no da is nix hint, wos aalte Zuba (das waren Holzgebinde von verschiedener Größe) Aufmacha sollst, forderte Nigl. Also machte sie die Kellertüre auf. Da war es aber stockfinster und musste sich ein Licht anzünden, sie fan­den nichts, obwohl sie alles dreimal umkehrten. Da war in der Kü­che oder besser gesagt in dem Gewölbe, welches den Kamin trug auch etwas Reisig, dass musste sie auch wegtun, fanden auch da nichts und die beiden mussten unverrichteter Sache wieder abzie­hen. Großvater saß derweil auf seinen Schusterstuhl und schwitz­te. Als nun Nigl mit den Bürgermeister und den Schandarm das Haus verließ da sagte er: d’Kugl is goßn für di und Großmutter drauf: und für di steckts scho im Lauf drin. Das war natürlich nicht so ernst und brutal gemeint, als es klingt und sollte nur eine unerschrockene Antwort bedeuten. Als die erste Überraschung und der Schreck verflogen war, fragte er die Großmutter wie sie es angestellt hat, dass sie nichts fanden, meint sie nur: da schaung de z’langsam, i’ habs schnell ins Ofaloch eini, an Busch’n (Rei­sigbuschen) nachg’schobn und ozund’n, na hot erna Hundskrüppl a’ nit nei schmeck’a kina.
Großvater war auch Bienenschneider. Bei diesem Geschäft kam er in drei Landgerichtsbezirke bis ins Eich­stättische hinauf. Was heißt Bienenschneider? In früheren Jahren hielt man die Bienenvölker nur in Strohkörbchen. Man hatte also keinen Mobilbau wie heutzutage in Kästen. Die Bienenhalter warte­ten im Herbst auf den Bienenschneider, der den über Sommer einge­tragenen Honig herausschnitt. Die schwersten, Völker wurden kur­zerhand abgeschwefelt, dazu benötigte man sogenannte Schwefel­fleckerl, diese waren etwa sechs bis sieben Zentimeter im geviert und wurden beiderseits im flüssigen Schwefel eingetaucht. Aus al­ten, zu anderen Zwecken unbrauchbare Bettüberzüge und derglei­chen wurden sie hergestellt. Wenn Großvater diese machte, konnte sich niemand im Hause aufhalten wegen dem Schwefeldampf. Ein Rauchfaßl, ein Winkelmesser mit langen Stiel und eine Stoßspach­tel waren seine Werkzeuge. Waren die Völker zum abschwefeln be­stimmt, ging alles rasch. Das Schwefelfleckerl anzünden, den Korb etwas anheben und das brennende darunter werfen, im Nu waren alle erstickt. Da brauchte man nur mit der Hand das Flugloch zuhalten, aus war es. Die noch an den Waben hingenden Bienen wurden abge­kehrt und Wabe um Wabe herausgeschnitten. Die übrigen Völker wur­den beschnitten, dass heißt, heuer wurde diese Seite, im nächsten Jahr die andere Seite von Waben leer geschnitten. auf die Weise wurde der Wabenbau nicht zu alt. Der Honig wurde durch leinerne Tücher ausgepresst und das Wachs ausgekocht. Wenn er dann von so einer Rundreise heimkam, die mitunter 14 Tage bis drei Wochen dauerte, war sein Joppenkragen im Umschlag voller Bienen. Auf Hsnr. 10 hatten wir selber bis dreißig Korbvölker. Da gabs Honig genug und auch Wachs in Fülle. Das Wasser womit man dann nach den auspressen des Honigs die Leinenbeutel auswaschte, machten wir Hummelwasser und die ausgepressten Rückstände der Wachswaben, Wifkugeln. Vieles wäre noch zu erzählen, ich will aber auch noch vom Thanner Großvater und der Großmutter erzählen.
 
Also die Eltern meiner Mutter waren ganz besonders gute Menschen mir gegenüber. Einmal brachte mir’s Christkindl so eine graue, aus Gips und Papiermehl hergestellte Goaß. Wahrscheinlich hatten die beiden als das Christkindl, diese Goaß spendiert. Wenn man die auf den Bauch drückte, machte sie mäh, wie auch heute viele Spielsachen. Ich nahm sie mit nach Thann, damit sie Großvater auch sehen konnte. Doch als ich zur Stubentüre in Thann hineinging, blieb ich an etwas hängen, die Goaß fiel mir aus der Hand und lag in Scherben auf den Stubenboden. Mein Jammer war natür­lich groß, doch Großvater wusste zu helfen. Ich bekam eine Uhrket­te und einen richtigen Polizeisäbel und das alles trotz Einspruch von Wastl und Baptist. Großvater hatte fast jedes Mal, sooft ich nach Thann kam, die Füße in der Bratröhre im Ofen stecken und eine Zipfelmütze auf. Auch hatten sie in Thann einen Anterer, also ein Entenmännchen mit einem fast faustgroßen, grünblauen Schopf auf dem Kopfe. Sobald mich dieser sah, kam er schon geflogen und biss mich und schlug mich mit den Flügeln, da half nichts anders als entweder davonlaufen oder den Anterer einsperren. Einmal holten meine Eltern auf der Holzwiese im Grund hinten Gras. Da sagte meine Mutter: Michl lauf zur Thanner Ahn’l da kriegst a’ paar Nudl, schnell lief ich nach Thann. Großmutter war allein daheim und deshalb war sie noch freigebiger als sie so schon war. In ein Säcklein füllte sie mir etwa fünf Pfund Mehl, (schönes Weizenmehl) und steckte dazu ins Mehl ein 50 Pfennigstück, eine Nudel dazu in die Hand und noch etliche dazu in die Tasche. Die Nudl mit dem eingebackenem Fuchzgerl bekam ausgerechnet ich zufällig und weil ich das Prinzl net durchbeißen konnte, sah ich nach und entdeckte das eingebackene Fuchzgerl. Großvater hatte in der Stube so eine Schusterbank mit dreibeinigem Hocker. Einmal mussten wir, Georg Ebenhöch und ich in die Schmiede nach Thann gehen. Wir kamen natürlich auch zum Großvater. Der, Girgl hinein in die Stube und auf den dreibeinigen Hocker nauf gesetzt, der fiel aber um und bum’s lag der Girgl schon drunt – au. Da meinte Großvater: Bevor ma a’ Schuasta wird muaß ma’s Hockl sitzen zerrt lerna. So habe ich meine Großeltern väterlicher – wie mütter­licherseits in bester Erinnerung.
Wenn ich meine Jugendzeit etwa wie einen Film an meinem geisti­gem Auge vorüberziehen lasse, dann muss ich feststellen, dass es der liebe Herrgott besonders gut mit mir meinte und dass ich wirk­lich einen überaus guten Schutzengel hatte, denn sonst wäre ich längst schon tot. Da machten wir zum Beispiel in Hexenagger im zeitigen Frühjahr 1909 eine Brücke, jeden Tag in der Früh um vier Uhr musste ich schon auf den Weg sein, denn von Altmühlmünster nach Hexenagger sind gutding zwei Stunden Fußmarsch. Damals wurde um sechs Uhr in der Früh angefangen und nicht erst um sieben Uhr und es wurde auch bis sechs Uhr abends gearbeitet, es gab kein freies Wochenende, sondern eine sechzig Stunden Woche. So etwa sechs Wochen lang ging ich dabei eben nach Hexenagger. Am letzten Arbeitstag nahm ich mein Fahrrad, das war natürlich auch schon ein altes, als ich es kaufte und ohne Bremse und ohne Freilauf mit Rücktrittbremse, die kannte man damals noch sehr wenig bei uns., Mein Lehrmeister A. Arnhofer von Riedenburg befahl mir, nach Feierabend einen 25 Pfund schweren Betonstampfer nach Riedenburg zu bringen, was ich natürlich auch tat. Den Betonstampfer hatte ich im Rucksack und bei der Neumühle kam mir ein hochbeladenes Fuhrwerk mit Rollholz entgegen. Der Bauer fuhr aber in seiner Fahrtrichtung viel zu weit links und damit wurde mir der Weg zum ausweichen versperrt.
Durch die Wucht des Betonstampfers wurde ich vom hinteren Wagenrad erfasst, der schwer beladene Wagen ging über mein Fahrrad hinweg, der Rahmenbau und die Gabel waren dreimal abgebrochen, die Luftschläuche sprangen aus den Felgen und ich selber hatte mit knapper Not noch die Kipf (Rung) erwischt und meinen Schutzengel habe ich es zu verdanken, dass der Wagen nicht über mich hinwegrollte. Wäre ich etwa mit der Hose am Pedal oder dergleichen hängen geblieben, dann wäre ich unrettbar verloren gewesen. Die Geschichte in diesem Zusammenhang ist aber noch nicht aus. Die Fahrradmäntel und die beiden Schläuche waren neu und soviel wie ungebraucht, kaufte mir bald darauf der Maurer Ludwig Eichinger aus Maierhofen bei Painten ab. Zwei Mäntel und zwei Schläuche zusammen um 5.- Mark und bezahlte sie mir nicht.
Das war beim Schulhausneubau in Neuessing.
Des Öfteren ersuchte ich ihn, er möge doch so gütig sein und mir die paar Mark doch geben. Eines Tages bemerkte ich, dass Eichinger einen sechschüs­sigen Trommelrevolver bei sich hatte. Ich gab nun darauf Acht, wohin er seine Joppe auf der Baustelle ablegte. Es war an einem Samstag, da nahm ich um ein Faustpfand für mein Geld zu haben, den Revolver an mich und steckte ihn, in die Tasche. Als ich oberhalb Riedenburg auf der Harlander Viehweide ging, es dunkelte schon, der Vollmond ging gerade über der Rosenburg auf, dachte ich an den Revolver. In der Meinung, er sei nicht geladen, hielt ich ihn vors Gesicht um zu sehen ob sich auch die Trommel, (das ist das Magazin für die Patronen) schon dreht. Fünfmal zog ich am ‘Abzug und schaute dabei in den Lauf. Wie von unsichtbarer Macht gehindert, musste ich jetzt den Lauf des Revolvers senkrecht in die Höhe richten und abziehen und es krachte ein Schuss. Martin Gerstner war bei mir, wir waren zunächst sprachlos vor Schreck und nun erkannten wir erst die Gefahr in der ich mich befunden hatte. Ist das nun Zufall oder doch das Wirken eines Schutzengels? Meine liebe Mutter hatte mir schon als Kind gelernt, jeden Tag zu meinem hl. Schutzengel zu beten und das tu ich heute noch, auch als alter Mann und ich bin immer gut gefahren dabei. Auf diesem Gebiet habe ich noch viel zu erzählen. Im Jahre 1909 als das Essinger Schulhaus fertig war, kauften wir eine Villa für Johann Schneider, ehemaliger Erbauer und Besitzer der St. Anna Brauerei in Riedenburg. Gleichzeitig wurde auch der große Stadel am Volksfestplatz erbaut. Arnhofer sagte zu mir, ich soll an diesem Stadel das Baugerüst abmontieren, ich arbeitete oben beim Schneiderschen Villenbau. Nun ging ich den neuen Auftrag auszuführen. Ein jedenfalls recht blöder Kerl hatte an dem fraglichen Gerüst einen Bolzen angebracht, ehe ihn zu sichern, das heißt, zu verklammern oder anzubinden. Als ich den letzten Laden vom Gerüst herunter geschoben hatte, fiel        der Bolzen um, dabei riss auch eine Gerüstkette aus der Halterung, dadurch verlor ich das Gleichgewicht und stürzte vom obersten Gerüst herab auf den Erdboden. Des wäre schließlich noch nicht so schlimm gewesen, nun fielen mir aber auch noch mehrere Gerüstriegel von etwa 2,50 Me­ter Länge auf den Schädel und ich blutete aus Mund und Nase und hatte ein paar Löcher im Kopf. Ganz benommen ging ich an’s Alt­mühlufer und wusch mir das Blut ab. Da kam die Posthaltertochter Rosa in einem Kahn die Altmühl herunter gefahren. Sie wollte mich sofort ins Kran­kenhaus bringen, doch ich wehrte ab und sagte nur, wenn sie mir helfen wollte, dann soll sie mich bis zu den Baumstämmen am La­gerplatz begleiten, dort wollte ich eine halbe Stunde rasten und dann weiterarbeiten, was ich auch tat. Im Krankenhaus hätte ich vielleicht einen ganzen Wochenlohn von 9.- Mark versäumt. So zimperlich war ich nicht. Auch hier hatte ich einen Schutzengel, trotz allem. Es hätte sehr leicht sein können, dass mich ein nachrollender Gerüstriegel erschlagen hätte. Ein andermal arbeiteten wir in Schambach, da wurde die Kirche samt Turm eingerüstet. Es reichten die Gerüststricke nicht und ich sollte in Riedenburg welche holen. Ich nahm das nächstbeste Fahrrad und fuhr nach Rie­denburg. Als ich in Höhe der sogenannten Schneemühle fuhr, kam drüben der Zug angebraust. Auf einmal packte mich die wilde Lust, ich wollte wissen, ob ich ebenso schnell wie der Zug fahren könne. Keinen Augenblick dachte ich daran, dass ich ja das Bahngleis überqueren musste oder andernfalls in den Zug hineinfahre. Der Lokomotivführer sah mich und die Maschine pfiff und läutete aus Leibeskräften. Ich kurbelte weiter. Einen Meter vor der Loko­motive fuhr ich übers Gleis, dabei wurde ich jedenfalls noch vom Trittbrett der Maschine erfasst und zu Boden gerissen. In einer Dampfwolke eingehüllt kam ich zu mir und erst jetzt kam mir mein, furchtbarer Leichtsinn zum Bewusstsein. Heute wäre augenblicklich die Polizei am Platz und eine notarische Gefängnisstrafe wegen Transportgefährdung und dergleichen wäre sicher. Es waren also, nicht immer andere Schuld, ich selber muss oft an meine Brust schlagen und bekennen: Meine Schuld, meine Schuld, meine über-große Schuld. Wahrhaftig, ich brauchte einen besonders guten Schutzengel. Nur noch zwei Fälle will ich berichten. Im Jahre 1910 wurde das Unterkrieger – Brauhaus gebaut. Ich ging gerade unten am Gerüst vorbei, schreit der Michl Dirl von droben herun­ter: He Schaumann, fang den Kübel (obwohl der Aufzug daneben war) Ich meinte, der Kübel sei leer und ging hin. Ich sagte, also los und er ließ los. Der Kübel war aber gutding halbvoll Kalkweiß. Durch die Wucht des herabsausenden Kübels wurde ich zu Boden ge­rissen und der Inhalt von Kalkweiß spritzte mir ins Gesicht. Ein furchtbarer Schlag des Kübelreifens traf mich auch an beiden Knien.
Fast acht Tage sah ich alles nur wie durch einen grauen Nebel. Sehr leicht hätte ich vollständig erblinden können und mit steifen Füßen auch noch ein Krüppel sein dazu. Ich habe allen Grund, dem lieben Herrgott jederzeit zu danken, dass er mich ge­sund erhalten hat.
 
Der Schreiner Alois, wir sagten kurz, der Alisl und ich, wir gingen an einen Sonntag nach dem Essen zum baden. Als wir ins Wasser stiegen sagte ich: Geh Alisl steing ma so weit eine, wiea ma könna. Der Alisl war bereit dazu, obwohl ich wusste, dass er nicht schwimmen kann. (An der gleichen Stelle ist ein Sohn vom Templer in Zell und auch der Michael Schlagbauer von Altmühlmün­ster ertrunken). Doch das konnte uns nicht hindern diese Dumm­heit zu machen. Schritt für Schritt stiegen wir weiter, bis wir auf einmal ins Leere traten. Blitzartig schlang sich der Alisl herum (wir hatten nämlich Arm in Arm unseren Versuch begonnen) und schlug mir seine Füße um die Hüften, meinen Hals umklammerte er mit beiden Armen, so dass er wirklich wie ein übergroßer Kropf an meiner Brust hing. Dadurch waren zunächst auch meine Arme eingeklemmt und für mich allein wäre diese Situation nicht schlimm gewesen, aber der Alisl hing sich eben wie ein Ertrinkender aus Leibeskräften an mich. Wir tauchten nochmal auf, doch kam ich nicht richtig hoch genug, um einwandfrei Luft zu schöpfen. Es half alles strecken nichts, mein Mund war gleich der Wasserlinie, dadurch schlürfte ich auch richtig Wasser und wir versanken endgültig. Als wir das erste Mal auftauchten, hatten wir uns schon halb herumgedreht, so dass wir gegen Süden schauten und ich wurde dabei von der Sonne, die sich auf den Wasserwellen spiegelte geblendet, sodass ich nach den endgültigem Versinken, zunächst ein Farbenspiel sah, welches aussah wie runde Bieruntersetzer zunächst grün, dann violett und zuletzt schwarz. Jetzt erst kam mir zum Bewusstsein, dass wir ja in der Altmühl drin liegen und im Begriffe sind zu ertrinken. Heiliger Schutzengel hilf uns, wir dersaufen ja. Ein gewaltiger Ruck, meinen linken Arm brachte die­ses von der Umklammerung frei, alles war ringsherum stockfin­ster, wegen der Wassertiefe, doch auf einmal spürte ich Boden un­ter den Füßen. Sehr, sehr vorsichtig prüfte ich, ob es keine un­terschwemmte Kiesbank ist, doch der Boden hielt. Nun tastete ich vorwärts, allmählich, wurde das Wasser grün, also ein Zeichen das es aufwärts ging und Luft herein schimmerte. Nur zu, in dieser Richtung und auf einmal war ich mit den Kopf aus dem Wasser und konnte nach Herzenslust schnaufen. Ich sagte zum Alisl: Alisl lass aus wir sind ja schon heraußen, doch der gute Alisl hatte schon so viel Wasser gesoffen, dass er darauf nicht reagierte. Ich trug ihn also bis an das Ufer, setzte ihn dort an die Altmühlbö­schung, machte mich von der Umklammerung frei und schubste ihn endgültig an’s Trockene. Jetzt war ich frei und konnte aus dem Wasser steigen. Kannst du dir lieber Leser, liebe Leserin vorstellen wie mir zu Mute war, als ich dem sicheren Tod, der mich von allen Seiten bereits umklammert hatte, entronnen war?
War es blinder Zufall oder war es doch das Wirken meines hl. Schutzengels?
 
 
 
Im sechsten Abschnitt weiter aber werde ich den Beweis erbrin­gen, vom Walten meines hl. Schutzengels und dir vom ersten Weltkrieg 1914 – 1918 einiges erzählen.
Im Jahre 1912 ging ich nach Nürnberg, um dort meine Kenntnisse in der Mauerei zu ergänzen, beziehungsweise zu vermehren. Ich hatte am 11. Oktober 1911 in Riedenburg meine Gesellenprüfung mit der Note I bestanden. Der damalige Bezirksamtmann Eymann hatte für mich dabei eine besondere Belobigung, indem er sagte: Mein lieber junger Mann solltest du jemals meiner Hilfe bedürfen, dann steht dir meine Türe jederzeit offen. Ich dankte ihm für seine gütigen, aufmerksamen Worte. (Das Arbeitsamt Nürnberg steht auf dem Marktplatz).
Ich hatte in Altmühlmünster noch beim Abbruch des alten Kirchen­giebels dazugeholfen und weil damals noch keine Lastautos für die Anfuhr von Donaukies zur Verfügung standen, wurde der Einfachheit halber, der benötigte Schotter zum betonieren aus Bruchsteinen geklopft, Martin Gerstner, Johann Schlagbauer und ich bekamen den Auftrag beim Bäcker drüben (also unserem jetzigen Anwesen) sol­chen Steinschotter herzurichten. Wir arbeiteten fünf Tage, also fünfzig Stunden, davon drei Tage für Abräumung und zwei Tage Schotter schlagen. Der geschlagene Schotter machte 12.60 Mark, sodass jeder von uns dreien, für fünf Tage harte Arbeit 4.20 Mark verdiente. Ich sagte zu Arnhofer: wir haben ja den Steinbruch auch noch herrichten müssen und er müsse diese Arbeit doch auch bezahlen. Er bezahlte diese Arbeit aber nicht und das war die Veranlassung, dass ich bei Arnhofer die Arbeit niederlegte.
In Nürnberg angekommen ging ich also aufs Arbeitsamt um Arbeits­nachweis. Da wurden mir mehrere Baufirmen genannt, welche Maurer einstellen. Von jeden Chef wurde ich gefragt ob ich auch orgas­misch bin, also beim roten S.P.D. Verband sei. Ich war nicht dabei und ich lehnte es auch ab, mich organisieren zu lassen. Also konnte ich keine Arbeit finden und ich fuhr zurück nach Beiln­gries, da wurde die neue Pfarrkirche gebaut und auch der neue Pfarrhof. Niemand fragte da nach einer Organisation, ich verdien­te gut, hatte im Tag fünf Mark raus, 1912 ein Heidengeld war und brauchte meinen Entschluss, bei Arnhofer aufgehört zu haben, nicht bereuen.
 
Ich arbeitete bei der Firma Hundshammer in Beilngries und als ich 1915 im Mai einmal auf Urlaub kam und in Beilngries 1 1/2 Stunden auf die Weiterfahrt des Zuges nach Dietfurt warten musste, ging ich zur Brauerei Schattenhofer, da war der Anton Waldhier, Wirtschaftspächter und wir verkehrten dort regelmäßig, weil 1912 auch die Brauerei Schattenhofer neu gebaut wurde. Als ich nun der Stadt zustrebte stand grad der Herr Gregor Hundsham­mer, also mein ehemaliger Chef am Gartenzaun.
Ich grüßte ihn und fragte ob er mich etwa nicht mehr kenne. Gseng meinte er, habe ich dich schon, aber ich weiß nicht mehr wo, da sagte ich ihm, das ich der Schaumann bin, ein Maurer und diesen Schornstein da dro­ben, den Brauereikamin habe ich verfugt und so weiter. Ah, der Schaumann, ja jetzt kenn i di wieder. Halt aus an Augenblick, ich bin glei wieder do. Er brachte nun eine volle Zigar­renschachtel und sagte: da nimm, ich nahm eine, nimm halt meh­rere, ich nahm eine zweite, da griff er hinein und hatte doch mindestens zehn Stück, einen drei Mark Taler dazu und jetzt kaufst da a’ Maß, sagte er und wennst a’mal wieder arbeiten kannst, derfst blos kumma. Ich dankte und ging zu Anton Waldhier, der zahlte meine zwei Halbe, das heißt, er ließ sich diese zwei halbe Bier von mir nicht bezahlen.
Im Jahre 1913 fing ich dann als selbstständiger Unternehmer an. Als erste Arbeit machte ich bei Uttlinger in Zell                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         einen Stallbau mit oberen Zimmer und hatte in der Folgezeit fast das ganze Jahr bei verschiedenen Bauern zu tun.
Da ging ich einmal wieder nach Zell, die Bäcker Anna wie sie allgemein genannt wurde (also meine jetzige Frau und Mutter meiner, neun Kinder) mähte droben auf der Bergwiese. Ich grüßte und sagte: Da wird dir aber noch warm werden, bis du es weg hast. Sie lachte nur, wischte sich einen Au­genblick lang den Schweiß ab und sagte: Das sei für sie nicht so schlimm, allerdings an Maurer kam’s härter o’. Ich ging weiter und war etwas nachdenklich. Das Wort, es sei nicht so schlimm für sie, hatte mich sonderbar erfasst und ich musste immer wieder daran denken. So eine könntest du auch einmal brauchen als Frau, dachte ich mir, die es wagt allein eine Wiese zu mähen, welche immerhin 80 Dezimal groß war und dazu noch lacht, als ob nichts wär. Keine Spur von Jammer oder Klage. Herrgott, das müsste gelingen, sie als Frau heimzuführen. Sie war damals 19 Jahre und ich 23, also hieß es warten und nichts zu übereilen. Dieses Warten sollte aber noch sechs Jahre dauern und du mein lieber Leser, liebe Leserin, musst dich auch noch ein kleinwenig gedulden, bis ich dir der Reihe nach meine erste Enttäuschung und schließlich dann doch noch einmal Erfolg, als glücklicher Gewinner berichten kann.
Im Jahre 1913 sah ich auch die ersten Flieger, das heißt Flugzeuge. Es waren zwei Doppeldecker, also mit zwei Tragflächen übereinander. Der Rumpf eines jeden war offenes Gitterwerk und die Piloten sah man offen drin sitzen. Sie flogen ziemlich nah nebeneinander und kaum 100 Meter hoch, so dass man sie recht gut sah. Das war natürlich ein Ereignis, an welches allerhand Ver­mutungen geknüpft wurden. Es hieß ja damals bereits schon: Kracha muss a’ mal, diejenigen, die dieses Wort immer am lautesten schrieen, wussten ja eigentlich nichts, wie und wo und auf welche Art es kracha soll. Die vernünftigen Menschen jedoch spürten dabei eine ungewisse Schwüle, wie einen bleiernen Alpdruck.
 
Die bürgerliche Sattheit jedoch, wollte alles Gerede abtun mit der Bemerkung: Ja, soll no oana ofanga.
Auf Seite 50 habe ich bereits den Neubau von unserer Pfarrkirche in Altmühlmünster kurz erwähnt. Im nachstehenden will ich nun be­richten, was da eigentlich alles gemacht wurde. Der Haupteingang war noch von der Orgelempore überdeckt. Die Stiege zur Empore war gleich linker Hand, sodass die Kirchentüre am ersten Stufen anstieß. Zwei Kantholzsäulen trugen die Empore samt der alten Or­gel. Diese war ein wirkliches Ungetüm und Herr Hauptlehrer Rudolf Gotsammer meisterte sie trotz den Mauslöchern und den alten Windbeuteltreter, Peter Paul manchen Schweißtropfen abverlang­ten. Nur gerade dann, wenn der Peter sowieso kaum mehr Wind genug machen konnte, zog der gute Schulmeister alle Register zu einem nimmer enden wollenden Amen, Amen und wenn der Peter meinte es sei genug mit dem Amen, kam nochmal eins, aber inzwischen hatte der Peter schon gestreikt, aus eigener Luft und die alte Köni­gin, der Musikinstrumente gab nur noch einen quietschenden Ton von sich, sodass der Herr Kantor einen wütenden Blick nach dem Peter warf. Das half freilich auch nichts mehr und sie kannten sich schon, der Peter und sein Meister.
An der Giebelfront waren drei Gräberreihen, diese wurden ausgeho­ben, die Überreste an Gebeinen, gesammelt und gemeinsam bestat­tet, der gewonnene Platz überbaut, der Turm und das Turmgewölbe wurde ganz neu gebaut, der Sakristeiausgang war nach vorne ver­legt, der war nämlich am ersten Seitenaltar, auf der Frauenseite, unmittelbar vor der Kanzel. Auf dem Dach des Presbyteriums saß ein kleiner Dachreiterturm, das Langhaus, also das Kirchendach war mit schwarzem Schieferplatten gedeckt, wie noch die alte Sankt Anna Kapelle, welche 1918 von der damaligen Blauhofbäurin Josefa Meier, als Kriegergedächtniskapelle ausgebaut wurde und wo auch die sterblichen Überreste ihres Sohnes Johann Meier in einer unterhalb des Kapellenpflasters ausgebauten Gruft ruhen.
In die­ser Gruft ruhen auch die sterblichen Überreste von Josef Gallen­berger, eines Sohnes vom sogenannten Jakelbauern in St. Gregor, deren Geschlecht mit diesem ihren einzigen Sohn ausstarb.
Der am 8. September 1908 Stadtpfarrer nach Vilseck in der Ober­pfalz berufenen Pfarrer und Schulinspektor Hochw. Herr Georg Schnabl hatte während seiner priesterlichen Wirksamkeit in Alt­mühlmünster den Kirchenbauverein gegründet, dieser Kirchenbauverein wurde dann von dem 1908 nach Altmühlmünster berufenen Pfarrer Herrn Rupert Schöfthaler weiter geführt und allmonatlich war auch eine regelmäßige, wiederkehrende Kirchensammlung für diesen Verein abgehalten.
Doch was hätte mit den Erträgnissen, dieser Sammlungen schon großes geleistet werden können, wo nur Spenden von Fünferln und bestenfalls Zehnerln eingelegt wurden, da konnte auch das Markstückl vom alten Peterbauern aus Deising nicht entscheidend helfen, obwohl er dieses Markstückl schon während des Verkündens, dass heute Sammlung für den Kirchenbauverein sei, aus seinen ledernen Zuggeldbeutels nahm. Diesen Zug­geldbeutel stellte er dann mit einem kräftig, hörbaren Knack auf die Betbank und rumorte da eine Zeitlang herum, zwischen den Talern und Goldstückln, wie weiland, meine Großmutter im Hasel­nußsäcklein, welches ich bereits beschrieben habe. Und wenn dann der alte Johann, der damalige Mesner zur Saktristaitür heraus kam, und die hochherzigen Spenden in Empfang zu nehmen, stand der alte Peterbauer, Michael Lindl schon auf und hielt sein glücklich, zwischen den Talern gefundenes Markstückl in die Höh und schwenkte es rüber und rüber, damit ihn der Mesner nicht etwa übersah. Zur Ehre des Peterbauernvaters sei noch erwähnt, dass er tatsächlich viel für unsere Pfarrkirche getan hat. So kaufte er aus eigener Tasche, den heute noch im Gebrauch befindlichen Baldachin für die Fronleichnamprozession, den schönen Rauchmantel, der auch heute noch an Festtagen benützt wird und dazu das mit Goldstickerei besetzte Segensvelum. Wo findet sich heutzutage jemand der uneigennützig solche Opfer bringt? Dem heutigen Geldwert entsprechend stellt dieses mindes­tens einen Wert von 20- bis 25.000.- Mark dar.
 
Inzwischen waren die Erträgnisse dieser Sammlungen auf rund 1.500.- Mark angewachsen. Herr Pfarrer Schöfthaler musste aus Ge­sundheitsgründen auf die Pfarrei Altmühlmünster verzichten, denn damals gehörte auch Arnsdorf noch zur Pfarrei, ebenso Blauhof. Da konnte man keinen kranken Pfarrer brauchen, weil doch Sommer, wie Winter eine Wochenmesse in Arnsdorf gelesen werden musste. In Thann war damals Herr Anton Dirscherl, Egositus. Thann gehörte ja auch zur Pfarrei Altmühlmünster und Herr Egositus Dirscherl wurde anfangs 1911 Pfarrer von Altmühlmünster. Damit trat eine Wende in die Kirchenbaugeschichte in Altmühlmünster ein., Pfarrer Dirscherl zugleich zuständiger Pfarrer von Thann, holte sich bei der Re­gierung die Genehmigung, die 100.000.- Mark, des von der Filial­kirche in Thann nicht benötigten, dortigen Kirchenvermögens zum Erweiterungsbau der Pfarrkirche Altmühlmünster, verwenden zu dür­fen. Drei, vier Pläne (Entwürfe) wurden erstellt, bis Herrn Pfar­rer Dirscherl einer zusagte. Diese Pläne sind heute noch vorhan­den. Im Frühjahr 1912 ging es dann mit dem Kirchenbau los. Alles wunderte sich, wieso es jetzt auf einmal möglich war, dass die Kirche gebaut werden konnte und dazu noch ohne Kirchenbauvereins­sammlungen, wo doch jeder glaubte, das ohne seine Fünferl- und Zehnerlopfer es einfach nicht möglich sei, überhaupt damit anzu­fangen. Als man dann auch noch den Dachreiterturm kurzerhand herunter bugsierte und die beiden Glocken auch noch herunter warf, (das vom ehemaligen Kloster noch herstammende Glöckerl blieb droben) da war des Raunens kein Ende und nie und nimmer hätte man geglaubt, dass die Sammlungen zum Kirchenbauverein soviel erbracht hätten. Von dem Thanner Kirchenvermögen wusste ja niemand etwas. Als dann zu guterletzt auch noch ein eisener Glockenstuhl hochgezogen wurde und ein außerordentlich schönes Geläute von der Glockengießerei Hamm in Regensburg einmontiert wurde, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Am Kirchweihsonntag 1913 läuteten die Glocken zum ersten Festgottesdienst. Viele Menschen weinten vor Rührung. Jetzt war es soweit, dass der alte Windbeuteltreter Peter Paul auch noch die neue Orgel mit neuem Blasebalg bedienen durfte. Resigniert stellte er fest: Jetzt weils ‘a so bald nimma geht, jetzt gang’s erst schö.
Im Jahre 1900 war es, da machte sich in unserem sonst so stillen, von anmutigen Bergen umgebenen Dörflein Altmühlmünster eine große, freudige Erregung breit. Behaupteten die kritisch über ihre Brillen blickende Sachverständigen Männer allen Ernstes, es sei eine sogar sehr ergiebige Petroleumquelle gefunden worden und dementsprechend war auch der Eifer der gesamten Einwohnerschaft von Altmühlmünster darauf gerüstet, den ergiebigen Ausfluss dieses kostbaren Minerals zu finden. Ich war selber mit dabei als mit einem etwa vier Meter langen Bohrer, welcher auch zur Herstellung der hölzernen Brunnenrohre diente, (seinerzeit wurden eben die Brunnenrohre aus Holz gefertigt) tie­fe Bohrlöcher in die Erde getrieben wurden. Ich saß oben auf dem Bohrerheft und bewirkte dadurch ein schnelleres Vorwärtskommen auf die gewünschte Tiefe. Starke Männerfäuste drehten den Bohrer und mit viel Mühe wurden gewaltige Erdklumpen herausgezogen und das dabei aufsteigende, bläulich schimmernde Wasser wurde teils begeistert teils aber auch skeptisch beurteilt.
Als sich aber die Münsterer mehrere Tage ehrlich geschunden hatten und auch der letzte Versuch eines biederen Handwerksmeisters, der das bisher gewonnene ÖI auf Hobelspäne anzünden wollte, misslang, da ging der über Altmühlmünster aufgegangene Hoffnungsstern wieder unter und die bereits aufgebauschten Erwägungen, was wohl mit dem vielen Geld, das jetzt durch das Öl nach Altmühlmünster kommen sollte wohl anzufangen sei, bedurfte keiner weiteren Er­örterung mehr. Still und bescheiden, wie sie sind die Münsterer, gingen sie nach Hause, man redete von der Angelegenheit nicht mehr und so wäre schließlich alles in Vergessenheit geraten.
Wie es aber einmal ist, dass derjenige, der den Schaden hat, auch für den Spott nicht zu sorgen braucht, so hat auch damals ein witzi­ger Nachbardörfler (es war der Josef Birkl aus Untereggersberg) ein kleines Spottliedlein verfasst, das lautet:
A’z Minsta is finsta seit uralter Zeit, a’ traurigs Los ham de gwunna,
doch tröst’n se jeza de Minstr’a Leit, a’ Petroleumquelle hams jetzt gfunna.
Beim Bräu seina Schupfa, beim Gigl sein Haus, da Iaufn’s mit Luba und Geltn,
da kumt’s Petroleum kugeldick raus, im Winta, bei größter Kältn.
Dem Allwelt drauß’n is d’ Nos’n aufgschwoll’n ob’s oana glaubt oda net,
des kommt vom viel’n Petroleum hol’n, den hot’s a scho lang allweil gschmeckt.
Und da Schreiner do drunt, hot’s af’n Schratn naf gschütt jaja des hot da Schreiner scho g’macht,
de Schratn ham brunna und ‘s Ö1 is o’glescht’, da hätt’ns sie sich bald allzam tot glacht.
Ja Manna sagt da Gerstner, da uralt Wirt, warum laßt’s den des Öl davo lafa , füllt’s halt enga Geltn und Kanna voll o’ es kint’s es ja später vokaafa.
Ja wißt’s scho, moant da Schaumann wos i tat damit, wenn bei mir herunt’n s Öl a aso laafat,
meine Flöh, die Schuld’n tat i fanga und nu wos dazu. a’ Wies’n und an Acker glei kaafa.
Und beim Elias drunt’n ham’s t’Zaunstecka bog’n, des is scho unent,
a’ so ham’s az Minsta über’s Petroleum glong, ja wer halt de Minstra kennt.
 
 Schließlich finde ich es auch für wert, dieses der Nachwelt zu erhalten. Vieles, vieles wäre an Jugenderinnerungen noch zu erzählen, doch wie sagt ein altes Sprichwort:
Des Witzes kürze, ist des Witzes Würze.
Aber trotzdem noch eins.
Im Jahre 1903 wurde in Riedenburg das jetzige Amtsgerichtsgebäude errichtet. Das alte hatte ein Walmdach, wie das Rathaus, jedoch ohne Turm und mit längerem First. Dieses alte Amtsge­richtsgebäude war schon längst nicht mehr Zweckentsprechend, so dass die Geschäftsräume in die Rosenburg hinauf verlegt wurden. Auch das Finanzamt (früher hieß es Rentamt) war in den Räumen der Rosenburg untergebracht. Als nun die Aufbauarbeiten so zügig fortgeschritten, war auch ein Aufzug gegenüber dem Leder­bräustadel, (der jetzigen Hypotheken und Wechselbank) errichtet. In diesem Aufzug konnten zwei beladene Schubkarren mit Ziegelsteinen oder eine entsprechende Menge Mörtel hochgezogen werden. Als Antriebskraft wurden zwei Zugochsen verwendet, das Aufzugseil wurde herunten durch eine entsprechende befestigte Leitrolle geführt und die Ochsen der Brücke zu, von einem Fuhrmann angetrieben. War nun der Aufzug oben angelangt, wurde er geführt, herumgeschwenkt und entladen. Derweil trieb der Fuhrmann seine Ochsen zurück und der Aufzug war inzwischen mit zwei leeren Schubkarren schon wieder herunten und neu beladen. Das Spiel konnte von Neuen beginnen. Wir Buben schauten dabei genau zu, mit einem entschlossenen Ruck musste man sich losreißen, um wieder heimzukommen. Auch weiß ich noch, dass das heutige Bahnhofsviertel der Stadt Riedenburg nur mit dem Postkeller, dem Wenderer (Schreibname Haag) und dem Rottmeisterhaus (Schreibname  Betz) bebaut war. An der Stelle wo das Postamtgebäude steht, stand seinerzeit ein Stadel, dem Wagnermeister Birntaler gehörig. Wo heute das Kaufhaus Wöhrl ist, war der Kramladen Kobl, beim Konditor Ortner, der Hirl und drauf der Stürzer, beim Feinkostgeschäft Prasch, der Oberstricker J. Rosskopf und so weiter. Jetzt aber Schluss mit den Jugenderinnerungen.
 
 
5.Die gute alte Zeit von 1890 bis 1914.
Will man die gute, alte Zeit ein kleinwenig beschreiben, so muss man eigentlich im Jahre 1871 also nach dem Deutsch – Französi­schen Krieg beginnen. Sie dauerte rund 43 Jahre und etliche Tage, also nicht einmal ein halbes Jahrhundert. Die Zeit vorher war ei­gentlich überhaupt nur eine Zeit des Dahinvegetierens. Von einer ärztlichen Betreuung, von sozialen Hilfsorganisationseinrichtun­gen und dergleichen kann überhaupt keine Rede sein. Der Lebens­standard war gleich Null. In rauchigen, verrußten Wohnungen hausten die Menschen, die sogenannten Küchen waren eigentlich nur halbkreisrunde Gewölbe, wo der Kamin, beziehungsweise Rauchfang drauf ruhte.
Diese Kamine und Gewölbe waren von einer schwarzglänzenden Pech­schicht überzogen und wenn Föhnwetter und Regenwetter eintrat, dann tropfte dieses Pech und man sagte: Heut tropft der Schlot, es schlagt’s Wetter um.
Doch von 1871 ab wurde es allmählich besser. Freilich lautete die Devise auch später noch: D’ Schulden und Gotteswort bleibt ewig. Warum, weil vorerst keine Aussicht bestand, jemals von Schulden frei zu werden. Mit fast jeder Anwesensübergabe musste der Sohn vom Vater eine schwere Schuldenlast an Hypotheken- und Kurent­schulden übernehmen. Diese Kurentschulden bezeichnete man so, weil sie von privaten Geldgebern entliehen wurden oder weil der Schuldner seine Schmiede- Wagner- oder Kramladenrechnungen nicht bezahlen konnte und der Hypothekengläubiger nicht mehr Willens war, nach der dritten und vierten Hypothek auch noch eine fünf­te zu gewähren.
Worin bestand nun aber die gute, alte Zeit? oder warum nannte man sie so, wenn doch nichts Gutes an ihr war. Der Ausdruck gute, al­te Zeit kommt daher, weil die Menschheit immerhin einige Jahrzehnte im Frieden leben konnten, ohne befürchten zu müssen dau­ernd jeglicher Art von Überraschungen ausgesetzt zu sein. In die­ser Zeit setzte aber auch allmählich die Landflucht ein. Vom Jahre 1900 – 1905 gab es keine Dienstbotennot auf dem Lande. Obwohl damals die Arbeitsbedingungen sehr, sehr hart waren. Es musste alles mit der Sense gemäht werden, das heißt, in der Früh um 2,00 Uhr hieß es aufstehen, um rechtzeitig auf der Wiese zu sein, so dass, bevor der Tau von der Sonne aufgezehrt war, man die nötige Fläche schon abgemäht hatte. War der Tau schon fort, dann ging es nochmal so hart. Es musste bei der Getreideernte alles mit der Sichel geschnitten werden und nur das wenigste vom Sommergetreide konnte mit dem sogenannten Haberrechen gemäht werden. Warum aber konnte dann das Getreide nicht gemäht werden? Weil es damals nur Holzpflüge gab, sogenannte Bifangpflüge, mit diesen Pflügen konnte man kein Breitbeet ackern, also nur Bifän­ge, so wie’s heute noch bei Kartoffeln und teilweise auch noch bei Pflanzrunkelrüben üblich ist. Auch erst um die Jahrhundertwende kamen allmählich die Breitbeetpflüge auf. Diese hatten zunächst so propellerartig, verdrehte Streichbleche. Die Grindel und die Rister (Handhabe) waren aber noch aus Holz und die Wagnermeister und Schmieden hatten damals alle Hände voll zu tun, um den laufenden Bedarf zu decken. War es nun glücklich soweit, dass die ersten Garben von der neuen Ernte daheim waren und war das Mittagessen noch nicht fertig, hieß es, wenn die Knechte und die Mägde vom Feld heimkamen: Drescht ma’ g’schwind a’ Stroh, (darunter war zu verstehen so viele Garben, als auf der Stadeltenne ausgebreitet werden konnten) das verstand man unter : „a Stroh“. Niemand sorgte dafür, dass die Suppe auch dampfend auf den Tisch kam, oft war sie schon ganz kalt und mehr als ein dutzend Fliegen lagen drin, tot und ausgelaugt. Allerdings gab es auch Bäuerinnen welche auch in dieser Sache Ordnung hielten und auf die Arbeiter schauten, sie also mütterlich betreuten. Bei diesen Bauern blieben auch die Dienstboten jahrelang. Es waren sehr seltene Ausnahmen wenn man nicht Vortags aufstehen musste. Alles musste mit der Drischel gedroschen werden, während der Futterzeit mussten die Knechte Strohbänder machen für die nächste Ernte, tagsüber wenn die Knechte beim ackern waren, musste nebenbei von den Bauernkindern die Tenne aufgeputzt werden, das heißt, mit der alten Windfege das Getreide geputzt werden. Alle Kartof­feln wurden mit der Mistgabel ausgestochen, waren die eigenen Kinder noch nicht groß genug, dann wurde der Einfachheithalber nach Feierabend, nach dem Füttern aufgeräumt, was oft bis 11.00 Uhr auf’d Nacht dauerte. War nun glücklich ausgedroschen und ne­benbei die benötigten Strohbänder fertig, musste der oder die Knechte mit dem Strohstuhl das Stroh zu Raufutter, zu Halm schneiden, die Mägde Flachsbrechen, spinnen und dergleichen und am nächsten Morgen ging’s wieder weiter. In der Regel hatte man nur drei, höchstens vier Stunden Zeit zum schlafen. Alle  Bau­ernknechte welche es, wie schon erwähnt, um die Jahrhundertwende wagten in die Stadt zu gehen, kamen nicht um die Zeit von Kirch­weih oder Allerheiligen heim, sie trugen einen Stehkragen und steife Manschetten und eine Gummibrust dazu, redeten schon einen ganz anderen Dialekt und wurden ringsherum bestaunt. Die ehemali­ge Lederhose, die geblümte Weste mit den Silberknöpfen und die Zischmenstiefel, auch Faltstiefel mit den Lackschäften gemacht, waren als altmodisch abgetan. Man trug eine lange Montur und spitze Schnabelschuhe und wusste allerhand interessante Dinge zu erzählen. Freilich das war nun was anderes, als das ewige Mon­tagsaufstehn und der magere Lohn dafür, das könnte man auch einmal probieren. Auf diese Weise wanderten alljährlich eine nicht geringe Zahl landwirtschaftlicher Arbeitskräfte in die Städte ab.
 
Die klug kalkulierende und rechnende Industrie zog ihre Konse­quenzen daraus, baute zunächst Göpelwerke als Antriebskraft für Dreschmaschinen, baute auch Handdreschmaschinen mit welchen man immerhin auch schon einen halben Schober, das sind 30 Garben in einer Stunde dreschen konnte, auch wurden Häckselmaschinen gebaut und die alten Strohstühle, auch Pumps genannt, konnten zum alten Holz geworfen werden. Die Häckselmaschinen wurden mit Göpeln angetrieben und in einigen Stunden war soviel geschnitten, wie in einer ganzen Woche mit dem Pumps. So fing die Industrialisierung der Landwirtschaft an.
 
Als dann in den 20ziger Jahren unseres jetzigen Jahrhunderts zunächst die Benzin- und Dieselmotoren in der Landwirtschaft bei den größeren Bauern und Landwirten eingeführt wurden, war das schon eine enorme Erleichterung im landwirtschaftlichen Arbeits­ablauf. Das ewige Vortagsaufstehn war nimmer notwendig. Was vordem in einer ganzen Woche Vortagsarbeit gedroschen werden konnte, war mühelos an einem Tag möglich und wenn man einen Tag Häcksel schnitt, war schließlich mehr getan, als in vier Wochen, mit dem Pumps möglich war. Als dann auch die mit Pferden bespannten Mäh­maschinen aufkamen, ja da konnten die Bauern nicht genug Sprüche machen, wos des gescheit’s is, a’ so a’ Mähmaschi. Wos de kost hot, des daspoat ma scho an da Mahsupp’n, das heißt, was diese Maschine kostet, das erspart man halt an der Mähsuppenbrotzeit und an Lohn für die Mahder. Jetzt brauchte man auch nicht mehr um 2.00 Uhr früh auf der Wiese das Mähen anfangen, jetzt war es so weit, dass auch der Bauersmann ein kleinwenig ausschnaufen konnte. Ausschnaufen, oje da fehlte es noch weit, warum, weil inzwischen die Landflucht immer spürbarer wurde und selbst die Bauernkinder davon befallen und angesteckt wurden.
In der guten, alten Zeit waren es sehr selten Ausnahmen, dass ein Austrägler (ein alter Bauer oder Landwirt, der im Austragsstü­berl lebte) eine Rente, das heißt, monatlich wiederkehrende Zahlungen aus sozialen Leistungen früheren Versicherungsbeiträgen vom Staat erhielt. Auf einmal aber erkannte man die Notwen­digkeit einer sicheren Altersversorgung durch staatliche Ver­sicherungsträger. Diese sichere Altersversorgung war bestimmt auch Schuld an der zur Genüge erwähnten Landflucht. Dazu brauchte man nicht immer in Angst und Sorge vor eventuell plötzlich auftretender Krankheit sein, man war ja zugleich auch krankenver­sichert. Als wir im Jahre 1919 heirateten, schloss ich sofort auch eine Familienversicherung mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Riedenburg ab und wir, das heißt, Mutter (meine Frau) und ich waren versichert, was sich auch in der Folgezeit ganz hervorra­gend bewährte. Nicht etwa, weil man wegen jeder Kleinigkeit ei­nen Arzt bemühen wollte, sondern weil man eben beruflich in die Zukunft schauen konnte.
Im Jahre 1874 wurde vom Reichstag und vom Reichsrat die Markwäh­rung beschlossen. Bis zum Ende dieses Jahres war aber noch die Guldenwährung gültig. Die Guldenwährung hatte die sechziger Tei­lung, also 60 Kreuzer war ein Gulden, 30 Kreuzer ein Halber und 20 Kreuzer eben 1/3 Gulden und so weiter. Es gab also damals Guldenstücke, Halbgülderer, 20 Batzen und Kreuzer und dazu die Siemerl. Diese Siemerl waren wieder ein Zwischending von sieben Kreuzern und man konnte es nur ab und zu brauchen, aber sie waren eben auch da, denn manche Ware kostete eben ein Siemerl. Mancher Steuerzahler brachte nun auch zur Begleichung seiner Steuerschuld mehrere solcher Siemerl mit und da gab’s manchmal längere Berechnungen und komplizierte dazu. Dieses mag die hauptsächliche Ursache auf die Umstellung auf Markwährung gewesen sein. Die Mark war hundert Pfennig, war also leicht in jede beliebige Zahl teilbar, war aber nach bürokratischer Berechnung ausgerechnet der Gulden, zunächst 1.71 Mark wert. Das gab nun schwierige Umrech­nungen bei Vieh- und Getreideverkäufen, warum, weil die Leute noch gewohnt waren nach Gulden zu verkaufen, wenn sie auch mit Mark ausbezahlt wurden. Nun hätte ich bald vergessen, dass die ersten Markstücke 1875 geprägt wurden und zwar in 1 Mark, 2. und 3 Mark, welche man damals auch Preußentaler nannte, sowie in Fünf, Zehn, und Zwanzig Mark, die beiden letzteren waren in Gold geprägt. Ein schönes Geld, dieses Silber- und Goldgeld. Und doch galt es nur achtundvierzig Jahre. Es war ein Hohn, wie die Leute um ihr gutes Geld gebracht wurden. Im Jahre 1921 begann die sogenannte Inflation, also die Geldentwertung und Mitte 1923 war es überstanden. Doch gedulde dich lieber Leser, liebe Leserin, ich werde dir genau berechnen, wie uns Vater Staat beschissen hat, als im November 1923 eine Billion Mark gleich eine Rentenmark war und der fromme Reichsbürger dazu eine Zwangshypothek aufgebärdet bekam und dazu noch Rentenbankzins für die Hypothek bezahlen musste.
Ja, eine Billion – was          ist eigentlich eine BILLION?
Ich habe mir den Spaß erlaubt eine Billion Sekunden zu berech­nen. Doch der festgesetzten Reihenfolge nach, kann ich dir dieses erst im siebten Abschnitt berichten, denn sonst habe ich ja keine chronologische Ordnung in meiner ganzen Sache.
Zahlungen bis zu Einhundert Mark wurden in Silber und Gold ge­leistet, weil es Banknoten unter hundert Mark eben nicht gab. Erst ab Einhundert gab es Banknoten zu 100.-, 500.-, und 1000.-Mark. Derjenige, welcher in der guten, alten Zeit keine Schulden hatte, der war fein heraus.
 Der konnte wirklich von einer guten Zeit sagen. Sein Geld war wertbeständig, die Preise für Waren  sta­bil. Der hatte es auch nicht nötig, die Schlachtschweine um jeden Preis zu verkaufen oder die Kälbchen zu lächerlichen Preisen. Ein eineinhalb jähriges Jungrind kostete damals nur 45.- bis 50.-Mark. Die damaligen Metzger wussten das, wer Schulden hatte und umso kürzer packten sie den Verkäufer, weil sie wussten wo der Wind herweht. Ein paar Saugferkel kosteten 3.- Mark und wenn man wie beispielsweise meine Eltern alljährlich 99.- Mark Hypothekenzinsen zu zahlen hatte, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie sie jahraus, jahrein schuften und rackern mussten, für diese Schulden.
Nebenbei mussten sie aber auch noch den Bodenzins, die Gemeinde­umlagen, die auswärtige Steuer, das Forstreichnis, die Wagner- und Schmiederechnungen bezahlen. Ein Scheffel Gerste, das waren etwa 2.75 bis 3 Zentner, kostete 12.- Mark, also ein Zentner rund vier Mark. Wenn heutzutage sich jemand so abrackern müsste, der lief augenblicklich davon. Ich will nun nicht unter die Propheten gehen,  aber, das trau ich mir zu behaupten: Wenn die sogenannte Mehrwertsteuer und eventuell auch die bisher gültigen Einheitswer­te entsprechend angehoben werden in der Landwirtschaft, dann ist dieses der größte innenpolitische Missgriff, welcher unseren Staatsmännern unterlaufen kann. Wieso? warum? Zunächst ein klei­nes Beispiel, das sich tatsächlich in letzter Zeit ereignet hat. Ein junger Mann, den ich persönlich kenne, soll sein Anwesen übernehmen. Seine Mutter fragte die angehende Schwiegertochter ob sie wohl auch mit der Sichel zu grasen verstehe. Ja wenn ich bei Euch grasen soll, dann mag ich nicht, war die Antwort und fuhr davon.
Heutzutage ist eben eine andere Tendenz als früher und die Landfrauen wollen eben auch schon Frauen sein und keine Arbeitsmägde. Es fällt trotz allem schwer, eine richtige Bäuerin zu finden. Lieber einen Arbeiter, der sonst nichts hat als einen Beruf, den heiraten die richtigen Bauerstöchter lieber, als ei­nen Burschen mit dem schönsten Bauernhof. Soll nun etwa der Staat, auch aus der Landwirtschaft höhere Steuereinnahmen durch die Anhebung der erwähnten Mehrwertsteuer und so weiter sich erhoffen, dann kann es leicht vorkommen, dass mancher Bauer lieber Handlanger macht, trotz aller möglichen Maschinen und technischer Hilfgeräte.
Ja die gute, alte Zeit kannte von den heutigen Problemen noch nichts. Da fuhr zum Beispiel ‘der Ingolstädter Bote Josef Rost, (ein hünenhafter Mann) aus Riedenburg allwöchentlich zweimal nach Ingolstadt und brachte alles mit, was ihm an Bestellun­gen aufgegeben wurde. So tat ‘auch der Bachhuber man nannte ihn Toni. Der fuhr wöchentlich zweimal nach Regensburg und tat ebenso. Die Mühlenknechte von der Kunstmühle in Pfraundorf I. B. Prinstner, fuhren mit ihren Blachenwagen (wir sagten Blocherwong) das Mehl zum Schlögl und zum Berkmann, ebenso zu den Bäckerinnen. Beim Meierhöfer in Meihern und zum Großvater Gerstner in Altmühl­münster kamen sie auch, diese Mühlenkutschen mit ihren breitrei­figen, knarrzenden Wagenrädern und die Gäule wussten von selbst den Weg und wo sie stehen bleiben mussten. Auch wenn der Fuhrmann in aller Gemütsruhe sein Schläf­chen machte. Anders war das mit den Postillion, der musste schon Acht geben, dass er nicht zu früh und auch nicht zu spät in den einzelnen Orten, die er zu durchfahren hatte, ankam und am Ziel auch rechtzeitig eintraf. Diese Postillion trugen hellblaue Uni­formröcke, rote Westen, weiße Hosen, schwarze lange Schaftstiefel mit hohen Knieschutz, sowie Zylinderhut mit weißblauen Federbusch und über die Schulter eine weißblau gedrehte, fingerdicke Schnur mit zwei großen Quasten und dem berühmten vierwindigen Posthorn mit Ventilklappen. Da brauchte man auf der Straße nicht immer scharf rechts fahren und fortwährend auf den Gegen- und Überhol-Verkehr Acht geben. Außer dem regelmäßigen Postillion kam alle Wochen vielleicht einmal ein fremder Wagen dahergefahren und es mag ruhig sein, dass diese Ruhe und Gemütlichkeit auch ein klein-wenig beitrug, das Wort: „Gute, alte Zeit“ zu erfinden, jedenfalls war es viel gemütlicher damals, das heißt, es war von so einer Hetze wie heutzutage nichts zu bemerken. Trotzdem aber wurden die Leute auch mit ihrer Arbeit fertig. Bloß in der Früh und auf’d Nacht hieß es früher anfangen und länger arbeiten.
 
Der erste Weltkrieg             1914 –    1918.
 
Inzwischen war aber der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 ausge­brochen. Die Umstände welche dazu führten brauche ich jedenfalls nicht zu berichten, denn die sind ja bekannt.
Am 2. August 1914 war der erste Mobilmachungstag, also jener Tag, wonach sich die Reservisten und Landsturmleute zu richten hatten mit dem einrücken. Ich musste zum Beispiel am dreizehnten Mobil­machungstag einrücken, das war der vierzehnte August. Ich kam zum ersten Ersatzbataillon beim 10. Infanterie – Regiment. Zunächst war Sammelpunkt bei der Maschinengewehrkaserne und dann kamen wir für ein paar Tage zunächst nach Heydeck, von da nach dem Roten Turm drüben über der Donau und schließlich nach Fort Hartmann. Auf der Gerolfinger Heide kriegten wir dann den nötigen Schliff. Diese Gerofinger Heide hat uns manchen Schweißtropfen abverlangt. Ein besonderer Vorteil war für mich, dass ich besonders leicht die Ausführung der einzelnen Kommandos kapierte und auch einer der besten Schützen war.
Als wir beispielsweise zum ersten Male zum scharfschießen nach dem Militärschießplatz marschierten, wurde  dort in alphabetischer Reihe durchgeschossen. Schaumann und Schirl zum schießen antreten. Der Schirl kam zuerst dran. Erster Schuss eine 12., zweiter Schuss eine 12., dritter Schuss eine 12., vierter Schuss ein Fehler und fünfter Schuss auch ein Fehler. Umge­kehrt wäre es natürlich besser gewesen, das heißt, wenn die drei Zwölfer zuletzt gekommen wären, dann hätte der Herr Oberleutnant angenommen, dass Schill sich korrigiert hat und erst sein Gewehr kennen gelernt und die Treffpunktlage erkannt hätte. Es wurde in zwei Durchgängen geschossen, dass erste Mal mit fünf Schuss liegend aufgelegt, das zweite Mal liegend freihändig.
Der Schirl hatte bei der zweiten Übung lauter Fehler. Beim letzten Schuss rissen sie ihn geradezu von Schießtisch herunter und sagten ihm er sei ein Idiot.
„Sie haben auch die ersten drei Schüsse nur aus Dummheit getroffen“ sagte der Herr Oberleutnant und prophezeite ihm drei Tage Mittelarrest, wenn er das nächste Mal wieder so hundsgemein schlecht schieße. Halb­wegs war ich dadurch etwas in Aufregung geraten, weil ich ja erst absolvieren musste. Doch ich kam besser davon, ich war meiner Sache sicher. Ich hatte ja schon öfter geschossen, allerdings nur mit meinen Flobertstutzen und das daheim. Wenn dieses Gewehr so gut ging wie mein Flobert daheim, dann konnte es nicht gefehlt sein. Bemerken muss ich auch, dass ich ein sehr schönes Gewehr hatte, mit dunklem Nussholzmaserschaft, das ich bisher schon mit Liebe gepflegt, nicht nur mit Fett, Öl, Putzflock und Werg. Was konnte also noch fehlen. Nur die Ruhe bewahren und frisch gewagt ist halb gewonnen. Dreimal 10 und zweimal 11 waren das Ergebnis der ersten Übung. Das waren immerhin 52 Ringe und das war gut. Übung erfüllt konnte ich melden. Eine gute Zigarre hatte Herr Oberleutnant für jeden, der dies melden konnte. Von Fort Hartmann aus kamen wir nach Reichertshofen und von Reichertshofen nach Nürnberg zum 20. Bayrischen Reserveinfanterieregiment. Ich war bei der sechsten Kompanie. Der so genannte Heinberg, ein Sandberg in des Wortes schlimmster Bedeutung hatte unseren Schweiß reichlich getrunken, bis ich befördert wurde. „Wer sieht gut?” fragte Offizierstellvertreter Heider? Ich meldete mich. Wenn wir auf den Exerzierplatz kommen, dann schwärmen sie nicht mit der Mannschaft, sondern sie springen zu mir vor. Jawohl Herr Feldwebel und damit war ich Entfernungsschätzer, Richtung der Kamine, ich schätzte 800 Meter. Visier 800, Schützen Feuer und so weiter. Mit den Herrn Feldwebel Heider kamen wir auch ins Feld und weil er mich bereits besser als irgendeinen aus der Mann­schaft kannte, wurde ich draußen im Feld, Gefechtsordonnanz oder wie man auch sagte Meldegänger. Wir brauchten deshalb auch keinen Nachtposten übernehmen, weil wir besondere Befehle entgegen nehmen mussten, das heißt, auszuführen hatten. Es waren drei Mann als Meldegänger eingeteilt und weil es Gott so wollte war vom Bataillon der Hannes Hengl aus Thann, vom 2.Bataillon ich persönlich und vom 3. Bataillon der Schmiedmayr Michl, Halbritter von Thann für diese Meldegänge bestimmt. Also drei Schulkameraden sozusagen, das war natürlich viel besser für uns, als ob’s un­bekannte Kameraden gewesen wären. Gern denke ich noch an diese Zeit zurück (soweit man überhaupt von gerne sagen kann), das soll besser heißen, wir waren wirklich Kameraden und wünschten uns nur, dass wir in dieser Notzeit nicht auseinander mussten. Ich war von jeher ein guter Erzähler gewesen und auch mancher Witz ging damals, wie auch heute noch über meine Gosche. Selbst im ärgsten Feuer konnte ich das Maul nicht halten und wenn einmal wieder die Stimmung sinken wollte, dann erzählte ich wieder einen Schlager, dass alle lachten, die es hören konnten. Der Fischerbau­ern Hannes von Thann, also mein Meldegängerkamerad aber sagte dann: Michl, mogst a’ Zigarrn? und ich mochte jedes Mal eine und rauchte sie auch gleich zum Einschlupfloch hinaus, weil man ja eigentlich nie wissen konnte, ob der gepriesene Heldentod einem später die Zeit dazu ließ. Doch ich muss auch hier der Reihe nach erzählen.
Anfangs Oktober 1914 kamen wir ins Feld. Zwei Tage und drei Nächte dauerte die Fahrt.
 
 
 
 
Von Nünberg weg fuhren wir abends gegen 7.00 Uhr. Unser Ausmarsch glich einem Triumphzug. Tausende von Menschen begleiteten uns und beschenkten uns mit Blumen und Süßigkeiten. Ich hatte mir auch einen Kompass und ein langes Schlachtmesser gekauft, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Am Tage vor dem Ausmarsch konnten wir zum beichten gehen und durften trotzdem wir erst gegessen hat­ten, auch kommunizieren. Als ich dem Beichtvater sagte, dass wir erst vor einer Stunde gegessen haben, sagte er zu mir: das wäre etwa so wie bei einem Schwerkranken, der die Sterbesakramente empfängt und mancher wird unter uns sein, bei dem es zutrifft, das dieses die Sterbesakramente sein werden. Ja wirklich er hatte recht. So manchen traf es schon in den ersten Tagen. Auf der Fahrt an die Front hatte ich meine Zeltbahn in den Haken der Gepäcknetzständer befestigt. Da konnte wechselweise immer einer schlafen. Auf einmal hieß es: Fertigmachen zum aussteigen. Der eine warf als erster schon den ganzen Berg von Gelumpe herunter und keiner half mir meine Zeltbahn loszumachen. Da hatten sich nämlich die Zipfelschlingen so arg zusammengezogen, dass ich Mühe hatte, diese aufzuknüpfen.
 
Endlich war ich auch heraußen. Es war etwa früh fünf Uhr. Nun marschierten wir los. Etwa um neun Uhr war erste Rast, Ich meine den Blasius Schmauser aus Arnbuch, heu­te noch zu sehen, wie er seine Kleider und Schuhbürsten wegwarf. Wir kamen gegen zehn Uhr in den Schussbereich des Feindes.
Auf einmal schnarrte da eine Granate herüber und schlug etwa 25 Meter von der Straße entfernt in einen Weidebusch. Als dann endlich, trotz aller Müdigkeit, das erlösende Kommando – Lauf, Schritt kam, da liefen wir wie die Wilden, so dass es Mühe machte uns wieder ins Marschtempo zurückzubringen. Unser Herr Hauptmann Salvisberg ließ halten. Wenn wir wegen einer einzigen Granate schon so lau­fen, meinte er, dann werden wir uns vor unseren Kameraden, welche doch bisher wirklich großes geleistet haben, schämen müssen. Die sogenannte Feuertaufe wird uns das schon bestätigen. Von Feuertaufe könne da jedenfalls nicht die Rede sein.
Nur noch etwa eineinhalb Stunden dauerte ausgerechnet für mich der Friede. Warum? Wir kamen in die Nähe der Front, also der Gefechtsfront. Herr Hauptmann Salvisberg trat vor und fragte im scharfen Ton: Wer meldet sich freiwillig als Ordonanz an die vordere Gefechts­linie, ob unsere Kompanie im sechsten Gefecht einschieben oder als Reserve zurückbleiben soll? Ich sprang auf, haute die Hacken zusammen und meldete:“ Hier Herr Hauptmann, Infanterist Schaumann“. Lieber Leser, liebe Leserin, ich will dir keine Sprüche vormachen oder dich etwa gar anlügen. Ich war jedenfalls der erste und einzige Mann von unserer Kompanie, der sich da meldete, denn ich war der Meinung, es könnte etwa der Krieg zu Ende gehen und ich hätte dann nichts geleistet. Ich bekam vom Herrn Hauptmann die notwendige Unterweisung. Es wurden aber ein Gefreiter und ein Mann zu dieser Patroli kommandiert. Frisch und frei ging ich los und als ich etwa 200 Meter frontwärts gegangen war, schaute ich zurück und die zwei Kommandierten waren jetzt schon gutding 50 Meter zurückgeblieben. Nach etwa weiteren 100 Meter, sah ich nochmal zurück und nun hatten sich die zwei schon endgültig in dem Zuckerrübenfeld verkrochen. Ich sah sie nicht wieder. Ob diese beiden letzten Juden gut wie ich, von Kriege wegkamen, kann ich nicht berichten.
 
Im Straßengraben, welche von Lille nach Ostende führt, war die sogenannte vordere Gefechtslinie. Als ich dort glücklich und un­versehrt ankam, (die Feuertaufe hatte ich auf den bisherigen Weg bereits erhalten, denn hunderte von Geschossen waren inzwischen bereits so nah an mir vorbeigepfiffen, dass ich alle mit ausge­streckten Armen hätte erreichen können) fragte ich sogleich nach einem Offizier, denn ich habe dringenden Befehl zu überbringen. Doch ich konnte zunächst keinen erfragen. Stattdessen wurde ich mit einem Sturmangriff mitgerissen und ich war dabei zufällig der rechte Flügelmann der stürmenden Abteilung und als solcher durfte ich doch die Front nicht zusammendrücken, es blieb mir deshalb nichts anderes übrig als ungedeckt Stellung zu nehmen, ich konnte also nicht mehr im Zuckerrübenacker untertauchen. Ein rasender Hagel vom feindlichen Maschinengewehrfeuer brach jetzt los und wenn ich etwa die bereits erwähnte Feuertaufe noch nicht erhalten hatte, dann war das jetzt der Fall, darüber konnte kein Zweifel mehr bestehen. Ich verspürte offensichtlich das Walten meines hl. Schutzengels, den hunderte von Maschinengewehrgeschossen schlugen kaum vierzig Zentimeter vor mir in den Erdboden, so dass die Dreck­spritzer mir ins Gesicht peitschten. Eine Zeitlang, das heißt ein paar Minuten schaute ich dem Spiel zu und weil zufällig ein Strohschober etwa vier Meter halbrechts von mir entfernt stand, rumpelte ich kurzentschlossen auf und sprang in den Strohhaufen. Jetzt musste ich sehen, wie unser Sturmangriff in diesem mörderi­schen M. G. Feuer zum Stehen kam und alles in die Ausgangsstel­lung zurück musste. Wehe jenen Kameraden, welche im Zuckerrüben­feld verwundet zurückbleiben mussten, denn eine Bergung der Ver­wundeten und Toten war vorläufig nicht möglich. Auch ich musste zurück. Im zickzackspringen, immer etwa 70 Zentimeter hoch und etwa 2 1/2 lang, lief ich um mein Leben. Schutzengel, bleib no da bei mir, na fehlt ma nix und er blieb da, durch alle kommenden Schlachten und Gefechte. Um nicht die ganze Stellung zu verraten und wegen des immer noch herrschenden, rasenden M. G. Feuers, lief ich auf eine etwa 30 cm hohe Grenzhecke zu, um dort wieder Stellung zunehmen. Ich wollte wenigstens einen dieser feindli­chen M. G. Schützen sehen und ihm eines aufs Fell brummen. Doch kaum hatte ich über die kleine Hecke weggeschaut, schlug mir schon eine ganze Garbe von Geschossen die Steckerl und Hecken­splitter ins Gesicht und wieder traf mich keiner. Immer aber war mir der erteilte Befehl unseres Herrn Hauptmanns zunächst und trotz allem maßgebend. Nur ein Vizefeldwebel war erreichbar und der konnte mir keinen positiven Bescheid erteilen. Auf bekanntem Exerzierplatzgelände war alles kinderleicht, aber jetzt auf wei­ter Ebene und dazu unbekanntem, fehlte mir die notwendige Erfah­rung und ich muss zugeben, dass ich schließlich nicht mehr wusste aus welcher Richtung ich hergekommen bin. Zudem hatte sich inzwischen das Wetter verschlechtert und Nebel war aufgekommen. Da konnte man schließlich auch sehr leicht dem Feind in die Hände laufen. Schließlich fing auch noch ein feiner Rieselregen an, welcher einen langsam durchnässte. Die erste Nacht verbrachte ich hinter einem gefallenen Schottländer, mit dem bekannten Schottenröckerl, mit einer pferdeschweifartigen Quaste vorn am Gürtel und den rau­tenähnlichen Wadenstrumpfmuster.
 
 Hätte ich seit heute Mittag nicht schon mehrere, ja sogar viele Tote gesehen, dann hätte mich das Grauen gepackt, so aber war dieser Schotte mir sogar ein willkommener Kugelschutz gegen das nie aufhörende Störfeuer des Feindes. So verging die erste Nacht im Feindesland und sonderbare Gedanken durchkreuzten meinen Schädel. Keine gro­ßen Wünsche drängten sich mir auf, auch keine Furcht vor dem kommenden Tag. Nur das eine wünschte ich mir. Wenn ich jetzt sozusagen auf unserem Heuboden daheim wäre, das heißt, dass ich ein Dach überm Kopf hätte, dass dieser abscheuliche Regen mir nicht fortwährend ins Genick tropfte und dass man nicht direkt auf dem Fußboden anklebte, oh wie wollte ich gerne auf alles andere ver­zichten. Mein Gott, wie wird man klein, in der Not. Wo möchte wohl meine Kompanie sich befinden und vielleicht noch auf die Rückkehr, des so anscheinend selbstbewussten Infanteristen Schaumann warten. Konnte ich denn kein Glück haben, dass mich vor allen Kameraden etwa als Vorbild eines Soldaten erscheinen ließ. Halt Freund, hattest du etwa gestern nachmittags kein Glück, als dein Leben an weniger als einem Seidenfaden hing?
 Nur soviel wie ein herbstlicher Spinnwebfaden, wenn dieser M. G. Schütze seine todbringende Maschine hätte höher gedreht, dann lägest du auch kalt und starr da vorne, wie dieser Schottländer hier, der dir als ehemaliger Feind nun friedlich Schutz bietet. Ach Gott, strafe mich nicht wegen meiner Überheblichkeit und nimm deinen hl. Schutzengel nicht hinweg von mir, ich will bescheiden sein in Zukunft. Im Osten dämmerte inzwischen ein trüber Tag herauf, was wird er wohl bringen? Bald sollten wir es erfahren. Der Franzmann fing gegen halb sieben Uhr in der Früh mit einem heftigen Schrapnellfeuer an. Sie schossen aber zu weit und etwa in einer Höhe von sieben bis acht Metern über uns krepierten (also zersprangen) diese Schrapnellen. Die Wucht des Abschusses aber trieb die Hülsensplitter und den übrigen Inhalt an Bleikugeln über uns hinweg in unbesetztes Gelände. Der Herr Feldwebel von gestern war auch noch da, übrigens ein schneidiger, furchtloser Mann. Er fragte nun: Kameraden gebt’s a’ mal Obacht. Seid’s dafür, na stürma den Bauernhof da drüben? Wir waren dafür, denn offensichtlich kam dieses Schrapnellfeuer aus diesem Hof. Er zählte nun seine Männer, erklärte uns wie wir springen, die einzelnen Sprünge nur etwa 15 – 20 Meter sehr rasch, auf marsch, marsch und dann wieder runter in Deckung, um den Feind möglichst wenig Ziel zu bieten, verstanden? “Ja”. Es waren uns 27 Mann. Ich muss hier eine kleine Erklärung einfügen. Beim Ankündigungs­kommando: Sprung: versuchte jeder sich eine günstige Abschnelllage zu schaffen, das       heißt, man zog den einen Fuß besser an den Körper, um beim Ausführkommando schnellstens vom Boden abzuheben, so schnell wie möglich zu laufen und beim Kommando „Stellung“ sich auf die Erde zu werfen. Alles so schnell als irgendwie möglich auszuführen, damit man bei möglichst geringen, eigenen Verlusten an den Feind herankommt. Der Herr Vize kommandierte also:“ Sprung, auf marsch, marsch“ und nach etwa 20 Meter wieder „Stellung“. Jeder schaffte sein Möglichstes und wir kamen tatsächlich ohne eigene Verluste, an den Bauernhof heran. Der war ein offenes Viereck, hinten stand quer das Wohnhaus, zur linken Hand waren die Stallgebäude und die rechte Seite war von einem Rasendamm mit einer Windschutzhecke abgeschlossen.
 
Der Rasendamm war etwa zwei Meter in Schräglage hoch und dahinter war, was wir nicht wussten, ein französischer Schützengraben, von dieser Windschutzhecke verdeckt. Als wir nun in den Hofraum stürmten, krachten auf einmal mehrere Salven, das sind viele zugleich abgegebene Schüsse, auf uns nieder. 7 Tote und drei Verwundete waren das Ergebnis. Jetzt waren uns noch 17 Mann. Unser Vize, “Alles da rein in die Türe. Das war eine Stalltüre. Nach wenigen Augenblicken konzentrierte sich das Schützengraben­feuer auf diese Türe, so dass wir eigentlich in eine Falle geraten waren. Doch auf der Rückseite ging eine Türe ins Freie. Ein kur­zes verschnaufen draußen, mit Lagebesprechung und rasches reagieren war jetzt wirklich erforderlich, ehe der Feind zu weiteren handeln sich ent­schließen konnte. In Abständen von etwa fünf Metern rannten wir nun um die Gebäudeecke und vorne an der offenen Hoffront vorbei, der Windschutzhecke zu, hinter welcher der feindliche Schützengraben war. Hier versperrte uns jedoch ein Drahtgeflechtzaun von etwa 1.30 Meter Höhe zunächst einen direkten Angriff auf den feindlichen Graben. Wir waren damit aber dem Franzmann in den Rücken gekommen, das ging alles so rasch, dass sie glaubten, eine weitere deutsche Abteilung greift jetzt von hinten an. Wenn sie gewusst hätten, dass wir nur ganze 17 Mann sind, ach Gott, die hätten sich bestimmt nicht ergeben. Doch soweit war es noch nicht. Ich persönlich war bei diesem Angriff so platziert, dass ich den ganzen Graben der Länge nach beschießen konnte, also dem Feind direkt in der Flanke war. Alle übrigen Kameraden waren rechts von mir und sie konnten dadurch nicht in den Graben schießen. Das machte aber in diesem Moment nichts aus. Hier entscheidet nur wer die stärkeren Nerven hat. Als wir nun eine Zeitlang den Graben fast sturmfrei beschossen hatten, da schob sich etwa zwanzig Meter vor mir ein feindlicher Gewehrlauf aus der Deckung und ich war schon im Begriff auf diesen Gewehrlauf, beziehungsweise dem Schützen, abzudrücken, da riss mir mein rechter Nebenmann den Arm vom Abzug und schreit mit schreckhaft geweiteten Augenpupillen: “Du da“ was jedenfalls soviel heißen sollte: Du, da schau hin, da kommt der Tod auf uns zu.
Jener Franzose konnte also ungehindert auf mich schießen, den rechten Nebenmann konnte er ja gar nicht sehen. Er, der Franzose traf mich aber nicht, denn sein Geschoß traf gerade einen Kreuzpunkt des Drahtzaunes, so dass es abprallte und als Querschläger diesen Kameraden an der linken Halsschlagader ein etwa fünf Zentimeter großes Loch in den Hals riss. Eine Blutfontäne schoss über seinen Kopf armdick hinaus und erst als diese Blutfontäne in sich zusammenfiel, da fiel auch der Kamerad erst um. “Ihn hat es weggerissen, er liegt vor meinen Füßen, als wär´s  ein Stück von mir.” Unwillkürlich legte ich mich einen Augenblick neben ihm hin. So ähnlich wie der Schatten der Wolken über den Berg herunter läuft, so lief die Todesblässe über sein Gesicht herunter. Ein rascher Tod – der Heldentod. Ich lud rasch mein Gewehr wieder auf, volles Magazin und schon das Kommando: Seitengewehr aufpflanzen. Welche Titanenkräfte der Mensch in sol­chen Augenblicken entwickeln kann, ist wirklich staunenswert. Der Drahtzaun, welcher noch zwischen uns und dem feindlichen Graben war, war an etwa 10 – 12 cm tief in den Erdboden eingerammt. Wo zwei an einem solchen Pfosten rissen, schafften es zwei, wo jedoch nur einer dran hing, das schaffte Klarheit, wer Sieger in diesem Falle sein wird. Jetzt waren wir noch 16 Mann (gegen mehr als 200.)
Auf einen Nahkampf mit Bajonetten ließen die Franzosen es nicht mehr ankommen. 57 konnten wir gefangen nehmen. Weil wir eben in der Minderheit waren, konnten wir nicht verhindern, dass die Mehrzahl von Ihnen Hals über Kopf davonlief, ohne ihre Waffen mitzunehmen. Die 57 Mann mussten nun unsere drei Verwundeten, sowie auch ihre eigenen, mit zurückschleppen. Ein wirklicher Elendszug. Von dem Maschinengewehrschützen von gestern, war nichts mehr zu sehen und zu hören. Auch war inzwischen das Schrapnellfeuer von heute Morgen verstummt. Wahrscheinlich sind auch diese Kanoniere vor uns paar Männlein in höchster Eile ausgerissen. Und dennoch haben sie in letzter Instanz den Krieg gewonnen. Warum? Weil sie, die Franzosen, die Engländer, die Amerikaner und so weiter, keine solchen Rindviecher waren wie die Deutschen, die in den letzten 14 Tagen noch Revolution, machten und damit ein namenloses Leid über Deutschland brachten. Alle Blutopfer waren umsonst gebracht und damit war auch schon der Keim zum zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 gelegt. Doch es ist noch verfrüht, hierüber zu schreiben, erst das eine und dann das andere.
Vier Mann und unser Vize begleiteten den Transport zurück und elf Mann, darunter auch ich, blieben vorne und hielten die Stellung. Wir durchkämmten den parkähnlichen Garten und dabei wurde noch ein Franzmann hinter einem Gebüsch aufgestöbert. Er war etwa 1.68 m groß, hatte die bekannte rote Hose, blaugrauen Mantel mit den zurückgehafterten Mantelzipfeln, rotes Käppi und halbhohe Schnürschuhe an und trug einen halblangen, roten Vollbart. Durch Worte und Gesten versuchten wir ihm klarzumachen, dass er nicht davonlaufen dürfe und er nickte mit dem Kopf zum Zeichen, dass er uns verstanden hatte. Da riss einer von uns sein Gewehr herum und ehe einer es hätte verhindern können, schoss er den armen Kerl nieder. Ich wollte diesen Vorfall lieber nicht berichten, aber um der Wahrheit willen, muss ich es tun. Es waren also auch damals schon Rohlinge und rücksichtslose Elemente darunter. Ich persönlich hätte das niemals getan, einen wehrlosen Menschen zu erschießen. Das war eben Mord. Warum dieser Franzose nicht mit den übrigen davongelaufen ist, oder sich dem Gefangenentransport angeschlossen hat, ist mir nicht klar.
 
Vielleicht wollte er auskundschaften oder ausspionieren wie viele Soldaten wir sind. Jedenfalls ist anzunehmen, dass er  einen Auftrag hatte und wenn er schließlich erspäht hätte, dass uns nur mehr elf Mann sind, dann wären sie über uns hergefallen und sie hätten uns schließlich auch zusammengeschossen. In dem Wohnhaus dieses Bauernhofes fanden wir auch ein Holzgebinde mit dicksaurer  Milch, etwa 60 Liter. Zuvor hatten wir von dem Konservenfleisch der Gefangenen gegessen und hatten elendigen Durst bekommen. Die dicksaure Milch war also ein willkommener Fund. Wir hätten besser getan, davon nicht zu trinken, denn wir bekamen davon einen richtig gehenden Durchfall, alle Daumenlang mussten wir laufen. Am Abend dieses Tages zogen wir uns bis auf die uns bekannte Straße zurück. Doch von Mittag etwa zwei Uhr ab, beschoss der Franzmann mit allen Kalibern den Bauernhof und wir hatten nichts zu lachen.
 
Gott sei Dank hatten wir  keine weiteren Verluste mehr. Das war nun der zweite Tag, wo ich nicht mehr bei meiner Kompanie war. Fünf Tage sollte es dauern bis ich am Abend des fünften Tages meine Kompanie wieder fand. Am nächsten Tag etwa um mittags ein Uhr brannte der Kirchturm von Witschätte nieder. Ich lag in dem bekannten Straßengraben, neben der Straße Bille – Ostende. Als dieser Kirchturm niedergebrannt war, stürmten wir diese Ortschaft Witschätte. Zur stürmenden Abteilung gehörten hauptsächlich  pommersche Grenadiere und Infanteristen vom 131. Regiment. Bei diesem Sturm bekam ein Infanterist einen Bauchschuss und er schrie: “Oh wenn doch meine Mutter bei mir wäre.” Schmerz und Tod hätte er jedenfalls leichter ertragen können, wenn seine Mutter bei ihm gewesen wäre. So sieht er aus, der gepriesene Heldentod und sogar solche die ihn ( eben den Heldentod ) nicht gesehen haben sind der Meinung, dass er der schönste Tod sei. —- Hm – Hm. Drei Tage stürmten wir Witschätte und jedes Mal mussten wir wieder zurück. Warum?. Weil wir bis dahin keine Artillerieunterstützung hatten.
 
 In Witschätte selber lagen die Inder und die englischen Kolonialtruppen so dicht, dass man auf den Bäuchen der Gefallenen, die Straßen überqueren konnte. Das ist tatsächlich wahr und das wird jeder bestätigen, der dabei war. An einem Haus in Witschätte wurde Trinkwasser aus einem Fenster gereicht, natürlich von deutschen Soldaten. Draußen lagen vielleicht 20 Mann und schnauften etwas aus. Auf einmal schlug eine Granate ausgerechnet in dieses Haus und die ganze Mauer samt dem Fenster aus welchem Wasser gereicht wurde fiel auf die etwa 20 Mann, die da vor diesem Fenster lagen. Ein Schreien und Jammern war die Folge. Ich saß derweil auf einer englischen Munitionskiste und machte Brotzeit. Da kam einer auf mich zu und fragte: “Ob ich meinen eisernen Bestand schon esse“. Der glaubte wohl es gäbe nichts anderes als den eisernen Bestand. Da fragte ich ihm, ob er etwa mithalten will. Ja und er wollte mithalten. Mit solchem Heißhunger habe ich noch nie einen Menschen essen sehen. Ich gab ihm eine ganze Dose und ein Säcklein Zwieback dazu. Ein Höllenlärm von berstenden englischen Granaten war die Tafelmusik dazu. Soll ich noch weiter berichten, von diesem letzten Tag, bevor ich meine Kompanie fand? Ich will es tun. Der mir unbekannte Kamerad und ich, saßen noch auf der engl. Munitionskiste, welche Infanteriemunition enthielt.
Drüben über dem Weg lag ein Major hinter einem Astholzhaufen. Es kam ein Hauptmann und sagte zu ihm, es sei ihm so unwohl heute.
Der Major drauf, “Kranke Soldaten kann man im Krieg nicht brauchen”. Der Hauptmann merkte wohl den Spott, der ihm angetan wurde und  ging. Da war es etwa 6 Uhr abends als der Befehl kam: „Alles in die Ausgangsstellung zurück“. Ich lief auch mit dem großen Haufen davon. Eine Granate von dem engl. Flachpanzern zerkrachte etwa fünf Meter vor mir, das heißt in der Richtung in welcher ich jetzt lief und schlitzte eine „Gutding“ 100 Meter lange Bahn in die Zuckerrüben, so dass die Kräuter nur so in die Höhe flogen. Der nächst beste Graben war für
mich nun wieder erste Rast. (Diese pommerschen Grenadiere hatten eben schon Schützengraben ausgehoben). Als ich in den Graben sprang, hatte so ein blöder Kerl sein Gewehr an die Perme gelehnt. ( Die Perme ist die Feindwärts gerichtete Grabenwand ) und ich stieß mit dem Stiefelabsatz an die Mündung dieses Gewehres und es stellte sich senkrecht und ich sprang mit dem Gesäßknochen auf diese Mündung, so dass ich streckterlängs im Graben lag. Da kam einer von diesen Grenadieren und sagte zu mir: “Junge, Junge was willst du bei uns.” Ich bot ihm den Gruß von Götz von Berlichingen. Er sagte darauf, er will es mal seinem Hauptmann sagen, der schmeißt dich dann schon raus. Ich drauf, der kann mich auch am …. Hab aber keinen Hauptmann
mehr gesehen, vielleicht war es jener von vorhin, der Kranke. Das Bayerische wie es hier dem geehrten Leser anspricht, ist sonst nicht meine Art, man muss wissen, wie mir in diesem Augenblick war, da hätte dieser Grenadier gar nicht kommen brauchen. Ich hatte eben furchtbaren Schmerz und da kommt so ein Gimpel und will mich rausschmeißen. Vielleicht war er bei diesem Sturm gar nicht dabei. Zu guter Letzt kommt noch jener Infanterist von den 131zigern, dem ich droben in Witschätte ein Büchse Fleisch und Zwieback gab. Es sollte scheinbar so sein. Ich hatte mich gerade mühsam, aufgerichtet und erzählte ihm kurz, was sich zugetragen hat. Er meinte: “Komm und wann’s der no amal tut, na schlag i’ ihm s’Gwehr aufn’ Schädl.” Also hatte ich für alle Fälle schon einen Helfer. Der Aussprache nach war er ein Sachse. Doch der Grenadier war  nun in die nächste Schützenwehr verschwunden und ist zu seinem Glück nicht mehr gekommen. Bei diesem englischen Granatfeuer wurde fast ganz Witschätte in Trümmer gelegt. Etwa eine halbe Stunde rasteten wir in diesem Grenadiersgraben, dann machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Drüben auf der Straße hörten wir Marschkolonnen. Der gute Mond ging grad auf und lachte über sein rundes Gesicht, über die Dummheit der Menschen. Jetzt dachte ich mir, bescheint er auch Kühberg, die Eggmühle und mein stilles Dörflein Altmühlmünster. Fast wollte mich Traurigkeit beschleichen, doch für solche Stimmung hatten wir keine Zeit. Immer und immer wieder fragte ich: „Was ist das für eine Kompanie“?  Es wurden Schützengräben ausgehoben. Auf einmal antwortet einer:“ Die sechste von den bayr. 20zigern.“ Ich sprang hinüber über den Straßengraben. Oh, Freude über Freude, da waren sie alle, die lieben Gesichter. Der Dachdeckerhans von Flügelsberg,          der Schmiedemayer von Thann, der Fischerbauerxaver, der Schmauser Blasl, der Lenzenberger Ludwig, der Grammerhauser Alois von Jachenhausen und so weiter. “Ja der Schaumann is wieda kumma“. Wie ein Lauffeuer ging diese freudige Meldung von Mann zu Mann. Jeder brachte mir was. Der eine ein Zwiebacksäcklein, der andere eine Fleischdose. Doch ich brachte selbst was mit und bis ich mich umschaute, war der Herr Feldwebel Heider auch schon da. Ich meldete mich bei ihm und erzählte kurz was ich bisher mitgemacht habe. Er sagte: “Gut die Hauptsache ist, dass sie wieder da sind, wir haben sie schon für verloren geglaubt. Gehens gleich zum Herrn Hauptmann und melden’s eahna“. Er ging mit mir. In einem großen Halbkreis von etwa zwei Kilometer Durchmesser, sammelte sich unser ganzes Regiment: (das Bayrische 20. Reserve Infanterie Regiment von der 6. bayer. Reserve Division).Als wir zum Herrn Hauptmann Salvisberg kamen, meldete ich mich von Patrolie an die vordere Gefechtslinie zurück und berichtete auch ihm kurz, wie alles so gekommen ist. Das wird nun bald anders meinte er, nur noch ein paar Tage, dann bekommen wir Artillerie Unterstützung.
 
 
 
Außerdem kommen’s jetzt grad recht, denn hier sammelt unser ganzes Regiment und da müssen’s als Meldegänger wissen, wo die einzelnen Bataillonsstäbe liegen und so weiter. Die beiden andern Meldegänger waren inzwischen auch angekommen und wir machten anschließend gleich die Runde. Dabei trug sich folgendes zu: Es blitzte Mündungsfeuer auf. Herr Hauptmann Salvisberg sagte, (vorerst im verhaltenem Ton): “Nicht schießen, eigene Leute“. Doch jener Schütze schoss immer wieder und zwar gezielt, so dass die Geschosse bedenklich nah an uns vorbeipfiffen. Herr Hauptmann
meinte: „Was ist denn das bloß für ein Idiot, der da immer schießt“. Er sagte nun: “Also Leute wir gehen etwa zehn Schritte auseinander“. (Das Mündungsfeuer sahen wir ja jedes Mal im Halbdunkel aufblitzen) und stürmten dann von allen Seiten zugleich auf die bekannte Abschussstelle zu. Da lag nun ein alter Zivilfranzose in einer Mulde und schoss eben auf uns und natürlich auch auf jeden andern den er eventuell abschießen konnte. Eine Frechheit, innerhalb eines Halbkreises, wo sich ein ganzes Regiment sammelt. Wir nahmen ihn gefangen und lieferten ihn beim nächsten Bataillonsstab ab. Natürlich machte unser Herr Hauptmann entsprechende Meldung und wahrscheinlich wurde der Franzmann erschossen.
 
Im Übrigen verlief dann diese Patrouille beziehungsweise dieser Rundgang, ohne besondere Vorkommnisse, wenn man vom Störfeuer des Feindes, welches ja nie ganz verstummte, absehen will. Dieser Informationsrundgang dauerte so etwa zwei Stunden bis wir zurückkamen. Ich mochte nach des Tages Mühen nicht gleich wieder schanzen, das heißt Schützengräben ausheben. Ich sagte also zu meinen Kameraden, wenn sie den, auf mich treffenden Teil mit graben, hole ich da droben bei dem Bauernhof etliche Schütt (das sind Bunde) Stroh, dann brauchen wir nicht auf den feuchten Erdboden liegen. Damit waren alle einverstanden. Das Trinkwasser war ärgste Mangelware, es war mir also weniger ums Stroh zu tun, als ums Trinkwasser. Ich ging also los und strebte dem Bauernhof zu. Der lag auch so auf einem sanft ansteigenden Hügel, etwa dreihundert Meter entfernt. Als ich dort ankam, spähte ich zunächst ob die Luft rein ist, das heißt, ob nicht doch der Franzmann noch da sei, denn man, kann nicht wissen, aber da hörte ich einen in der Scheune mit seinen Pferden unliebsame deutsche Worte schimpfen. Ich ging also hinein. Da stand zunächst schon in einem Pferdestall ein großer Blechkübel mit schönem Trinkwasser. Ich füllte rasch meine Feldflasche, dann trank auch ich und wurde von einem Trainfahrer ertappt. Der war zunächst entrüstet darüber, weil ich sein Wasser soff, wie er sagte. Doch da ließ er sich erweichen und sagte: „Magst a’ Supp’n“? Als ich diese Frage bejahte, brachte er einen großen  Hafern voll beste Kartoffelsuppe, in welcher entsprechend viel Rindfleisch mitgekocht war. Für den morgigen Tag war ich schon wieder versorgt, ich schnitt mir von dem Rindfleisch so ein Bröcklein ab, wie etwa eine Pferdezehe, jener Trainfahrer sah mir dabei zu und meinte:’ “So an gut’n Griff hast wohl schon lang nimma gemacht”. Ich sagte ihm tausendmal Vergelt’s Gott und wenn i morgen Wasser brauch, dann komm ich wieder.“ Ja“ sagte er „wannst a’ Wasser brauchst, na gehst bei dieser Tür da eine, rechts rum, nacha no amal bei der Tür rechts eine“. Damit ließ er mich aber ein wenig aufblitzen. Ich klopfte natürlich an und stand auf einmal vor mehreren hohen Offizieren. Ich riss die Haken zusammen, dass es nur so knallte und meldete: “Infanterist Schaumann auf der Suche nach Wasser.” Da lachten sie und sagten: „Da sind’s nicht am rechten Platz, bei uns herin gibt’s kein Wasser“. (Sie tranken Glühwein) Rasch machte ich kehrt und draußen war ich. Nun ging ich zur Scheune und ließ mir etliche Bunde Stroh vom Strohstock runter werfen. Als ich etwa fünfzig Meter von der Scheune entfernt, mit meinen vier bis fünf Weizengarben ging (es war eben ungedroschener Weizen) da heulte mitten in der Nacht eine Granate herüber und schlug ausgerechnet in diese Scheune, so dass sie fast augenblicklich in Feuer stand. Mit der Gemütlichkeit welche dort bisher geherrscht hatte, war es auf einmal aus. Inzwischen waren meine Kameraden mit dem schanzen auch fertig und wir legten uns auf unser Stroh. Zufällig hatten auch wir Meldegänger Ruhe. Doch gegen drei Uhr in der Früh, wühlten uns zwei, etwa drei Zentner schwere Sauen den Grabenrand herunter. Ein Schuss und schon lag eine da, die zweite ist uns entkommen. Der Grammerhauser Alois von Jachenhausen hat sie dann abgestochen, wohl dem der ein langes Messer hatte. Da wurde nichts gebrüht und so weiter. Da wurde folgendermaßen verfahren: Man schnitt kurzerhand die Speckschwarte auf, schälte sie samt den Borsten mit etwas Speck soweit herunter bis das Stück, welches man sich abschneiden wollte, freigelegt war, schnitt sich seinen Teil herunter und der nächste konnte dann so weitermachen, wie angefangen war. Meistens schnitten sich die ersten, die Schinken heraus, noch lebenswarm ist das ein wirklicher Genuss. Wem es eklig war, konnte es auch in der Feuergrube kochen, so machte man es auch mit den Rindern, welche seinerzeit noch frei, auch zwischen den Fronten umherliefen. Ich selbst habe bei einem Sturmangriff einen schweren Ochsen erschossen. Warum? Er war mit einer Kuhherde eben auch zwischen den beiden Kampffronten, welche wir stürmten. Der Ochse (Zugochse) war getroffen und konnte hinten nicht mehr hoch, er schleppte die Hinterfüße so gequält hinten nach, dass ich es nicht mehr anschauen konnte. Trotz des schweren feindlichen Feuers, das uns entgegen schlug, nahm ich mir Zeit, ihm mein Gewehr auf die Stirne zu drücken und ihn niederzuschießen.
Ach Gott, wie viele Erinnerungen, wenn ich diese alle hier niederschreiben wollte, reichte dieses Büchlein nicht aus, ich muss mich deshalb im engsten Rahmen halten. Etliche Tage später sah ich drunten wo ein paar Häuser standen, das heißt zusammengeschossene Häuser, wo nur noch die Kamine standen, längere Zeit Rauch aus einem noch stehenden Kamin aufsteigen. Ich dachte mir, da schaust obi, wer da drunten ist. Ich lief also hinunter und wer sitzt da und schürt’s Feuer schön zam, der Grammerhauser Alis’l (Wittmann schrieb er sich) von Jachenhausen und kocht sich eine Henne. ” Alis’l, da komm i grad recht, da derf i scho mithalt’n”. „Da könna ma nix macha“, meinte er“, wennst a Hendl willst, gehst in den Bauernhof da nauf, da gibt’s gnua“. Er lachte dabei wie eine Schildkröte auf den Stockzähnen und gab mir nichts. Wenn wir heute noch zusammentreffen dann wird jedes Mal s’Hendl rezitiert. So kam der November 1914 und mit ihm die häufigen Nebel. Typisch für diese Gegend ist überhaupt der rasche Witterungsumschwung.
Das ist jedenfalls bedingt, durch die Nähe des Meeres. Häufig Nebel und Regen, aber auch ungeahnt rasch schönster, blauer Himmel. Allmählich wurde es auch kalt, das heißt, es kamen die Nachtfröste mit Nebel. Da war wieder ein nebliger Tag und da kam dann auch die Feldküche etwas näher heran. Für drei, vier Mann nahm auch ich die Feldkessel mit und holte den Eintopf, den es in der Regel gab. Ich ging also auch zur Feldküche. Auf halbem Wege begegnete mir der Georg Biedermann, der hatte schon Essen geholt. Etwa zwanzig Meter nach unserer Begegnung hat den Biedermann der Heldentod erwischt. Als ich zurückkam lag er da und hatte auch alle Feldkessel ausgeschüttet. Ich meldete, dass der Biedermann da droben gefallen ist und wir trugen ihn in eine Zeltbahn gehüllt herunter und begruben den armen Kerl. Er stammte aus Irfersdorf. Inzwischen hatte ihm aber schon so ein Schweinehund seine Taschenuhr geklaut und es musste die ganze Kompanie antreten, ehe er es meldete. Auch fanden an diesem Tage mehrere von unserer Kompanie in einem Haus ein etwa 15 Liter fassendes Fäßlein. Der eine schlug mit dem Seitengewehr den Bauchspind des Fasses heraus und roch da hinein. Eine alte Frau, die in dem Hause noch anwesend war sagte dass das nichts zu trinken ist. Der Soldat meinte aber: „Ja alte Madam, den möchst halt selber gern trinken“. Das roch gar nicht schlecht und eine Kostprobe bestätigte, dass es irgendein Schnaps sei. Alle Feldkessel wurden eingesammelt und gefüllt, die alte Frau jammerte und sagte:“ nix trinken“. Doch es half ihr nichts. Es wurde bis auf einen kleinen Rest alles getrunken.
Doch auf einmal ging es schon los. Alle die von dem Schnaps getrunken hatten bekamen die „Scheißerei“ derart, dass sie auf 5 Meter noch eine Flasche hätten füllen können. Sie hatten ein Fässlein Lederbeize getrunken. Unglaublich aber wahr. Nach etlichen Tagen nichts tun donnerten  unsere schweren 2lziger Geschütze hinüber zum Feind, so dass beim Aufschlag drüben, in unserem Graben herüben, der rötliche kiesige Sand von den Grabenwänden rieselte. So zitterte der ganze Boden. Es wird hart werden, der Sturm auf Witschätte. In diesen Tagen bekam ich auch den ersten Brief aus der Heimat. Ich konnte es gar nicht für möglich halten, dass mich da ein Brief von zu Hause erreichte. Da wurden wir abgelöst und wir kamen nach Commines. Es gibt ein belgisch- und ein französisch Commin. Diese beiden Städte sind aneinander gebaut und werden nur durch den Scheldekanal getrennt. Dieser Kanal ist also zugleich die Grenze zwischen Frankreich und Belgien. Als wir nach ein paar Tagen wieder an die Front marschierten, kam auf halbem Wege das Kommando: „Halt, kehrt, marsch“ und wir marschierten eben wieder nach Commines. Kaum waren wir auf dem Stadtplatz angelangt, fuhr seine Majestät der Deutsche Kaiser vorbei, ganz langsam. Wir legten einen Präsentiergriff hin, dass es nur so knallte. Guten Morgen Kameraden grüßte er. Guten Morgen Majestät war unser Gegengruß. Es war Kaiser Wilhelm der II. Drei Autos fuhren voraus, drei fuhren hinterdrein. Ich war so ergriffen, dass mir eine Gänsehaut an den Wangen hochkribbelte, als er mir auch in die Augen schaute. Also habe ich ihn auch gesehen, den Deutschen Kaiser. Ewig schade um unser Deutsches Reich, das heißt um unser Deutsches Kaiserreich. Was haben doch die Schüsse an jenem 28. Juni 1914 für Folgen gehabt. Millionen und Abermillionen Menschen mussten seitdem gewaltsam sterben. Ganze Berge von Schutt in den Städten, Verbrechen über Verbrechen. Doch ich darf hier nicht stehen bleiben, ich muss weiterschreiben. Wir marschierten also nach dieser Begebenheit wieder an die Front. Es war etwa der vierte, fünfte November. Wir stürmten dann Witschätte und konnten es auch halten und hier begann auch der Stellungskrieg. Die Engländer kämpften verbissener  als die Franzosen, das heißt, die englischen Kolonialtruppen. Sie wurden aber trotzdem aus ihren Stellungen geworfen und wir zogen in die Stellungen ein. Eine alte Holländer – Windmühle blieb zunächst und trotz allem stehen. Diese war ein gutes Ziel für sie. Am achten November 1914 haben sie diese alte Mühle in Brand geschossen. Wir haben aus dem Pfarrhof Witschätte eine Linoleumdecke herüber gezogen und diese über unser Grabenstück gelegt und darunter etliche Holzriegel zum abstützen und alles mit etwas Erde überdeckt. Auch eine Ziege war im Pfarrhof Witschätte noch da, zwischen eingestürzter Stalldecke meckerte sie ganz zum Erbarmen. Ob ihr wohl einer aus dieser Klemme half, ich weiß es nicht. Endlich kam der 10. November. Abends gegen halb fünf Uhr war es nun so weit.
 
Die Engländer begannen etwa um vier Uhr mit der Beschießung unserer jetzigen Stellung. Der erste Schuss ging etwa 5 Meter vor unserer Front nieder, der zweite etwa 4 Meter hinter uns und zerkrachte in einer Zisterne, das war ein Wasserbrunnen und dabei wurde eine etwa sechs Meter hohe Wasserfontäne hochgeschleudert. Der dritte Schuss schlug uns die Perne herunter, das heißt die feindwärts gerichtete Grabenwand. Dabei wurden wir Meldegänger verschüttet. Die beiden anderen Meldegänger von uns, legten sich nun in dieses entstandene Loch und ich über deren Füße querlängs darauf. Da kam der vierte Schuss und dieser schlug etwa einen halben Meter hinter mir ein. Der ganze Dreck flog mir auf den Rücken, der Fischerbauern Hans aus Thann schreit: „Michl, hot’s di dawischt“. Ach Gott sein bester Kamerad. Wie oft sagte er: Mich’l mogst a’ Zigarr’n und jetzt auf einmal war alles vorbei. Unfassbar für ihn. Ich hatte dabei großes Glück. Ein Granatsplitter, welcher mir ins Kreuz gefahren wäre, wurde von meiner Feldflasche abgelenkt, ein weiterer traf mich am Ellenbogengelenk. Die Finger der rechten Hand wurden mir dabei aus den Gelenken gerissen. Ich drückte sie sofort wieder zurück, das tat so einen Ratscher und alle vier saßen sie wieder in ihren Pfannen. Zum Hans sagte ich noch: er solle es melden, dass ich verwundet wurde und kroch dann in einen Artilleriebeobachterstand.
Der Hauptmann dort füllte mir seinen Cognac in meine Feldflasche, diese hatte von dem Granatsplitter doch kein Loch bekommen, wenn sie auch eine Duin (Delle) hatte.
Er fragte mich auch, ob ich den Weg nach Ossawerne weiß. Ich wusste ihn, aber ich weiß nicht wie ich bei Nacht und Nebel von Witschätte nach Ossawerne gekommen bin. In Ossawerne angekommen, fand ich auch am Ortseingang in einer Wagnerwerkstatt einen Verbandsplatz, der Sanitäter dort schob mir ein Nagelkistl hin und sagt:“ da kannst dein Kopf drauflegn“. Wenn ein Wagen kommt, dann sag ich’s dir schon“ und ich schlief tatsächlich auch gleich ein. Etwa nach Mitternacht kam ein Wagen und nahm mich mit. Vier Tragbahren und ich hinten drauf, die Füße baumelten mir herunter. Eine elende Fahrt nach Commis, wo wir vor ein paar Tagen den Deutschen Kaiser sahen. Dort wurden wir verpflegt, mit geräucherten Rindfleisch, hart wie Leder, also nicht gekocht und dazu ein halbes Barrasbrot, das waren so wie Ziegelsteine große Brote. Am 11. November fuhren wir dann mit der Bahn etwa um 9 Uhr von Commis ab und kamen etwa um 5 Uhr in Brüssel an. Da wurde bekannt gegeben, dass alle verbunden werden. Ich ging auch in das Bahnhofsgebäude hinein und ließ mich verbinden, ich musste aber in Brüssel auf Anordnung des behandelnden Arztes bleiben, da ich dringend operiert werden musste. So war ich elf Tage in Brüssel, Lazarett I. Abteilung Kloster. Am 22. November ging ein Transport nach Deutschland. Die Fahrt selber will ich nicht beschreiben, jedenfalls dauerte sie unendlich lang. Wir kamen am 26. November 1914 in Kassel in Hessen an und da wurde alles ausgeladen. Wir kamen in das Reservelazarett Baugewerkschule und ich war auf Zimmer 10 dort zugeteilt. Wir waren die erste Belegschaft und deshalb war zunächst noch alles kalt, es war also die Dampfheizung noch nicht angefeuert. Doch immerhin nach langer Zeit wieder ein Bett, ganz ungewohnt kam das einem vor. Zunächst ließ ich an meine Eltern und Schwestern schreiben und dieser Brief, beziehungsweise Karte kam an dem Tag in der Eggmühle an, als dem alten Blosl (Ebenhöch) seine Beerdigung war. Die Gedanken an meine weitere Zukunft waren die ersten die sich mir aufdrängten. Kann ich mein erlerntes Handwerk, die Maurerei, eventuell noch ausüben, doch das war richtig verfrüht. Zunächst hieß es sich in Gottes Willen ergeben, alles Weitere  wird schon recht werden. Es war ja noch Krieg und was ließ sich da eigentlich im Voraus  planen. Etwa im Februar 1915 versuchte ich selber zu schreiben. Zwar ging das gar nicht gut, aber es ging. Am 13. September 1914 war ich 24 Jahre alt geworden und ich dachte: jetzt hast du die Auswahl an den Frauen, nach dem Krieg wird es schwer sein eine richtige Frau zu bekommen. Was war aber nahe liegender als der Bäcker Anna in Altmühlmünster zu schreiben. Auf Seite 52 die letzten sechs Zeilen und auf Seite 53 siebenundzwanzig Zeilen dieses Büchlein habe ich ja bereits von ihr geschrieben und meine erste Enttäuschung erwähnt, hier ist nun die Fortsetzung. Mein Brief kam an dem Tage bei ihr in Altmühlmünster an, als ihrem Bruder Josef die Trauergottesdienste waren, also zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt. Dieses konnte ich ja nicht wissen. Für meine Absicht wäre es da wohl besser gewesen, ich hätte ihr mein Beileid dazu ausgesprochen und erst später dann meinen regelrechten Liebesantrag gestellt. In diesem Falle war sie jedenfalls gar nicht gut aufgelegt und sie schrieb mir kurz und bündig zurück: Ich soll ihr  ihre Ruhe lassen mit solchen Anträgen. Soll das etwa für mich keine Enttäuschung gewesen sein, wo ich doch glaubte, sie würde gleich in Verzückung geraten und jetzt diese Abfuhr. Sie war doch sonst nicht so spröde und ich konnte einfach nicht begreifen warum sie so wegwerfend mir gegenüber war.
 
Ein langjähriger Traum war ausgeträumt. Schließlich musste ich mir selbst die Schuld beimessen, denn ich hatte es auf Grund meiner Unerfahrenheit an diplomatischer Klugheit fehlen lassen. Doch was half das jetzt. Ich tröstete mich mit den Gedanken dass es glücklicherweise noch mehr Mädchen gibt. Das nächste Mal wollte ich vorsichtiger sein. Ob mir das wohl gelingen wird. Es sollte sich bald zeigen. Etwa Mitte Mai 1915 bekam ich meinen ersten Heimaturlaub. Vierzehn glückliche Tage, da konnte man all die Vettern und Basen schon besuchen.
 
 
 
 So ging ich auch nach Zell und besuchte dort die Schreiner Resl, das war auch eine Verwandte und sie hatte den Wagnermeister  Michael Mayer geheiratet, da sagte sie auf einmal zu mir: “Warst du schon bei unserm neuen Wirt” und als ich verneinte, fuhr sie fort:“ Da musst schon einigehn, da san zwoa Madl’n da, da wirst schaug’n. Die oane kann s’Zithern spuin, die war schon in Nürnberg Köchin, in einem Hotel und sie ist jetzt daheim und die andere ist auch ein netter Käfer“. Ich ließ mir das nicht zweimal sagen und ging zu besagten Wirt. Schon heraußen auf der Straße hörte ich s’Zitherspielen. Es waren keine Gäste da und ausgerechnet die Zitherspielerin bediente mich und dabei konnte ich sie unauffällig betrachten. Ein sauberes Madl war sie ohne Zweifel. Nachdem sie mich bedient hatte ging sie wieder zu ihrem Tisch, wo ihre Mutter und Schwester saßen und auch ihre Zither war. Jetzt hatte ich Zeit zu überlegen, wie ich mit ihr ins Gespräch kommen könnte. Die Gelegenheit dazu bot sich mir, als ich mir, nachdem ich ‘ausgetrunken hatte, noch ein zweites Bier bestellte. Die Schreiner Resl hatte mir ja bereits gesagt, dass diese Zitherspielerin schon in Nürnberg als Köchin tätig war, da hatte ich doch gleich ein Gesprächsthema. Ich sagte also, als sie mir das ‘zweite Bier hinstellte folgendes:“ Fräulein entschuldigen’s, ich bin der Meinung, sie schon einmal gesehen zu haben“.
Sie darauf etwas schnippisch:“ Wo wollen denn sie mich schon gesehen haben“? Ich drauf: „Zu Nürnberg, da ging ich in einem Hotel an der Durchreise zur Küche vorbei, da war eine Köchin drin in der Küche, diese sah ihnen auffallend ähnlich, wir waren in Nürnberg in Garnison und da kam ich zufällig auch in jenes Hotel“, log ich. Sie wollte noch den Namen dieses Hotels wissen, da sagte ich, dass ich dieses nicht weiß, jedenfalls meine ich, dass es in der Nähe vom Bahnhof gewesen sei.
Ich hatte scheinbar nicht schlecht geraten und nun war sie schon nicht mehr so schnippisch, sie setzte sich der Einfachheit halber gleich zu mir und nachdem ihre Mutter und Schwester inzwischen das Gastzimmer verlassen hatten, sagte ich zu ihr: „Fräulein ich habe Ihnen etwas mitzuteilen. Möchten sie so gütig sein und mit mir einen Augenblick hinausgehen. Ich stand nun auf und ging auf den Korridor, den Hausgang und sie folgte mir. Sie fragte nun was ich ihr mitzuteilen hätte. „Ich möchte von ihnen so gerne einen Kuss“, war meine Antwort und sie hielt mir tatsächlich ihren Mund hin. Also küsste ich sie. Ich ging ins Gastzimmer zurück und nach’ einiger Zeit kam sie auch herein, setzte sich aber nicht mehr zu mir, sondern an den Tisch wo ihre Zither war und spielte in bebendem Ton. Du, du liegst mir im Herzen, du, du liegst mir im Sinn, usw.! Soviel Liebe auf den ersten Blick hatte ich jedenfalls nicht erwartet. Als ich dann heimging bat ich sie noch, mir ihren Namen zu sagen, denn ich will ihr schreiben, wenn ich wieder  im Lazarett sein werde. „Das haben schon mehr gesagt“, meinte sie, „aber keiner hat Wort gehalten“. Nach etlichen Tagen führ ich dann wieder zurück ins Lazarett und dabei spielte sich im Lichtenfels, an der bayrischen Grenze folgender Zwischenfall ab. Zum Verständnis dieses Zwischenfalles muss ich erwähnen, bei der Abfahrt in Kassel bekam ich meinen gültigen Urlaubsschein, sowie einen Freifahrtschein für die Heimfahrt. Einen Rückfahrschein ins Lazarett bekam ich jedoch nicht. Ich musste mir also eine Fahrkarte in Dietfurt lösen und weil man sie da nicht für längere Strecken hatte, musste ich in Nürnberg wieder eine lösen, also zum Zweiten Mal am Schalter anstehen und in Nürnberg bekam ich diese Fahrkarte nur bis an die bayrische Grenze. Für Militärpersonen war es halt damals so. Als ich nun zu meinem Wagen zurückkam, das heißt bis ich mir in Lichtenfels eine neue Fahrkarte, mit welcher ich endlich bis nach Kassel fahren konnte, gelöst hatte und ich zurückkam, war der Wagen vollbesetzt und ich konnte in gar keinem mehr Platz kriegen. Der Fahrdienstleiter dort sagte nun: „Schaun’s dass reinkommen“, ich begehrte auf doch er sagte:“ Da gehen’s doch rein, wenn nirgends Platz ist“. Es war schon höchste Zeit zur Abfahrt, er ließ sich nun meinen Urlaubsschein vorzeigen, dabei maulte ich weiter,  dass dieses doch kein Zustand ist, wenn man wie ich bereits dreimal eine Fahrkarte lösen muss, wenn man immerhin einige hundert Kilometer zu fahren hat wie ich. „Ja haben denn sie keinen Rückfahrschein“? fragte er. „Nein, ich hatte keinen bekommen“ entgegnete ich. Da sagte er: “Sollten sie jemals wieder auf Urlaub fahren und bekämen keinen Rückfahrschein, dann melden sie ,dieses beim Hauptmann auf der Bahnhofskommandantur, dann werden sie gleich einen bekommen von ihrer Lazarettver­waltung“, sprach’s und schob mich der Einfachheit halber in ein Abteil erster Klasse, schlug die Türe zu und pfiff und winkte mit seinen Stabtäfelchen zur Abfahrt. Trotz meines voraus gegangenen Ärgers musste ich jetzt lachen, denn manchmal ist auch das Aufbegehren von Nutzen. Im Übrigen  war ich in dem I Klasse Abteil ganz allein drinnen. Von der Rückfahrt nach Kassel machte ich aber noch eine Bauernwallfahrt nach Altötting mit. An dieser Wallfahrt nahmen Bauern aus ganz Bayern teil. Großvater Gerstner nahm auch daran teil. In Ingolstadt, wo wir in den eigentlichen Pilgerzug einstiegen, meinte er laut seufzend: „So ausgstieg’n und do issa a’ scho nimma“, obwohl ich hinter ihm stand und Acht gab dass ihm nicht passiert.
Ich rüttelte ihn an der Schulter und sagte: “Da bin ich ja, ich laufe nicht weg und wenn der Pilgerzug kommt, dann bin ich auch da“. Nun war er zufrieden. In Altötting angekommen sah ich Onkel Gerstner, also seinen Sohn schon von weiten unter den Leuten stehen, beim Einzug. Großvater war ganz überrascht, dass alles so wie am Schnürl ging. Die ganze Nacht ununterbrochen ging damals um die Gnadenkapelle eine endlose Prozession und unaufhörlich wurde gebetet:
Oh Maria hilf, oh Maria hilf, oh Maria hilf doch mir,
ein armer Sünder kommt zu dir, im Leben und im Sterben, lass uns nicht verderben,
lass uns in keiner Todsünd sterben, steh uns bei im letzten Streit,
oh Mutter der Barmherzigkeit. Amen
Erst am Vormittag als die Glocken zu den Gottesdiensten läuteten, löste sich diese Prozession auf. Wenn welche fort gingen, kamen dafür wieder andere. Auf diese Weise war der Ring immer geschlossen. Am Vormittag des  nächsten Tages glückte es mir, auch an den Gnadenaltar in der heiligen Kapelle vorzudringen. Nachdem ich unserer lieben Frau von Altötting meine eigenen Anliegen vorgetragen hatte, betete ich auch noch für mein Annerl, trotz allem was bis jetzt gewesen war und ich glaubte ein gütiges Lächeln auf dem Gnadenbild zu erkennen, das aus ihrem Tabernakel-artigen Glasschrein hervorleuchtete.
Durch eine kleine Seitentüre vorne rechts verließ ich das Heiligtum wieder, denn jeder wollte hinkommen zur Mutter. Bei solchen Gelegenheiten hat man eben nicht viel Zeit. Das war nun ein schöner Urlaubsabschluss.
 
Die Fahrt nach Kassel ging von  Dietfurt, Neumarkt i.d.Opf.,  Nürnberg,  Bamberg, Lichtenfels, Coburg, Memingen, Bebra, in Bebra kreuzen sich viele Bahnlinien, eine bedeutende Bahnstation oberhalb Bebra, ist mir mit den Namen entfallen, dann kommt Kassel das liegt an der Fulda. Ich war damals auch an der Eder – Talsperre, diese ist die größte Talsperre Europas. Die Sperrmauer  geht  in einem großen Halbkreis gegen den ungeheuren Wasserdruck und ist sechzig Meter hoch. Diese Talsperre macht die Weser an ihrem oberen Lauf schiffbar. Bis Kassel fahren auch die großen tausend Tonnen Dampfer auf der Fulda. Die Sperrmauer  ist auch vierzig Meter dick. Lauter Beton und Stahl. Doch das nur nebenbei.
Es war höchste Zeit, dass ich wieder in ärztliche Behandlung kam, denn mein Arm war wieder aufs neue schwärrent, das heißt eiterig geworden. Nachdem Chefarzt Dr. Freete die neu aufgebrochene Wunde untersucht hatte, zog er mit einer Pinzette einen etwa drei Zentimeter langen Knochensplitter heraus, dass war der Grund warum mein Arm immer so arg schmerzte. Von jetzt ab wurde es besser. Es dauerte also deshalb ziemlich lange, bis ich jenem Mädel aus Zell mein Versprechen einlösen konnte. Ich schrieb ihr natürlich per Sie, bat aber zugleich um das Du, weil dieses nicht so unnahbar klingt. Es wurde mir das Du genehmigt und im Folgenden wurde eine regelrechte Liebschaft daraus. Zum Zeitvertreib schrieb ich ihr in der Folgezeit viele Briefe. Inzwischen hatte sie in Plattling wieder eine Stelle als Köchin angenommen und da konnte sie logischerweise diese meine Briefe nicht alle beantworten. Als ich ihr deswegen Vorhalte machte, schrieb sie darauf; du musst auch wissen, dass wir achtzig Mann Einquartierung haben und da gibt’s doch allerhand Arbeit. Diese Mitteilung hatte mir gerade noch gefehlt. Deshalb schrieb ich besorgt zurück: unter diesen achtzig Mann wird einer sein, der dich zu verführen versucht. Da schrieb sie zurück: mein lieber, lieber Michael, sei nur unbesorgt, denn ich finde es einzig schön mit dem Myrtenkranz geschmückt mit dir zum Traualtar zu gehen. Ein herrliches Wort. Aber trotzdem verdoppelte ich meinen Eifer, denn mir lag nichts mehr an nur einer Liebschaft, ich wollte eben nach dem Krieg eine Frau und nicht nur eine Frau, sondern eine Jungfrau heiraten. Doch trotz allem es wurden die Antworten immer spärlicher und blieben zuletzt ganz aus. Ich schrieb ihr aber trotzdem noch etwa sechs Briefe, denn ich konnte es einfach nicht glauben, dass alles nur ein Narrenspiel war. Sie hätte damals in Zell nicht auf der Zither spielen brauchen: Du, du liegst mir im Herzen, und darf, darf, darf ich der trauen, dir, dir und deinem Sinn, ja sie hätte mir trauen dürfen.
Nachdem ich mich von diesem zweiten Schlag etwas erholt hatte, schrieb ich ihr noch mal und ersuchte sie, mir meine Briefe zurückzuschicken, denn ich wollte ihr in Zukunft nicht mehr lästig fallen. Auch bekam ich darauf keine Antwort mehr. Den ersten Schlag versetzte mir also mein Annerl, den zweiten nun dieses Mädel. Es sollte aber noch schlimmer kommen und du mein lieber Leser, liebe Leserin musst dich noch mal gedulden, bis ich dir im achten Abschnitt dieses berichten kann.
Mit grimmigen Humor verlief meine weitere Lazarettzeit und an diese anschließend, bekam ich noch vier Wochen Genesungsheim in Großenritte bei Kassel, damit war nun ein ganzes Jahr vergangen. Am 30. November 1915 wurde ich als dienstunbrauchbar mit 24.00 DM Rente vom Herrendienst entlassen. Jetzt war der Krieg für mich aus. In der Folgezeit erfuhr ich dann von der Schwester jenes Mädles aus Zell, dass sie ein Filzefeldwebel (wir sagten beim Barras, Bandlbua) tatsächlich verführt hat, dass sie ein Mädchen geboren und er sie dann in ihrer Schande sitzen ließ. Also nicht heiratete.
 
Siebter Abschnitt. Die Nachkriegszeit und Inflation.
Der Krieg war aber mit meiner Entlassung aus dem Herrendienst noch nicht aus. Er dauerte noch drei Jahre und als Ende Oktober 1918 bereits eine deutsche, bevollmächtigte Abordnung in Frankreich zu Feindesverhandlungen weilte, machten die Deutschen schnell noch Revolution und als die Franzosen dies erfuhren sagte ihr bevollmächtigter Sprecher zu den Deutschen,: “Meine Herren, bei Ihnen ist die Revolution ausgebrochen, unsere Bemühungen sind zwecklos“. Jedenfalls war jetzt der Krieg aus, wie sich alles zugetragen hat, ist ja schließlich egal, auf alle Fälle war der Krieg verloren und alle Blutopfer waren umsonst. Auch ich musste am 20. Juli 1917 noch mal einrücken und kam zunächst zur Genesungskompanie und nach etwa 14 Tagen zur dritten Ersatz­kompanie und nach etwa 14 Tagen zur dritten Ersatzkompanie nach Forst Hartmann. Ich muss da noch mal sozusagen vom Krieg erzählen. Franz Schmid aus Riedenburg und ich holten in Dünzlau die Milch für die Kompanieküche. Da sahen wir beim fortgehen einen Rehbock mit schönen Geweih im Schnee liegen. (Er lebte noch) Als wir zurückkamen war er schon fast tot. Franz Schmid, ein Brandmetzger von Beruf, flachste ihn kunstgerecht auf und so hingen wir ihn an der Stange, an welcher wir die schwere Michkanne aufgehängt hatten  auch noch dran und trugen ihn keuchend und schwitzend in unsere Küche. Wir waren der Meinung, es gäbe dann zur Abwechslung einmal Rehbraten. doch weit gefehlt, wir mussten ihn anschließend, etwa 1,5 Stunden weit nach Ingolstadt tragen. Franz Schmid ist etwas kleiner als ich, (er lebt schon noch) und ging deshalb voraus. Dabei brummte er immer etwas von großen Rindviechern, die wir sind und weil ich mit einem großen Maß von Galgenhumor gesegnet bin, konnte ich wenigstens hinten über unsere Dummheit lachen.
Er, der Franz ist sehr leicht reizbar und wenn er gesehen hätte, dass ich auch noch lache, dann wäre es ganz aus gewesen. Das dicke Ende kommt aber noch. In Ingolstadt angekommen mussten wir uns erst durchfragen, bis wir die besagte Wohnung fanden. Endlich standen wir vor dem Haus und Franz wischte sich zuerst den Schweiß ab und murmelte etwas vom guten Trinkgeld, ehe wir noch ein paar Treppen hochkletterten mit unserer Stange, an welcher unser Rehbock hing. Zunächst kam auf unser klingeln das Haus­mädchen, diese ließ uns schon gar nicht hinein, sie sagte nur, sie will es der gnädigen Frau sagen. Endlich kam dann die gnädige Frau mit der Lorgnette (Stielbrille) betrachtete sich unser Mitbringsel, sagte Dankeschön und ließ uns stehen.
Die Stange ließen wir heraußen vor der Wohnung gleich stehen und Franz griff mir zuerst an den Kopf, dann sich selber. Die Feder sträubt sich alle die guten Wünsche zu vermelden. Die alte Matz war noch das gelindeste seiner Worte. Matz aber ist bei uns die landläufige Bezeichnung für einen weiblichen Hund, Einmal ging von der ersten Ersatzkompanie ein Transport ins Feld ab. Ein mir völlig unbekannter Mann (also Soldat) von der ersten Kompanie kam in unser Zimmer und fragte: ob ein Mann da wäre, der für ihn um mittags 12.00 Uhr zur Wache antreten möchte. Weil ich nicht gerne in die Stadt gehen wollte, sagte ich, dass ich für ihn antreten will. Es war dieses an einem Sonntag und ausgerechnet hat einer den Transport geschwänzt, ist also nicht mit und dafür musste natürlich ein anderer Mann mit. Auf dieser Fortwache waren zwei Mann als Posten und ein Gefreiter als Wachhabender eingeteilt. Ich wurde um 10.00 nachts abgelöst und sagte zu dem Wachhabenden Scheuber: „Wenn du dich hinlegen willst, übernehm ich die Wache“. Er fragte, ob ich mit Telefon umgehen kann und da ich dieses bestätigte, legte er sich hin. Bald darauf läutete das Telefon, ich meldete: „Wache Fort Hartmann hier, ohne Neuigkeit“.  „Danke, hier ist Rondeoffizier Müller“. Bald darauf läutete die Haus­glocke, ich ging nach draußen und ließ die Nachturlauber herein, machte aber das Tor nur soweit auf dass immer nur ein Mann herein konnte. Urlaubsschein abgeben, Urlaubschein abgeben.
 
 Die abgegebenen Urlaubsscheine schrieb ich dann im Wachlokal ins Rapportbuch und als der Gefreite Scheuer das Rapportbuch bei der ersten Kompanie ablieferte, fehlte jener Mann, er stand also nicht im Rapportbuch, mit dem Vermerk, ohne Urlaubsschein einpassiert, obwohl er jetzt da war. Er sagte einfach, der Posten beziehungsweise der Wachhabende habe ihn herein gelassen, ohne ihn nach dem Urlaubsschein zu fragen. Nun musste ich auf die Schreibstube der ersten Kompanie kommen, der Hauptmann dort, sagte zunächst als ich mich meldete folgendes: „Posten, wenn ich sie jetzt frage, sprechen sie die Wahrheit, haben sie heute Nacht einen Mann hereingelassen, ohne ihn nach seinem Urlaubsschein zu fragen“? „Nein Herr Hauptmann“ war meine Antwort.  Er fügte jetzt hinzu. „Posten, sie könnten bestraft werden von wegen Wachtvergehen, wegen belügen eines Vorgesetzten.  Er wiederholte noch mal die gleiche Frage und auf mein dreimaliges: „Nein Herr Hauptmann“, wandte er sich an einen in der Schreibstube anwesenden Mann und sagte: „Ein gemeiner Lügner“. Da unterbrach ihn der andere Offizier und sagte: „Entschuldigens Herr Hauptmann, lassen sie bitte den Mann kommen (er nannte irgendeinen Namen) der ist nämlich mit mir herein“. Der Kanzleischreiber musste den Mann holen, der Herr Hauptmann musterte mich jetzt von Fuß bis zum Kopf und jetzt kam dieser besagte Mann. Ernst und eindring­lich fragte ihn nun der Hauptmann, er soll die Wahrheit sagen. Er antwortete: “Ich weiß nicht, dass jemand mit mir herein ist, ich war allein und ich habe auch meinen Urlaubsschein abgeben müssen“.“ Posten sie können abtreten“ wandte er sich mir zu.
So schneidig machte ich niemals kehrt wie damals. Im hinausgehen hörte ich, dass er sogleich verhaftet wurde, eben in der Schreibstube der ersten Kompanie. Und die Moral aus dieser Geschichte, mache nie freiwillig eine Wache, warte bis du dazu kommandiert wirst. Am 7. August 1918 wurde ich dann endgültig entlassen und bekam meine 24.00 DM Rente wieder. Die Nachkriegszeit war eigentlich eine Zeit der Zwangswirtschaft. Man brauchte zu allem einen Schein. Einen Mahlschein, einen Schlachtschein, einen Bezugsschein für Schuhe, für Textilien und so weiter. Dabei wurde alles von der erfüllten Ablieferungspflicht abhängig gemacht, war man also damit in Rückstand, bekam man nichts. Diese Zwangswirtschaft dauerte aber noch fünf bis sechs Jahre. Die Revolution 1918 hatte alle bisherige staatliche Ordnung über den Haufen geworfen. Allmählich bildeten sich sechsundvierzig politische Parteien, jede warb für sich und zog dabei die anderen Parteien in den Kot. Dadurch verfiel allmählich auch die Währung, weil keine rechte Ordnung mehr war. Ich will ja keine geschicht­lichen Aufzeichnungen machen, aber ich führe den Währungsverfall auf diese Unordnung zurück. Schließlich war eine Rentenmark, eine Billion Papiermark. Ich habe eine Billion Sekunden berechnet und zwar wie viele Jahre eine einzige Billion Sekunden dauert. Das Astronomische Jahr hat 365 Tage und 6 Stunden. Diese 6 Stunden wurden alle 4 Jahre zu einem Schalttag zusammengelegt.
 Also demnach sind:
365 Tage X 24 Std. = 8760 Std. + 6 Std. =    8766 Stunden
8766 Std, X 3600 Sekunden= ein Jahr           =             31,557.600 Sek.
31.557.600 X 1000 Jahre  =             31.557.600.000 Sek.
31.557.600.000 X 31 = 31.000 Jahre             = 978.285.600.000 Sek.
Es bleibt von einer Billion  21.714.400.000  übrig.
Genau ausgerechnet ergibt das also eine Billion Sekunden
31.691   Jahre,     333 Tage, 20 Stunden und 40 Minuten.
Eine Billion Mark war dann Mitte November 1923 eine Rentenmark. So mancher leichtsinnige Bauer war, inzwischen das Geldausgeben gewohnt und so mancher kam in Zahlungsschwierigkeiten. Die allgemeine Moral kam ins Wanken und dadurch wurde allmählich der Boden für den „Nazionalismus“ bereitet. Doch diese Beschreibung kommt erst im 11. Abschnitt.
er Abschnitt. Anwesensübergabe 1919.
Im November 1918 waren in allen Gemeinden, Heimkehrerfeste. Auch in Altmühlmünster wurde ein solches gefeiert. Einen Tag später gingen Josef Bachhuber und ich auf den Kühberg zu Waldarbeiten. Auf halber Höhe schreit Johann Lindl ich soll noch mal herunterkommen, er hat mir was Wichtiges zu sagen. Ich ging noch mal herunter und er sagte mir, ob ich eine bestimmte Person (ich nenne nur den Namen nicht) nicht heiraten würde. Ich drauf: ich hab sie ja noch gar nicht gesehen, was will ich denn da schon sagen. Meine Mutter wurde inzwischen bearbeitet und auch mein Vater. Ich war auf Grund meiner bisherigen Erfahrungen mit meinen zwei Angebeteten zu einem stumpfsinnigen, willenlosen Kerl geworden und ließ mit mir alles geschehen. Meine Mutter sagte immerfort: man dürfte es sich zur Ehre schätzen, wenn man aus einem solchen Hause eine Frau hereinbekommt und so weiter. Also ging ich zu meinen Kameraden. Also dieses Mädel soll ich heiraten? Damit ich auch etwas sagte gab ich ihr zu bedenken, dass ich meine, ich sei noch gar nicht reif genug zum heiraten. Ach geh, meinte sie: „A’ solchas Mannsbuid und net reif genug, lass di doch net auslacha“. Geküsst habe ich sie nicht und sie schrieb das meiner Schüchternheit zu. Das habe ich später erfahren. Jedenfalls aber brachten sie es soweit, das heißt meine Eltern und ihre Bearbeiter, dass ich am Sylvesterabend 1918 – 1919 Verlobung mit ihr feierte. Etwa um halb Elf Uhr abends ging ich heim. Als ich heimkam waren meine Eltern noch auf und wie ich nicht Feuer und Flamme war, wie sie es sich vorgestellt hatten, machte sich mein Vater seine eigenen Gedanken, welche er am Neujahrstag 1919 folgendermaßen von sich gab. Wenn er (also ich) diese nicht heiraten will, dann soll er doch eine andere heiraten. Dann hat er wenigstens eine Frau, an welcher er eine Freud hat, von mir aus hat’s dann um 3000.00 Mark weniger als diese. Das sagte er zur Mutter noch im Schlafzimmer und meine Schwester sagte es mir. Jetzt kommt er daher, wenn er doch gestern so gesprochen hätte, aber mein Entschluss war schon gefasst. Um keinen Preis der Welt heirate ich sie, ich kannte ja jetzt die Meinung meines Vaters, lieber gehe ich auf und davon und Gott sei Dank, ich heiratete sie nicht. Am nächsten Sonntag kam ein Mann aus Paulushofen und fragte bei uns an, ob meine Schwester ihn heiraten würde. Ich sagte zu, ihm: “Wenn wir nächsten Sonntag nach Paulushofen kommen, dann wird es jedenfalls was werden, wenn nicht, dann braucht er nicht weiter warten“. Ich beriet mich nun mit meiner Schwester und sagte: „Wenn mich die Bäcker Anna heiratet, dann kann sie daheim das Anwesen übernehmen. Ich ging also abends während der Futterzeit zu mein Annerl und fragte sie, ob sie mich heiratet oder nicht, sie fiel mir wortlos um den Hals und jetzt hatte ich sie trotz aller Irrfahrten noch mein eigen nennen dürfen.
Wir waren zwar ein paar Jahre recht “notig”, denn wir mussten mit 9.000.00 Mark übernehmen, dazu war das Feld verpachtet und hatten somit nur die halbe Ernte im kommenden Sommer, aber wir freuten uns wie kleine Kinder und trugen unsere Not gemeinsam und der liebe Herrgott gab seinen Segen dazu. Am 30. Januar 1919 wurde notariell das Anwesen verbrieft und am 24. Februar 1919 heirateten wir. Etwa vierzehn Tage zuvor gingen wir, Anna und ich auch nach Schamhaupten und luden Annas Mutter und Bruder Xaver zur Hochzeit
 ein. Dieses Fortsein benutzte nun eine Frau aus Altmühlmünster und ging zu Großvater Gerstner und sagt: “Gebt’s doch den euer Anwesen nicht, der wo sonst gar nichts kann als s’Posthörnd’l blasen, der verkauft ja jetzt schon eure Küh und so weiter“.
 
Als wir von Schamhaupten heimkamen saßen Großvater und Großmutter da wie ein Häuflein Elend und keines sagte ein Wort auf unsern Gruß. Das warum, war bald geklärt. Diese Frau gönnte das Anwesen weder der Anna noch mir. Es war eben purer Neid und ausgerechnet so oft bei dieser Frau in ihrem Stall eine Kuh kalbte, sagte sie schon 14 Tage vorher: „Bist dahoam, a’Kuh ham ma auf der Zeit und wennst halt du da bist, na moan i’ as fehlt scho nix mehr“. Wie schon mein Vater, so konnte auch ich mir besonders gut in diesen Dingen helfen und heute noch mit meinen fast 75 Jahren kann mir in punkto Geburtshilfe im Rinderstall keiner das Wasser reichen, das heißt, wenn irgendwo ein schwerer Fall ist, dann wird eben der Schaumann geholt und dann geht es eben. Nicht mit Gewalt, nein dann fehlt es eben an der normalen Geburtslage. Wenn mir der Platz bis Seite 191 noch reicht, dann werde ich meine hauptsäch­lichen Fertigkeiten auf diesem Gebiet noch beschreiben. Wir hatten insgesamt 36 Hochzeitsgäste und zum Hochzeitsmahl vierzig Pfund Rindfleisch, ein Schwein mit einhundertdreißig Pfund, sowie ein Kalb mit einhundertzwanzig Pfund.
Da konnten wir schon Hochzeit halten. Am Hochzeitstage waren von der Übergabesumme von 9.000.00 Mark, 4.500.00 Mark zur Zahlung fällig. Um 500.00 Mark lösten wir den Großvater die vorhandenen Kramerladensachen ab und weil bei der notariellen Verbriefung bestimmt wurde, dass die Restsumme von 4.500.00 Mark als erste Hypothek eingetragen wird, wurde es eben eingetragen. Als einen tragischen Fall ist es zu bezeichnen, dass Großvater Gerstner nachdem der Herr Notar Leibert etwa um 9.00 Uhr auf  d`Nacht fort war, um 11.00 Uhr ihn der Schlag rührte und er kein Wort mehr sprechen konnte. Er hat sich aber wieder so gut erholt, dass er unsere Trauzeugen in der Kirche machen konnte. 18 Tage nach unserer Hochzeit starb er. R. I. P.  An landwirtschaftlichem Inventar hatten wir zwei Wagen mit hölzernem Bifangpflug, eine hölzerne Egge, eine alte Windfege mit der eingravierten Jahreszahl 1830 und eine alte Handdresch­maschine. Das war alles. Im ersten Jahr kauften wir also einen Eberhardtpflug und eine Brettegge.
Im zweiten Jahr einen Häufelpflug und Kultivator. Im dritten Jahr die Schrotmühle, 1922 dann einen 3 P.S. Benzinmotor und eine Dreschmaschine. Zur Schrotmühle kam 1921 noch ein Göpelwerk. 1923 kauften wir die zwei Ackerspitzen am Baumacker. 1924 bauten wir den Stadel und Stall das erste Mal, dann kauften wir die große Wiese, den Garten vor der Haustüre, zwei Kreissägen, eine davon nach eigener Zeichnung, die Rundstabmaschine mit verschiedenen Messerköpfen hinzu, die Hobelbank, den Elektromotor und so weiter und so fort. Nebenbei fünf neue Weißdecken (Blafondecken) und Fußböden, den Kamin und Küche gebaut, den Backofen und die Jauchengrube, den Hausgang, er war vorher gewölbt und niedrig, den Hühnerstall. Das musste alles so nebenbei gemacht werden. Ich musste nämlich alle Tage in die Maurerei gehen und Mutter war mit ihren Kindern und ihrer Arbeit allein. Ich muss sie heute noch bewundern wie sie damit fertig wurde. 26 Betten und 26 Kissen hat sie nebenbei noch bereitgestellt.  Für fünf Mädl die verheiratet sind je zwei Ober- und Unterbetten und zwei Kopfkissen, für Sepp ein Ober- und Unterbett und zwei Kopfkissen. Ist das nicht eine bewundernswerte Leistung. Dazu haben wir der Lina, der Babettl und auch der Walli ihre Hochzeitsschweine geliefert und so weiter, so notig wir auch anfangen mussten. Als wir 1924 unseren Stadel und Stall umbauten sagte ein Mann von Altmühlmünster: der verreckt ja doch, das heißt, der wird ja doch vergantet und wenn ich dann im Herbst nach dem fertig ackern meinen Pflug mit Ölfarbe wie neu anstrich und kam dieser Mann grad vorbei, dann knurrte er: „So wird schon wieder auf’n B’schiß hergerichtet“. B’schiß, aber kommt von bescheißen und sollte jedenfalls soviel heißen wie etwa: da schau hin, der Schaumann hat einen neuen Pflug. Ich ließ eben meinen Pflug nicht verrosten und das war diesen Leuten auch schon ein Dorn im Auge. Als ich dann mit dem Rechen machen anfing, musste ich zunächst alles mit der Hand machen. Spätestens um halb drei Uhr stand ich auf und bis um sechs Uhr in der Früh musste ein Dutzend Rechenhaupt geschnitten und mit der Brustbohrmaschine gebohrt sein. Zu einem Dutzend Heurechen musste ich den Bohrer etwa  4800 Mal drehen und zu 156 Zahnlöchern die Zähne durchschlagen, rund 5000 Hammerschläge machen. Wenn ich sechs Dutzend fertig hatte, fuhr ich dann nach Mühlbach, Albertshofen, Schweinkofen. Da waren 72 Stück verhausiert und ich brachte 40.00 Mark heim. Die zweite Tour ging dann nach Gundelfing, Jachenhausen, Otterzhofen, die dritte Tour Flügelsberg, St. Gregor, Perletzhofen, die vierte Tour Ober­eggersberg, Georgenbuch, Harlanden, Oberhofen und Untereggers­berg und so weiter.
 
 Nach Zell, Wolfsbuch und Arnbuch, nach Thann und Thannhausen lieferte ich meine Rechen, Sensenwürfe, Wachler, Getreide- und Streurechen. Sogar bis nach Laimerstadt, Lobsing, Ried und Tettenwang wurden sie geholt. Als ich diese Mengen mit der Hand einfach nicht mehr herstellen konnte, kaufte ich mir Maschinen. So konnten wir die restlichen 4.500.00 Mark auch noch vor der Inflation bezahlen. Onkel lieh diese 9.000.00 Mark seiner Stieftochter, diese baute sich ein Haus dafür und als die 9.000.00 Mark sechs Eier wert waren, zahlte diese Stieftochter, diese 9.000.00 Mark heim, das heißt, man bekam eben dann dafür soviel Geld, nicht mehr. So sah eben die Inflation aus.
 
Unsere Vorfahren auf unserm Anwesen.
Großvater Gerstner stammte vom Wirtsanwesen ab und Großmutter war eine geborene Schaumann. Sie war in Altmühlmünster geboren. Ihr Vater war Schreiner und zog nach ihrer Geburt nach Wolfsbuch und heiratete dort die Schaumann Lina. Auch die Schaumann von Kirchbuch stammen von ihm ab. Großvater war geboren am 02. März 1830 und starb am 14. März 1919. Großmutter war geboren am 13. Juli 1837 und starb am 16. März 1929. Im Jahre 1916 konnten sie ihr 50jähriges Hochzeitsjubiläum feiern. Großmutter lebte also etwas über zehn Jahre und hat unseren Kindern viel Gutes getan, indem sie diese beaufsichtigte. Sie war eine liebe, stille Frau vor der ich noch heute, als alter Mann, Hochachtung habe. Vater hätte ja manchmal überhaupt nichts tun können, wenn Großmutter nicht bei den Kindern gewesen wäre.
 Unsere Familie
Geboren am:
Katharina
16.01.1920
Karolina
16.11.1921
Anna
16.11.1921
Josef
15.11.1922
Konstantin
30.08.1924
Barbara
25.10.1925
Adelheid
30.01.1931
Walburga
04.08.1935
Franziska
07.11.1940
 
 
Die Katharina und die Franziska gingen ins Kloster nach Mallersdorf. (Seite 120)
Die Katharina ist Oberin S.M. Sola in Nkandla Zululand/Sonte Afrika.
Die Franziska ist S.M. Michaelis in Kreiskrankenhaus Dachau.
Die Karoline ist in Altmühlmünster,
die Anna und Barbara in Mendorf,
die Adelheid in Pondorf,
die Walburga in Laubhof verheiratet.
Der Konstantin ist in Rußland vermisst und Josef hat unser Anwesen übernommen.An Enkelkindern haben wir zunächst fünfzehn, doch werden es vielleicht 16 oder 17.Alles weitere:Gott befohlen.
 
 
 
10. Abschnitt.
Besondere Vorkommnisse und Ereignisse während meines Lebens.
An besonderen Vorkommnissen und Ereignissen ist mein Leben gewissermaßen reich. Schon meine Geburt war insofern eigentümlich, weil ich meiner Mutter sozusagen als Geburtstagsgeschenk in die Wiege gelegt wurde. Meine Mutter ist bekanntlich am 14. September und ich am 13. September geboren. Also ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter. Ausgerechnet am 13. September 1916 mussten wir von unserem neuen Geläute zwei Glocken abliefern. Als dann der Krieg aus war, kaufte Herr Pfarrer Haunschild in Benehmen mit mir als Kirchenpfleger zu der noch vorhandenen großen Glocke, eine zweite dazu. Im Jahre 1920 war es, das genaue Datum weiß ich aber hierüber nicht.
Am 18. April 1929 wurde durch den Absturz eines rund 60 Zentner schweren Felsen das Haus Nr. 15 in Altmühlmünster beschädigt.
Beim Anprall des großen Steines an die hintere Dachgaupe (Dachplatten) wurde ruckartig das ganze Schieferdach (Steindach) auf die Straße herunter geschleudert. Die beiden Hausflurmauern wurden nach rechts und links eingedrückt und was noch an Mauerwerk stand war gebrochen und voller Risse. Vom 08. – 20.09. 1929 wurde es dann wieder aufgebaut. Als Maurer waren tätig: Michael Schaumann, Johann Schlagbauer, Georg Templer von Zell und Martin Reigl aus Meihern. Zimmerleute: Michael Ebenhöch und sein Sohn Andreas. Handlanger Josef Lehmeier vom Fischhof. Dieses Ereignis machte auf den damaligen Besitzer Michael Beer einen so erschütternden Eindruck, dass er sich am 02.07.1929 in Dietfurt von der Eisenbahn überfahren ließ. Im Jahre 1907 wurde unser Schulhaus neu gebaut. Von 1912 – 1913 wurde unsere Parrkirche erweitert und der Turm neu gebaut. Am 13. September 1950 also auch an meinen Geburtstag kam unser jetziges Geläute und am 14. September 1950 wurden diese Glocken auf den Turm gezogen. Als erstes          amtliches Läuten mussten sie           der Blauhofbäurin Katharina Riepl zu ihrer Beerdigung läuten. 1941 mussten wir die große Glocke und die dazugekaufte Glocke, im zweiten Weltkrieg abliefern. Nun war nur mehr das kleine, vom Kloster noch herstammende Glöckerl da. Damit man aber unterscheiden konnte, ob’s das erste läutete oder zam, holten wir der Einfachheit halber eine Glocke vom Deisinger Kirchturm.
 
 
Das Klosterglöckerl hängt übrigens auf dem Meiherner Kirchturm und wurde von mir, Michael Schaumann und Martin Mayer Hsnr. 7 in Altmühlmünster, am Freitag den 20.September 1950 dort eingebaut. Meihern musste auch eine Glocke abliefern und weil eben Meihern zum neuen Geläute der Pfarrkirche mitzahlte, bekamen sie dafür das Klosterglöckerl, es ist das tiefklingende dort und stimmt in A. Am gleichen 20. September 1950 wurde dann das Deisinger entliehene Glöckerl auch wieder von mir einmontiert. Am 10. März 1910 hat mein Vater die Eggmühle eingetauscht. Am 30. April 1919 wurde von meinen Eltern ihr Anwesen, die Eggmühle, an meine Schwester Katharina notariell übergeben. Am 26. Januar 1938 war ganz Europa in ein rotes Licht getaucht. Der Himmel grollt, schrieb irriger Weise die Bayrische Ostmark, zu dieser Naturerscheinung. Er hat wirklich gegrollt, wir haben es bitter erfahren müssen. Von 1939 – 1945
und der Himmel hat sie alle hinweggefegt samt ihrem tausendjährigen Reich und samt der Bayr. Ostmarkzeitung. Sollte jemals dieses Büchlein in Druck erscheinen bitte ich, diese Zeitungsausschnitte mit allem drum und dran mit abzudrucken.
Am 20. März 1957 haben wir, Michael und Anna Schaumann unser Anwesen Altmühlmünster 9 1/2 an unserem Sohn, Josef Schaumann notariell übergeben und verbrieft. Wir bewirtschafteten also unser Anwesen 38 Jahre und 49 Tage.
Am Montag den 13. März 1961 war Hebauf beim neuen Stadel. Am Samstag den 10. Juni 1961 abends 20.00 Uhr war das Dach fertig. Am Samstag den 17. Juni 1961 die erste Fuhre Kleeheu im neuen Stadel eingebracht. Am 18. August 1961 wurde in der neuen Futter­kammer zum ersten Mal Futter geschnitten. Am Donnerstag den 24. August 1961 wurde unser Vieh in den neuen Stall einquartiert. Am 18. Juni 1964 die Gefriertruhe zum ersten Mal gefüllt. Am 03. April 1961 wurde der neue Hochaltar in unserer Pfarrkirche eingebaut.
Im Jahre 1946 wurde die Gemeinde Altmühlmünster mit der Gemeinde Meihern zusammengelegt.
Im Frühjahr 1947 grub ich drunten im Obstgarten einen Apfelbaum­wurzstock heraus, da fährt drüben auf der Straße eine schwarze Limousine herauf. Ich dachte: da sitzt auch kein notiger drin und bis ich mich umschaute, hielt diese Limousine schon hinter mir. Da ging die Wagentüre auf und der Kurierfahrer des Landratsamtes kommt auf mich zu und sagt: Sie waren doch früher Bürgermeister von Altmühlmünster, der Herr Landrat Hitzelberger wünscht sie zu sprechen. Ich ging also zum Auto, zum Herrn Landrat und es entwickelte sich folgender Dialog.“ Grüß Gott Herr Landrat, mein Name ist Michael Schaumann, ich war früher Bürgermeister von Altmühlmünster, was wünschen der Herr Landrat von mir“? „ Na ja, jedenfalls haben sie sich schon gut eingelebt in diese Gemeinde­zusammenlegung und da möchte ich einmal ihre Meinung hören darüber.“ „Wenn der Herr Landrat das wünscht, werde ich nicht hinterm Berg halten und meine Meinung auch unverblümt sagen. Altmühlmünster war schon um das Jahr Achthundert von Benediktinern besiedelt, war also schon vor mehr als 1000 Jahren Mittelpunkt der Seelsorge, der Schule und somit auch der Verwaltungsmittelpunkt. Als dann im Jahre 1875 die Standesämter beschlossen und mit dem 01. Januar 1876 ihre Tätigkeit begannen, war Altmühlmünster der Sitz eines Standesamtes mit Einschluss der Gemeinden Deising und Meihern, Flügelsberg, St. Gregor, Arnsdorf, Hallenhausen, Griesstetten, Einsiedel, Laubhof, Ambergerhof und Mühltal und da geht man nun her und legt diese uralte Gemeinde mit Meihern zusammen, ohne jegliche Abstimmung der wahlberechtig­ten Einwohnerschaft, deshalb empfinde ich und mit mir mindestens 99 % der Abstimmungsberechtigten, diese Zusammenlegung als ungehörig. Zurücksetzung und Benachteiligung unserer Gemeinde Altmühlmünster. Es wäre weniger ärgerlich, wenn die neu ent­standene Gemeinde aus diesen Gründen  Altmühlmünster geheißen hätte. Das ist der moralische Standpunkt den ich vertrete.“ „ Ich danke schön Herr Greiner“, sagte nun der Herr Landrat und ich drauf: “Bitte Herr Landrat, ich habe Ihnen Eingangs unserer Unterhaltung meinen Namen genannt, so dass eine Täuschung in der Person ausgeschlossen scheint, wenn Sie mit den Herrn Greiner sprechen wollen, dann sind sie an den Unrechten geraten, mein Name ist Schaumann“. „Ja ich weiß, ich hab mich bloß versprochen“. Ich sprach dann weiter: „Der Sinn dieser Gemeindezusammenlegung sollte jedenfalls eine Verwaltungsvereinfachung mit sich bringen. Das Gegenteil ist’s geworden. Ich muss vorausschicken, dass ich über unserm jetzt amtierenden Bürgermeister Werner, Meihern weder persönlich, noch Verwaltungsgemäß etwas auszusetzen habe. Der Verwaltungsbereich dieses Mannes ist aber derart groß, dass er ihn mit besten Willen nicht überschauen kann. Nennen wir zum Beispiel nur das Kapitel Wegebau“. ” Ja darüber wollte ich sowieso mit Ihnen sprechen.” „Bitte Herr Landrat, was wollten Sie diesbezüglich von mir erfahren.  Ja, wenn Sie schon so interessiert am Wegebau sind, wie kommt es dann, dass dieses Straßenstück von Thann nach Zell sich in einem derart schlechten Zustand befindet, dass es kaum noch passierbar ist. Nichts leichter als hierüber eine Erklärung.
 
 
 
 
Während des Krieges musste auch der Forstagrar große Mengen Holz einschlagen, die Fuhrunternehmer, die dieses Holz zur Abfuhr brachten, haben erstens riesige Fuhren aufgeladen, halbe Fuhren um ihre Bremsen zu schonen hinten angehängt, die Straße heruntergeschleift und dadurch die ganze Fahrbahn aufgeraut und ausgehöhlt und die durchmarschierenden, alliierten Panzer haben dann diesem Straßenstück den Todesstoß versetzt, da kann weder ich, noch mein Nachfolger im Amt zur Rechenschaft gezogen werden. Und übrigens  habe ich nachweisbar den Arbeiter Johann Engl alljährlich länger als 16 Wochen gerade an diesem Straßenstück beschäftigt. Schließlich muss jeder Gemeinde­bürger, ob Sommer oder Winter auch einmal zum Bürgermeister kommen. Glauben Sie denn Herr Landrat, dass dieses dann etwa zur Erntezeit eine Verwaltungsvereinfachung darstellt, wenn etwa Leute von  Laubhof, Ambergerhof oder Mühltal nach des Tages Mühe nach Meihern müssen. Für die Behörden ja, aber für uns Bauern und Landwirte nein. Das ist meine Meinung über die Verwaltungsver­einfachung. Zur wirtschaftlichen Sache ist noch zu sagen, dass Altmühlmünster und Deising sowieso zu einem Stier- und Eberhal­tungsvertrag aufeinander angewiesen sind. Wo ist denn dann hier eine Verwaltungsvereinfachung abzusehen? nirgends. Wir verlangen deshalb eine freie mit Stimmzettel durchzuführende Abstimmung über diese Gemeindezusammenlegung und die Rückgabe aller früheren Rechte einschließlich des Standesamtes“. Ich machte noch einen Bückling, der Herr Landrat Hitzelberger schlug die Wagentüre zu und fuhr davon. Ich schrieb am 16. Juni 1947 einen Einspruch an das Bayrische Staatsministerium des           Innern    in München mit folgendem Wortlaut. Altmühlmünster den 16. Juni 1947 An das Bayrische Staatsministerium des Innern in München. Betreff: Rückgliederung der Gemeinde Altmühlmünster, Landkreis Riedenburg
Als im Jahre 1946 die Gemeinde Altmühlmünster im Zuge der Zusammenlegung in die Gemeinde Meihern aufgegangen war, löste diese Maßnahme eine lebhafte Unruhe unter den Gemeindemitgliedern aus. Einwände verschiedener Art wurden seitdem geltend gemacht, welche diesem Entschluss nicht nur als wenig zweckmäßig, sondern auch als Zurücksetzung und Benachteiligung empfinden ließen. In einer mehr als tausendjährigen, ruhmreichen und ehrenvollen Tradition hat die Gemeinde Altmühlmünster die Fähigkeit der Selbstverwaltung bewiesen. Schon die Tatsache allein, dass diese Gemeindezusammenlegung nationalsozialistischen Ursprungs ist, dürfte genügen, unseren feierlichen Einspruch dagegen wiederholt zu erheben und zu rechtfertigen. Wir wollen schon aus diesem Grunde nicht für alle Zeit, samt unseren Kindern und Kindeskin­dern an diese nationalsozialistische Schmach erinnert werden. Meihern’s Einwendungen dagegen dürfen sich erübrigen, denn solche wurden dem Staatsministerium des Innern bereits ausführlich unterbreitet. Es kann aber in dieser für so überaus wichtigen Sache nicht einfach darauf verzichtet wurden, auch noch die nachstehenden angeführten Tatsachen in Erwähnung zu bringen. Altmühlmünster war schon um das Jahr Achthundert von christlichen Benediktinern besiedelt. Es war also schon vor tausend Jahren, Mittelpunkt der Seelsorge und Schule und somit auch Verwaltungs­mittelpunkt. Als ferner im Jahre 1875 die Standesämter errichtet und mit dem 01. Januar 1876 ihre Tätigkeit begonnen, wurde Altmühlmünster der Sitz eines Standesamtes mit Einschluss der Gemeinden Deising und Meihern, mit den dazugehörigen Weilern und Einöden. Ferner waren die Ortschaften Arnsdorf, Hattenhausen und Griesstetten miteinbezogen. Ein unbestreitbarer und beachtlicher Beweis seiner langjährigen Verwaltungsselbstständigkeit. In feierlicher Weise erheben wir im Namen aller Gemeindeangehörigen noch Mal Einspruch gegen die Zusammenlegung; unserer Gemeinde Altmühlmünster mit Meihern. Ferner verlangen wir eine freie Abstimmung mittels Wahlzettel für alle Stimmberechtigten von
Altmühlmünster, sowie die Rückgabe aller  früheren Rechte einschließlich des Standesamtes und bitten das Bayrische Staatsministerium des Innern um alsbaldige diesbezügliche wohlwollende Entschließung.
Hochachtungsvoll
für die Gemeinde Altmühlmünster Michael Schaumann
 
Im Jahre 1947 bekamen wir Elektrizität, Licht und Kraft. Den Transformator in Laubhof habe ich mit meinen Sohn Josef gebaut. Josef Laurer hatte Handlangerdienste geleistet.
Am 13. September 1963 also an meinem Geburtstag und ausgerechnet um 5.00 Uhr zu meiner Geburtsstunde war droben am Wasser­reservoir  Eröffnung und ein Weiheakt mit Ansprachen. Die Wasserlei­tung wurde eröffnet.
Am Freitag den 24. April 1964 wurde in Altmühlmünster mit der Straßenteerung begonnen und am 30. April 1964 war die Straße fertig geteert.
Am Montag den 27. April 1964 ‘wurde erstmals über den neuen Transformator, Strom bezogen und zwar um 15.00 Uhr (neue Trafostation in Altmühlmünster).
Im Jahre 1962 wurde die Orgel elektrifiziert, die Kirchenstühle mit den Seitengängen angebracht und alle Heiligenfiguren neu gefasst.
 
 Im Oktober 1964 wurde noch die Kanzel in der Pfarrkirche renoviert.
 
Elfter Abschnitt.
Nationalsozialistische Epoche. Bedeutungsvoller Zeitabschnitt. Hier will ich nur von allgemeinen Dingen berichten.
Ich persönlich wurde bei der ordentlichen Bürgermeisterwahl am 08.Dezember 1929 zum ersten Bürgermeister der Gemeinde Altmühl­münster gewählt und habe dieses Amt am 01. Januar 1930 über­nommen. Dabei kam ich öfters auch zum Kettner in Riedenburg und bestellte dort benötigte Formblätter. Da kam ein Kanzleibote vom Amtsgericht oder Notariat, das weiß ich nicht genau und verlangte 38 bestimmte Formblätter. Das bedienende Fräulein griff mit der einen Hand ans Herz und mit der anderen an das Kinn und der Mund blieb ihr halbwegs offen. Ja, Fräulein sagte der Beamte: Sie haben schon richtig gehört, es sind nämlich zurzeit achtunddreißig landwirtschaftliche Betriebe zur Zwangsversteige­rung angemeldet. Auf Seite 113 die letzten sechs Zeilen, habe ich bereits auf leichtsinnige Bauern hingewiesen. Dadurch war für den Nationalismus, Wasser für seine Mühlen gegeben. Doch von den Altmühlmünsterern wurde Hitler nicht in den Sattel gehoben. Da ging ich etwa 14 Tage vor der letzten Reichtagswahl, welche zur so genannten Machtübernahme führte von Deising, von der Arbeit heim, dabei begegneten mir in Höhe der Eggmühle zwei uniformierte S.A. Männer, übrigens die ersten die ich bis dahin gesehen hatte und sie klebten an alle Scheunentore Aufrufe für die kommende Reichtagswahl. Ich war damals Vertrauensmann der Bayr. Volks­partei und ich meldete meine Wahrnehmung an das Kreissekretariat der Bayr. Volkspartei in Regensburg, Weißenburgerstraße 5 mit der Bitte, mir einen tüchtigen Parteiredner zu schicken. Meiner Bitte wurde stattgegeben mit dem Hinweis ich soll für den fraglichen Abend einen Mietvertrag abschließen, so dass wir ein Hausrecht haben, denn es sei zu befürchten, das die S.A. die Versammlung eventuell zu sprengen versucht. Durch die Versammlung konnte ich erreichen, dass Altmühlmünster keine einzige Stimme für den Nationalismus abgab.
 Altmühlmünster war also schon von Anfang an als schwarz verschrien. Dennoch wurde ich auch Mitglied der N.S.D.A.P. und das ging folgendermaßen: Es kamen drei Beauftragte der Kreisleitung und weil ich nicht daheim war, beauftragten sie meine Frau, mich holen zu lassen. Als ich heimkam sagten sie zu mir: „ Herr Bürgermeister für Sie wird’s nun auch allmählich Zeit, dass Sie sich in die Partei aufnehmen lassen“. „Deswegen hättet ihr mich nicht holen lassen brauchen, weil ich das nicht tue“.“ Warum wollen sie sich dann nicht in die Partei aufnehmen lassen“.
 „Weil das Nationalsozialistische, Irrlehren enthält, denen ich nicht zu stimmen kann“.“ Als Bürgermeister dürfen Sie aber doch schon wissen, dass inzwischen sämtliche Parteien aufgelöst und verboten worden sind“. „Ja das weiß ich, ich weiß aber nicht welchen Zweck die nationalsozialistische Partei dann noch erfüllt“.“ Wenn sie es nicht wissen sollten, dann sagen wir es ihnen. Die N.S.D.A.P. ist die Trägerin der Staatsgewalt.  Wenn sie sich nun nicht entschließen können, der Partei beizu­treten sehen wir uns veranlasst, die Gemeinde Altmühlmünster kommissarisch verwalten zu lassen“. Diese kommissarische Verwaltung war mir nun doch zu riskant und ich gab nun schweren Herzens meine Zustimmung. So kam es, dass ich auch bei diesem Verein dabei war und das war gut so. Warum? Es hätte erstens der Pfarrer in der Kirche nicht mehr recht predigen können, es wären auch in Altmühl­münster die Kreuze aus den Schulen genommen worden und so weiter. Als wir zum Beispiel damals die Schulsäle im Frühjahr neu tünchten, kam der damalige Schulleiter zu mir und sagte: Herr Bürgermeister, haben sie auch diesen Ministerialerlass bekommen, wonach bei der Erneuerung der Schulsäle die Kruzifixe nicht mehr in die Schulzimmer zurückgebracht werden sollen? Ich hatte ihn nicht bekommen diesen Ministerialerlass. Ich sagte aber, dass ich die Kreuze persönlich in den beiden Schulzimmern aufhängen werde und wenn sie darüber etwa zu irgend einer Zeit zur Rede gestellt werden, dann schicken sie diesen zu mir, ob es der Kreisleiter oder der Gauleiter sei, denn ich werde niemals diese Schmach und diesen Fluch auf meinen Namen und auf mein Geschlecht laden, dass ein Schaumann es war, der den Herrgott aus der Schule hinausge­schmissen hat. Ja ich wurde sogar Propagandaleiter und ich war es gerne. Warum? ich bekam alle diese Schulungsbriefe, den Wochen­spruch, die Parrle der Woche in meine Hand und niemand sah und hörte jemals etwas davon. Für diese Schulungsbriefe musste ich aber pro Stück 10 Pfennig an die Parteikasse abliefern und weil ich diese nicht verteilte und dabei die 10 Pfennig natürlich auch nicht kassieren konnte, musste ich sie selbst bezahlen.
Am 24. April 1945 wurde von den S.S. Truppen die Deisinger Brücke gesprengt und am 26. April 1945 kamen die Amerikaner zu uns. Am 24. April 1945 wurde auch die Eggersberger- und die
Riedenburgerbrücke gesprengt. Die Eisenbahnbrücke und die Kanalstraßenbrücke in Dietfurt wurden schon ein paar Tage vorher in die Luft gejagt. Ich mag nicht mehr weiter schreiben in diesem Kapitel.
Während meiner 15jährigen Bürgermeisterzeit hatte ich viele Gelegenheiten zu Reden und Ansprachen und weil ich seit 1920 auch Kirchenpfleger bin, also schon 45 Jahre, habe ich auch bei
verschiedenen kirchlichen Feiern, Ansprachen gehalten.
So zum fünfzigjährigen Priesterjubiläum des früheren Pfarrers von Altmühlmünster, Anton Haunschild in Steinsdorf, diesen Pfarrer auch zu seinem Begräbnis in Steinsdorf. Zum 40jährigen Priester­jubiläum von Herrn Pfarrer Vogl, ebenso als, unsere jetzigen Glocken am 13. September 1950 kamen, zum Abschied von Herrn Pfarrer Nagl, zur Begrüßung und zur Installation von Herrn Pfarrer Mulzer, für jeden Gefallenen des zweiten Weltkrieges und so weiter. Einige davon will ich der Nachwelt erhalten.
 
Es folgt nun die Ansprache zum 40jährigen Priesterjubiläum von Herrn Pfarrer Vogl.
Hochverehrter, lieber hochwürdiger Herr Jubilar, Hochverehrte Anwesende.
Es war damals beim Volksgerichtshof in Berlin. Vorne am Richter­tisch die Richter mit ihren roten Talaren, rot ist ja die Farbe des Blutes, die Zuschauertribüne zum Brechen überfüllt, alles in höchster Spannung und Erwartung. Da wird ein junger, bleicher Priester vorgeführt und der Vorsitzende der berüchtigte Dr. Roland Freisler fragt ihn die verfängliche Frage:“ Warum sind sie eigentlich Priester geworden“? Stille – so still wie wenn bei uns heilige Wandlung ist. Und in diese Stille bekennt der junge Priester mit Gottesfester Stimme. „Ich bin Priester geworden weil ich dem höchsten Herrn dienen will“. „Wenn ich nun heute, lieber Hochwürdiger Herr Jubilar, die gleiche Frage an Sie richten würde, warum sind Sie den Priester geworden? Dann würden Sie mir gewiss auch zur Antwort geben: Ich bin Priester geworden weil ich dem höchsten Herrn dienen will. 40 Jahre sind nun vergangen, seitdem Sie diesen Entschluss in die Tat umgesetzt haben, 40 Jahre sind nun vergangen, seitdem Sie dem höchsten Herrn als Priester dienen. Wir sind nun heute hier zusammengekommen, um mit Ihnen diesen Ehrentag, diesen Freudentag, auch auf bürgerliche Art, in bürgerlicher Weise zu feiern. Ich darf Ihnen im Namen aller Pfarreiangehörigen unsere allerherzlichste Gratulation, unsere allerherzlichsten Glückwünsche entbieten. Möge Ihnen der dreieinige Gott allerbeste Gesundheit verleihen, dass Sie ihre segensreiche, priesterliche Wirksamkeit noch recht viele Jahre entfalten können. Ich darf Ihnen auch danken, dass Sie uns immer ein so gütiger und wohlwollender Pfarrherr gewesen sind. Danken darf ich Ihnen, dass Sie dem Dienste des höchsten Herrn würdige Paramente für unsere Pfarrkirche beschafft haben. Danken darf ich, dass Sie unser altehrwürdiges Gotteshaus vor schweren, baulichen Schäden bewahrt und im Innern haben neu ausgestalten lassen. Ja ich bitte Sie im Namen aller Pfarrangehörigen, wenn etwas vorgekommen sein sollte, dass eines Ihrer Pfarrkinder Sie gekränkt, beleidigt oder gar geschmäht haben sollte, dass Sie dieses heute gütig verzeihen, bitten möchte ich Sie, dass Sie noch recht lange bei uns verbleiben möchten, damit wir zusammen auch noch Ihr 50jähriges Priesterjubiläum gemeinsam feiern können.
 
Hochverehrte Anwesende! Es sei mir gestattet, auch an sie noch ein paar Worte zu richten. Wer von uns hat sich denn schon einmal Gedanken darüber gemacht, was es eigentlich heißt, Priester zu sein. Dieses Kapitel ist uns so etwas selbstverständliches, dass  wir es eigentlich noch nie als notwendig erachteten auch einmal darüber nachzudenken. Priester sein heißt opfern. Priester sein heißt Segen und segnen. Priester sein heißt Sorgen. Priester sein heißt            Leid und Priester sein heißt Liebe. Meine Lieben! Schauen wir einmal ganz leidenschaftslos hinein in diese heutige Welt und in diese heutige Menschheit. Wo man mit allen Mitteln und mit allen Regeln der Kunst darauf ausgeht, den lieben Herrgott herunterzureißen von seinem Thron, um ihn als nichtexistierent hinzustellen.
as ist es denn meine Lieben, dass diesen ununterbrochen herausgeforderten Zorn Gottes immer wieder zurückhält, dass er ihn nicht eines schönen Tages dennoch freien Lauf lässt und diese heutige Welt und diese heutige Menschheit noch endgültig in Scherben schlägt? Nichts anderes ist es als die ununterbrochene unblutige Erneuerung des Erlösungs- und Versöhnungsopfers Jesu Christi am Kreuze, dargebracht zu jeder Stunde des Tages und der Nacht auf den Altären der Kirchen, durch die hierzu eigens geweihten und konsekrierten Hände der katholischen Priester.
Priester sein heißt Segen und segnen.
Und meine Lieben, was ist es denn, dass dieser alten Erde immer wieder aufs Neue die Kraft verleiht, den Menschen und jeglicher Kreatur das tägliche Brot zu geben? Nichts anderes ist es, als der Geist Gottes, der schon über den Wassern schwebte bei Grund­legung der Welt, dieser Geist Gottes ist es der fortwirkt aus diesem ununterbrochen dargebrachten Erlösungs- und Versöhnungs­opfers Jesu Christi und der auch fortwährend ausströmt aus den weihenden und segnenden Händen der katholischen Priester. Priester sein heißt Sorgen.
Meine Lieben, da gibt es Menschen die meinen, die Priester hätten keine Sorgen. Ja schauen wir nur ein kleinwenig näher hin. Wenn überall auf der weiten Welt Stürme aufkommen und Wellenberge sich türmen, wie seinerzeit beim Sturm auf dem See Genezareth und das Schifflein Petri, die heilige Kirche in Gefahr kommt und unterzugehen droht, so dass selbst die Apostel kleingläubig wurden und der Herr scheinbar schläft und kein Machtwort mehr spricht, wenn Jahr für Jahr die Priesteramtskandidaten weniger werden, glaubt ihr denn das bedeutet für die Priester keine Sorgen? Priester sein heißt Leid.
 
Ja ‘und wenn sich mancher leichtsinnige hinauswagt bis an den äußersten Rand dieses Schiffleins, das heißt wenn so mancher vielleicht Jahr und Jahrzehnte lang nicht einmal mehr seiner österlichen Pflicht  genügt und schließlich von einem neuen Wellenschlag mit hinuntergerissen wird in die Tiefe, auf das er ewig zu Grunde geht, das bedeutet auf auch für die Priester Leid.
Priester sein heißt aber auch Liebe.
Und wenn der Mensch gefallen ist, tief und schwer gefallen ist und er sieht seine Stunde ein und er kommt zum Priester wie der verlorene Sohn in der Parabel und er kommt zum Priester und bekennt ihm seine ganze Schuld. Oh’ du hörst nichts von Schimpf und Scheltworten, du hörst Worte des Verstehens, der Aufmun­terung, ja du hörst nur Worte der Lossprechung. Oh’ wenn wir uns doch so oder ähnlich auch manchmal Gedanken machen wollten, was es eigentlich heißt Priester zu sein, wir würden unseren Priestern mit viel mehr Hochachtung und Ehrerbietung und Dankbar­keit entgegen kommen, als dieses bisher geschah, ja wir würden Gott jeden Tag aufs Neue danken, dass er uns gute Priester gegeben hat, ja wir würden den lieben Herrgott jeden Tag aufs neue bitten, dass er nicht nur uns und unseren Kindern und Kindes‑Kindern, sondern auch allen unseren Nachkommen bis in die fernsten Geschlechter, die große unverdiente Gnade erhalten möchten, gute, heiligmäßige, katholische Priester zu haben. An ihrer Stelle aber lieber hochwürdiger Herr Jubilar will ich noch ein Gebet zum höchsten Herrn empor senden.
Oh’ Herr lass mich sein wie die Erde stark, wie der Waldquell lauter und klar, mir selbst getreu und wahr bis ins Mark, besonnen in Not und Gefahr.
Gib mir ein freies, ein frohes Herz und einen sonnigen Sinn,
dass ich den Meinen in Glück und Schmerz, ein Born der Erquickung bin.
Lass mich erglühn in Leidenschaft, für alles was edel und gut,
gib meinem Worte zündende Kraft, meinen Opfer heilige Glut.
Schenk mir zum schaffen, viel Lust und Geschick und ein lohnendes Arbeitsfeld
und meiner Seele den offenen Blick, auch für die Schönheit der Welt.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Es folgt nun die Abschiedsansprache von G.G. Pfarrer Nagl, gehalten am 09.03.1963 von Michael Schaumann.
Hochverehrter, lieber Hochwürden Herr Pfarrer, Herr Bürgermeister
Doch der Mensch denkt und Gott lenkt, es ist anders gekommen und wir alle miteinander können es einfach nicht fassen, dass Herr Pfarrer Nagl nun die Pfarrei Altmühlmünster wieder verlässt, beziehungsweise verlassen soll. Es ist nun nicht Sinn und Zweck unseres heutigen hier seins, uns noch weiterhin mit diesen Gedankengängen zu befassen, denn wir haben Herrn Pfarrer Nagl unendlich viel zu danken. Alsbald nach seiner Übersiedlung nach Altmühlmünster, ging es über den Pfarrhof her. Von der Fußsohle bis zum Scheitel, das heißt vom Fußboden bis zum Dache, wurde alles erneuert und darüber hinaus auch noch die Kamine, so dass der Pfarrhof von Altmühlmünster heute tatsächlich ein repräsentatives Wohngebäude darstellt. Noch lange war die letzte Schaufel voll Bauschutt im Pfarrhof nicht abgeräumt, wusste Herr Pfarrer Nagl schon wieder einen anderen Plan. Was machen wir mit dem alten Pfarrstadel? lautete die Devise. Dieser war schon zum Teil eingestürzt. Wir berieten zusammen. 12.000.00 DM war der Kosten­voranschlag für die bauliche Ausführung. Was darüber hinaus für die Inneneinrichtung und Ausgestaltung noch aufgewendet werden müsste, entzieht sich meiner Kenntnis und es entstand dieses schöne Pfarrjugendheim, in welchen wir uns gegenwärtig aufhalten. Dann ging es über die Pfarrkirche her. In erster Linie wurde die bisherige Auspflasterung des Wasserableitungsgrabens durch einen wasserdichten Betonbelag mit Baustahlnetzeinlage ersetzt und die Kirche trockengelegt. Es kam der neue Hochaltar, die Orgel elektrifiziert, die Kirchenstühle mit den Seitengängen, die hinteren Seitenaltäre, alle Heiligenfiguren neu gefasst. Alles detailmäßig aufzuführen ist mir einfach nicht möglich. Damit waren aber die Pläne Herr Pfarrer Nagl’s noch lange nicht erschöpft. Ernstlich dachte er an den Bau einer neuen Weihnachts­krippe, an die Renovierung der Kanzel und so weiter. Grund genug Herrn Pfarrer Nagt dankbar zu sein. Deshalb kamen am vergangenen Sonntag Herr Bürgermeister Gaul aus Meihern und Herr Bürgermeister Kürzinger von Altmühlmünster zu mir, wegen einem Geschenk. Wir berieten zusammen, kamen dabei aber in eine arge Kalamität, so dass ich schließlich den Vorschlag machte, Herrn Pfarrer Nagl nach einem eventuellen Wunsch direkt zu befragen. Ich stellte ihm anheim, sich die Sache in aller Ruhe zu überlegen. Am Montag nach dem Gottesdienst sagte er zu mir: Er hätte eventuell Interesse an einer Uhr mit schönen Schlag. Er käme heute nach Regensburg und wollte sich dort nach einer solchen umsehen. Und hier ist nun diese Uhr. Möge sie Ihnen lieber Hochwürden, Herr Pfarrer nur fröhliche Stunden schlagen. Am besten wird es sein, wir finden uns mit der Tatsache ab, wie es im Lied Nr. 67 heißt:
Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit allerlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.
Und sind wir einmal müde, dann stell´ ein Licht uns aus. 0′ Gott in deiner Güte dann finden wir nach Haus.
 
Nicht zuletzt danken wir Ihnen auch dafür, dass Sie uns immer ein so gütiger und wohlwollender Pfarrherr gewesen sind. Für Ihre weitere Zukunft wünschen wir Ihnen recht gute Gesundheit, recht viel Erfolg und Gottes reichsten Segen.
 
 
 
 
Es folgt nun die Ansprache zum Hochzeitstag von Tochter Lina, verehelichte Schlagbauer.
Hochverehrtes Brautpaar – Hochverehrte Hochzeitsgäste!
Am 06. Januar des Jahres 1897 hatte ich zum ersten Male das Glück, als Ministrant am Altar zu dienen. Schon in den ersten Tagen dieses Altardienstes bemerkte ich, dass an den beiden Tabernakel­türchen drüben in unserer Pfarrkirche, so geheimnisvolle Buch­staben angebracht waren, deren Sinn und Bedeutung ich gerne gewusst hätte. Doch ich hatte nicht den Mut, den damaligen Herrn Pfarrer Schnabl, eben nach dem Sinn und der Bedeutung dieser Buchstaben zu fragen und so vergingen die Jahre, etwa zehn an der Zahl. Ich war nun kein Ministrant mehr, doch des Rätsels Lösung brannte mir immer noch auf der Seele. Und siehe da, da kam mir der gute Zufall zu Hilfe. Ich nahm ein altes Büchlein in die Hand und las darin gerade über diese beiden Buchstaben, etwa folgende Erklärung. Der erste Buchstabe auf dem linken Türchen, sei ein A und versinnbildliche das Wort Alpha, das heißt zu deutsch Anfang und der zweite Buchstabe, der auf dem rechten Türchen, dass sei ein O und versinnbildliche das Wort Omega, das heißt zu deutsch Ende. Alpha und Omega – Anfang und Ende. Hier hat Alpha und Omega, hier hat Anfang und Ende. Hier hat Gott selbst seine besondere Wohnstätte bei den Menschen aufge­schlagen. Warum ich Ihnen dieses heute an Ihren Hochzeitstage erzähle? Oh’ habt nur ein klein wenig Geduld, wir werden es gleich hören. Ihr habt heute in der Kirche vor Gott und dem Priester euren gemeinsamen Lebensweg begonnen, habt den lieben Herrgott zum Kontrahenten, zum Vertragspartner eures Lebensbundes gemacht. Eure Herzen wurden dabei ganz nahe aneinander gefügt, wie zwei Tabernakeltürchen. Als festes Band und als unauflösliches Schloss, wurde das heilige Sakrament der Ehe herumgelegt und während des heiligen Opfers habt ihr den lieben Herrgott in eure Herzen aufgenommen, so dass diese nun wirklich ein Tabernakel, eine besondere Wohnstätte Gottes sind.
ihr nun diesen euren Herzenstabernakel nicht mutwilliger Weise oder gar böswilligerweise aufreißt und dem lieben Herrgott daraus vertreibt, dann wird er mit seiner Gottesgnade, mit seiner Gottesliebe und mit seinem Gottessegen allezeit bei euch sein und bleiben, euer ganzes Leben lang. Dem ersten Paare das sich von meinen Kindern verehelichte sagte ich: Sie sollen Sieger sein über sich selbst und über den bösen Geist, denn wer sich selbst bezwingt, der hat den größten Sieg errungen. Dem zweiten Paare sagte ich:
Bewahrt einander vor Herzeleid, denn schnell fließt die Zeit,
wo ihr beisammen seid und mögen auch viele, viele Jahre euch vereinen, einst werden sie wie Minuten euch erscheinen.Und ihnen, hochverehrtes Brautpaar sage ich:
In Ihn sei`s begonnen, der Monde und Sonnen, an blauen Gezeiten, des Himmels bewegt. Du Vater du rate, lenk du und wende, dir in die Hände, sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.
Mit diesem Segenswunsch schließe ich. Ich bitte Sie aber noch, hochverehrte Hochzeitsgäste mit mir auf die Gesundheit, das Glück und das Wohlergehen mit anzustoßen.
Unser hochverehrtes Brautpaar soll leben hoch -. hoch -. hoch.
 
Nun folgt eine Gedächtnisansprache für einen Gefallenen des zweiten Weltkrieges von 1939 – 1945.
Hoch verehrte Trauerversammlung.
Wir haben uns hier an dieser ehrenwürdigen Stätte des Todes versammelt, um wieder einen lieben, guten Kameraden zu verabschieden. Josef Mehringer, Gastwirtsohn von Deising wurde am 15. November durch Bauchschuss schwer verwundet und ist am 16. November 1941 den Heldentod gestorben. Trotz Schnee und Winterkälte kann ich nicht umhin, Ihnen einmal das Sterben der Frontkämpfer vor Augen zu führen, wie dieses wohl jeder Kriegskamerad selber erlebt hat. Als Teilnehmer des ersten Weltkrieges musste ich erleben, dass viele Kameraden den Heldentod erleiden mussten. Nur drei Fälle will ich Ihnen vor Augen führen. Der erste Fall: Ein Kamerad unmittelbar an meiner rechten Seite erhielt einen Halsschuss. Wie vom Blitz getroffen wird er zu Boden geschleudert und bis ich mich zu ihm hinknien kann, hat die ‘Todesblässe sein Angesicht schon gezeichnet. Ein rascher Tod, ein schneller Tod, der Heldentod. Der zweite Fall den ich Ihnen anführen will: Ein Kamerad in meiner nächsten Nähe erhielt einen Kopfschuss. Unaufhaltsam sickert sein junges warmes Menschenblut aus seiner Kopfwunde und färbt die französische Erde. Nicht so schnell, wie im ersten Falle erwähnt, aber doch auch sichtlich rasch, hat auch dieser Kamerad sein Lebensopfer vollendet. Der dritte Fall den ich Ihnen noch aufführen will: Ein Kamerad, auch in meiner unmittelbaren Nähe, erhält einen Bauchschuss. Ein Strom von süßlich – salzig riechendem warmen ‘Menschenblutes durchdringt seine Kleider. In seinem Schmerz und in seiner Verlassenheit ruft dieser Kamerad die mir unvergesslichen Worte aus: „Oh wenn doch meine Mutter bei mir wäre“.
Schmerz und Tod hätte er leichter ertragen können, wenn seine Mutter hätte bei ihm sein können. Doch es konnte eben nicht sein und erst nach längerer Zeit hat auch dieser Kamerad sein Lebensopfer vollendet. So ähnlich mag es auch unserm lieben Kameraden; Josef Mehringer ergangen sein. Er wurde ja bekanntlich am 15. November 1941 durch Bauchschuß schwer verwundet und ist am 16. November den Heldentod gestorben. Seine letzten Gedanken waren ganz bestimmt auch zu Hause bei seinen lieben Angehörigen und vielleicht hat auch er die Worte ausgeru­fen. Oh wenn meine Mutter bei mir wäre. Doch in seinen Schmerz und in seiner Verlassenheit mischte sich noch ein Tropfen Bitterkeit. Denn er erinnerte  sich, dass  keine Mutter mehr hatte und so wandte er schließlich seinen Blick zum Himmel und er sah von dort seine Mutter und auch seinen Vater ihm entgegen kommen und abzuholen in ein besseres Jenseits, in ein besseres Vaterland.
Kamerad Josef Mehringer! Auch dein Name wird unvergessen bleiben.
Als äußeres Zeichen unserer Anerkennung und Dankbarkeit, lege ich im Namen der Gemeinde Deising diesen Kranz am Heldengrab nieder. Kamerad, Josef Mehringer ruhe sanft in fremder Erde.
 
Nun folgt die Ansprache zur Einweihungsfeier der Altmühlmünsterer Wasserversorgungsanlage, gehalten am 13. September 1963 und dazu noch zu meiner Geburtsstunde um 17.00 Uhr, droben auf der Wasserreserve beim Weiheakt.
Meine sehr verehrten Damen und Herren.
Diese feierliche Herz- und Gemütsbewegende Stunde, erfordert es unserm übervollen Herzen ein kleinwenig Luft zu schaffen. Es sei mir deshalb gestattet zu Ihnen ein paar Worte zu sprechen. Es geschieht dieses ja lediglich nur deshalb um unserer Freude und unserer Dankbarkeit über das nun vollendete und gelungene Werk unserer Trinkwasserversorgung im Namen aller mit einwandfreien Trinkwasser versorgten Einwohner von Altmühlmünster, gebührend Ausdruck zu verleihen. Wie groß der Wunsch nach einwandfreien Trinkwasser in Altmühlmünster war, geht daraus hervor, dass in den letzten paar Jahren noch mehrere Anwesenbesitzer sich so genannte Hauswasserversorgungsanlagen einbauen ließen. Brunnen mit 14 – 16 Meter Tiefe wurden gebohrt, aber kein einwandfreies Trinkwasser wurde gefunden. Freilich sind uns die Rosen, wie man zu sagen pflegt, nicht ohne weiteres in den Schoß gefallen. Es bedurfte dazu einer großen und ausdauernden Initiative unserer verantwor­tungsbewussten Männer.
 In erster Linie gebührt unser Dank und unsere Anerkennung unserem Herrn Landrat Franz Lang, sowie unseren Landtagsabgeordneten Herrn Ludwig Krupp, die keine Mühe scheuten und wieder bei den zuständigen Ressortministern auf die katastrophale Trinkwasserversorgungslage in Altmühlmünster hinwiesen und damit auch die Finanzierungsfrage ermöglichten.
Dank gebührt ferner dem Vorsitzenden der Jachenhausener  Waser­versorgungsanlage Herrn Adolf Krauser aus Dietfurt, durch dessen Zustimmung es ja überhaupt erst möglich wurde, Altmühlmünster mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen. Dank gebührt ferner dem Ingenieur Kehrer aus Regensburg für die präzise Planung der Anlage. Dank gebührt dem Bauunternehmer Herrn Josef Stanglmeier für die Ausführung des Projektes sowie den beauftragten Arbeitern, die keine Mühe scheuten und dafür sorgten, dass der Wasserdruck konstant blieb. Dank gebührt zuletzt auch unserem Bürgermeister Kürzinger von Altmühlmünster  mit seinen Gemeinderäten, welche durch ihre raschen und konkreten Beschlüsse dafür sorgten dass die Wasserleitung gebaut wird. Wenn wir also ein jeder an seinem Platze und jeder nach seinen Fähigkeiten mitwirken an den Aufgaben unseres Volkes zu arbeiten und auch für die Stabilität unserer Währung zu sorgen, dann wird es wahr sein, was jener Ausländer, der unser Volk längere Zeit beobachtet hatte, gesagt hat: Das also sind die Zeitgenossen die über alles in der Welt als so  arbeitsam und unver­drossen gelten. So habe ich sie mir vorgestellt.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
Es folgt nun noch die Ansprache bei der Installationsfeier unseres jetzigen Herrn Pfarrers, Edmund Mulzer vor dem Hauptgottesdienst.
Hochverehrter, lieber Hochwürden Herr Pfarrer, hochwürdiger Herr Dekan, hochwürdige Herren, hochverehrte Anwesende.
Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände. Du – Oh Herr hast alles wohl gemacht und darum gebührt dir Lob und Dank in Ewigkeit.
Mit diesen einleitenden Worten will ich Ihnen nicht etwa eine geistliche Predigt halten, dazu bin ich ja nicht berufen und befugt. Sie sind nur ein Ausdruck unserer inniglichen und freu­digen Anteilnahme am heutigen Geschehen. Sind wir ja doch als ihre zukünftigen Pfarrkinder heute ganz besonders freudig erfasst und bewegt, von all der Gnade die uns mit den heutigen Tag wiederum zuteil geworden ist. Ich darf Ihnen lieber Hochwürden, Herr Pfarrer, versichern, dass Sie sich während Ihrer nunmehr kurzen, priesterlichen Wirksamkeit in unserer Pfarrei bereits die Herzen aller Pfarrangehörigen sozusagen wie im Fluge erobert haben. Während der langen Zeit wo wir keinen eigenen Priester hatten, wurde ich von verschiedenen Personen gefragt, ob wir denn noch nicht bald wieder einen eigenen Pfarrherrn bekommen. Eine bestimmte Person fügte dieser Frage auch noch die Bemerkung an: „Ja wenn oan do af aomal wos passiern tat, was jedenfalls soviel heißen sollte, wenn da auf einmal der Tod an unsere Kammertüre, an unsere Herzenstüre klopfen würde und man erst in der weiten Umgebung herumtelefonieren müsste, um schließlich doch noch rechtzeitig einen Priester ans Krankenbett, an’s ‘Sterbebett zu bringen“. Spricht nicht aus diesen Worten die ganze Hilflosigkeit und die ganze Hilfsbedürftigkeit der Menschheit überhaupt, die nicht im Stande ist und nicht in der Lage ist, sich selbst die Erlösungsgnaden Jesu Christe zu zuwenden? Danken wir doch dem lieben Herrgott recht innig, beim kommenden Festgottesdienst, dass er uns nach so langer Zeit wieder einen eigenen Priester geschenkt hat.
 
Bitten wir Ihn aber auch, dass er nicht nur uns und unseren Kindern und Kindeskindern, sondern auch all unseren Nachkommen bis in die fernsten Geschlechter, die große, unver­diente Gnade erhalten möchte, gute, heiligmäßige, katholische Priester zu haben. Nicht zuletzt danken wir auch unserem bis­herigen Pfarrrevisor, Hochwürden Herrn Johann Süßbauer, Pfarrer in Thann, sowie den Hochwürdigen Herrn Patres vom Franziskaner­kloster in Dietfurt, für die bisherige priesterliche, seelsor­gerische Betreuung unserer Pfarrei. An Ihrer Stelle aber lieber Hochwürden Herr Pfarrer will ich noch ein Gebet zum höchsten Herrn empor senden.
Oh Herr lass mich sein wie die Erde stark, wie der Waldquell lauter und klar, mir selbst getreu und wahr, bis ins Mark, besonnen in Not und Gefahr.
Und damit alle unsere guten Wünsche auch in Erfüllung gehen möchten, lasset uns die kurze Strecke Weges, von hier bis in unsere Pfarrkirche hinein, betend zurücklegen. Als Gebetsvor­schlag möge dienen:
Vater unser, Gegrüßet seist du Maria, Ehre sei Gott dem Vater.
In der Kirche angekommen stimmen wir das Lied Nr. 30 an. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.
 
Jetzt folgt noch die Hochzeitsansprache für unseren Sohn Josef, gehalten am 29. April 1957 von Michael Schaumann,
Hochverehrtes Brautpaar – Hochverehrte Hochzeitsgäste.
Weil der liebe Herrgott den Menschen das Wissen um die Zukunft verschleiert hat, weil demnach der Mensch nicht weiß, was die Zukunft für ihn an erfreulichen und weniger erfreulichen bereit hält, deshalb hat sich im Laufe der Jahrzehnte der Brauch herausgebildet, dass man sich bei besonderen Anlässen und zu besonderen Zeiten gegenseitig Glück und alles Gute wünscht. Nun möchte auch ich als Brautvater, diese Gelegenheit nicht versäumen und Glück  und alles Gute wünschen. In erster Linie wünsche ich Ihnen Gottesreichen Segen und seine Gnade, damit Euer gemeinsamer Lebensweg und eure Familie gesegnet und geheiligt sei. Ich wünsche Ihnen geistig und körperlich, gesunde Kinder, wünsche Ihnen recht viel Erfolg in allen euren Unternehmungen und wünsche Ihnen nach einem recht langen und glücklichen Ehe- und Familienleben auch einmal eine glückliche Sterbestunde. Mehr und besseres kann ich Ihnen eigentlich nicht wünschen. Weil aber mit den guten Wünschen allein noch nichts positiv geleistet ist, deshalb will ich Ihnen auch ein paar recht wohlmeinende, väterliche Ratschläge mit auf Ihrem gemein­samen Lebensweg mitgeben. Als Leitgedanken habe ich mir nichts Geringeres als die Schöpfungsgeschichte selbst ausersehen. Gebe Gott, dass meine Worte die ich zu Ihnen zu sprechen gedenke, nicht in kalte Herzen und auf steinigen Boden fallen, sondern auf gutes Erdreich, in warme aufnahmefreudige Herzen und hundertfältige Frucht bringen.
Meine lieben Kinder.
Wenn wir am Anfang der Schöpfungsgeschichte lesen, so lesen wir: Am ersten Tage schuf Gott das Licht und die Geschichte und Gott sah, dass es gut war.
Licht soll auch sein in Eurem Herzen, in Eurer Familie. Alle guten Engel des Lichtes sollen da eine Heimstatt haben und die Mächte der Finsternis sollen keinen Platz bei euch haben.
Am zweiten Tage schuf Gott das Firmament und Gott sah, dass es gut war.
Das Firmament ist deshalb geschaffen, dass wenn der Mensch seinen Blick von der Erde erhebt, er überall daran erinnert wird, dass über ihm und um ihn herum ein allgütiger und barmherziger Gott und Vater lebt und wirkt.
Am dritten Tage schuf Gott das trockene Land und wieder sah Gott, dass es gut war.
Ein warmes, trockenes Fleckchen Erde soll es sein, eure Familie, da wo man gerne weilt. Freilich wenn das eine nach rechts zieht und das andere nach links, wenn es überall schöner ist als in der eigenen Familie, dann werdet Ihr es nicht recht weit bringen. Am vierten Tage schuf Gott die Gräser, die Kräuter und die Bäume mit ihren Blüten, Früchten und Samen und Gott sah dass es gut war. Nicht nur ein warmes, trockenes Fleckchen Erde soll es sein, eure Familie, sondern ein fruchtbares Land das alle guten Früchte hervorbringt.
Am fünften Tag schuf Gott die Fische im Wasser, die Vögel in der Luft und die Tiere auf dem Felde und wieder sagt die Geschichte: Und Gott sah, dass es gut war. Die Tiere wurden geschaffen zur Freude und zum Nutzen des Menschen. Meine lieben Kinder: Seid mir ja keine Tierquäler, haltet etwas auf eure Haustiere, dann werdet Ihr Freude und Nutzen von ihnen haben. Seid aber auch gut mit euren Nachbarn und Mitmenschen. Und wenn einmal fremde Not an eure Türe klopfen sollte, dann seid mir ja nicht knauserig. Ihr habt heute in der Kirche, bei der heiligen Kommunion, den lieben Herrgott in Eure Herzen aufgenommen und habt Ihn mit hereingetragen in euer Haus und habt Ihn damit zu Eurem Freund und Hochzeitgast gemacht. Macht Ihn doch auch zu Eurem Schuldner und nichts leichter als das. Christus sagt ja selbst: Alles was ihr den geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.
 Das heißt, alles was Ihr der vielfältigen, fremden Not gebet, das werdet Ihr rüben in der Ewigkeit als Bankkonto vorfinden, welches keine Diebe und Räuber forttragen und welches auch keiner Inflation unterworfen sein wird.
Am sechsten Tage schuf Gott den Menschen. Dieser Adam, unser aller Stammvater war nun der alleinige und unumstrittene Besitzer der ganzen Erde und aller Schätze der Erde. Man möchte meinen, Adam hätte im Bewusstsein dessen, Freudensprünge vollführt, aber nichts von alledem. Vielmehr hat scheinbar Adam ein Benehmen an den Tag gelegt, dass selbst der liebe Herrgott sozusagen nachdenklich wurde, so dass er sagte: „Es ist nicht gut das der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die zu ihm passt“. Und er schuf die Eva und führte sie dann Adam zu und Adam freute sich und jedenfalls hat sich auch die Eva gefreut und damals haben die Menschen zum ersten Male gelacht. Auch Ihr meine lieben Kinder könnt lachen, denn ich habe euch ja mit dem heutigen Tage, sozusagen offiziell unser väterliches Erbe übergeben. Mein lieber Sepp, halte auch du deine Frau in Ehren, denn die Frau ist ja die Vollendung und die Krone der Schöpfung. Und du meine liebe Schwiegertochter, halte auch du deinen Mann in Ehren, dann wird auch in Eurem Hause das Glück wohnen bleiben. Weil ich aber jeden meiner Kinder einen Wegweiser an den Beginn ihres gemeinsamen Lebensweges hinstellte, so will ich auch Ihnen einen solchen hinstellen und da habe ich mir den allerschönsten den ich finden konnte ausgesucht und das ist die allerheiligste Jungfrau Maria. Und ich als alter Mann knie mich vor sie hin und bitte in Eurem Namen.
Segne du Maria, segne mich dein Kind,
dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find, segne all mein Denken, segne all mein Tun, lass in deinen Segen, Tag und Nacht mich ruhn.
Segne du Maria, alle die mir lieb, deinen Muttersegen ihnen täglich gib, deine Mutterhände breit auf alle aus, segne alle Herzen, segne jedes Haus.
Damit will ich nun schließen.
Ich bitte Sie aber noch, hochverehrte Hochzeitsgäste mit mir auf das Glück, die Gesundheit und das Wohlergehen unseres hochver­ehrten Brautpaares mit anzustoßen.
Unser hochverehrtes Brautpaar soll leben Hoch, Hoch, Hoch.
Diese sieben Ansprachen sind nur ein kleiner Auszug aus der Vielzahl der Reden und Ansprachen. Immer und bei jeder Gelegen­heit bekam ich den Auftrag zu sprechen. Doch niemals habe ich je ein Wort aufgeschrieben, das heißt heruntergelesen. Reden ist eine Gabe, sagte der Revierförster Zeller aus Eggersberg, reden kann man nicht lernen. So habe ich mich zu allem brauchen lassen und selbst wenn ein schmerzlicher Trauerfall (wie bei den Gefal­lengottesdiensten) dann war es bei den Hinterbliebenen eine Freude weil ich doch dabei immer auch ein Trostwort hatte.
Reden ist eine Gabe.         
 
Geburtshilfe im Rinderstall.
Jetzt will ich kurz meine besonderen Griffe beschreiben. Wenn irgendwo ein Fall zu behandeln ist, gehe ich folgender Maßen vor: Um die Geburtslage festzustellen, fühlte ich sehr vorsichtig vor und befühlte als erstes die Füße des Kalbes. Die Vorderfüße haben runde Knie und die hinteren Füße haben hohe Sprunggelenke. Durch diesen ersten Griff weiß ich ob das Kalb in normaler Geburtslage oder verkehrt kommt. Bei normaler Geburtslage muss der Kopf auch auf den Vorderfüßen liegen. Ist der Kopf nicht zu finden, sind es aber die vorderen Füße, dann fühlte ich bis zur Brust des Kalbes vor und dabei spürt man dann, nach welcher Seite der Kopf eventuell verdreht ist. Habe ich das festgestellt, dann verfahre ich folgendermaßen: Ich schlinge um die Vorderfüße, wenn notwendig im Mutterleib, einen einfachen Strick hinter den Afterklauen, so dass die Vorderfüße (Um jeden Fuß einen Strick) nicht mehr verlieren kann und schiebe diese zurück.
Dadurch wird der Arbeitsraum zur Korrektur des Kopfes vergrößert. Ferner binde ich an einem dritten Strick eine Schlinge ein, welche sich nicht zusammenziehen kann und fasse jetzt den Kopf, die Schlinge muss soweit sein, dass der Kopf eben angefasst werden kann.
Diese Schlinge muss aber im Genick des Kalbes sitzen, also die Ohren müssen von dieser Schlinge überstülpt werden. Die Tierärzte verwenden zu diesem Zweck, Augenhaken. Jetzt ziehe ich den Kopf in die richtige, Lage, lasse aber den Strick dran, ziehe die Füße etwas her, löse die einfachen Schlingen und nehme die Stricke doppelt, überzeuge mich ob sich der Schädel nicht aufs neue quer wendet, dass kann dadurch verhindert werden, dass man zugleich auch am Kopfstrick zieht. Manchmal zieht das Kalb ruck-artig einmal diesen, dass andermal jenen Fuß zurück. Da hilft man sich zunächst auch mit einer einfachen Schlinge und zwar so, dass man den Fuß drinnen anfasst, die doppelte Schlinge (Zugschlinge) über diese stülpt und dann kann man die Füße einen nach den andern bequem hinter den Afterklauen anhängen. Kommt das Kalb verkehrt, dann muss in erster Linie auch das Schwanzl da sein, damit sich dieses nicht aufbäumt und dadurch hindernd wirkt.
In diesem Falle schauen auch die Klauensohlen nach oben. Zeigen aber die Sohlen der Hinterfüße nach unten, ist das schon schwieriger und diese Lage erfordert schon etwas Übung und Können. Auf alle Fälle muss das Muttertier aufstehen, wenn eine nicht normale Geburtslage festgestellt wird, denn damit fällt alles besser zurück und man hat besseren Arbeitsraum, was bei einem liegenden Muttertier nicht der Fall ist. Ich rate jedem Bauern oder Landwirt wenn er sich nicht helfen kann, rechtzeitig einen Tierarzt zu holen und nicht von Sachunkundigen das Mutter­tier und das Kalb in Gefahr zu bringen. Ich verweise auf die Broschüre: Jeder Landwirt ein erfolgreicher Geburtshelfer seiner Haustiere. Von Tierarzt Dr. A. Lempen. Verlag Weiland & Co.
Lörach   (Baden) zu beziehen auch von Teodor Ackermann    K. Hofbuchhandlung München, Promenadeplatz 10.
Vom Jahre 1924 ab war ein seuchenhaftes ausdrücken des Trag­sackes, also der Gebärmutter bei den Rindern festzustellen. Der erste Fall dieser Seuche trat beim Blosl (Ebenhöch) in Altmühl­münster auf. Tierarzt Sebrich aus Dietfurt richtete die Sache wieder ein, unter meiner Assistenz und Mithilfe. Bald darauf kamen beim Müller in Deising, beim Wirt in Deising, beim Fuchs in Sankt Gregor und so weiter, die gleichen Fälle auf. In der Folgezeit etwa in 25 Fällen. Alle diese richtete ich persönlich ein, ohne Tierarzt und war recht bald ein Spezialist in dieser Sache. Beim Semmler in Deising sogar zweimal, also beim Hong (Hausname) beim Angerer (Frank) in Deising hatten sie den Gabler Hans geholt, weil der Müller beim Wirt auch schon mitgeholfen hatte. Sie brachten die ganze Sache aber nicht recht hinein, dann holten sie erst mich und niemand wusste sich besser zu helfen als ich. Bei völliger Steißlage, das ist, wenn auch die Hinterfüße nach vorne geknickt sind, braucht man einen Helfer oder die bekannte Geburtskrücke, dass ist ein vom Drechsler hergestelltes Holzinstrument. Dieser Geburtshelfer hat einen Zapfen der 4cm lang ist. Der Zapfen vorne wird dem Kalb in den Mastdarm gesteckt. Hat man nun mit der rechten Hand einen Schlitten gemacht, das heißt, dass das Fesselgelenk in der hohlen Hand liegt, wird mit diesem Instrument mit aller Kraft nach drinnen geschoben und dadurch gelingt es, den ersten Fuß des Kalbes herauszubringen. Beim anderen Fuß macht man es ebenso. Mit Geduld bringt man beide Füße heraus. Man muss abe­r echt vorsichtig arbeiten und darf nicht zu nah an die Nabel­schnur heran kommen, dass diese nicht abgerissen wird. Dann würde eben das Kalb im Mutterleib ersticken. Auch sind mir diese Fälle schon zum wiederholten Male vorgekommen. Ich hatte aber jedes Mal einen Helfer und nicht diese Geburtskrücke.
Sie ist nur notwendig wenn man keinen Helfer hat. Um Verletzun­gen des Muttertieres zu vermeiden, müssen alle scharfen Kanten an der oben gezeigten Geburtskrücke natürlich vermieden werden. Der weitere Verlauf der Geburt ist dann, wenn die Hinterfüße einmal heraus sind,  nicht mehr schwierig. Das Schwanzl muss natürlich da sein, weil es sich sonst aufbäumt und hinderlich wirkt. Ich rate noch mal, hole rechtzeitig den Tierarzt, wenn du dich nicht auskennst und bringe das Muttertier und das Kalb nicht in Gefahr. Dieses ist nur geschrieben für solche, die schon einigermaßen Erfahrung in diesen Dingen haben oder als Hinweis, wenn es nicht anders geht. Ich wollte damit nichts anderes erreichen als dass jeder Landwirt sein eigener Geburtshelfer im Rinderstall wird.
Von meinen Vater habe ich schließlich das Mais sähen übernommen. Es waren eben keine Maschinen vorhanden und musste alles in Handarbeit geleistet werden. Man bekam für diese Arbeit einen Liter Bier und 20 Pfennig, sowie einen Salzhering dazu und da war man zufriedener als heute mit 15.00 DM.
 
Die Kloster- und Kirchengeschichte von Altmühlmünster von 1651 – 1966 und zum fortschreiben bestimmt.
Einleitung.
Um den Wunsch unseres jetzigen Hochwürden Herrn Pfarrer, Edmund Mulzer zu entsprechen, will ich versuchen, das was ich weiß, der Vergangenheit zu entreißen und dadurch der Nachwelt zu erhalten. Es sind eben nicht alle Leute Historiker (ich ja auch nicht) aber durch die Güte unseres Herrn Pfarrers war es möglich, alle Priester welche seit 1651 in Altmühlmünster wirkten festzu­stellen.
Ich bitte deshalb sämtliche hochwürdige Herren welche in Zukunft in Altmühlmünster wirken werden sich in das Register der Priester einzutragen und das was während ihrer priesterlichen Wirksamkeit an kirchlichen Einrichtungen und Besonderheiten geschah, be­ziehungsweise ereignete, in den dafür vorgesehenen Raum niederzuschreiben. Im Laufe der Jahrhunderte wird dann ein Werk entste­hen das sich sehen lassen kann.
Altmühlmünster, den 16. Januar 1966 Michael Schaumann
 
Altmühlmünster
Was bedeutet eigentlich der Name Altmühlmünster?
Er besagt, dass Altmühlmünster schon in grauer Vorzeit besiedelt war und zwar schon um das Jahr 800 nach Ch.
Münster bedeutet: Eine große Kirche. Also eine große Kirche für die damalige Zeit und weil es an der Altmühl liegt, eben Altmühlmünster.
Im Jahre 879 wird eine Kirche in Thann, zum Kloster St. Emmeran in Regensburg gehörig, erwähnt. Aus Matrikel der Diözese Regensburg, Verlag der Kanzlei des Ordinariates Regensburg, Druck von Fr. Puster in Regensburg. Ich verweise auf die gleiche Matrikel Seite 387 und 388. Auf Seite 625 der oben genannten Matrikel geht noch folgendes hervor: St. Leonhard eine Johanniterkomturei ist für das Jahr 1276 wird bezeugt. In den unruhigen Zeiten des 16. Jahrhunderts war St.Leonhard gänzlich verwahrlost, bis Bischof Wolfgang II die Ordnung wieder  erstellte. Von da an wurde die Kommende eine Zeitlang von Altmühlmünster aus verwaltet, später jedoch wieder selbstständig. Im Jahre 1802 wurde sie mit dem neuen Fürstentum Regensburg vereinigt. Wenn im Jahre 879 eine Kirche in Thann erwähnt ist, dann ist Altmühlmünster bestimmt schon im Jahre 800 besiedelt gewesen, denn Thann war seit jeher eine Filiale von Altmühlmünster.  Altmühlmünster ist 1313 als Kommende der Johanniter urkundlich bezeugt. Schon um 1155 haben die Grafen Heinrich und Otto von Riedenburg ein Haus für die Tempelherren gegründet, das nach Aufhebung dieses Ordens gemäß den Beschlüssen des Konzils von Vienne den Johannitern überwiesen wurde. Diese besaßen die Komturei bis zur Säkularisation im Jahre 1803. Im Jahre 1803 wurde auch der Pfarrhof von Altmühlmünster erbaut. Der Bayrische Staat hat auch die große Baupflicht am Pfarrhof von Altmühlmünster. Die kleine Baupflicht wurde uns in der Zeit beim Hochw. Herrn Pfarrer Haunschild aufgehalst. Seit dieser Zeit muss zum Beispiel: wenn eine Fensterscheibe bricht, entweder die Pfarrgemeinde oder der jeweilige Inhaber der Pfarrei für den Schaden aufkommen. Die Johanniter besetzten die Pfarreien Altmühlmünster, Mühlbach, Zell und Wolfsbuch. Deshalb hatten die genannten Pfarreien auch vom jetzigen Münsterer Staatswald – Rechtholz. Beim Pfarrhof in Altmühlmünster waren 28 Klafter. Dieses Rechtholz wurde vom Bayr. Staat im Jahre 1965 um 50.000.00 DM abgelöst. Jedenfalls wurde auch das Rechtholz von Mühlbach, Zell und Wolfsbuch abgelöst. Es entzieht sich aber meiner Kenntnis, wie viel Entschädigung diese Pfarreien erhielten.
Das Wappen der Johanniter.
Das Wappen der Johanniter, ist eine Schüssel mit dem Haupt des heiligen Johannes des Täufers, diese Schüssel hängt heute noch über den Haupteingang der Pfarrkirche.
Die Unterschrift auf dem Wappen des Kommentators lautet: Jakob von Duding, Kommentator 1748.
Es ist das Malteserkreuz mit ovalen Mittelfeld auf welchen drei Blumen mit Stielen abgebildet sind und ist am Gasthaus Hofbauer in einer Nische in Stein eingehauen eingelassen ist.
Es geht die Sage, dass durch bestellte Häscher sämtliche Johanniter zur Zeit der Säkularisation ermordet wurden, bis auf einen, der sich in der Kirche befand und dadurch dem Blutbad entronnen ist. Es mag dieser Überlebende  Josef Anton Pöppel gewesen sein, der spätere Pfarrer von Altmühlmünster, welcher 1788 – 1812 in Altmühlmünster wirkte.
Es ist nicht zu bezweifeln, dass diese Sage auch auf Wahrheit beruht, denn der alte Mosandl von Arnsdorf sagte mir, als ich bei ihm Kundschafts­maurerei arbeitete und nach dem Mittagsessen eine Zeitlang das in
der Wohnstube vorhandene Kruzifix betrachtete, folgendes: „Gefällt er dir“? und als ich diese Frage bejahte und sagte, „das meine ich, ist auch schon was altes“, fügte er hinzu: „der stammt vom Kloster von Altmühlmünster“.
 
Auf meine Gegenfrage wieso die Familie Mosandl zu diesem Christus kommt sagte er mir: „Als die Mönche von Altmühlmünster im Jahre 1803 umgebracht wurden, da ging auch mein Großvater hinunter nach Münster und besah sich was da schreckliches vorgefallen ist. Dabei sah er diesen Christus und kurz entschlossen sagte er: “Den nimm i mit hoam” und seitdem ist er in unserem Haus“.
 
 Dieser Christus hängt heute noch beim Stadlerbauern in Arnsdorf in der Wohnstube, die Geschichte wird der alte Bauer auch seinem Sohn erzählt haben. Oh könnten diese alten Mauern reden, sie würden uns so manches erzählen.
Natürlich waren die ursprünglichen Klostergebäude viel größer als sie jetzt sind. Sie reichten noch zu meiner Kinderzeit bis etwa fünf Meter an den Grenzzaun heran und wurden von Johann Meier, dem damaligen Besitzer der Klosterbrauerei wegen der hohen Haus­steuer im Jahre 1921 abgebrochen. Ich war selber beim Abbruch dieses Gebäudekomplexes mit dabei. Die Klosterbrauerei bestand bis zum Jahre 1913. Im Winter von 1913 – 1914 wurde im Brauhaus das letzte Mal gebraut. Die Sudpfanne war aus Kupfer, ebenso die Leiterböden und das Grandl. Alles wurde samt dem Kontingent (Braurecht) an Wildenstein verkauft. Seitdem ist es still im Winter im Brauhaus.
Die Klosterbrauerei hatte keine Wirte als die alte Klosterschänke im jetzigen Gasthaus Gerstner.
Die Familie Gerstner war aber zur Zeit des Klosters noch nicht im Besitz dieses Anwesens. Aus einem alten Grundsteuerkathaster geht hervor: Anwesen Altmühlmünster Hsnr.9 wurde von der Familie Gerstner am 28. Mai 1836 mit einem Forstrecht von Anton Schmid um 2800 Gulden gekauft. Dieses Forstrecht beinhaltete vier Klafter Rechtholz, sowie Bauholz für Haus, Stall und Stadel, welches auch heute noch auf den Anwesen ruht. Allerdings hat die Familie Gerstner vom Rechtholz (Brennholz) am Montag den 12. April 1965 zwei Klafter von den vier Klaftern verkauft, so dass auch nur mehr zwei Klafter auf diesem Anwesen sind.
Die Eggmühle war Klostermühle und hatte als solche acht Klafter Rechtholz und sämtliches Bauholz. Doch als im Jahre 1910 dieses Anwesen von den damaligen Handelsjuden, Bernheimer und Lämmle von Sebastian Majer erworben wurde, verkauften die genannten Juden dieses Bauholzrecht und seitdem ist auch kein Bauholzrecht auf der Eggmühle mehr dabei. Im oben bereits genannten 12. April 1965 haben die jetzigen Besitzer der Eggmühle, Georg Schels und seine Ehefrau, von den acht Klaftern Rechtholz, vier verkauft, das heißt an den Bayr. Staat abgelöst, so dass auch nur mehr vier Klafter auf diesem Anwesen sind.
Auch waren in Altmühlmünster von Klosterzeiten her Steuerrechte und weil die Johanniter auch die Gerichtsbarkeit ausübten, hatte auch das jetzige Anwesen Hunner in Deising auch das Streurecht. Dieser war der Scherge und musste die Delinquenten bestrafen.
Aus einer alten Urkunde geht auch noch folgendes hervor.
Ich Paul Gigl, wohlbestallter Gerichtsdiener zu Altmühlmünster übergebe hiermit an meinen Sohn, Johann Gigl mein neuerbautes Anwesen und so weiter. Diese Urkunde habe ich persönlich gelesen und sie muss beim jetzigen Anwesenbesitzer, Breitmoser noch vorhanden sein. Dieses Anwesen nennt man auch heute noch: Gigl.
So verhält es sich auch mit dem Richteranwesen in Laubhof. Dieser war wohlbestallter Richter von Altmühlmünster.
Alle übrigen Anwesen hatten 2 Klafter Rechtholz und ein Streu-recht. Hsnr. 1 1/2 das ist der Bräu, dieses Anwesen hatte mehr Holz- und Streurecht weil dieses Anwesen der Zehentstadel war und den Johannitern selbst gehörte. Hsnr. 2a hatte Holz- und Streurecht, das war den Johannitern ihre Tuchbleiche und hatte deshalb einen großen Garten. Auch war es den Johannitern ihr Backhaus und man sieht heute noch den Torbogen des ehemaligen Backofens.
Alle Anwesen, wie 9 1/2, 11 1/2, 15 1/2, 16 1/2 bestanden zur Zeit des Klosters noch nicht und hatten deshalb auch keine Forstrechte.
Im 15. Jahrhundert wurde in der Kirche der gotische Chor, das Prespiterium angebaut. Früher war der Chor auch romanisch, wie heute noch der Bogen am Prespiterium, sowie die beiden Rundbögen rechts und links. Aus dieser Zeit stammen auch die zwei Tafeln (Holztafeln) mit den Bildern des hl. Johannes des Täufers, sowie des hl. Johannes Evangelist. Diese Tafeln hängen heute noch zwischen zwei Fenstern auf der Frauenseite. Das gotische’ Gewölbe ist aus Bruchsteinen und nicht etwa, wie es scheint, aus leichten Ziegelsteinen. Diese leichten Ziegelsteine wurden in alter Zeit folgendermaßen hergestellt. Man mischte unter den Lehm entsprechend viel Sägespäne, diese verbrannten beim brennen, es blieben somit Hohlräume zurück und die Ziegel wurden dadurch sehr porös und sehr leicht. Doch das nur nebenbei. Auch die beiden Seitenkapellen wurden damals angebaut, die Gewölbe sind aber hier aus Ziegelsteinen, ebenso das Sakristeigewölbe. Diese konnten wegen des flachen Zirkels logischerweise nicht aus Bruchsteinen gefertigt werden.
Die damaligen Siedler von Altmühlmünster bekamen keineswegs die Holz- und Streurechte vom Kloster umsonst zugeteilt. Sie mussten dafür Hand- und Spanndienste leisten, also Frondienste, Herren­dienste. Sie waren sozusagen die Leibeigenen des Klosters.
Um aber den Siedlungswilligen mehr Anreiz zum Siedeln zu geben, wurde diesen auch ein Viehweiderecht erteilt. Der Dorfhirte trieb damals die Kühe den Eggmühlgrund hinauf, oben dann am Waldrand entlang, bei der Kühtrift herunter, dem Münsterer Grund folgend wieder nach Altmühlmünster zu und heim. Dem Bayr, Staat war dieses Viehweiderecht natürlich ein Dorn im Auge (es war ja schon nach der Spekularisation). Es wurde ein Weidepfennig eingeführt.
 
 Die Altmühlmünsterer verweigerten diesen Weidepfennig, sie pochten auf ihr gutes Recht vom Kloster her. Der Staat hob kurzerhand diese Weiderechte auf und belegte solche, die es nicht glauben wollten und trotzdem hüteten, mit Strafen.
Den Münsterern blieben nur mehr diese mageren Kühberghänge als Viehweide. Damit ging auch noch das letzte Recht verloren und bald wird die Zeit kommen, wo auch noch die letzten Rechthölzer für windige paar Mark in den Besitz des Staates übergehen werden. Dann erst ist die Säkularisation endgültig vollzogen.
Welche Baumriesen mögen zur Zeit des Klosters im Klosterwald vorhanden gewesen sein. Das mag man schließlich an den Wangen der Kirchenstühle noch erkennen. Eichenwangen sind es, lauter Kernholz und doch ohne Kern. Mindestens 1.20 m Durchmesser mussten diese Eichen haben und wie viele Generationen mögen in diesen Kirchenstühlen schon gebetet haben.
Unsere Väter und Mütter, unsere Großväter und Großmütter in Freud und Leid haben sie da gekniet und dagesessen zu Füßen eines Predigers, der ihnen das Wort Gottes verkündete. Vielleicht waren sie in Reue zerknirscht, vielleicht waren es auch verstockte Kinder, wir wissen es nicht. Doch an diesen Kirchenstühlen gehen die Menschen von heute vorbei ohne überhaupt an etwas zu denken.
Sie denken nicht an das ehrwürdige Alter dieses Gotteshauses, auch vielleicht nicht daran, dass sie in diesem Gotteshaus getauft sind und hier vielleicht auch die heilige Kommunion empfangen haben. Sie haben es eilig, die Menschen von heute und sie schlafen während der Predigt, damit sie ausgeschlafen haben nach ihrem Gottesdienst und wieder wach sind zu ihrem Geschäften.
Die Pfarrmatrikel reichen zurück bis zum Jahre 1600. Was vorher gewesen ist, ist nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich wurden alle früheren Bücher im 30.jährigen Krieg vernichtet, von welchen auch Altmühlmünster nicht verschont blieb. Dafür bürgt schon der Name auf der Wacht. Auf der Wacht droben sieht man noch den Wallgraben, welcher hinten auf der Deisinger Seite sogar dreifach gestaffelt ist. In diesem Wall trieben die Altmühlmünsterer ihre Kühe und taten dorthin auch ihre übrigen Habseligkeiten, darum heißt dieser Platz, auf der Wacht und der Berg auf welchem dieser Platz liegt auch Kühberg. Von dort aus ist die Aussicht recht gut und da hatte immer einer die Wache und wenn Gefahr drohte, brauchte er nur in das Horn blasen und sie waren schon gewarnt. Auf der vorderen Seite, Altmühlmünster zu, da konnte leicht ein Mann den Platz verteidigen und rückwärts da machte dieser Wallgraben einen eventuellen Angriff zu Nichte. So ist in Altmühlmünster und um Altmühlmünster ein historischer Boden der viel erzählen könnte.
Die Klosterwaldungen umfassten rund dreihundert bayr. Tagwerk. Ein Tagwerk ist 3400 Quadratmeter. Das ist eine Fläche von einer Million und 20 0000 laufende Quadratmeter. Das ist über ein Quadrat Kilometer.
Die letzten Inhaber der Komture waren die Malteser. Herr Pfarrer Mulzer sagte mir jedoch. dass Johanniter und Malteser ein und derselbe Orden ist. Das Maltäserkreuz befindet sich heute noch an der alten Klosterschänke Gasthaus Gerstner, auch an den Dacherkern von Gasthaus Hofbauer, sowie an vielen Marksteinen der jetzigen Staatswaldungen.
Die ersten Besitzer der Klosterbrauerei nach der Säkularisation war die Familie Johann Meier. Ein Sohn dieser Familie (Simon Meier) fiel in die kochende Braupfanne und verbrühte sich tödlich. Er sollte aufpassen, dass der Maisch nicht überkocht, schlief aber ein und stürzte rücklings in die bereits kochende Sudpfanne.
Das ehemalige heilige Grab, welches noch vom Kloster herstammte, wurde in der linken Seitenkapelle aufgebaut. Es erforderte immer einige Tage Arbeit und wurde schon am Dienstag und Mittwoch in der Karwoche aufgebaut. Eine schwere Bruck in Höhe des Altartisches war der Unterbau. Das ganze war in vier Bögen gesetzt. Der erste Bogen reichte bis an die Kirchendecke hinauf. In einer Nische lag dann am Karfreitag der hl. Leichnam Jesu, links und rechts von römischen Soldaten bewacht, der zweite Bogen war auf Altartischhöhe aufgesetzt, ebenso der dritte und vierte. Die Rückwand war aus massiven Brettern mit einem Postament auf welchem das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt wurde. Der zweite, dritte und vierte Bogen waren jeder etwas niedriger als der vorhergehende, so dass eine richtige Nische entstand. Außen war das ganze mit schwerer Leinenwand überzogen und mit Palmen und felsenartig bemalt. Als ich noch ein Kind war, hatte ich fast Furcht vor diesem römischen Soldaten, die in schwerer Ritterrüstung mit Schwert und Spieß sich am Schaft ihrer Lanze festhielten und so wie im Schlaf versunken da saßen.
 Eine Stiege mit Geländer führte hinauf und erst eine Woche nach Ostern wurde es wieder abmontiert. Das ganze wurde beim Erweiterungsbau der Pfarrkirche vernichtet.
Das vom Kloster noch herstammende Glöckerl hängt jetzt im Meiherner Kirchturm und wurde von mir, Michael Schaumann und Martin Mayer, Hsnr. 7 in Altmühlmünster dort eingebaut. Die Meiherner bekamen das Klosterglöckerl deshalb, weil Meihern zum neuen Geläute der Pfarrkirche mitzahlte und im zweiten Weltkrieg von 1939 – 1945 auch eine Glocke abliefern mussten. Es ist das tiefer stimmende und passt gut zum hohen C der dortigen Glocke. Die Deisinger mussten weder im Krieg 1914 – 1918, noch im Krieg 1939 – 1945 eine Glocke abliefern.
Aus dem Bayr. Staatsarchiv in Amberg geht hervor, dass das Gut Laubhof das Klostergut war. Im Jahre 1810 erwarb die Familie Zeitler dieses Klostergut als erste. Eine Tochter dieser Familie heiratete einen Sölch, dieser verkaufte es an den Freiherrn von Bassus, dieser veräußerte es an den Diplomlandwirt Josef Busch und dieser wiederum an die Familie Diepold im Jahre 1965.
Im Jahre 1887 wurde gelegentlich der Einweihung und Konsekration (Weihe von Personen oder Sachen) des früheren Hochaltars, welcher im Jahre 1961 dem jetzigen Hochaltar weichen musste, gefirmt.
Dieser frühere Hochaltar war sehr schön mit Kreuzblumen verziert. (so wie Dome). Warum man diesen Altar vernichtete: Angeblich weil das herrichten dieser Kreuzblumen und der Puperin an den Streben und hochragenden Säulen einiges gekostet hätte, aber ich denke, das wäre nicht so schlimm gewesen, dass man einen neuen anschaffen musste. Na ja, alles verstehe ich ja auch nicht. Während meiner 45jährigen Kirchenpflegezeit wurden vier schwere Messingleuchter von unbekannten Tätern gestohlen. Sie standen in der Taufkapelle, geradezu verlockend zum mitnehmen. Es war eigentlich unsere Schuld, warum haben wir sie nicht weggetan.
 Diese Leuchter wurden früher, als wir in unserer Kirche noch kein elektrisches Licht hatten, in die Kirchenstühle während der Engl Ämter gestellt, damit die Kirche nicht stockfinster war.
 Diese Engl Ämter begannen damals bereits um 6.30 Uhr. Seit dem Jahre 1948 ist unsere Pfarrkirche an das Elektrische angeschlossen.
Seit dem Jahre 1844 also seit 122 Jahren, tragen die Schaumann bei Fronleichnamsprozessionen und bei Flurumgängen den Baldachin, das darf ich schließlich auch noch feststellen.
Es folgt nun das Register der Geistlichen, welche seitdem Jahre 1651 in Altmühlmünster wirkten.
Anno Domini 1651.
 
1651-1693
Pater Meinradus Glück
 
29.09.1885-06.11.1886
Senft – Pfarrverweser
1693-1698
Thomas Triebenbacher
 
06.11.1886-29.09.1889
P. Weiß
1698-1700
Johann Ev. Mayr
 
29.09.1889-22.01.1890
Simon Franz – Provisor
1701-1709
P. Michael Dielin
 
02.08.1890-23.10.1894
P. Alois Zehetbauer
1710-1717
P.Marinus Dielch
 
23.10.1894-01.08.1895
Josef Vondrack – Provisor
1718-1740
P. Franziskus Schießl
 
01.08.1895-09.09.1908
P. Georg Schnabel
1741-1752
P. Blasius Mayr
 
09.09.1908-24.10.1908
Karl Hundsberger – Provisor
1760-1761
Johann Bapt. Sigler,Provisor
 
24.10.1908-18.01.1911
P. Rupert Schöfthaler
1761-1765
P. Aggous
 
18.01.1911-18.10.1917
Anton Dirscherl
1765-1766
P. Vitus
 
18.10.1917-07.07.1918
Franz Laubmeier- Provisor
1766-1768
P. Zachäus
 
06.07.1918-27.08.1931
P. Anton Haunschild
1768-1777
P. Englhardo Sauer
 
07.08.1931-13.02.1932
Josef Voit – Provisor
1778-1787
P. Adonis Dufmann
 
13.02.1932- 23.08.1953
P. Franz Vogl
1787-22.04.1787
P. Fortunato
 
23.08.1953-13.03.1963
P. Friedrich Nagl
1787-1812
Pf. Josef,Anton Pöppl
 
13.03.1963-05.05.1963
Johann Süßbauer- Provisor
1812-1814
Josef Neumeier, Provisor
 
05.05.1963-24.06.1970
P. Edmund Mulzer
1814-1826
P. Engelbert Bruckmüller und Kooperatoren: Rupert Simon,Ferdinand Lauthner
 
09.10.1966
P. Franz Xaver Schmid
Aushilfe
1826
Josef,Maximilian Schiller
 
01.07.1970-30.09.1976
P. Werinhard Zimmerer O.F.M.
1826-1837
Josef,Maximilian Schiller
Michael Riepl,Kooperator
 
01.10.1976-30.03.1977
P. Moritz Mroz
1837-1838
G. Amberger Provisor
 
01.04.1977-30.08.1978
P. Döll
1838-1841
P. Peter Schreiber
 
01.09.1978-25.08.1990
P. Dietmar Schindler
1841-1850
P. Andreas Gold
 
01.09.1990-28.08.1996
P. Ludwig Bayer
1850-28.06.1850
P. Hugo Gatherdinger
 
01.09.1996-09.08.1998
P. Hans Peter Adam
1850-1865
P. Johann Ev. Brey
 
01.09.1998-01.09.2005
P. Krzystof Lusawa
1865-24.04.1865
P. Eduart Linser O.S.F.
Pfarrverweser
 
01.09.2005-
P. Johannes Kodiamkunnel
27.04.1865-17.08.1865
P. J. Hartl
 
 
 
17.08.1865-1877
P. Andreas Knott
 
 
 
13.01.1878-29.09.1885
Georg Stail
 
 
 
 
Kirchenbaugeschichte.
 
Von H. Herrn Pfarrer Georg Schnabl wurde im Jahre 1898 der Kirchenbauverein gegründet, welcher die Mittel zum Erweiterungs­bau der Pfarrkirche erbringen sollte. Doch was hätte mit den Erträgnissen dieser Sammlungen schon großes geleistet werden können, wo nur Fünferl und bestenfalls Zehnerl eingelegt wurden. Da konnte auch das Markstückl vom alten Peterbauern, Michael Lindl aus Deising nicht entscheidend helfen, obwohl er dieses Markstückl schon während des Verkündens das heute Sammlung für den Kirchenbauverein sei, seinen besonderen Zuggeldbeutel entnahm. Diesen Zuggeldbeutel stellte er dann mit einem kräftig, hörbaren Plumps auf die Betbank und rumorte da eine Zeitlang herum, wie Weiland (wie gestern) meine Großmutter im Haselnusssäcklein, welches ich auf Seite 10 dieses Büchleins bereits beschrieben habe und er entnahm ihm (diesen Zuggeldbeutel) das besagte Markstückl. Und wenn dann der alte Johann, der Mesner zur Sakristei herauskam, stand der alte Peterbauer schon auf und schwenkte sein Markstückl rüber und nüber, damit es ja der Mesner nicht übersah. Zur Ehre dieses Mannes sei noch erwähnt, daß er tatsächlich viel für unsere Pfarrkirche getan hat. So kaufte er aus eigener Tasche, den heute noch im Gebrauch befindlichen Baldachin für die Fronleichnamprozessionen, den schönen Rauchmantel, sowie das mit Goldstickerei besetzte Segensvelum. Dem heutigen Geldwert würde das bei 20.000.00 bis 25.000.00 DM entsprechen. Wo findet sich heute jemand, der in uneigennütziger Weise solche Opfer bringt, auch wenn er es könnte. Doch das Geschlecht der Lindl ist ausgestorben, vor Jahren schon. Dieser Kirchenbauverein wurde dann, nachdem H. Herr Pfarrer Schnabl als Stadtpfarrer nach Vilseck in der Oberpfalz berufen wurde. von dem 1908 nach Altmühlmünster berufenen H. Herrn Pfarrer Rupert Schöftaler weitergeführt. Am 18.Januar 1911 musste H. Pfarrer Schöftaler wegen Krankheit auf die Pfarrei Altmühlmün­ster verzichten, denn damals gehörte auch Arnsdorf noch zur Pfarrei Altmühlmünster, ebenso Laubhof und Thann, da konnte man keinen kranken Pfarrer brauchen, weil alle Wochen, Sommer wie Winter eine Wochenmesse               in Arnsdorf gelesen werden musste.
Am 18. Januar 1911 kam H. Herr Anton Dirscherl nach Altmühl­münster als Pfarrer und damit trat eine Wende in der Kirchenbau­geschichte von Altmühlmünster ein. Herr Pfarrer Dirscherl war in Thann als Egositus und kannte somit die Vermögensverhältnisse der Kirche in Thann. Pfarrer Dirscherl, zugleich zuständiger Pfarrer in Thann, holte sich bei der Regierung die Erlaubnis, die 100.000.00 Mark des von der Filialkirche in Thann nicht benötig­ten, dortigen Kirchenvermögens zum Erweiterungsbau der Pfarr­kirche verwenden zu dürfen, beziehungsweise den hierfür benötig­ten Betrag, was ihm auch genehmigt wurde. Drei, vier Pläne (Entwürfe) wurden erstellt, bis H. Pfarrer Dirscherl einer zusagte. (Diese Pläne sind heute noch vorhanden). Im Frühjahr 1912 ging es dann mit dem Kirchenbau los. Alles wunderte sich, wieso es jetzt auf einmal möglich war, dass die Kirche gebaut werden konnte und dazu noch ohne Kirchenbauvereinssammlungen, wo doch jeder glaubte, dass ohne seine Fünferl- und Zehnerlopfer überhaupt damit anzufangen nicht möglich wäre.
Vom Thanner Kirchenvermögen wusste ja niemand etwas.
Von den 1913 aufmontierten Glocken mussten wir schon im Jahre 1916 die beiden kleineren abliefern. die große durften wir behalten. H. Herr Pfarrer Haunschild kaufte im Benehmen mit mir als Kirchenpfleger eine dazu und im zweiten Weltkrieg mussten wir auch die große Glocke und die dazugekaufte abliefern. Jetzt hatten wir nur noch das Klosterglöckerl. Wir entliehen uns eine vom Deisinger Turm. Am 13. September 1950, an meinen 60. Geburts­tag kam unser jetziges Geläute und am 14. September wurden sie hochgezogen und eingebaut. Ich hatte an diesem Tag ganz besonders meinen hl. Schutzengel angerufen, dass nichts passiert, es war nicht umsonst. Als alles glücklich droben und die Glocken einmon­tiert waren, stellten wir den Aufzug und alle benötigten Geräte ab und dabei übersahen wir einen etwa drei Meter langen und etwa 15 Zentimeter starken Bolzen, welchen wir beim aufziehen der großen Glocke als Stütze der Nadel verwendeten. Da wir nun kein Seil mehr heroben hatten, rief ich hinunter: „Obacht geb’n“, es standen zwei Burschen im oberen Friedhof in der Nähe des Kreuzes. „Obacht geb’n, ich schmeiße den Bolzen hinunter und ihr da droben gebt obacht, dass niemand um die Ecke kommt“. Auf meine nochmalige Frage: ist alles frei, folgte ein einstimmiges “Ja”. Ich ließ nun den Bolzen fahren und im selben Augenblick kommt ein heller Kinderschopf um die Ecke. Der Bolzen fährt auf ihn zu und trifft den Kerl am Kopf, so dass die Kopfhaare an der Aufschlagstelle wie wegrasiert sind. Ich tat einen Schrei, weil ich glaubte, er müsse wohl tot sein. Von diesem Burschen war im selben Augenblick nichts mehr zu sehen. Mir brach es alle Glieder, ich sagte deshalb zu Martin Mayer er solle nachschauen was los ist. Der Monteur redete derweil auf mich ein, dass ich alles getan hätte was men­schenmöglich ist. Als Martin Mayer wieder zurückkam sagte er: der blutet gar net am al. Nun konnte ich erst weinen, weil offensichtlich hier das Walten meines hl. Schutzengels offenbar wurde. Das erste amtliche Läuten unserer jetzigen Glocken war zur Beerdigung der Blauhofbäurin, Katharina Riepl, welche am 15. September 1950 in den Frieden Gottes einging.
 
Das Kirchendach war mit schwarzen Schieferplatten gedeckt, wie heute noch die alte St. Anna – Kapelle. Diese Kapelle wurde von der damaligen Blauhofbäurin Josefa Meier als Kriegergedächtnis­kapelle ausgebaut, es war im Jahre 1918. In einer Gruft unterhalb des Kapellenpflasters, welche durch eine Stützmauer in zwei Kammern abgeteilt ist, ruhen die sterblichen Überreste ihres Sohnes Johann Meier, in der linken Kammer, sowie in der rechten, ein Sohn vom so genannten Jaklbauern, Josef Gallenberger, deren Geschlecht mit diesem ihrem einzigen Sohn ausstarb.
Ich durfte seit dem Jahre 1919 Kirchenpfleger sein. Während der Nazizeit, das ist die Zeit der Nationalsozialistischen Ära, wurde es jedoch zum wiederholten male vom Bezirksamt (heute Landratsamt) beanstandet, was ich als Bürgermeister bei der Kirchenverwaltung zu suchen habe. Deshalb wählten wir Michael Ebenhöch, der unterschrieb dann die Kirchenrechnung als Kirchenpfleger. Die Geldgeschäfte, das heißt die Kassenführung übte von da an H. H. Pfarrer Vogl aus. Der Einfachheitshalber und auf meine Bitte hin, haben die Kassenführung auch H. H. Pfarrer Nagl und jetzt H. H. Pfarrer Edmund Mulzer gemacht und sie machen diese auch heute noch. Im Jahre 1965 hörte ich auf eigenen Wunsch als Kirchenpfleger wegen hochgradiger Schwerhörigkeit auf und schied am Dienstag den 25. Januar 1966 auch als aktiver Kirchenrat auf eigenen Wunsch aus.
Es war nicht immer leicht Kirchenpfleger zu sein, denn während dieser 45 Jahre waren drei Geldentwertungen. Zuerst verfiel von 1920 bis Mitte November 1923 unsere gute Mark. In diesen Jahren mussten wir Kirchenumlage erheben. Das war so ein Geschäft, dass wir nicht wussten womit wir eigentlich bezahlen sollten. In den Jahren 1922/1923 haben wir dann eine Getreideumlage eingehoben. Mit Herrn Sipl von Deising seinem Rotweiler – Grauschimmel fuhren wir los, Herr Pfarrer Haunschild und ich. Ich als Fuhrmann blieb heraußen und den guten Pfarrer Haunschild ließ ich zu den jeweils beglückten Bauern, etwas Schadenfroh,  hineingehen. Ich mag die Namen nicht nennen, von welchen wir am besten geschimpft wurden. Grad dass sie uns den Kettenhund nicht angehetzt haben, s’andere alles. Wir fuhren zunächst Blauhof, Arnsdorf, Hallenhausen, Griesstetten, Kramplmühle, Einsiedlhof. Da hatten wir unsere Wagen voll. Wir hatten es überstanden. Doch auf einmal seufzte Herr Pfarrer Haunschild und sagte zu mir: „ Herr Kirchenpfleger, einmal und nicht wieder, lieber bezahle ich alles selber, aber womit“. Diese Frage war mehr als berechtigt. Bis nämlich die Gehälter auch der Geistlichen zur Auszahlung kamen, waren sie gewissermaßen nichts mehr wert. Bloß ein Beispiel. Die Fünftausendmarkscheine kamen gar nicht zur Ausgabe. Sie wurden kurzerhand durch einen roten Stempel auf eine Milliarde herauf gesetzt. Eine Billion Mark war dann Mitte November 1923 eine Rentenmark. Ich habe mir einmal den Spaß gemacht, eine Billion Sekunden auszurechnen, wie lange es dauert bis eine Billion Sekunden vorüber sind, bitte lesen Sie das Ergebnis auf Seite 113. Nach unserer guten, alten Mark, kam also die Rentenmark. Nach der so genannten Machtübernahme durch Hitler, kam die Reichsmark. Auch diese Rentenmark und Reichsmark verfielen, eine nach der andern und seit dem 20. Juni 1948 haben wir die Deutsche Mark und wenn es so weitergeht, dann verfällt auch diese noch.
Nachdem nun das vom Kloster herstammende heilige Grab,  beim Erweiterungsbau der Pfarrkirche vernichtet wurde, kaufte H. H. Pfarrer Dirscherl den heutigen Aussetztabernakel als heiliges Grab. Wir müssen heute noch H. Pfarrer Dirscherl dankbar sein für seine Initiative für den Kirchenbau. Wenn H. Pfarrer Dirscherl nicht nach Altmühlmünster gekommen wäre, oder er hätte auch nur ein Jahr gewartet, wäre es mit den Kirchenbau zu spät gewesen. So konnte 1912 zum Aufbau der Kirche und 1913 zur inneren und äußeren Fertigung begonnen werden. Im Jahre 1914 brach dann der Krieg aus, es kam die Inflation und wir hätten unsere alte Kirche noch.
Von H. Herrn Pfarrer Anton Haunschild wurde das erste Kirchen­kripperl aufgestellt. Es war ein kleiner Stall am rechten Seiten­altar, dann auf dem Tauftischchen und im dritten Jahr, 1922 kaufte er die heute noch im Gebrauch befindlichen Figuren. Jungfrau Kreszenz Riepl von Blauhof (sie wohnte auf Hsnr. 14 in Altmühlmünster) spendierte die Leinwand zu den Kulissen und seitdem wird es in der linken Seitenkapelle aufgebaut. Herr Pfarrer Haunschild kaufte auch den schön, geschnitzten hl. Leich­nam Christi im hl. Grab, sowie die schon erwähnte Glocke, trotz aller Not der damaligen Zeit. Während der priesterlichen Wirksamkeit von H. Herrn Pfarrer Franz Vogl wurde im Jahre 1945 die bereits akute Einsturzgefahr vom Kirchendachstuhl behoben. Die Dachsparren wurden auf 3,50 herunter mit neuem Holz angestückelt, 1948 dann die Kirche ans elektrische Licht angeschlossen, 1950 das jetzige Geläute gekauft, das schwere Goldbrokat Messgewand hat er auch gekauft, die Kirche im Jahre 1946 ausmalen, sowie den Sakristeikamin errichten und mehrere Paramente reparieren lassen.
Bei H. Herrn Pfarrer Nagl, welcher von 29. August 1953 bis 13. März 1963 in Altmühlmünster wirkte, wurde zunächst der ganze Pfarrhof umgekrempelt. Alle Fußböden, die Wasserleitung, das Bad mit dem Spülklosett und die Kamine wurden gebaut. Auch wurde das Dach umgedeckt und das Pfarrjugendheim gebaut. H. Pfarrer Nagl war überhaupt ein Baumeister. 12.000.00 Mark war der Kostenvoran­schlag für die bauliche Ausführung des Pfarrjugendheim. Was darüber hinaus noch für die Zueinrichtung und Ausstattung aufgewendet werden musste, entzieht sich meiner Kenntnis. Zu diesen vorgenannten Arbeiten bedurfte es einer Bauzeit von etwa 2 1/2 Jahren.
 Im Jahre 1956 ging es dann über die Pfarrkirche her. Zunächst wurde der bisher ausgepflasterte, wasserdurchlässi­ge Wasserableitungsgraben durch einen wasserdichten Betonbelag mit Baustahlnetzeinlagen ersetzt und die Kirche trocken gelegt.
Es kam der neue Hochaltar, die Kirchenstühle mit den Seitenein­gängen, die Orgel an das elektrische angeschlossen und alle Heiligen­figuren neu gefasst. Auch wurde das Sakristeigewölbe neu verputzt und so weiter. Leider wurde bei diesen Arbeiten auch der bisherige Hochaltar, sowie die beiden vorderen Seitenaltäre ent­fernt, angeblich, weil das herrichten genau soviel kosten würde wie neue Altäre.
Auf dem vorderen Seitenaltar war der hl. Andreas Mittelfigur, flankiert rechts vom hl. Stefanus und links vom hl. Laurentius. Die Figuren dieser beiden Heiligen hängen jetzt einsam herüben auf der Frauenseite über den Altartisch. Die Figur des hl. Andre­as ist jetzt Mittelfigur auf dem hinteren rechten Seitenaltar. Auf diesem Altar waren vor dem Jahre 1961 die hl. Katharina mit dem Rad und Schwert, sowie die hl. Apolonia mit der Zange mit Zahn abgebildet. Die hl. Katharina wurde zunächst gerädert und als das Rad zerbrach enthauptet. Der hl. Apolonia hat man alle Zähne ausgerissen und anschließend wurde sie bei lebendigem Leibe verbrannt.
Der linke vordere Seitenaltar war mit der Pieta Maria unterm Kreuz geschmückt. Flankiert von zwei Engeln mit den Marterwerkzeugen Jesu, Dornenkrone, Hammer, Nägel, Lanze und Hisopstengel mit Schwamm. Die Pieta ist heute auf dem hinteren linken Seitenaltar, wo vor 1961 der hl. Bischof Grasmus mit der Winde abgebildet war. Diesem Bischof hat man die Gedärme aus dem Leib gewunden als er gemartert wurde.
Die beiden hinteren Seitenaltäre sind noch gut erhalten und wurden 1961 neu gefasst. Das Christkindlein welches noch vom früheren Hochaltar stammt, zeigt noch von der Schönheit dieses früheren Hochaltares. Während der Zeit unseres H. Herrn Pfarrer Edmund Mulzer wurde bis jetzt die Kanzel renoviert, der Platz für das neue Leichenhaus erworben, die Glocken an elektrische Kraft angeschlossen. Am Donnerstag den, 30. September 1965 läuteten diese zum ersten Mal mit elektrischer Kraft. Der neue Beichtstuhl wurde 1966 in der Vorfastenzeit vom jetzigen Kirchenpfleger Michael Breitmoser, Schreinermeister in Altmühlmünster Hsnr. 26 geliefert.
Der Vollständigkeit halber auch noch kurz über die Corporis Christi Bruderschaft. Bei der Corporis Christi Bruderschaft wurde zu Anfang derselben, fortlaufend nummeriert, das heißt von 1. angefangen bis herauf zu etwa 3000, dann wurden die alljährlich eingetretenen zum Beispiel von 1 – 12 registriert. Gegenwärtig sind rund 500 Mitglieder. Sie besteht seit 315 Jahren und wurde von Pater Meinradus Glück im Jahre 1651 eingeführt.
Im Jahre 1906 war in Altmühlmünster die Primiz von Pater Salva­dorianer Albinus Gerstner. Er studierte in Rom und am 06. August 1906 war seine Primiz. Es sind seitdem 67 Jahre vergangen. Doch aus unserer Pfarrei ging trotzdem wieder ein Priester hervor. Es ist dies H. Herr Willy Tratz aus Hallenhausen, welcher am 29. Juni 1957 in Regensburg zum Priester geweiht wurde und gegenwär­tig auch in Südafrika als Missionar tätig ist.
Pater Albinus Gerstner wollte auch Missionar werden, doch seine Oberen hielten ihn für nicht hinreichend gesund genug. Er wurde aber trotzdem 86 Jahre alt und er wirkte als Lehrer in Lochau am Gymnasium und zuletzt in Hamberg – Passau III, wo er auch starb. Er wurde die letzten Jahre seines Lebens auch als Aushilfspries­ter in der Seelsorge eingesetzt. Er war sogar Professor, hat aber in seiner übergroßen Bescheidenheit davon nie ein Aufhebens gemacht. R.I.P.
Aus dem Bayr. Staatsarchiv in Amberg geht hervor, dass das Gut Laubhof das ehemalige Klostergut von Altmühlmünster war. Es wurde nach der Säkularisation von der Familie Zeitler erworben. Eine Tochter dieser Familie heiratete einen Sölch. Dieser verkaufte es im Jahre 1909 an den Baron Bassus von Sandersdorf. Dieser wiederum an den Diplomlandwirt Josef Busch und dieser im Jahre 1965 an die Familie Diepold aus Irsching.
Die Madonna mit dem Jesuskind stand vor dem Umbau der Kirche auf dem Altar der linken Seitenkapelle. Nach dem Umbau der Kirche, da wo heute die beiden Holztafeln mit den Bildern des hl. Johannes des Täufers und des hl. Johannes – Evangelisten befindet, ist heute an Stelle des rechten vorderen Seitenaltares aufgestellt, beziehungsweise aufgehängt.
Das große Wandkreuz wurde im Jahre 1961 renoviert, das heißt der Korpus Jesu Christi, dass Kreuz aber neu hergestellt. Vor 1961 war auch die schmerzhafte Mutter mit dem Schwert im Herzen unter diesem Kreuz.
Aus einem alten Zeitungsausschnitt. Altmühlmünster, den 04. Oktober 1908.
Die Pfarrei Altmühlmünster im Altmühltal ist durch Beförderung ihres bisherigen Inhabers, des zum Stadtpfarrer in Vilseck ernannten Herrn Georg Schnabl in Erledigung gekommen. Als diese Pfarrei vor Jahren durch die Versetzung des damaligen Pfarrers Peter Schreiber nach Laaber, im Jahre 1841 erledigt war, wurde durch königliche Präsentation vom 04. März 1841 die Pfarrei Altmühlmünster dem Prediger an der unteren Stadtpfarrei zu Ingolstadt, Priester Andreas Gold übertragen. Nach anderthalb Jahren der seelsorglichen Tätigkeit in dieser Pfarrei erhielt dieser am 30. August 1842 vom Ordinariat Regensburg auf seine Bitte noch mal die Cura parochialis ororisora auf vier Wochen, zugleich aber auch die Weisung vor Ablauf dieser Frist, sich in Regensburg zu stellen.
 
Am 07. September 1842 bekam er in Regensburg die kanonische Juwestische auf die Pfarrei Altmühlmün­ster. In einer seiner Eingaben vom 18. August 1842 bemerkte er unter anderen: Der Pfarrer von Altmühlmünster ist ein Märtyrer. Sein ganz geringes Einkommen ist entweder mit einem Schweiß tropfen von seinem Kopfe oder mit einem Blutstropfen von seinen Füßen benetzt. Abgesehen davon, dass er in beständiger Lebensge­fahr seine ohnehin mühevollen Tage erleben muss, kann ein einziger Fehltritt bei Besteigung seiner jähen Berge und ganz schmalen Steinflusssteige ihn entweder zum Krüppel machen oder sein zeitliches Leben plötzlich beenden.
Ich finde es für Wert, dieses drastische Urteil auch der Nachwelt zu erhalten.
Der H. Herr Erzbischof Dr. Michael Buchberger war allerdings anderer Meinung: Er sagte zu Herrn Pfarrer Vogl: „Altmühlmünster ist eine Perle“ und er musste es ja wissen.
Das wäre nun so in Kürze das Wichtigste, was von der Kloster- und Kirchenbaugeschichte von Altmühlmünster zu berichten ist.
Wenn ich damit den Wunsch unseres hochverehrten Hochwürden Herrn Pfarrer Edmund Mulzer habe dienen können, freut es mich noch mehr, als es mich ohnehin freut, dass ausgerechnet ich, diese Geschichte schreiben durfte. Ich will aber diese Schrift nicht abschließen ohne die Königin der Engel und der Menschen zu bitten.
Segne du Maria, segne mich dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find, segne all mein Denken, segne all mein tun, lass in deinem Segen, Tag und Nacht mich ruhn.
Segne du Maria, alle die mir lieb, deinen Muttersegen ihnen täglich gib, deine Mutterhände breit auf alle aus, segne alle Herzen, segne jedes Haus.
 
Altmühlmünster, den 06. März 1966
 
Es bleibt noch nachzutragen, dass auch die Schule von Altmühlmün­ster Rechtholz hatte und zwar 15 Ster Besoldungsholz für den jeweiligen Lehrer und 15 Ster für die Beheizung der Schulstube, sowie einen Spannbaum, daraus wurden Späne gemacht. Als nach der Revolution vom Jahre 1918 der damalige Schullehrer Hofmann, Bayr. Minister präsentiert wurde, hat er als erste Amtshandlung die Lehrerschaft als Deisinger Staatsbeamter erhoben. Dadurch waren die Schullehrer nicht mehr auf das Einheben des Schulgeldes angewiesen und zweitens fielen auch alle anderen Leistungen weg, also auch das Besoldungsholz. Das war klar. Um die 15 Ster für die Beheizung der Schulstube aber führte die Schulsprengelge­meinschaft, Altmühlmünster, Deising und Meihern 20 Jahre lang einen Prozess. Wir, das heißt die Sprengelgemeinschaft hatte für diese 15 Ster keinen Kataster, der Staat bestritt deshalb die öffentlich, rechtliche Natur dieses Rechtholzes und begründete damit die Ablehnung dieser Bezüge. Daraufhin fuhren: Ich als Bürgermeister der Schulsitzgemeinde Altmühlmünster, der Bürger­meister von Deising, Josef Dietz, sowie der Bürgermeister von Meihern, Johann Sölch mit dem damaligen Schulleiter, Hans Stetter nach Regensburg, nahmen den damaligen Landtagsabgeordne­ten Herrn Brechtl als unseren Wortführer mit und gingen gemeinsam zur Regierungskammer der Forsten und verlangten dort die Ein­sichtnahme in die betreffenden Akten. Da stand es ja, was wir suchten! Wären wir so schlau gewesen und hätten das, was hier geschrieben stand gleich fotografiert, hätte uns nichts mehr gefehlt. Doch ich muss zugeben, dazu waren wir alle zu dumm. Im weiteren Verlauf des Prozesses wiesen wir darauf hin, was in den Akten bei der Regierungskammer über die staatlichen Forsten geschrieben stand und versuchten damit die öffentliche, rechtliche Natur dieses Rechtes nachzuweisen. Aber trotzdem wurde der Bezug dieses Rechtholzes für die Beheizung der Schulstube abgelehnt. Auf unserer wiederholten Fahrt nach Regensburg waren die für uns so wichtigen Akten verschwunden. Einfach verschwunden. Jetzt standen wir da, mit unserer Weisheit und damit war unser Prozess bereits verloren.
Der damalige Regierungsrat Fischer schrieb kurzerhand: Der Bürgermeister der Schulsitzgemeinde Altmühlmünster, Schaumann, ist nicht mehr als Mitglied des verstärkten Gemeinderates zu betrachten, sondern als Vollzugsorgan der Staatsaufsichtsbehörde und wenn er die ihm gemachten Auflagen nicht erfüllt, wird er entweder mit einer Geldstrafe in unbegrenzbarer Höhe oder mit einer Freiheitsstrafe bestraft. Jetzt fing die Sache an brenzlig zu werden. Herr Lehrer Stetter meinte:“ Herr Bürgermeister da können Sie nichts anderes tun als abdanken“. Ich war anderer Meinung. Das würde ich „die Flinte ins Korn werfen“ nennen, das grenzt an Feigheit. Wie singt Schiller in seiner Glocke, allen Gewalten zum Trotz sei erhalten. Nun wurde folgender Beschluss gefasst. Um ein Strafeinschreiten gegen den Bürgermeister der Schulsitzgemeinde Altmühlmünster zu verhindern, erklären die Bürgermeister der Schulsprengelgemeinschaft bis zur Klärung der Rechtsverhältnisse sich bereit, das Schulholz zu liefern. Wir hatten nämlich den Schulholzlieferstreik erklärt und deshalb wurde mir Geldstrafe in unbegrenzter Höhe oder Freiheitsstrafe von unbegrenzter Dauer angedroht. Zuletzt erhielten wir vom Bayr. Staat eine Abfindungssumme von 1200.00 Reichsmark.
Die mussten wir bei der Kreissparkasse Riedenburg anlegen. Man sagte uns beim Bezirksamt (Landratsamt) dass, wenn die Schulsprengel­gemeinschaft dieses Geld mit Zins und Zinseszins liegen lässt, die Zeit kommen wird wo sie die gleiche Menge Holz dafür kaufen können. Am 20. Juni 1948 ging dann die Reichsmark flöten und damit auch die 15 Ster Rechtholz für die Beheizung der Schulstube. Der Staat hat eben die Paragraphengewalt und macht daher die Paragraphen immer zu seinen Gunsten, niemals jedoch zu seinen Ungunsten. Das war dann die letzte Säkularisation des Rechtholzes für die Beheizung der Schulstube und die Reichsmark. Amen.
Auszug aus einem alten Kataster.
Das Melchergütl in Altmühlmünster, Gebäude Hsnr. 14a, Eingädiges Wohnhaus mit Stall und Stadel unter einem Dache, stammt vom früheren Johanniter Kloster. Die Bilder an diesem Haus versinn­bildlichen den hl. Georg, die Krönung Mariens und die hl. Barba­ra, die eingravierte Jahreszahl bürgt dafür, dass es damals zum Kloster gehörte. Im Jahre 1795 wurde es von Georg Weitzinger gekauft, laut Kataster, zur Johanniter Kommende Hofmark Altmühlmünster gehörig, am 20. November 1795 vom Vater Georg Weitzinger um 596 Fl. (Gulden) Erbrechtweise grundbar dahin, mit Küchendienst und Grundzins (Blutzehentfrei). Am 25. Oktober 1838 durch Andreas Goß von Johann Weitzinger gekauft, ohne besonderen Abschlag. Am 12. Februar 1846 durch Andreas Klierl von Andreas Goß gekauft, welcher von Hsnr. 14 in Altmühlmünster auf Hsnr. 8 in Altmühlmünster gezogen ist. Durch Andreas Klierl wurde am Anwesen Hsnr. 8 folgenden übernommen: Bodenzins, Scharwerkgeld, Grundstift, Küchendienst, Getreidegilt (Korn, Gerste, Hafer). Am 11. September 1874 übernahm Maurer Franz Klierl das Anwesen Hsnr. 8 von seinem Vater. Am 09. September 1909 übernahm dessen Tochter Kreszenz Klierl mit Sebastian Knöferl das oben genannte Anwesen und am 27. Oktober 1940 die derzeitigen Besitzer Peter und Barbara Lutz, geborene Knöferl.
Im Jahre 1975 geht der oben genannte ehemalige Klosterbesitz an die Eheleute Bösenberg aus Ingolstadt über und 1979, lassen sie die Freskengemälde neu restaurieren.
 
Noch eine Geschichte aus der guten, alten Zeit.
In der guten, alten Zeit war es üblich, dass am Ostermontag die Burschen von allen Mädchen rote Eier bekamen. Dafür mussten die Burschen am Kranzltag (Fronleichnamssonntag) die Mädchen Zechfrei halten. Als ich beim Bachhuber in Thann war, sagte am Ostermontag mein Freund, der Hunna Wastl (er war 24 Jahre alt) zu mir, ob ich auch schon rote Eier bekommen habe. „Ja bei der Mutter daheim, habe ich schon a’ paar gekriegt“. Er darauf: „Ich meine von an Moid’l“.“ Wer wird scho an so an Rotzlöffi wie i bin, rote Eier geb’n“.“ Na gehst mit mir, na kriegst a’ a paar, kommst bis umma halba Zehni zu mir in Stall umi, na gehma“. Ich war pünktlich da.“ Wo fang ma denn glei o“, fragte er sich selbst. „Beim Fischerbauern drunt“, gab er sich selbst die Antwort. „Beim Fischerbauern drunt hat` im ersten Stock ein stilles Örtchen und weil die Grube dort groß genug ist, wird die selten entleert“. Das ist nun auch der Fall, in unserer Geschichte. Die Grube war randvoll und weil da niemand sonst hinkommt, lag über die Grube nur ein Brett. Weil eben die Kammerfenster der Fischerbauernmägde hinter dieser Grube lagen, blieb dem Wastl nichts anderes übrig, als entweder hinüber zu springen oder sich dem Brett anzuvertrauen. Umgehen konnte man die Grube nicht, weil der nachbarliche Grenzzaun heranreichte. Der Wastl, er ist der alte Feicht von Oberhofen, er lebt heute schon noch, hatte seine allerbeste Bauernmontur an, Zischmenstiefel mit Lackschäften und grünen Ziernähten dran, die geblümte Samtweste mit silbernen Guldenstücken als Knöpfe, eine Zwiekaißige Uhr mit Halskette und goldenem Schieber. Wenn man auf’ s rote Eier einbringen geht, muss man was vorstellen, meinte er. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. Die Grube schien dem Wastl zu breit. Er vertraute sich lieber für einen kurzen Augenblick dem Brett’l an. Ich lief davon, weil ich glaubte von oben kommt was herunter, es kam auch was. Ich hörte nur einen gurgelnden Laut, der Wastl war in die Grube gefallen, das Brett’l war abgebrochen. „Geh doch her und hilf ma raus“, jammerte er. Durch den Plumps spritzte der Dreck in die Höhe, so dass ich vermeinte von oben hätte einer auf uns herab­ge… ! Armer Wastl, mit roten Eiern war es für dieses mal aus.
 
Wir gingen nun zum Dorfweiher, der Wastl stieg gleich bis zur Brust ins Wasser, hernach setzte er sich auf einen alten Linden­wurzstock, ich zog ihm seine Zischmenstiefel aus und in Strumpf­socken ging er heim. Seine Lederhose, die geblümte Samtweste , die Zischmenstiefel mit den Lackschäften und der grünen Ziernaht, sowie die Zwiekaißige Uhr mit Halskette und goldenem Schieber, in den Joppentaschen, in den geblümten Westentaschen, die Hosentaschen waren dickgefüllt mit Latrine. Ob der Wastl jemals wieder auf’ s rote Eier einbringen gegangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Folgezeit sagte seine Mutter öfter: „I möcht nur wissen, wos bei uns herin a’ so stinkt“. Ob er ihr sein Geheimnis verraten hat, weiß ich nicht. Seine Lederhose hat ihm dann der Dandl von Riedenburg wieder so gut es ging hergerichtet, sie war ganz rot geworden, hat also die schwarze Farbe verloren, auch die grünen Ziernähte wurden rot und die Halskette schwarz, die Samtweste konnte er überhaupt nicht mehr gebrauchen und ich hatte dabei doch keine roten Eier gekriegt. So oft ich den Wastl sehe, fällt mir diese Geschichte ein und stelle mir vor wie er bis zum Hals in der Latrinengrube steckte.
Michael Schaumann
* 13.09.1890 + 14.10.1970
 
191 Seiten zuerst vom Deutschen ins Lateinische umgesetzt. Mit der Hand fertig geschrieben am 06.02.1992 um 13.00 Uhr Mit der Schreibmaschine am 19.04.1993 um 15.00 Uhr Martha Bichler, Altmühlmünster. Überarbeitet und digitalisiert von Maximilian Schels im Jahre 2007.
Herr Lehmeier Johann aus Deising hat Gott sei Dank von 1970 aus die Kirchengeschichte weiter geschrieben.
 
Bemerkenswert der mittelalterliche, romanische Klostertorturm im rechten Gemälde der bis zum Jahre 1586 dem alten Kloster – Konventbauxin besonderes Gepräge gab. Ein Kupferdruckstich von Josef, Anton Ertl Ende des 16. ten Jahrhunderts zeigt diesen Turm in der gleichen stilistisch, romanischen Bauweise.
Ein Beweis dafür, dass die gesamte Klosteranlage zwischen 1580/90 grundlegend verändert und erweitert wurde. Ein weiterer Beweis ist der imposante Stich von Michael Wening um 1700 der die Comenthur Altmühlmünster aus der gotischen Stilperiode veran­schaulicht.
In den wirren des dreißigjährigen Krieges hatte auch Altmühlmün­ster schwer zu leiden, die Klostergebäude wurden nach gründlicher Plünderung in Brand gelegt und zur Hälfte zerstört. Mündliche Überlieferungen zufolge, wurden die Konventbrüder bis auf einen der sich in der Kirche versteckt hielt, ermordet. 1639 brach die Pest aus, die wiederum Menschenleben forderte.
Weitere Freskengemälde aus der Johanniter- Klosterzeit zierten auch die ehemalige Klosterschänke, dass alte Wirtshaus Gerstner mit dem hl. Wendelin, dem hl. Simon und den hl. Michael. Das Malteserkreuz in der Mitte und eine Szene viehraubender, schwedischer Soldaten, vermutlich als sichtbare Erinnerung an den dreißigjährigen Krieg, vervollständigten diese Gruppe.
Für unsere Chronik.
Am Dienstag den 05. Juli 1965 kam in unsere Pfarrei Altmühlmün­ster, der Weihbischof Josef Hiltl aus Regensburg, zu einem kurzen Besuch in die Pfarrkirche. Es versammelten sich gegen 17.00 Uhr die Firmkinder der Pfarrei, die vormittags in Riedenburg gefirmt worden waren.
Ferner die Männer und Frauen und Kinder, die gerade anwesend waren um H. Herrn Weihbischof zu empfangen, der zehn Minuten nach 17.00 Uhr eintraf, begleitet von seinem Sekretär, dem Domvi­kar Spießl und dem H. Herrn Kammerer Fischer von Riedenburg. Der Bischof begrüßte die anwesenden Leute, vor allem Kirchenräte, den Bürgermeister, die alten Leute und die Kinder, gab den Kleinkindern den Segen auf die Stirne und zog dann in die Kirche ein. Mit einem Lied begrüßten alle den Bischof. eine kurze Be­grüßungsansprache durch H. Herrn Pfarrer Mulzer gab der Freude Ausdruck, dass wir heute den H. Herrn Weihbischof hier sehen dürfen. Ferner wurde ihm die Kirche kurz erklärt, was Alter und Einrichtung betrifft. Der Bischof antwortete mit einer kleinen Ansprache in der er die schmucke Kirche lobte, den Eifer der Gemeinde im Glauben und dass ein Kind ihm vor der Firmung eine treffliche Antwort gegeben habe….
An Manche teilte der Bischof Erinnerungszeichen in Form eines Bildes aus.
Mit dem Geläute der Glocken fuhr dann der Weihbischof weiter zur Pfarrei Mühlbach und in die Wallfahrtskirche Griesstetten, wo ihn ebenfalls eine kleine Gemeinde begrüßte und P. Magister eine Erklärung der Kirche gab. Die Pfarrgemeinde freute sich, auch einmal den Besuch des Bischofs Graber empfangen zu dürfen, der schon einmal geäußert hat, dass er gerne bei Gelegenheit das ehemalige Münster der Johanniter besuchen wolle.
Im Jahre 1966 wurde das Kirchenäußere der Pfarrkirche Altmühl­münster renoviert. Nach langen Verhandlungen konnte das Werk im August beginnen. Zuerst wurde alles mit Stahlgerüst eingerüstet, dann kam der alte Verputz herunter, der zu dick aufgetragen war und zuletzt wurde mit Sandstein – Löschkalk der neue Verputz aufgetragen, bis dann der Anstrich mit den Farben erfolgte in elfenbeinweiß.
Aus dem Leben der Pfarrei Altmühlmünster.
Das geistige Leben in der Pfarrei Altmühlmünster war in der Weih­nachtszeit reichhaltig.
In der heiligen Nacht war der Gottesdienst durch ein Vorspiel ausgezeichnet, dass durch 4 Jungmänner aufgeführt wurde. Es war ein Spiel auf die Denkweise der Jugend zugeschnitten. Der Grund­gedanke war: Vier junge Leute wollen die hl. Nacht einmal in der Natur erleben, sie begeben sich auf einen Berg der Umgebung, Roßkopf genannt und besprechen in ihrer Art Sinn und Geschehnisse der heiligen Nacht. Ein Höhepunkt war dabei, ein Adventsruf, den sie analog den alten Propheten selber dichteten und sangen. Die Christmette verlief in erhabener Art.
Nach Weihnachten gedachte die Gemeinde des 50-jährigen Mesnerjubi­läums, des Simon Greiner von Altmühlmünster. Ein Geschenkkorb wurde ihm überreicht, zusammen mit einem großen Bild, das ihn als Mesner vor der Kirche zeigt, die Kirchenschlüssel in der Hand.
In der Zeit nach Neujahr wird in der Pfarrei auch das Brauchtum der Sternsinger gepflegt, die von Haus zu Haus ziehen und singend von ihrem Gang nach Bethlehem erzählen. Die Gaben, die dabei gereicht werden, dienen in diesem Jahr wiederum dem Missionar Tratz in Südafrika.
Die Gottesdienste waren zahlreich besucht und viele feierten Kommunion.
Alle sind dankbar über den glücklichen Verlauf der Weihnachten 1968.
 
 
 
 
 
Nachruf.
Auf Wunsch unseres langjährigen und hochverdienten Kirchenpfle­gers, als auch 1. Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Altmühl­münster, Herrn Michael Schaumann versuche ich seine Chronik fort- zuschreiben so gut ich kann.
Es fällt mir nicht leicht einen so geistreichen als auch sprach- und schreibkundigen Mann wie den “Schaumannopa” zu kopieren. Als Verfasser der Geschichte über die Pfarrei Altmühlmünster, beste­hend aus den Ortschaften, Flügelsberg, St. Gregor und Laubhof, bis zum 31.12.1977 mit der politischen Gemeinde Meihern iden­tisch, kann ich sehr wohl beurteilen, dass solcher Art Aufzeich­nungen nicht nur als Fleißarbeit zu werten sind, vielmehr Ide­alismus und innere Beziehung zu unserer Geschichte ein solches Werk entstehen lassen können.
Für seine in mühseliger Kleinarbeit erstellte Chronik sollen von Ihm überaus großen Dank, als auch für seine Verdienste als Kirchenpfleger vom Jahre 1919 bis zum Januar 1966,
Deising am 01. Januar 1977 Johann Lehmeier
 
 
Ein altes Sprichwort sagt:” was lang dauert wird gut”.
Und so fange ich halt in Gottes Namen in der Hoffnung an, es dem Schaumann Opa gleich zu tun.
Die Zeitlücke in der Fortschreibung bitte ich zu entschuldigen. Meine Pflichten und Auslastung als letzter Bürgermeister der ehe­mals selbstständigen Gemeinden Meihern – Deising – Altmühlmün­ster, (zuletzt seit 1971 nur eine Gemeinde Namens Meihern) ließen es nicht zu, nahtlos weiterzuführen.
Über ein Jahrzehnt ist seit dem Ableben meines Vorgängers vergangen. Ich verwende also meine Erinnerung und sonstige noch vorhandene Unterlagen. Ich ersuche heute schon dieses Buch nicht auf einer Dachkammer oder sonst wo vergilben zu lassen, in diesem Sinne beschließe ich meine und meines Vorgängers Wünsche.
Neubau des Friedhofes.
Nach Abschluss der Außenrenovierungen der Pfarrkirche im Jahre 1966 folgte sodann der Neu- und Erweiterungsbau des bis dahin unzulänglichen Friedhofes. Das neu zu bauende Leichenhaus hatten die politischen Gemeinden Meihern und Altmühlmünster zu überneh­men. Besonders problematisch war hierbei die Verlegung von allen Gräbern in eine Neuanlage, insbesondere im unteren Friedhofsbe­reich. Dort bestanden größtenteils nur Einzelgrabstätten, welche zu Doppel, bzw. Familiengrabstätten zusammengelegt wurden. So mancher sollte deshalb das Grab des Nachbarn seinem Eigenem anverleiben, was aber wegen der Vielfalt der Umstände nicht ging, dass hierbei die vielen Meinungsverschiedenheiten in unschöne Streitereien ausarteten, sei nur am Rande vermerkt. H. Herr Pfarrer Mulzer, bekannt für seine Güte und Umsicht konnte schließlich die Ordnung wieder herstellen.
Als weiteres und nicht geringeres Problem erwies sich die Neuanlage des Friedhofes, sowie dem Platzmangel zum Leichenhaus­neubau an dessen Stelle bis dorthin das alte und baufällige Seelenhaus stand. Um Platz zu gewinnen wurde dieses kurzerhand abgebrochen. Von den Land- und Gastwirtseheleuten Hofbauer musste außerdem eine Teilfläche ihres Gemüsegartens dazu erworben werden.
Die neu gekaufte Fläche ist 145 groß und kostete 1.220.00 DM. Die größte Fläche des oberen Friedhofes aber stellte Frau Gertrud Prelop unentgeltlich zur Verfügung. Der edlen Stifterin gebührt daher unser besonderer Dank, Gott vergelt’s Ihr.’
Das größte Problem aber lag in der Aufbringung der Finanzmittel für das gesamte Bauvorhaben, da erst im Jahre 1966 die Pfarrkir­che außen renoviert wurde und Rücklagen so gut wie keine vorhan­den waren. Einerseits kein Geld, andererseits kein Platz für neue Gräber. Allerorts wurde der Münsterer Friedhof besonders bei Ortsbesichtigungen als Schandfleck der Pfarrei bezeichnet. Die meisten Grabsteine hatten nach allen Seiten hin Schlagseite wie ein Haufen Betrunkener, einige fielen sogar um. Die Baufirma Max Templer aus Zell unterbreitete uns ein Kostenangebot von rund 80.000.00 DM (achtzigtausend Deutsche Mark) für das geplante Bauvorhaben. Zu Tode erschrocken über eine so hohe Summe mussten wir passen. Woher das viele Geld nehmen ohne zu stehlen, wurde allgemein gesagt.
 
 Zu warten ins Ungewisse ging auch nicht, so machten wir aus der Not eine Tugend. Nach vielem Hin und Her, wenn und aber, griffen wir zur Selbsthilfe, das heißt, die Maßnah­me kann nun mittels Hand- und Spanndiensten durchgeführt werden. Mehrere Versammlungen waren notwendig um alle unter einen Hut zu bringen. Herr Pfarrer Mulzer war zu dieser Zeit schon sehr krank, ich entschloss mich daher zusammen mit meinem Spezl. Max Gerstner aus Deising, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
Als Baufach­leute besaßen wir genügend Erfahrung das geplante durchzuführen.
Darüber hinaus bekleidete ich das Amt des 1. Bürgermeisters der Gemeinde Meihern, zusammen mit dem 1. Bürgermeister der damaligen Gemeinde Altmühlmünster, Herrn Konrad Kürzinger, Laubhof, setzten wir Prioritäten. Drei Wochen hindurch rannte ich in der Pfarrei von Haus zu Haus um die Arbeitstrupps für die jeweiligen Arbeiten einzuteilen. Dabei passierte es öfters, wenn ich rechtzeitig bemerkt wurde, dass sich verschiedene Leute versteckten oder die Haustüre zusperrten um so einem Arbeitseinsatz zu entgehen. An Grobheiten hat es auch nicht gefehlt welche ich anzuhören hatte. Das nur am Rande, ich kannte ja alle meine Pappenheimer und bin selbst nicht auf den Mund gefallen.
Mit Pickel und Schaufel, Schlepper und Wagen rückten die Leute an. Das Mauerwerk des baufälligen Seelenhauses, sowie der gesamte Erdabtrag im Leichenhausbereich, als auch der Erdaushub für die Gräberfundamente, nebst alter Friedhofsmauer, mussten per Schlepper größtenteils über die angrenzenden Gärten Prelop und Schnabel nach Meihern abtransportiert werden.
Eine spürbare Erleichterung bei diesen enormen Erdbewegungen war der Seilbagger vom Sommer Sepp aus Meihern. Sozusagen für ein Trinkgeld stellte er seine Maschine und sich selbst in den Dienst der Allgemeinheit.
Beton und Mauerwerksarbeiten im Leichenhausbereich als auch die neue Friedhofsmauer mit Grabsteinfundamenten wurden von den Pfarr­angehörigen in selbstloser Weise und ohne jedwede finanzielle Entschädigung zur vollsten Zufriedenheit des Architekten Walter Mayr, Dietfurt, durchgeführt. Der eingesparte Arbeitslohn beim Friedhofsbau also kann Summa Summarum mit 25.000.00 DM beziffert werden. Natürlich entstanden auch einige Unkosten für die freiwilligen Arbeitsleistungen, in Form von Freibier, so an die 2 Maß wurden pro Mann und Tag ausgegeben. Besonders Durstige welche mit dem gereichten Quantum nicht auskamen, deckten ihren Mehrbedarf aus eigener Tasche. Heute zehn Jahre danach darf ich festhalten, dass trotz steigendem Wohlstand eine gleichgroße Maßnahme zugunsten des Allgemeinwohls wohl kaum mehr zustande käme. Darum dürfen wir mit Stolz auf unser Generationswerk verweisen und die nach folgenden Generationen bitten an uns Vorbild zunehmen.
Die Gesamtkosten für den Friedhof ohne Leichenhaus betragen sich laut Schlussrechnung auf 59.545.73 DM.
Zu erwähnen sei noch die St. Anna Kapelle aus dem 17. Jahrhun­dert, diese stand an der östlichen Friedhofsmauer zum Anwesen Bichler hin. Im Jahre 1918 wurde sie zu einer Kriegergedächtnis­kapelle ausgestaltet. Diese Kapelle war ein einfacher Bau ohne besonderen historischen Wert. Bei starken Regengüssen und Schneeschmelze lief das Wasser in das Kapelleninnere. Wegen starker Baufälligkeit und somit anstehender Renovierung haben wir sie kurzerhand abgebrochen. Das Landesamt für Denkmalpflege, wie auch das bischöfliche Ordinariat haben den Kapellenabbruch, noch dazu ohne Genehmigung der zuständigen Behörden als grobe und gesetz­eswidrige Tat bezeichnet, schon deshalb weil wir das alte Seelen-und Gebeinhaus wo heute das Leichenhaus steht, gleichfalls ohne behördliche Genehmigung abgebrochen hatten.
Man wollte den Kirchenausschuss welchen ich auch angehörte sogar regresspflichtig machen, insbesondere Herrn Pfarrer Mulzer als Ausschussvorsitzenden hat man in die Mangel genommen und Ungehor­sam als Amtsperson zum Vorwurf gemacht. Freilich konnte unser Vorhaben auch nicht verhindern und darf hier das Sprichwort zi­tieren: Wo rohe Kräfte sinnlos walten kann sich kein Amtsschimmel halten!
Heute zehn Jahre danach schon habe ich eine andere Meinung, ging mit dem Abbruch doch ein Stück Geschichte verloren. Vorübergehend waren die Gedenktafeln für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrie­ges im neu erbauten Leichenhaus untergebracht, aus Gründen der Pietät unseren Gefallenen gegenüber fanden wir diese Lösung als ehrverletzend, die Gedenktafeln standen nämlich am Boden des Leichenhauses und wurden ständig hin- und her geschoben, was verständlicherweise den Unmut Aller hervorgerufen hat. Nach langem Hin und Her und in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Krieger und Soldatenverein wurde schließlich ein würdiger Platz für unsere Toten der beiden Weltkriege gefunden. Rechts am Haupteingang ins Pfarrhaus und in einer Mauernische versenkt befindet sich heute die Kriegergedächtnisstätte. Vordem war in besagter Nische ein Missionskreuz welches an der Friedhofsmauer im oberen Friedhof aufgestellt wurde. Auch zu diesem Vorhaben musste eine baurechtliche Genehmigung eingebracht werden, was auch tunlichst befolgt wurde, im Gegensatz zu den umseitig beschrie­benen Abbrüchen. Die Kosten für das neue Kriegerdenkmal hat der Krieger- und Soldatenverein aufgebracht, dabei erwarb sich der Vorstand Johann Bachhuber aus Meihern (Gaukler Hans) besondere Verdienste.
Mit Gottes Hilfe dürfen wir hoffen keinen dritten Völkerkrieg erleben zu müssen.
Nachtrag zum Leichenhausbau.
An der Außenwand des Seelen- und Gebeinhauses (erbaut im 17. Jahrhundert) befand sich ein wertvolles Steinrelief aus Sandstein, gleichfalls aus der Stilperiode des 17. Jahrhunderts, Es stellt eine Kreuzigungsgruppe dar.
Vor Unterbringung derselben im neu erbauten Leichenhaus sollte es renoviert werden, man scheute aber die Renovierungskosten in Höhe von 8.000.00 DM. Ich meine, diese 8.000.00 DM hätten wir auch noch erbracht.
Berichtigung:
Das Relief der Kreuzigung Christi aus Sandstein wird schon um 1460 erwähnt.
“Aus Kunstdenkmäler” Oberpfalz und Regensburg 1908.
Unser Friedhof.
Wie viele Generationen und Geschlechter mögen dort im Wandel der Gezeiten die letzte Ruhe gefunden haben? Und wie viele werden sie dort noch finden? Wir sind nur Sachverwalter allen Irdischen für kurze Zeit! In früheren Jahren und Zeiten sagte man zu Friedhöfen Gottesacker, auch Freidhof, also ein Ort der Freude. Es berührt ja auch keine andere Stätte nach dem Gotteshaus so tief und nach­haltig das Herz eines jeden fühlenden Menschen wie der Friedhof. Fragen wir uns zunächst was unsere Grabdenkmäler ausdrücken wollen und bedeuten sollen. Die Grabdenkmäler überhaupt sollen einmal den Schmerz der Angehörigen über den Verlust eines teuren Dahingeschiedenen und über die Trennung von ihm ausdrücken. Aber gerade auf dem Friedhof schafft unser Christusglaube einen schroffen Gegensatz zum Heidentum, dem der Tod ein trauriger Gang aus der Welt des Lichtes in den Schatten der Finsternis, aus Genuss, Freude und Reichtum in ein düsteres Land der Trostlosig­keit und der Trauer war. Auf heidnischen Grabmälern findet man wenig trostvolle Inschriften, nur Klage und Schmerz.
Meistens häufen sich Ausdrücke wie: Hier ruht des Lichtes beraubt, hier liegt in Finsternis, im Dunkel. Wir aber kranken nicht an jener Hoffnungslosigkeit die kein Jenseits kennt und kein Wiedersehen. Schon die Christen der Katakomben haben auf ihre Grabdenkmäler die Worte wie: Hier ruht in Frieden, im Lichte, in Gott usw. eingetragen. So sollen auch unsere Toten Stätten der Hoffnung Raum geben, dass wir uns im Jenseits wieder sehen, auf unseren Friedhöfen und im Augenblick unserer Grabmäler soll die warme Herzensstimmung eines stillen, gottergebenen Schmerzes treuen Gedenkens und zuversicht­lichen Hoffens hersehen. Betrete ich unseren Friedhof, so fällt mir vor allem etwas auf. Ein jeder, ob arm oder reich hat seinen Stein. Früher war das anders als noch schmiedeiserne, zum Teil auch in Holz geschnitzte Grabdenkmäler die überzahl hatten. Mit dem Friedhofsneu- und Erweiterungsbau sind diese ganz verschwunden. Kreisheimatpfleger Theo Bayer, aus Dietfurt, meinte nach Fertigstellung desselben, wir hätten eine Steinwüste gebaut, seiner Meinung nach hätten wir nur einfache Grabhügel mit viel Grün anlegen sollen, was aber wegen der bekannten Platznot nicht ging, sowie auch aus Gründen der Pflege einer solchen Anlage. Entgegen seiner Ansicht haben wir im Blumen- und Gartenschmuck­wettbewerb des ehemaligen Landkreises Riedenburg im Jahre 1970 den ersten Preis: für den Friedhof in Altmühlmünster erringen können.
 Seit Auflösung des Landkreises Riedenburg bzw. Einkreisung zum Kreis Kelheim im Jahre 1972 hat es bisher keinen solchen Wettbe­werb mehr gegeben. Schade. Unserem ehemaligen Landrat Franz Lang, Riedenburg, heute noch herzlichen Dank für seine Initiative um einen von Ihm geschaffenen und einem der schönsten ehemaligen Landkreise im Lande Bayern.
Deising am 24. Februar 1979
Beitrag zur Baugeschichte.
In Weiterführung und Ergänzung zur Kirchenbaugeschichte wäre der Einbau einer Kirchenheizung, sowie die Vollendung des oberen Friedhofes nachzutragen.
Zunächst aber mussten die Restschulden des Friedhofserweiterungs­baues getilgt werden, bevor man die genannten Maßnahmen realisie­ren konnte. Die lange Krankheit durch ein schweres Kriegsleiden bedingt und das schnelle und unverhoffte Ableben von H. Herrn Pfarrer Mulzer im Jahre 1970 ließen darüber hinaus eine Verzö­gerung der anstehenden Maßnahmen eintreten. Die Pfarrei ist während dieser Zeit vom H. Herrn Geistlichen Rat Franz, Xaver Schmid aus Beilngries seelsorgerisch betreut worden.
Mit Wirkung vom 01.07.1970 wurde die Pfarrei vom Direktor des Franziskanerklosters Dietfurt, H. Herr Pater Werinhard Zimmerer betreut. Pater Zimmerer betreute zugleich die Pfarrei Mühlbach, sowie Griesstetten, eine Filiale von Altmühlmünster. Während seiner Wirkungszeit bis 30.09.1976 in Altmühlmünster konnten also obige Maßnahmen realisiert werden. Die Kirchenhei­zung verursachte einen Kostenaufwand von über 30.000.00 DM, die Vollendung und Fertigstellung des oberen Friedhofes 10.000.00 DM. Eine Leistung also die sich sehen lassen kann und Respekt verdient zumal die Kirche kein eigenes Einkommen hat, außer Opfergelder, Spenden und ein paar Mark Wiesenpachtzins. Vor Einbau der Kirchenheizung (die Kosten waren bekannt) fragte ich gelegentlich einmal H. Herrn Geistl. Rat Schmid (zu dem pflegte ich auch noch seiner Zeit in Altmühlmünster, längere Zeit Kontakte in Sachen Heimatforschung) was er denn von einer, so teueren Kirchenheizung hielte.“ Oh mein,  Bürgermeister, sagte er, das ist rausgeschmissenes Geld, eine kurze Kirche (Gottesdienst) wäre da viel besser. Außerdem kann das Heizöl auch teurer werden und damit hatte er Recht, damals kostete der Liter Heizöl 15 Pfennig, heute über 50 Pfennig. Ein echtes Original war er schon der Herr Geistliche Rat, mit seinem Goggomobil fuhr er jeden Sonntag und auch wochentags von Beiln­gries nach Altmühlmünster um Gottesdienste abzuhalten.
 
Seine Sonntags  Kurz- Kirchen, sie dauerten keine halbe Stunde, fanden bei den männlichen Kirchgängern insbesondere bei den Frühschopplern sehr großen Anklang, im Gegensatz zu den weiblichen. Fürwahr: Bei dieser Sachlage hatte es keiner Kirchenheizung bedurft. In dieser Zeit wurden auch die Kirchenstühle gepolstert, sowie die Orgel erneuert.
Deising 12. August 1979
Nachdem schon im Jahre 1965 das altherkömmliche Läuten der drei Glocken mit Hanfseilen auf Elektrobetrieb umgestellt wurde, ist nunmehr auch das tägliche Uhraufziehen von der Technik eingeholt worden.
Für den alten Mesner Sixtus Mayer sicher eine große Entlastung, tagtäglich musste er den beschwerlichen Weg über die Treppen hoch zum Uhrwerk steigen um dieses aufzuziehen. Seit Februar 1980 ist die Anlage ebenfalls auf Elektrobetrieb umgestellt. Gleichzeitig wurden auch die drei Zifferblätter renoviert. Die Kosten betrugen rund 12.000.00 DM.
Dezember 1980
Spenden eines Jahres für neuen Hochaltar.
So lautet die Überschrift in der Lokalausgabe unserer Heimatzei­tung der Donau Kurier vom April 1961. Zwanzig Jahre also sind es schon seit den umfangreichen Renovierungsarbeiten im Inneren unserer Pfarrkirche. Von einem gelungenen Werk, wie es damals hieß, kann heute nach über zwei Jahrzehnten wohl kaum die Rede mehr sein. Im Gegenteil, noch heute ist der größte Teil aller Pfarran­gehörigen der Meinung, dass die Kirche vor der Renovierung viel schöner gewesen ist. Der gotische Hochaltar sowie die zwei vorderen barocken Seitenaltäre wurden damals entfernt. Es steht mir gewiss nicht zu, die Entscheidung unseres damaligen H. Herrn Pfarrers Friedrich Nagl im nach hinein zu kritisieren, wohl aber die Kirchengeschichtlichen und Baulichen Veränderungen niederzu­schreiben schon der nachfolgenden Generation wegen. Es sind also historische Gründe weshalb ich nach so langer Zeit und reiflicher Überlegung auf die damaligen Vorgänge eingehen möchte.
Wie immer bei allen Kirchenrenovierungen standen auch in der Pfarrkirche die Planungs- und Entwurfsarbeiten unter Leitwirkung des Bayr. Landesamts für Denkmalspflege, sowie der beiden Kir­chenmaler Preiß aus Parsberg und Lauterbach von Regensburg im Vorder­grund. Die Kirchenverwaltung selbst hatte so gut wie überhaupt kein Mitspracherecht, dafür sorgte schon Herr Pfarrer Nagl, bekannt wegen seiner autoritären Einstellung. Der Anfang dieser damals gepriesenen Kirchenentrümpelung war also gemacht. Was dabei herauskam ist sichtbar und führt heute noch manchmal zu hitzigen Debatten. Und nun zum eigentlichen Vorgang, wobei eine kurze Darstellung über das frühere Aussehen des Kircheninnern bezüglich der ent­fernten Altäre vonnöten scheint.
Beschreibung:
Ursprünglich eine romanische Anlage, im 15. Jahrhundert (1586) erfolgt unter dem gelehrten Commenthur Johannes Myridius eine Erweiterung und Restaurierung der Klosterniederlassung, dabei wurde die Kirche mit gotischem Chor Altarraum), Sakristei und zwei Seitenkapellen ausgestattet.
Im Jahre 1677 Neuerrichtung des Hochaltares (Beschreibung fehlt) welcher im Jahr 1887 wegen völliger Baufälligkeit durch den von Herrn Pfarrer Weiß beschafften und von Pfarrer Friedrich Nagl 1960 entfernten, ersetzt wurde. Ich gehe davon aus, dass damals (1887) das gotische Presbitorium den Ausschlag für die Beschaffung eines ebenfalls gotischen Hochaltares gegeben hat und somit eine harmonische Einheit das Chor- und Altarraumes hergestellt wurde. Unverständlich also weshalb dieser schöne neugotische Hochaltar mit seinen aufwärts strebenden Säulen und Türmchen, verziert mit vielen Kreuzblumen aus Holz, Krabben und sonstigen Schnitzwerk, einem zeitgemäßen Altarblatt weichen musste. Sein eleganter Aufbau bis in Höhe der gotischen Spitzbogenfenster, gab der Kirche ein wirklich imposantes und stattliches Aussehen. Schade dass er abgebrochen und verbrannt wurde.
Die Alleinverantwortung hierfür muss einzig Herrn Pfarrer Nagl angelastet werden, da nur sein Werk (neues Altarblatt) Geltung haben sollte. Das einzige was von diesem schönen Altar übrig blieb ist die St. Johannes Figur in der Mittelnische des jetzigen Altarblattes, welches das Leben des hl. Johannes darstellt. Als weitere Folge der Umgestaltung erfolgte ebenfalls die Entfer­nung der beiden vorderen Seitenaltäre. Diese barocken, kunsthis­torisch sehr wertvollen Altäre waren ganz in Holz geschnitzt und sind nach einer Anmerkung in” Kunstdenkmäler Bayerns” samt Figuren ins 17. Jahrhundert zu setzen. Bis dahin zierten die Kirche die damals nach erhaltenen mittelalterlichen Schrein- Al­täre. In den Malteserordens Literaturen um 1680 werden diese als “ganz schlecht und altfränkisch gemacht”, bezeichnet. Wie schon vermerkt sollte nur mehr das neue Altarblatt Mittelpunkt der Kirche sein und den Blick eines jeden Kirchenbesuchers auf sich ziehen. Aus diesem Grund, es gibt keinen anderen, hat man eben die viel schöneren und wertvolleren Seitenaltäre aus der Kirche entfernt. Einer davon wurde an die Kirche nach Willenhofen bei Parsberg verschachert, wo er die dortige Kirche als Hochaltar ziert. Der andere an die Kirche in Hohenschambach bei Hemau. Vermutlich hatte damit der Kirchenmaler Preiß aus Parsberg zu tun, er wohnt ja in der dortigen Gegend. Was uns mit dieser Reno­vierung verblieben ist, ist eine leere Kirche.
Deising, am 20.01.1980
Dekanatswallfahrt 1981.                                                               
Die siebte Dekanatswallfahrt des Dekanats – Riedenburg fand in diesem Jahr am 20. September 1981 statt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto und Leitwort des Eucharistischen Weltkongresses. “Jesus Christus, das Brot, gebrochen für eine neue Welt”.
Über 2000 Gläubige des Dekanats Riedenburg beteiligten sich an der diesjährigen Wallfahrt nach Altmühlmünster. Mit zahlreichen Bussen wurden die Wallfahrer aus dem Dekanat nach Meihern gebracht, von dort aus pilgerten sie in einer Prozession betend und singend zum Zielort Altmühlmünster. Auch zahlreiche Priester und Ordensschwestern waren im Zuge zu sehen. Am Freialtar vor dem Pfarrhof hielt der Männerseelsorger der Diözese Regensburg,
Domkapitular Prälat Alois Reindl die Festpredigt sowie den Gottesdienst in Konzelebration mit seinen Amtsbrüdern aus dem Dekanat Riedenburg. Um allen Gläubigen die Möglichkeit zu geben, an der Wallfahrt teilzunehmen, wurden von allen Pfarreien aus Bus­linien eingerichtet.
Pfarrer Dietmar Schindler, sein Pfarrgemeinderat und die Kirchen­verwaltung hatten beschlossen, den Erlös der Kollekte für die Polenhilfe zur Verfügung zu stellen. Gespendet wurden 1972.50 DM.
Auszug aus der Festpredigt.
Festprediger Domkapitular Reindl überbrachte Eingangs die Segenswünsche des Apostolischen Administrators der Diözese Regensburg, Altbischof Rudolf Graber und der Weihbischöfe. Die Pilger machte der Prälat darauf aufmerksam, dass das Motto der Dekanatswallfahrt Thema des 42. Eucharistischen Weltkongresses in Lourdes im Juli gewesen sei. Reindl: „Auch in die heutige Wallfahrt nehmen wir diese Wahrheit hinein, um sie wieder neu zu erfahren und zu lieben, denn unser Glaube lebt aus dem Zeugnis. Niemand anderes als wir sind es die diese neue Zeit und die neue Welt darstellen sollen!
Als weitere Gedanken führte der Festprediger an!
“Gott ist bei uns – Gott wirkt in dieser Welt – Gott liebt unsere Zeit”. Prälat Reindl verwies auf das Johannesevangelium. Es lade dazu ein, das Wort für uns ernst zu nehmen, der Vater solle in uns Platz finden und wir in ihm sein, damit wir aus dem Geist heraus, der Welt ein neues Gesicht der Wahrheit und der Gerechtigkeit, der Liebe und der Barmherzigkeit geben. Die trennenden Linien zwischen den Menschen, gezogen von Neid, Geiz und Hartherzigkeit, geprägt von Versuchung und Verführung sollten ausgelöscht werden, so wie auch wir beten, dass der Eiserne Vorhang, der unser Vater­land, der unser ganzes Europa zerteilt, durchlässig und letztlich beseitigt wird.
Die hl. Eucharistie, so fuhr der Prediger fort, soll uns die Augen für die Wahrheit öffnen, damit Jesus inmitten unserer Zeit gegenwärtig wird – jetzt auf diesem Platz, wenn wir Priester in seinem Auftrag die großen Worte sprechen dürfen: “Das ist mein Leib, das ist mein Blut….”.
Prälat Reindl formulierte dann die Bitten an Gott, die den Menschen von heute bewegen, in einer Welt und Zeit voller Bruta­lität, Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit. Das Zwiegespräch mit Gott gebe die Kraft, durch diesen zu wirken, die Antworten auf die Probleme unserer Zeit zu finden. Reindl: “Wir sind es die den Hungrigen helfen müssen, damit sie einen Weg der Hoffnung finden. So verstehen wir das Thema: Jesus Christus, das Brot gebrochen, für eine neue Welt“!
Der feierliche Gottesdienst wie auch die Festpredigt, von der ich nur auszugsweise berichtete, wurde von allen Anwesenden sehr nachhaltig aufgenommen. Umrahmt wurde dieses Erlebnis von der Mühlbacher Blaskapelle.
Erster Dekanatsvorsitzender Franz Krupka aus Mendorf dankte nach dem Gottesdienst besonders dem Festprediger, den Geistlichen, den Ordensschwestern, sowie allen Gläubigen für die zahlreiche Beteiligung an dieser 7. Dekanatswallfahrt. Im Namen des Pfarr­gemeinderates und der Kirchenverwaltung Altmühlmünster lud er die Geistlichen zu einer kleinen Stärkung ins Gasthaus Gerstner. In beiden Gaststätten herrschte Hochbetrieb, zumal der liebe Pe­trus das anfänglich schlechte Wetter in Sonnenschein umwandelte,Deising am 28, September 1981.
 
 

Der Schaumann Opa in Altmühlmünster.